petSpot
enpevetenpevita

Pferd: Kehlkopfpfeifen

Allgemeines

Weitere Bezeichnungen: Kehlkopflähmung, Hemiplegia laryngeus recurrens, Stimmbandlähmung

Kehlkopfpfeifen ist eine meistens angeborene Erkrankung des Kehlkopfs, die zu einem Geräusch beim Einatmen des Pferdes führt. Dieses Geräusch tritt erst während der Arbeit auf, wenn sich die Pferde also anstrengen. Am besten hört man es bei ausgebundenen oder im Genick eng eingestellten Pferden. Kehlkopfpfeifen tritt überwiegend bei großen Wallachen und Hengsten auf. Meistens wird das Geräusch zuerst in einem Alter von drei bis vier Jahren wahrgenommen. Kehlkopfpfeifen zählte vor der Reform des Verkaufsrechts zu den Gewährsmängeln.

Zum besseren Verständnis der Erkrankung soll zunächst der Aufbau und die Funktion des Kehlkopfes betrachtet werden:

Der Kehlkopf liegt am oberen Ende der Luftröhre. Er besteht aus verschiedenen Knorpelstücken, die mit einer Schleimhaut überzogen sind und eine Art verschließbare Röhre formen. Die Knorpel sind durch Bänder und Muskel beweglich miteinander verbunden. Beim Einatmen werden die Knorpel durch die Muskeln so auseinandergezogen, dass der Kehlkopf geöffnet ist und die Luft ungehindert in die Luftröhre strömen kann. Zwei dieser Knorpel, die beiden Stellknorpel, sind an je einer Schleimhautfalte, der so genannten Stimmtasche befestigt. Im Rand der Stimmtasche verläuft das Stimmband. Es sorgt durch Vibration für den Ton beim Wiehern. Wenn die Stellknorpel beim Einatmen aufgezogen werden, spannen sich automatisch auch die Stimmbänder.

Beim Schluckvorgang läuft das genaue Gegenteil ab: Wenn das Pferd Speichel oder Futter in die Speiseröhre abschluckt, verschließen die Kehlkopfknorpel, insbesondere der Kehldeckel, den Eingang in die Luftröhre. So können keine Fremdkörper in die Luftröhre gelangen.

Ursachen

Die Ursache für das Kehlkopfpfeifen liegt in den allermeisten Fällen in einer Lähmung des linken Stimmbandes. Wenn das Pferd einatmet, schlottert das schlaffe Stimmband im Luftzug und erzeugt so das Geräusch.

Abb. GR6JCEJ1
Abb. GR6JCEJ1: Kehlkopf.
Abbildung A zeigt die Aufsicht auf einen gesunden Kehlkopf beim Einatmen. Auf Abbildung B hängt der linke, gelähmte Stellknorpel und das Stimmband ist schlaff.

Wie kommt es zu der Stimmbandlähmung? Beim Kehlkopfpfeifer ist der Nerv, der den Aufziehmuskel des linken Stellknorpels versorgt, geschädigt. Er heißt Nervus laryngeus recurrens sinister. Wahrscheinlich erfolgt die Schädigung bereits ganz früh in der Entwicklung des Fohlens. Durch diese Nervenschädigung ist der linke Aufziehmuskel gelähmt. Der linke Stellknorpel kann beim Einatmen nicht aufgezogen werden und das Stimmband bleibt schlaff. Daher schlottert es beim Einatmen und erzeugt das Geräusch.

Die genaue Ursache der Nervenschädigung ist noch nicht bekannt, verschiedene Faktoren scheinen aber das Entstehen zu begünstigen:

  • Veranlagung: Große, langhalsige, männliche Pferde sind häufiger Kehlkopfpfeifer.
  • Anatomie: Der linke Nerv ist sehr lang. Er entspringt im Gehirn, zieht bis zum Herzen und wieder zurück zum Kehlkopf. Auf seinem Weg kann er an vielen Stellen gequetscht oder anderweitig beeinträchtigt werden.
  • Verletzungen im Bereich des Kehlkopfes oder des Nerven.
  • Erkrankungen wie Druse, Luftsackerkrankungen u.a.

Schädigungen der rechten Seite oder beider Seiten treten sehr selten auf. Sie werden z.B. durch Abszesse, Tumoren oder Verletzungen verursacht.

Leitsymptom

Atemgeräusch

Symptome

Kehlkopfpfeifen äußert sich in einem schnarchend pfeifenden Atemgeräusch, das nur beim Einatmen unter Belastung auftritt. Nur in sehr schweren Fällen können die Pferde auch Atemnot bekommen und Leistungsschwäche zeigen.

