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Pferd: Influenza

Allgemeines

Weitere Bezeichnungen: Pferdegrippe, Ansteckender Pferdehusten, Hoppegartener Husten, Rennbahnhusten

Influenza ist eine sehr ansteckende Erkrankung der oberen und tiefen Atemwege, die durch das Influenzavirus des Pferdes ausgelöst wird.

Zum besseren Verständnis der Erkrankung soll hier der Aufbau der Atemwege einmal kurz erklärt werden:

Die sauerstoffreiche Atemluft strömt durch Nüstern, Rachen und Kehlkopf in die Luftröhre. Diese spaltet sich im Brustraum in die zwei Hauptbronchien auf. Im weiteren Verlauf verzweigen sich die Hauptbronchien wie die Äste eines Baumes immer weiter. Zunächst spalten sich die Hauptbronchien in die kleinen Bronchien auf und diese dann in die noch kleineren Bronchiolen. Die Bronchiolen münden in den Lungenbläschen, in denen der Gasaustausch stattfindet: Das sauerstoffarme Blut gibt Kohlendioxid (CO2) in die Atemluft ab und nimmt wieder Sauerstoff auf. Zwischen den Lungenbläschen befindet sich Bindegewebe, das eine Art Gerüst für die Lungenbläschen darstellt.

Luftröhre, Bronchien und Bronchiolen verfügen über verschiedene Mechanismen, mit der Atemluft eingedrungene Fremdkörper wieder zu beseitigen. Man nennt dies auch die Selbstreinigung oder Clearance der Atemwege:

  • Sie sind von einer Schleimhaut ausgekleidet. Diese trägt kleine, bewegliche Härchen, das so genannte Flimmerepithel, das Fremdstoffe mit einer Art Wellenschlag wieder nach draußen befördert.
  • Die Schleimhaut produziert flüssigen Schleim, auf dem die Fremdstoffe nach draußen „schwimmen“.
  • Die Atemwege sind von Muskulatur umgeben, die sich bei Reizung der Schleimhaut zusammenzieht. Dies löst Husten aus. So werden Fremdstoffe ausgehustet. Die Bronchiolen können sich außerdem so stark zusammenziehen, dass ihr Durchgang vollständig versperrt ist.

Abb. GR6GY5XY
Abb. GR6GY5XY: Atemwege.

Ursachen

Beim Pferd kommen zwei Typen des Influenzavirus vor, das InfluenzavirusA/equi1 und das InfluenzavirusA/equi2. Eine Infektion mit einem Virus, oder auch eine Impfung, führt zur Bildung von Antikörpern gegen das spezielle Virus. Die gebildeten Antikörper sollen die bestehende Infektion bekämpfen und vor einer erneuten Ansteckung mit dem gleichen Virus schützen. Nun haben die Influenzaviren aber die Eigenschaft, sich relativ leicht ein bisschen verändern zu können. Damit sind sie zwar immer noch die gleichen Virentypen, können aber von den zuvor gebildeten Antikörpern nicht mehr als solche erkannt werden. Dies erklärt, warum ein Pferd (vergleichbar auch ein Mensch) trotz Schutzimpfung oder bereits durchgemachter Erkrankung erneut an Influenza erkranken kann.

Wenn sich ein Pferd mit Influenzaviren infiziert, so vermehren sich diese zunächst in der Nasenschleimhaut. Dies führt bereits 1 – 8 Tage nach der Infektion zu einer Entzündung der Nasenschleimhaut und zu einem Fieberanfall. Von der Nase breiten sich die Viren über die Atemwege bis in die Lunge aus. Sie vermehren sich in der Schleimhaut und schädigen diese. Dies führt zu Schwellung und vermehrter Schleimbildung in den Atemwegen und die Pferde müssen husten. Zusätzlich führt die Vermehrung der Viren zu erneuten Fieberschüben.

Häufig wird eine Influenzavirusinfektion durch eine Besiedelung der geschädigten Schleimhaut mit Bakterien zusätzlich verkompliziert. Bakterien kommen überall in der Umgebung des Pferdes vor. Einem gesunden Pferd können sie nichts anhaben, aber auf vorgeschädigtem Gewebe können sie sich hervorragend vermehren und zu schweren eitrigen Entzündungen führen. Da bei einer Influenzaerkrankung auch immer das Lungengewebe von den Viren befallen wurde, droht hier die Gefahr einer lebensbedrohlichen Lungenentzündung durch bakterielle Sekundärinfektion.

