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Pferd: Hufrollenentzündung

Allgemeines

Weitere Bezeichnungen: Podotrochlose-Syndrom, Strahlbeinlahmheit

Wissenswertes über den Aufbau des Hufes finden Sie im Kapitel Huf.

„Hufrollenentzündung“ ist ein Sammelbegriff für Erkrankungen der Hufrolle, deren Ursachen bis heute noch nicht vollständig geklärt sind. Allerdings geht man davon aus, dass es sich sowohl um entzündliche als auch um Verschleißerscheinungen handelt, so dass der Begriff Podotrochlose-Syndrom treffender ist.

Die Hufrolle wird vom Strahlbein, einem darauf aufliegenden Schleimbeutel (Bursa podotrochlearis) und dem darüber gleitenden Abschnitt der tiefen Beugesehne gebildet. Der Schleimbeutel polstert das Strahlbein ab, so dass die Sehne geschmeidig und geschützt darüber gleiten kann. Während die Hinterfläche des Strahlbeins die Gleitfläche für die tiefe Beugesehne darstellt, beteiligt sich die andere Seite an der Gelenkfläche des Hufgelenks. Der Gelenkspalt des Hufgelenks liegt also in enger Nachbarschaft zu dem Schleimbeutel. Daher gehen Erkrankungen des Hufgelenks häufig mit Erkrankungen der Hufrolle einher und umgekehrt.

Abb. GR66PJJH
Abb. GR66PJJH: Innenansicht des Hufes.

Die Hufrolle des Pferdes erkrankt relativ häufig. Meistens sind beide Vorderbeine von den Veränderungen betroffen, allerdings häufig in unterschiedlichem Schweregrad. Die Hinterhufe erkranken nur selten an Podotrochlose.

Ursachen

Man geht davon aus, dass Podotrochlose von verschiedenen Faktoren ausgelöst wird, die man noch nicht alle kennt. Folgende Einflüsse sollen die Entstehung der Erkrankung begünstigen:

  • Nutzung als Reitpferd: Besonders die Landung nach dem Sprung und enge Wendungen in der Dressur sollen die Hufrolle übermäßig belasten.
  • Überbelastung als Jungpferd
  • Fehlstellungen
  • Pferderasse: Warmblüter erkranken häufiger als andere Rassen
  • Vererbung

Durch diese und vermutlich weitere Einflüsse werden an der Hufrolle folgende Mechanismen in Gang gesetzt, die zum Bild der Podotrochlose führen:

  • Durchblutungsstörungen des Strahlbeins
  • Abnutzungserscheinungen und knöcherne Zubildungen am Strahlbein und an den Bandansätzen der Strahlbeinbänder.
  • Erhöhter Druck im Hufgelenk tritt häufig bei Podotrochlose auf und soll ebenfalls zu den Veränderungen am Strahlbein beitragen

Die Veränderungen, die typischerweise bei Podotrochlose auftreten, können das Strahlbein, die Strahlbeinbänder, den Schleimbeutel und die tiefe Beugesehne betreffen. Es müssen aber nicht alle Veränderungen gleichzeitig auftreten:

  • Strahlbein: Veränderungen der Form und der Knochenstruktur treten sehr häufig auf. Außerdem wird die Gleitfläche für die Beugesehne rauer.
  • Strahlbeinbänder: Am Ansatzpunkt der Bänder am Strahlbein entstehen Knochenzubildungen.
  • Schleimbeutel: Die Schleimbeutelwand verdickt sich und es kommt zu Verklebungen innerhalb des Schleimbeutels. So verändert kann der Schleimbeutel die Sehne nicht mehr ausreichend polstern.
  • Tiefe Beugesehne: Einzelne Sehnenfasern der Beugesehne reißen, weil sie nicht mehr reibungsfrei gleiten kann. Zusätzlich kann die Sehne mit dem Schleimbeutel und dem Strahlbein verkleben.

Außerdem findet man in einigen Fällen eine Hufgelenkentzündung in Verbindung mit dem Podotrochlose-Syndrom.

Leitsymptom

  • Klammer Gang
  • Wechselnde Lahmheit

Symptome

Die Symptome der Podotrochlose beginnen meistens schleichend. Das Pferd zeigt häufig keine deutliche Lahmheit auf einem Bein, sondern eher einen insgesamt verkürzten Gang und Unwilligkeit bei der Bewegung. Auf hartem Boden und bei engen Wendungen kann auch eine meistens geringe Lahmheit festgestellt werden. Zu Beginn der Erkrankung laufen sich die Pferde nach einigen Minuten ein und zeigen dann wieder mehr Raumgriff.

Wenn die Erkrankung weiter fortschreitet, weitet sich die Bewegungsstörung zu einer Stützbeinlahmheit aus, die meistens nur auf dem stärker betroffenen Bein sichtbar ist. Im Stand setzen die Pferde die Hufe abwechselnd vor, um sie zu entlasten. Auf Dauer kann die Bewegungsstörung zur Bildung eines Trachtenzwanghufes führen.

Diagnose

Es sind eine Reihe von Untersuchungen nötig, um eine Podotrochlose sicher zu diagnostizieren. Wichtig ist auch der Vorbericht, der bereits Hinweise auf diese Erkrankung geben kann.

