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Pferd: Hufgelenkentzündung

Allgemeines

Wissenswertes über den Aufbau des Hufes finden Sie im Kapitel Huf.

Eine Hufgelenkentzündung kann im Zusammenhang mit der relativ häufigen Hufrollenentzündung auftreten. Es gibt aber auch Fälle, in denen eine Hufgelenkentzündung ohne nennenswerte Beteiligung der Hufrolle auftritt. Diese Erkrankungen werden in diesem Kapitel besprochen.

Zum besseren Verständnis soll zunächst der Aufbau des Hufgelenks näher erläutert werden.

Das Hufgelenk des Pferdes wird aus folgenden Anteilen gebildet:

  • der oberen Gelenkfläche, dem so genannten Gelenkkopf. Er wird vom unteren Ende des Kronbeins gebildet,
  • der unteren Gelenkfläche, der so genannten Gelenkpfanne. Sie wird vom oberen Ende des Hufbeins und von dem Strahlbein gebildet,
  • der das Gelenk umschließenden Gelenkkapsel und
  • vielen stabilisierenden Gelenkbändern.

Die Gelenkflächen sind von sehr glattem Gelenkknorpel überzogen. Die innerste Schicht der Gelenkkapsel, die Synovialmembran, bildet die Gelenkflüssigkeit (Synovia). Sie ermöglicht das reibungslose Gleiten der Knorpelflächen bei der Bewegung und ernährt den Knorpel, der nicht, wie andere Gewebe, über das Blut ernährt wird. Die Synovia eines gesunden Gelenks ist klar, hellgelb bis bernsteinfarben gefärbt und „Faden ziehend“. Das bedeutet, dass ihre Viskosität relativ hoch ist. Diese wird unter anderem durch ihre Inhaltsstoffe wie Hyaluronsäure gewährleistet. Die hohe Viskosität ist wichtig, um die Funktion der Synovia als „Schmiermittel“ zu ermöglichen. Ein weiterer wichtiger Faktor für die Funktion eines Gelenks ist der sehr glatte Gelenkknorpel. Nur intakte Knorpelflächen können störungsfrei übereinander gleiten. Bereits geringste Rauigkeiten oder Verletzungen führen zu erhöhter Reibung und weiterer Schädigung der Knorpelflächen. Dazu kommt, dass der Knorpel ausgesprochen schlecht heilen kann, da er – wie bereits erwähnt – nicht durchblutet wird.

Im Hufgelenk sind hauptsächlich Beugung und Streckung möglich, Drehbewegungen können in geringem Grad ebenfalls ausgeführt werden. Das ermöglicht dem Pferd, sich unebenem Boden in begrenztem Maße anzupassen.

Abb. GR534ACG
Abb. GR534ACG: Innenansicht des Hufes.

Ursachen

Eine Gelenkentzündung nennt man auch Arthritis. Sie ist immer durch eine Entzündung der Synovialmembran gekennzeichnet. Diese führt zu vermehrter Bildung einer eher wässrigen Gelenkflüssigkeit. Ein Gelenkerguss ist die Folge. Außerdem wird der Gelenkknorpel nicht mehr effektiv geschmiert, so dass es zu verstärkter Reibung und als Folge sogar zu Knorpelschäden kommen kann. Auch Produkte der Entzündung können den Knorpel schädigen.

In schweren Fällen sind neben der Synovialmembran auch direkt der Knorpel, die Gelenkbänder, Knochen und Sehnen durch das verursachende Ereignis in Mitleidenschaft gezogen.

Am Hufgelenk treten folgende Entzündungsformen auf:

Nicht-infektiöse Hufgelenkentzündung

Die nicht-infektiöse Hufgelenkentzündung ist die häufigste Form. Sie kann viele Ursachen haben:

Wird eine nicht-infektiöse Hufgelenkentzündung nicht behandelt oder wird dem Pferd keine ausreichende Ruhe zur vollständigen Heilung gewährt, so geht die akute Entzündung in eine chronische Form über. In schweren Fällen mit Knorpel- und Knochenverletzungen können sich auch schwerwiegende Arthrosen entwickeln.