Ansteckung

Mit Influenzaviren infizierte Pferde scheiden die sehr ansteckenden Viren mit Nasensekret und Speichel massenhaft aus. Man sagt, dass die Viren in kleinen Tröpfchen mit der Atemluft 40m weit fliegen können. Das erklärt, warum sich eine Influenza so schnell im Bestand verbreitet. Es gibt auch Pferde, die mit dem Virus infiziert sind und keine offensichtlichen Symptome zeigen. Diese Pferde scheiden aber genauso Viren aus und können unbemerkt andere Pferde anstecken. Daher sollte man bei den kleinsten Anzeichen einer Hustenerkrankung bereits sehr wachsam sein. Theoretisch können die Viren auch über mit Sekret verunreinigte Gegenstände, Hände oder Kleidung weitergegeben werden, in der Praxis spielt dieser Übertragungsweg wohl aber eine untergeordnete Rolle.

Leitsymptom

Symptome

Das erste Symptom ist Fieber, das bis auf 42°C ansteigen kann. Das Fieber hält in der Regel etwa drei Tage an, um dann abzuflauen und nach Stunden oder Tagen erneut aufzuflackern. Drei oder mehr Fieberschübe sind typisch für eine Influenzainfektion. Mit dem ersten Fieber oder kurz danach tritt Husten auf. Typischerweise husten die Pferde ziemlich häufig. Zunächst ist der Husten trocken, im weiteren Verlauf wird er feuchter. Der Husten wird häufig von wässrigem Nasenausfluss begleitet. Wenn keine Verschlimmerung durch bakterielle Sekundärinfektion eintritt, klingen die Symptome nach etwa 3 Wochen ab. Häufiger kommt es jedoch zu einer zusätzlichen Infektion mit Bakterien, die sich in folgender Symptomatik äußert:

  • eitriger Nasenausfluss
  • kontinuierliches Fieber
  • rasselnder Husten
  • Atemnot

Durch Bakterien kann sich die Erkrankung so sehr verschlimmern, dass das Pferd letztendlich an einer Lungenentzündung stirbt.

Abb. GR6HLUIL
Abb. GR6HLUIL: Einseitiger eitriger Nasenausfluss.

Diagnose

Der klinische Verlauf und die meistens hohe Verbreitung der Erkrankung im Bestand weisen bereits auf eine Influenzainfektion hin. Zu einer Allgemeinuntersuchung beim Verdacht auf eine Influenzainfektion gehören Fiebermessen, Beurteilung der Lymphknoten und der sichtbaren Schleimhäute am Kopf, Beurteilung des Nasenausflusses und der Atemtätigkeit.

Als spezielle weiterführende Untersuchungen eignen sich:

  • Auskultation : Durch Abhören der oberen und tiefen Atemwege lassen sich Atemgeräusche und Art und Menge von Schleimansammlungen bestimmen.
  • Endoskopie der Atemwege: Bei der Endoskopie lässt sich das Ausmaß der Bronchitis bestimmen. Bis in die ganz kleinen Bronchiolen kann man mit dem Endoskop allerdings nicht schauen. Während einer Endoskopie lässt sich auch eine Probe des Bronchialschleims entnehmen, der in einem Labor auf Influenzaviren und beteiligte Bakterien untersucht werden kann (Tracheobronchialsekret [TBS] oder bronchoalveoläre Lavage [BAL]).
  • Rachentupferproben: Auch aus Rachentupfern kann man mit geeigneten Tests Influenzaviren nachweisen.
  • Blutuntersuchung: In einer Blutprobe deuten bestimmte Veränderungen auf eine Entzündung im Körper des Pferdes hin. Auch lassen sich Rückschlüsse auf die Dauer der Erkrankung ziehen. In speziellen Tests kann man auch Antikörper gegen Influenzaviren im Blut nachweisen, um so die Verdachtsdiagnose abzusichern. Dazu nimmt man eine Blutprobe zu Beginn der Erkrankung, wenn noch keine Antikörper gebildet wurden und eine Probe nach 14 Tagen, in der im Falle einer akuten Influenzavirusinfektion ein deutlicher Anstieg der Antikörpermenge gemessen werden kann.

Abb. GR6HQ1IL
Abb. GR6HQ1IL: Endoskopie der Luftröhre.
Die Abbildung zeigt eine normale Luftröhre.

Abb. GR6I18UL
Abb. GR6I18UL: Endoskopie der Luftröhre.
Auf dieser Abbildung sieht man übermäßig viel Schleim in der Luftröhre.

