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Pferd: Hufrehe

Allgemeines

Als Hufrehe bezeichnet man eine schwerwiegende, nicht-infektiöse Entzündung der gesamten Huflederhaut.

Entgegen der Annahme, nur dicke Ponys würden an Hufrehe erkranken, kann diese Krankheit bei jedem Pferd auftreten. Typischerweise hat ein Pferd, das einmal an Hufrehe erkrankt ist, im Laufe seines Lebens erneute akute Reheschübe, so dass die Vorbeugung bei diesen Patienten sehr wichtig ist. Meistens sind beide Vorderhufe erkrankt, es kommen aber je nach Ursache auch Fälle vor, in denen nur ein oder alle vier Hufe betroffen sind. Wenn eine akute Hufrehe länger als 72 Stunden besteht oder wenn vorher bereits Lageveränderungen des knöchernen Hufbeins eingetreten sind, geht sie in das chronische Stadium über, das eigentlich immer mit bleibenden Schäden einhergeht.

Über den Aufbau des Hufes und die Aufgaben der Huflederhaut informieren Sie sich bitte im Kapitel Huf.

Ursachen

Eine Hufrehe ist eine äußerst komplizierte Erkrankung, die durch viele verschiedene Ursachen entstehen kann. Man hat herausgefunden, dass folgende Ereignisse eine Hufrehe auslösen können:

Die Vorgänge, die aufgrund der oben genannten Ursachen bei einer Hufrehe ablaufen, sind noch nicht bis ins kleinste Detail geklärt. Vermutlich laufen verschiedene Vorgänge gleichzeitig ab und führen dann gemeinsam zur Entzündung der Huflederhaut.

Bislang scheint es erwiesen zu sein, dass zumindest folgende Mechanismen bei einer Rehe ablaufen:

  • Eine verminderte Durchblutung der Huflederhaut schädigt den Hufbeinträger.
  • Spezielle Enzyme sollen bei Hufrehe im Überfluss vorhanden sein und die verzahnte Verbindungsschicht im Hufbeinträger auflösen.

So führt Hufrehe zu einer Lockerung des Hufbeinträgers. Das Hufbein wird nicht mehr in seiner Stellung fixiert. Durch den Druck des Pferdegewichts kann das Hufbein im Hornschuh absinken. Diesen Vorgang nennt man Hufbeinsenkung. Durch den Zug der tiefen Beugesehne an der Hufbeinrückseite kann das Hufbein zudem nach hinten gedreht werden und die Hufbeinspitze "rotiert" in Richtung Sohle. Es kommt zur Hufbeinrotation.

Abb. GR6497ML
Abb. GR6497ML: Hufbeinsenkung und Hufbeinrotation.
Bei Hufrehe lockert sich der Halteapparat des Hufbeins. Durch das Eigengewicht des Pferdes kommt es zur Absenkung des Hufbeins, durch den Zug der tiefen Beugesehne zur Hufbeinrotation.

Zwischen dem Hufbein und der Hornschuhwand entsteht ein Spalt, der langfristig notdürftig mit Ersatzhorn gefüllt wird oder sogar nur mit Luft gefüllt ist (so genannte lose Wand). Man erkennt dies an einer Verbreiterung oder sogar Auflösung der weißen Linie. Dieses Ersatzhorn in der weißen Linie ist oft bröckelig und stellt keinen wirksamen Schutz gegenüber dem Eindringen von Bakterien dar, so dass Rehepatienten oft zusätzlich an Hufgeschwüren erkranken.

Hufbeinsenkung und -rotation führen zu einer veränderten Belastung des Knochens und damit auf Dauer zu Umbauvorgängen am Hufbein selber (z.B. Hutkrempenbildung). Es besteht auch immer die Gefahr, dass das Hufbein seine Lage so stark verändert, dass die Hufbeinspitze an der Sohle durchbricht. Die freiliegende Hufbeinspitze ist dann nicht mehr durch die Hornkapsel geschützt. Bakterien können den Knochen befallen und infizieren.

Außerdem wird der Kronsaum durch die Absenkung des Hufbeins massiv geschädigt. Das im Kronbereich gebildet Wandhorn wird unregelmäßig, so dass sich beim chronischen Rehehuf so genannte „Reheringe“ bilden. Im schlimmsten Fall löst sich der gesamte Hornschuh am Kronrand ab und es kommt zum gefürchteten „Ausschuhen“ des Pferdes.

Insgesamt sind die Vorgänge bei der Rehe sehr schmerzhaft für das Pferd und führen häufig zu bleibenden Schäden am Huf.

Leitsymptom

  • Lahmheit
  • Hufveränderungen

Symptome

Bei den Symptomen muss man zwischen dem akuten Stadium der Erkrankung und dem chronischen Zustand unterscheiden.

Symptome einer akuten Hufrehe sind:

  • Typische Lahmheit:
    • Deutliche Schmerzen bei engen Wendungen (Wendeschmerz),
    • Vorstellen der Hufe (Vorderbeine werden vorgestellt und Hinterbeine werden unter den Bauch gestellt; Trachtenfußung)
    • Trachtenfußung in der Bewegung („pantoffelnder Gang“)
  • Vermehrte Wärme der erkrankten Hufe
  • Häufiges Liegen
  • Abgeschlagenheit
  • Pulsation der Zehenarterien im Bereich des Fesselkopfes

Abb. GR64TQM5
Abb. GR64TQM5: Pferd mit akuter Hufrehe.
Die Vorderbeine werden zur Entlastung vorgestellt und die Hinterbeine weit unter den Körper, damit sie den größten Teil des Gewichts tragen können.