  • Klinische Lahmheitsuntersuchung: Die Lahmheitsuntersuchung wird durchgeführt, um den Schmerzpunkt zu lokalisieren. Dies ist bei der Podotrochlose schwierig, wenn die Pferde nicht stark lahmen und weil außerdem keine Schwellung vorliegt, die auf den erkrankten Bereich hinweisen würde. Daher ist es meisten nötig, gezielt Beugeproben bzw. Provokationsproben durchzuführen, um einen Schmerz zu provozieren. Bei vorliegender Lahmheit werden häufig auch diagnostische Anästhesien angewendet, um den Schmerzherd zu finden. Bei der Podotrochlose kommt es nach der Betäubung des lahmen Beins häufig zur so genannten „Lahmheitsumkehr“: Lahmheitsumkehr bedeutet, dass nach erfolgreicher Betäubung des schmerzhaften Prozesses das Pferd plötzlich auf dem anderen Vorderbein lahmt. Dieser Vorgang ist ganz typisch für die Podotrochlose, da die Pferde ja meistens auf beiden Beinen in unterschiedlichem Maße erkranken. Die Schmerzen auf dem weniger stark betroffenen Bein fallen erst auf, wenn das stärker erkrankte Bein plötzlich schmerzfrei ist.

Abb. GX1PRHA1
Abb. GX1PRHA1: Leitungsanästhesie des Ramus pulvinus.
Wenn die Betäubung eines bestimmten Nervenastes, des so genannten Ramus pulvinus, die Lahmheit auf diesem Bein mehr oder weniger zum Verschwinden bringt, ist das ein Hinweis auf eine Erkrankung der Hufrolle.

  • Röntgen: In einem Röntgenbild sind knöcherne Zubildungen und Umbauvorgänge im Knochen zu erkennen. Man kann auch den Grad der Veränderungen beurteilen. Außerdem kann es nötig sein, durch ein Röntgenbild andere Lahmheitsursachen wie eine Hufbeinfraktur auszuschließen. Weichteile wie Sehne und Schleimbeutel lassen sich im Röntgenbild nicht erkennen.
  • Als weiterführende Untersuchungen, die auch eine Beurteilung des Schleimbeutels und der Sehne ermöglichen, eignen sich Magnetresonanztomographie (MRT) und Computertomographie (CT), eingeschränkt auch Ultraschalluntersuchung und Szintigraphie. Diese werden von spezialisierten Pferdekliniken angeboten.
  • Hufgelenk- Punktion: Bei Beteiligung des Hufgelenks kann über eine Hufgelenkpunktion der Hufinnendruck gemessen werden und die Gelenkflüssigkeit beurteilt werden.

Aus der Gesamtheit der Befunde kann der Tierarzt die Diagnose ableiten. Es müssen aber nicht an allen Strukturen der Hufrolle Befunde vorliegen, um die Diagnose Podotrochlose-Syndrom zu rechtfertigen.

Abb. GR6763LH
Abb. GR6763LH: Röntgenaufnahme des Strahlbeins, so genannte Oxspring-Aufnahme.
In diesem Strahlbein sieht man kleine Löcher (Pfeile). Die Löcher stellen erweiterte Blutgefäßkanäle dar und sind ein häufiger Befund bei Podotrochlose.

Abb. GR6753P9
Abb. GR6753P9: Röntgenaufnahme des Strahlbeins, Oxspring-Aufnahme.
In diesem Strahlbein sieht man zwei große Hohlräume, so genannte Zysten (Pfeile).

Behandlung

Es gibt eine Vielzahl verschiedener Behandlungsmethoden, die bei Podotrochlose eingesetzt werden können. Je nach vorliegenden Befunden wird der Tierarzt entscheiden, welche Methoden für den Patienten die richtigen sind:

  • Schmiedetechnische Maßnahmen wie korrektes Ausschneiden der Hufe und orthopädischer Beschlag
  • Vermeidung enger Wendungen bei der Arbeit
  • Entzündungshemmende Medikamente
  • Verbesserung der Durchblutung durch gerinnungshemmende Medikamente
  • Verbesserung der Durchblutung durch gefäßerweiternde Medikamente
  • Medikamente zur Anregung des Knochenstoffwechsels
  • Stoßwellentherapie
  • Operative Methoden:
    • Perivaskuläre Sympathektomie (PVS): Die Durchtrennung kleinster Nerven, die die Blutgefäße regulieren, führen zu einer Verbesserung der Durchblutung der Hufrolle und zu einer Senkung des Hufgelenkinnendrucks
    • Durchtrennung von Strahlbeinbändern zur Entlastung des Strahlbeins
    • Nervenschnitt: Durchtrennung der die Hufrolle versorgenden Nerven und damit Schmerz- aber auch Gefühlausschaltung fast im gesamten Huf. Dieser Eingriff gilt als Doping, so dass diese Pferde nicht mehr auf Turnieren starten dürfen

Prognose

Podotrochlose ist eine unheilbare Erkrankung, die ohne Behandlung immer weiter voranschreitet. Alle Maßnahmen dienen dazu, den weiteren Verlauf zu stoppen oder wenigstens zu verlangsamen und dem Pferd ein weitgehend beschwerdefreies Leben zu ermöglichen.

Vorbeugung

Da eine Vererbung der Veranlagung zu Podotrochlose nicht ausgeschlossen werden kann, sollten betroffene Pferde nicht zur Zucht verwendet werden.

ACHTUNG

Bei älteren Pferden kommt es auch ohne Erkrankung der Hufrolle zu Umbauprozessen am Strahlbein, die auf Abnutzung zurückzuführen sind und als normal gelten. Daher müssen Röntgenbefunde älterer Pferde anders beurteilt werden als die junger Pferde.

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Stand: 18.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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