Infektiöse Arthritis

Eine infektiöse Arthritis wird durch Bakterien ausgelöst. Da das Hufgelenk fast vollständig von der Hufkapsel bedeckt wird, ist es relativ gut gegenüber Verletzungen geschützt, durch die Bakterien in das Gelenk eindringen können. Folgende Umstände können dennoch zu einer infektiösen Hufgelenkentzündung führen:

  • Nageltritt
  • Kronentritt und andere Verletzungen am vorderen Kronsaum
  • Übergreifen von bakteriell bedingten Entzündungen benachbarter Strukturen auf des Hufgelenk

Bakterielle Entzündungen führen zu einer massiven Bildung von Entzündungsprodukten. Diese sind sehr aggressiv und schädigen innerhalb kürzester Zeit den Gelenkknorpel, so dass meistens eine Arthrose die Folge ist.

Leitsymptom

  • Lahmheit
  • Gelenkschwellung

Symptome

Nicht-infektiöse Hufgelenkentzündung

Die Pferde zeigen je nach Ausmaß eine unterschiedlich starke Stützbeinlahmheit, Gelenkschwellung und vermehrte Wärme des Gelenks. Die Schwere der Befunde ist abhängig von dem Umfang des Gewebeschadens im Gelenk.

Infektiöse Hufgelenkentzündung

Eine deutliche Stützbeinlahmheit mit starker Wärmeentwicklung und Schwellung entwickelt sich über einen Zeitraum von 1 bis 2 Tagen und kann mit Fieber einhergehen.

Diagnose

Für die Diagnosestellung steht eine Vielzahl diagnostischer Möglichkeiten zur Verfügung, die abhängig von der Schwere und Eindeutigkeit der Befunde zum Einsatz kommen:

  • Klinische Lahmheitsuntersuchung: Eine klinische Lahmheitsuntersuchung wird durchgeführt, um den Schmerzpunkt zu lokalisieren und Wärme und Gelenkschwellung zu beurteilen. Bei einigen Fällen sind Schwellung und Wärme nicht so deutlich ausgeprägt oder lassen sich nicht zweifelsfrei einem Gelenk zuordnen. In diesen unklaren Fällen kann es nötig sein, die Lahmheit durch die Beugung der einzelnen Gelenke zu verstärken, um herauszufinden, welches Gelenk erkrankt ist. Man nennt dies auch Beugeprobe oder Provokationsprobe. Ein weitere Möglichkeit, die Lahmheitsursache näher einzugrenzen, sind diagnostische Anästhesien. Dazu wird ein Lokalanästhetikum an einen Nerven oder in ein Gelenk gespritzt und dieser Bereich betäubt. Geht das Pferd nach der Anästhesie des betroffenen Gebiets lahmfrei, so weiß der Tierarzt, wo der Schmerz lokalisiert ist.

Abb. GR54BF14
Abb. GR54BF14: Beugeprobe.
Auf dieser Abbildung sieht man eine Übersichtsbeugeprobe der Zehengelenke. Bei dieser Beugeprobe werden Fessel-, Kron- und Hufgelenk gleichzeitig gebeugt. So möchte man herausfinden, ob die Lahmheit aus diesen Bereichen stammt. Ist die Beugeprobe positiv, d.h. die Lahmheit verstärkt sich, kann man danach die einzelnen Gelenke beugen, um den Schmerzherd näher einzugrenzen.

  • Röntgen: In einem Röntgenbild sind knöcherne Zubildungen, Knochenbrüche und Gelenkchips zu erkennen. Knorpel und Weichteile lassen sich im Röntgenbild nicht darstellen.
  • Gelenk- Punktion: Bei einer Gelenkpunktion wird Gelenkflüssigkeit gewonnen. Die Beschaffenheit der Synovia kann bereits mit bloßem Auge beurteilt werden. Zudem kann die Zusammensetzung in einem Labor genauer bestimmt werden. Eine Gelenkpunktion kann auch genutzt werden, um den Druck im Gelenk zu messen, der bei einem Gelenkerguss erhöht ist.
  • Arthroskopie (Gelenkspiegelung): In einigen Fällen kann es nötig sein, mit einem Arthroskop in das Gelenk hineinzuschauen. Insbesondere beim Verdacht auf Knorpelschäden, die auf einem Röntgenbild nicht sichtbar sind, kann eine Gelenkspiegelung wertvolle Erkenntnisse liefern. Die Arthroskopie wird unter Vollnarkose in einer Klinik durchgeführt.
  • Szintigraphie : Die Szintigraphie zeigt entzündliche Prozesse frühzeitig auf, die noch nicht zu Gewebeveränderungen geführt haben. Der Einsatz dieser speziellen Maßnahme ist Spezialkliniken vorbehalten.