Diagnose

Mithilfe folgender Untersuchungsverfahren kann Kehlkopfpfeifen diagnostiziert werden:

  • Allgemeinuntersuchung zum Ausschluss von Infektionserkrankungen
  • Abtasten des Kehlkopfes: In einigen Fällen kann eine Asymmetrie der Stellknorpel fühlbar sein
  • Beurteilung der Atemgeräusche in Ruhe
  • Beurteilung der Atemgeräusche in der Bewegung am ausgebundenen oder gerittenen Pferd
  • Endoskopie zum endgültigen Nachweis des gelähmten Stellknorpels. Die Endoskopie kann auch in einigen Pferdekliniken auf einem Laufband erfolgen, um die typischen Befunde während der Belastung zu dokumentieren. Es gibt auch Endoskope, die so am Pferd angebracht werden, dass es damit geritten werden kann.

Abb. GR6JN0L9
Abb. GR6JN0L9: Kehlkopfpfeifer.
Dieses Endoskopiebild zeigt die Aufsicht auf den geöffneten Kehlkopf. Der im Bild rechts zu sehende Stellknorpel ist aus Sicht des Pferdes der linke. Er wird nicht so weit aufgezogen wie der rechte Stellknorpel (im Bild links). Unterhalb der Knorpel erkennt man die Stimmtaschen.

Behandlung

Ein Kehlkopfpfeifer kann nicht geheilt werden, die Behandlung der Symptome ist jedoch möglich. Allerdings ist eine Behandlung meistens nur operativ möglich. Dazu haben sich verschiedene Methoden etabliert, die z.T. auch kombiniert angewendet werden.

  • Laryngoplastik: Bei dieser Operationsmethode wird der hängende Stellknorpel nach oben gezogen und mit einem Faden dauerhaft fixiert. Wichtig ist, dass der Knorpel nach der Operation in mittlerer Stellung steht. Wird der Knorpel zu weit aufgezogen, kann der Kehlkopf beim Schlucken nicht mehr richtig schließen und es besteht die Gefahr, dass Futter und Speichel in die Luftröhre laufen und dort zu einer ständigen Entzündung führen.
  • Stimmtaschenresektion: Hierbei wird die Schleimhaut der Stimmtasche entfernt. Bei der Heilung soll das Stimmband an der Wand anwachsen und damit nicht mehr schlottern.

In den meisten Fällen erzielt man die besten Resultate mit einer Kombination aus beiden Operationstechniken. Die Vorgehensweise muss sich aber an den Befunden orientieren.

Nach der Operation brauchen die Pferde bis zu 8 Wochen Pause. Es empfiehlt sich eine endoskopische Nachkontrolle, bevor wieder mit dem Training begonnen wird.

Prognose

Durch eine kombinierte Operation (Laryngoplastik und Stimmtaschenresektion) werden bei 80% der Pferde die Symptome erfolgreich beseitigt. In 5% der Fälle tritt der bereits oben beschriebene Fall auf, dass der Kehlkopf beim Schlucken nicht mehr richtig schließt. In diesen Fällen kann häufig eine erneute Operation Abhilfe schaffen.

Vorbeugung

Die Anlage zum Kehlkopfpfeifen wird vererbt. Daher sollten betroffene Pferde nicht zur Zucht verwendet werden.

Stand: 18.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
Jetzt mitdiskutieren!
22.05.2013: Hermes
Hallo Pferdefreunde.

der Artikel erklärt super, woher der Ton kommt und was machbar ist?

Ist es für das Pferd eigentlich unangenehm, oder operiert man nur, weil wir den Ton als störend empfinden?

LG

Das von der enpevet GmbH bereitgestellte Informationsangebot ist ausschließlich zu Informationszwecken bestimmt und ersetzt in keinem Falle eine persönliche Beratung, Untersuchung oder Diagnose durch einen Tierarzt. Die Informationen dienen also der Ergänzung des Dialogs zwischen Tierhalter und Tierarzt, sie können den Tierarztbesuch in keinem Falle ersetzen. enpevet® fordert alle Benutzer, deren Tiere Gesundheitsproblemen haben dazu auf, im Bedarfsfall immer einen Tierarzt aufzusuchen. Wenn Sie bezüglich der Gesundheit Ihres Tieres Fragen haben, raten wir Ihnen, sich an den Tierarzt Ihres Vertrauens zu wenden, anstatt Behandlungen eigenständig zu beginnen, zu verändern oder abzusetzen. Der Inhalt von enpevet® kann und darf nicht für die Erstellung eigenständiger Diagnosen oder für die Auswahl und Anwendung von Behandlungsmethoden verwendet werden.