Behandlung

Zur Behandlung der Viren gibt es keine Therapie. Eine Behandlung kann nur auf die Bekämpfung der bakteriellen Sekundärinfektion abzielen und versuchen, die Symptome zu lindern (eine so genannte symptomatische Behandlung).

Die wichtigste Maßnahme lautet: Schonung für das Pferd! Dies gilt auch in dem Fall, wenn kaum klinische Symptome vorhanden sind. So kann häufig vermieden werden, dass die Krankheit sich weiter verschlimmert oder in einen chronischen Zustand übergeht und sich zu einer unheilbaren COB entwickelt. Schonung meint dabei nicht zwangsläufig, das Pferd gar nicht mehr zu bewegen, sondern eventuell ist maßvolle Schrittbewegung vorzugsweise an frischer, staubfreier Luft erlaubt. Dies muss der Tierarzt entscheiden, nachdem er den Schweregrad der Erkrankung ermittelt hat.

Zusätzlich muss die Haltung optimiert werden. Staubentwicklung jeder Art ist zu vermeiden. Dazu eignet sich die Verwendung von Spänen statt Stroh als Enstreu, gutes Durchfeuchten des Heus oder Fütterung von Silage und das Befeuchten des Bodens vor dem Fegen. Gefüttert werden darf nur einwandfreies Futter. Häufiges Misten verhindert die Entwicklung von Schadgasen in der Box, die die Atemwege zusätzlich reizen.

Unterstützend zu diesen sehr wichtigen Maßnahmen, die der Pferdehalter durchführen muss, kann das Pferd mit folgenden Medikamenten behandelt werden:

  • Zur Vermeidung oder Behandlung bakterieller Sekundärinfektionen gibt man ein geeignetes Antibiotikum.
  • Zur Verflüssigung und damit zum leichteren Abhusten des Schleims kommen so genannte Sekretolytika zum Einsatz.
  • In einigen Fällen kann es nötig sein, die Bronchien durch so genannte Brochospasmolytika weit zu stellen, um das Abfließen des Schleims zu erleichtern.
  • Entzündungshemmende Medikamente können nötig sein, um dem Pferd Erleichterung zu verschaffen und um das Fieber zu senken.

Reinigung und Desinfektion der Box und der Gerätschaften sollten selbstverständlich sein, um ein weiteres Ausbreiten der Viren auf diesem Weg zu verhindern.

Prognose

Bei frühzeitigem Erkennen und konsequenter Behandlung bis zum völligen Abklingen der Symptome heilt Influenza in der Regel vollständig ab. Schwere Lungenentzündungen können jedoch bleibende Schäden an den Atemwegen verursachen und sogar zum Tod des Tieres führen. Nicht ausgeheilte Influenza kann in einen chronischen Zustand übergehen und in einer unheilbaren COB münden.

Vorbeugung

Um einen weitgehend sicheren Schutz gegen Influenza zu erzielen, müssen konsequent Schutzimpfungen nach folgendem Schema durchgeführt werden:

  • Grundimmunisierung: 2–mal im Abstand von 6 Wochen, 1–mal nach weiteren 6 Monaten
  • Wiederholungsimpfungen: alle 6 Monate

Für Turnierpferde besteht eine Impfpflicht. Die Impfintervalle dürfen nicht mehr als 6 Monate betragen.

Tipps

Ordnungsgemäß geimpfte tragende Stuten kann man im letzten Trächtigkeitsdrittel erneut impfen. Diese Stuten bilden dann besonders viele Antikörper, die in der ersten Milch angereichert werden und das neugeborene Fohlen gegen eine Infektion schützen.

ACHTUNG

Gesunde Fohlen von ordnungsgemäß geimpften Müttern nehmen mit der ersten Milch, auch Kolostrum oder Biestmilch genannt, genügend Antikörper auf, um ca. 6 Monate gegen Influenza geschützt zu sein. Diese Fohlen sollten erst nach dem 6. Lebensmonat gegen Influenza geimpft werden, da sonst die mit dem Kolostrum aufgenommenen Antikörper einen wirksamen Impfschutz verhindern. Man hat herausgefunden, dass diese zu früh geimpften Fohlen auch durch späteres Nachimpfen keinen zuverlässigen Schutz gegen Influenzaviren mehr aufbauen können!

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Stand: 18.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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10.09.2016: biene82
Ich finde diesen Artikel sehr intensiv und informativ. Ich hab das alles schon durchgemacht als ich ein neues Pferd bekam und es am nächsten Tag genau diese Symptome zeigte. Heute nach knapp 1,5 Jahren haben wir alles gut überstanden ohne Folgeschäden

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