Beim chronischen Rehepferd können die Symptome stark variieren. Man muss bedenken, dass eine Rehe bereits nach drei Tagen als chronisch gilt. Zu diesem Zeitpunkt sind z.B. Veränderungen im Hornwachstum noch nicht zu erwarten. Außerdem kann ein chronisch krankes Pferd jederzeit von einem akuten Schub betroffen sein und dann zusätzlich die entsprechende Symptome zeigen.

Symptome eines chronischen Rehehufes können folgendermaßen aussehen:

  • Reheringe
  • Verbreiterung und/oder Auflösung der weißen Linie
  • Abflachung der Sohle
  • Einsenkung am Kronsaum
  • Ausbildung eines Knollhufes

Abb. GR64SE45
Abb. GR64SE45: Reheringe bei einem Pferd mit chronischer Hufrehe.

Abb. GR64QS8D
Abb. GR64QS8D: Knollhuf.
Bei diesem Pferd mit chronischer Rehe hat sich die Hufspitze zu einer „Knolle“ verformt.

Diagnose

Im akuten Stadium sind die Symptome oft eindeutig. Die klinische Untersuchung des Hufes kann durch die Hufzangenuntersuchung und die Huf- Perkussion erweitert werden.

Abb. GR655PYT
Abb. GR655PYT: Überprüfung der Pulsation.
Im hinteren Bereich des Fesselkopfes kann man den pochenden Puls der Zehenarterien fühlen, wenn eine Entzündung im Huf besteht.

Abb. GX1OY1SP
Abb. GX1OY1SP: Trachtenspanngriff.

Sehr hilfreich bei jeder Form der Hufrehe ist ein Röntgenbild. Auf diesem lassen sich

  • Hufbeinabsenkung,
  • Hufbeinrotation,
  • Umbauprozesse am Hufbein (z.B. so genannte hutkrempenartige Zubildungen),
  • Bakterielle Infektion des Hufbeins und
  • Hohlräume in der Hornwand nachweisen.

Abb. GR657DUD
Abb. GR657DUD: Röntgenbild einer hochgradigen Hufrehe.
Das Hufbein ist rotiert und droht mit seiner Spitze durch die Sohle zu brechen. Im Bereich des Wandhorns ist ein schwarzer Strich zu erkennen (dünner Pfeil). Dies ist ein mit Luft gefüllter Raum. Es hat sich also eine lose Wand gebildet. Am Kronsaum sieht man einen Spalt im Weichteilgewebe (dicker Pfeil). Dieses Pferd droht auszuschuhen, d.h. es besteht die Gefahr, dass sich der Hornschuh komplett ablöst.

Behandlung

Die Behandlung einer Hufrehe kann aufgrund der vorliegenden Befunde variieren. Außerdem bestehen auch in der Fachwelt zum Teil unterschiedliche Ansichten darüber, wie eine Hufrehe am besten zu behandeln ist.

Folgende Behandlungen werden häufig in Kombination durchgeführt:

Akute Rehe

  • Kühlung der Hufe für 72 Stunden
  • Aderlass
  • Aderlass in Kombination mit Infusion (so genannte isovolämische Hämodilution)
  • Blutverdünnende Medikamente
  • Blutgefäßerweiternde Medikamente
  • Antiendotoxische Medikamente
  • Schmerzmittel werden kontrovers beurteilt: Auf der einen Seite sollen sie einen positiven Effekt auf die Durchblutung der Hufe haben, zum anderen haben sie den Nachteil, dass sich die Pferde unter Schmerzmitteln mehr bewegen, als es für sie gut ist. Sie legen sich auch weniger hin. Im Liegen werden aber die Hufe am besten entlastet
  • Hochstellen der Trachten z.B. durch einen Rehegips
  • Radikales Kürzen der Zehe (Zehenschwebe)
  • Weiche Einstreu
  • Kein Kraftfutter oder kohlenhydratreiches Raufutter
  • Keine Bewegung
  • Ggf. Behandlung der Grundkrankheit

Chronische Rehe

  • Rehebeschlag, Hufschuhe o.Ä.
  • Kohlenhydratarme Diät
  • Durchtrennung der tiefen Beugesehne

Prognose

Grundsätzlich ist die Prognose bei Hufrehe vorsichtig zu stellen. Sie ist abhängig von Auftreten und Grad der Hufbeinsenkung und -rotation. In leichteren Fällen kann durch konsequente orthopädische Behandlung über etwa ein Jahr wieder eine Parallelität von Hornwand und Hufbein hergestellt werden, allerdings ist immer mit einer dauerhaften narbigen Veränderung der Huflederhaut zu rechnen. Wenn das Hufbein durch die Sohle durchbricht, verschlechtert sich die Prognose erheblich. Meistens ist dann, ebenso wie beim Ausschuhen, nur noch ein Einschläfern des Pferdes möglich.

Vorbeugung

Kohlenhydratreiche Futtermittel sollten nur in Maßen gefüttert werden, um einer Endotoxinbildung im Darm vorzubeugen.

Grunderkrankungen müssen zeitig und konsequent behandelt werden.

ACHTUNG

Akute Hufrehe ist ein absoluter Notfall!

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Stand: 18.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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