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Pferd: Verknöcherung des Hufknorpels

Allgemeines

Weitere Bezeichnung: Ossificatio cartilaginis ungularis

Über den allgemeinen Aufbau des Hufes informieren Sie sich bitte im Kapitel Huf.

Das Hufbein ist der unterste Zehenknochen des Pferdes. Es liegt vollständig innerhalb der Hornkapsel. Das Hufbein hat in etwa eine U-förmige Gestalt und passt sich damit der Form des Hufes an. Die seitlichen Schenkel verjüngen sich am Ende und werden Hufbeinäste genannt. An ihnen setzen von hinten die Hufknorpel an. Die Hufknorpel sind Knorpelplatten, die mit den Hufbeinästen verwachsen sind. Nach oben reichen sie aus dem Hornschuh heraus, so dass sie unter der Haut tastbar sind. Die Hufknorpel sind durch verschiedene Bänder mit dem Hufbein, dem Kronbein und dem Fesselbein verbunden.

Abb. GR61CPTX
Abb. GR61CPTX: Schemazeichnung des Hufbeins mit Hufknorpel von der Seite gesehen.

Die elastischen Hufknorpel sind zusammen mit dem Strahl und den Eckstreben für die Federung des Hufes bei der Bewegung zuständig, die man auch Hufmechanismus nennt. Beim Auftreten weicht der unbeschlagene Huf besonders im Trachtenbereich so auseinander, dass der Strahl den Boden berührt.

Ursachen

Bei der Hufknorpelverknöcherung werden Bereiche des Knorpels durch Knochengewebe ersetzt. Das kann nur kleine Bereiche betreffen oder den gesamten Hufknorpel erfassen. Ein oder beide Knorpel können verändert sein. Meistens tritt eine Hufknorpelverknöcherung an den Vorderbeinen auf.

Verursacht wird die Verknöcherung durch häufige übermäßige Belastung des Knorpels oder der ansetzenden Bänder. Besonders Fehlstellungen der Gliedmaße beanspruchen entweder den inneren (bei bodenweiter/zehenweiter Stellung) oder äußeren Knorpel (bei bodenenger/zehenenger Stellung) vermehrt. Auch die überwiegende Bewegung auf hartem Boden, wie bei Kutschpferden, und fehlerhaft zubereitete Hufe, die zu einem Trachtenzwanghuf führen, fördern die Entstehung einer Hufknorpelverknöcherung.

Der Körper versucht, auf die gesteigerte Belastung des Knorpels und der Bänder mit einer Stabilisierung des betroffenen Bereichs zu reagieren. So werden vermehrt Knochenzellen gebildet, die den Knorpel nach und nach ersetzen. Auch die Bandansätze können verknöchern. Die Verknöcherung kann sich bis zum Krongelenk ausdehnen und dieses schalenartig umfassen.

Durch die Verknöcherung verliert der Knorpel seine Elastizität und der Hufmechanismus wird eingeschränkt.

Leitsymptom

Klammer Gang

Symptome

Die Symptome einer Hufknorpelverknöcherung können sehr unterschiedlich sein: Zu Beginn der Erkrankung treten in der Regel gar keine Symptome auf. Häufig wird die Verknöcherung eher zufällig als Nebenbefund bei der Ankaufuntersuchung auf den Röntgenbildern der Hufrolle entdeckt. Viele Pferde haben auch bei ausgeprägten Verknöcherungsvorgängen keine Schmerzen und laufen lahmfrei.

Wenn der Hufmechanismus hingegen eingeschränkt ist, zeigen die Pferde eher auf hartem Boden einen klammen, verkürzten Gang, während sie sich auf weichem Boden unverändert schwungvoll bewegen. Umfangreiche Verknöcherungen können auch ein mechanisches Hindernis bei der Bewegung darstellen und so zu einer Lahmheit führen. In diesen Fällen kann man die Verknöcherung bereits in der Fesselbeuge ertasten.

Insgesamt ist die Hufknorpelverknöcherung ein schleichender Prozess, der sich über Jahre hinzieht. Allerdings können auch schon junge Pferde davon betroffen sein.

Diagnose

Zur Diagnosestellung wird eine Lahmheitsuntersuchung durchgeführt. Die klinische Untersuchung umfasst die Betrachtung des Pferdes im Stand und in der Bewegung sowie das Abtasten des Beins. Beim Vorliegen einer Lahmheit können diagnostische Anästhesien helfen, den Schmerzherd genauer einzugrenzen. Lahmheiten durch mechanische Hindernisse bleiben auch nach Anästhesie des betroffenen Bereichs bestehen.

Ergänzt wird die klinische Lahmheitsuntersuchung durch eine Röntgenuntersuchung, auf der die Verknöcherungsbereiche sichtbar gemacht werden. Knorpelgewebe wird auf dem Röntgenbild nicht abgebildet, der gesunde Knorpel bleibt also weitgehend „unsichtbar“.

Abb. GR627V0U
Abb. GR627V0U: Röntgenbild einer Hufknorpelverknöcherung.
Man erkennt deutlich die hochgradige knöcherne Zubildung auf der in der Aufsicht linken Seite (dünne Pfeile) und die geringere Verknöcherung auf der rechten Seite (dicker Pfeil). Oxspring-Aufnahme.

Durch den Nachweis der Verknöcherung ist allerdings nicht der Nachweis erbracht, dass die Verknöcherung auch die Ursache einer Lahmheit darstellt, da, wie bereits erwähnt, viele Pferde keine Probleme mit der Hufknorpelverknöcherung haben. Es ist also wichtig, andere Ursachen für eine Lahmheit auszuschließen. Dazu können weitere Verfahren wie Gelenk- Punktion, Ultraschall, Szintigraphie oder Magnetresonanztomographie nützlich sein.

Behandlung

Eine Hufknorpelverknöcherung kann nicht mehr rückgängig gemacht werden. Man kann versuchen, durch einen orthopädischen Beschlag bzw. fachgerechte Zubereitung des Hufes den Hufmechanismus zu unterstützen.

Prognose

Viele Pferde haben keine oder nur geringe Probleme durch die Hufknorpelverknöcherung. Allerdings kann man nie ausschließen, dass sie eines Tages die Ursache einer Lahmheit darstellt, deren Behandlungsmöglichkeiten sehr eingeschränkt sind.

Vorbeugung

Die fachgerechte Zubereitung des Hufes und die frühzeitige Korrektur von Fehlstellungen im Fohlenalter stellen die wichtigsten Vorbeugemaßnahmen einer Hufknorpelverknöcherung dar.

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Stand: 18.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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