Behandlung

Die Behandlungsweisen einer nicht-infektiösen und einer infektiösen Hufgelenkentzündung unterscheiden sich maßgeblich:

  • Nicht-infektiöse Gelenkentzündung: Das Pferd wird sofort ruhiggestellt, am besten in eine Box mit weicher Einstreu. In der Anfangsphase kann das Bein gekühlt werden oder kühlende Verbände angelegt werden. Im weiteren Verlauf können auch entzündungshemmende Einreibungen sinnvoll sein. Zusätzlich werden meistens entzündungshemmende Substanzen systemisch gegeben, also entweder gespritzt oder über das Maul verabreicht. Diese werden dann über das Blut zum betroffenen Gelenk transportiert. Je nach Schwere der Erkrankung kann es sinnvoll sein, Entzündungshemmer auch direkt in das Gelenk zu spritzen. Darüber hinaus hat sich der Einsatz von Hyaluronsäure bewährt, die ebenfalls direkt in das Gelenk gespritzt werden kann und die Viskosität der Synovia erhöht. Gelenkchips, Knochenbrüche u.ä. machen unter Umständen einen chirurgischen Eingriff nötig. In vielen Fällen ist es sinnvoll, das Gelenk durch einen orthopädischen Hufbeschlag zu entlasten. Dieser muss in Zusammenarbeit von Tierarzt und Hufschmied individuell für den Patienten gefertigt werden.
  • Infektiöse Gelenkentzündung: Die infektiöse Arthritis ist immer ein Notfall! Die Entzündungsprozesse mit Eiterbildung schädigen den Gelenkknorpel massiv und können ihn vollständig zerstören. Daher muss ein Patient mit einer Gelenkinfektion umgehend in eine Klinik gebracht werden, in der das Gelenk gespült und mit einem Antibiotikum behandelt wird. Zumeist wird das Antibiotikum auch noch systemisch verabreicht.

Wenn die akuten Formen der Gelenkentzündung in eine chronische übergegangen sind, können entzündungshemmende Medikamente und Hyaluronsäure immer noch helfen, die Entzündung zur Ruhe zu bringen.

Prognose

Eine nicht-infektiöse Arthritis hat bei sofortigem Einleiten einer Therapie gute Heilungsaussichten, sofern der Knorpel nicht beschädigt wurde. Liegen Knorpelschäden vor, so verschlechtert sich die Prognose erheblich, da der Knorpel nur sehr schlecht repariert werden kann.

Die Prognose einer infektiösen Gelenkentzündung ist eher vorsichtig zu stellen. Gelingt es, die Bakterien durch die Behandlung schnell zu beseitigen und ist der Gelenkknorpel nicht geschädigt worden, so hat das Pferd gute Heilungsaussichten. Leider bleiben jedoch häufig schwere Knorpelschäden zurück, die den Einsatz des Patienten als Reitpferd oft unmöglich machen.

Vorbeugung

Eine direkte Vorbeugung gegen eine Arthritis gibt es nicht, sie kann jederzeit auftreten. Allerdings sollten folgende Punkte beherzigt werden, um den Bewegungsapparat des Pferdes bestmöglich zu schützen:

  • Ein Pferd sollte stets nur so weit belastet werden, wie es seinem Entwicklungs- und Trainingszustand entspricht.
  • Fehlstellungen der Gliedmaßen sollten bereits im Fohlenalter durch einen Tierarzt und einen Hufschmied begutachtet werden und ggf. korrigiert werden.
  • Regelmäßige und fachlich richtige Hufpflege erleichtert das Abrollen und entlastet die Gelenke.
  • Tägliche Kontrollen lassen kleine Verletzungen frühzeitig erkennen und verhindern, dass sich Entzündungsprozesse ausbreiten.
  • Lahmheiten lieber gleich behandeln lassen, bevor sich durch Verschleppung von Entzündungsprozessen bereits Arthrosen im Gelenk bilden konnten.

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Stand: 18.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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