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Pferd: Hufbeinfraktur

Allgemeines

Weitere Bezeichnung: Hufbeinbruch

Das Hufbein ist der unterste Zehenknochen des Pferdes. Es liegt vollständig innerhalb der Hornkapsel des Hufes. Zusammen mit dem Strahlbein und dem Kronbein bildet es die Gelenkflächen des Hufgelenks.

Das Hufbein hat in etwa eine U-förmige Gestalt und passt sich damit der Form des Hufes an. Die seitlichen Schenkel verjüngen sich am Ende und werden Hufbeinäste genannt. An ihnen setzen die Hufknorpel an.

Die obere Kante des Hufbeins weist vorne einen Knochenvorsprung auf, den Streckfortsatz oder Processus extensorius. An ihm setzt die Streckesehne der Zehe an.

Abb. GR51MBPC
Abb. GR51MBPC: Schemazeichnung des Hufbeins mit Hufknorpel von der Seite gesehen.

An der Hinterfläche bzw. Unterfläche des Hufbeins setzt die tiefe Beugesehne an, die gemeinsam mit einem Schleimbeutel und dem Strahlbein die so genannte Hufrolle bildet.

Abb. GR51O0X4
Abb. GR51O0X4: Innenansicht des Hufes.

Ursachen

Ein Bruch oder eine Fraktur des Hufbeins tritt relativ häufig auf, obwohl das Hufbein innerhalb der schützenden Hornkapsel liegt. Gegenüber Erschütterungen und stumpfen Aufschlägen ist das Hufbein dennoch wenig widerstandsfähig. Meistens ist die Hornkapsel bei einem Hufbeinbruch unverletzt.

Am Hufbein treten verschieden Formen von Knochenbrüchen auf:

  • Sagittal- oder Längsfraktur: Diese häufige Bruchform teilt das Hufbein in zwei meist fast gleichgroße Teile. Meistens reicht die Bruchlinie bis in das Hufgelenk und verletzt damit den Gelenkknorpel. Man spricht dann von einer Fraktur mit Gelenkbeteiligung. Wenn die Bruchteile gegeneinander verschoben sind, entsteht eine Stufenbildung der Gelenkfläche. Liegt nur ein haarfeiner Riss im Knochen vor, spricht man von einer Fissur. Bei Belastung kann eine Fissur zu einer Fraktur auseinander brechen. Sagittalfrakturen entstehen durch einen dumpfen Schlag auf einen unbewegten harten Untergrund. Beispiele sind das Ausschlagen gegen die Boxenwand, schnelles Tempo auf hartem Boden, auch unachtsames Fallenlassen eines aufgehobenen Hufes kann ausreichend sein. Ursache kann auch eine Hornsäule sein, die eine tiefe Kerbe im Hufbein verursacht hat, durch die der Knochen instabil geworden ist.
  • Hufbeinastfraktur: Der dünne Hufbeinast bricht meistens, wenn der Huf irgendwo festklemmt oder gequetscht wird. Diese Frakturen haben keine Gelenkbeteiligung.
  • Abriss- oder Chip-Fraktur des Streckfortsatzes: Durch übermäßige Beugung oder Verdrehung des Hufgelenks kann der Streckfortsatz abreißen. So ein Gelenkchip kann auch durch eine Erkrankung des Gelenkknorpels und des darunter liegenden Knochens verursacht werden, die man Osteochondrose nennt.
  • Nageltritt : Wenn das Pferd sich einen relativ langen Gegenstand von der Sohle her in den Huf tritt, kann dieser bis in das Hufbein hinein ragen. Durch den Druck kann das Hufbein mehr oder weniger zersplittern.

Abb. GR51WTQW
Abb. GR51WTQW: Schemazeichnung des Hufbeins in der Aufsicht mit möglichen Bruchlinien.

Leitsymptom

Lahmheit

Symptome

In den meisten Fällen entwickelt sich sofort eine starke Lahmheit. Das Pferd setzt den erkrankten Huf gar nicht mehr auf. Es reagiert schmerzhaft auf das Beklopfen des Hufes. Manchmal ist der Kronrand geschwollen. Die Pulsation der Mittelfußarterie ist verstärkt.

Abb. GR528T3S
Abb. GR528T3S: Überprüfung der Pulsation.
Der Puls sollte nicht mit dem Daumen ertastet werden, dabei nimmt man nämlich leicht den eigenen Puls wahr und kommt zu falschen Ergebnissen.

Nach einigen Tagen lässt die Lahmheit nach. Bei Belastung reagiert das Pferd aber sofort wieder extrem schmerzhaft.

Fissuren und auch Hufbeinastfrakturen führen häufig zu einer weniger deutlichen Lahmheit. Diese kann so gering sein, dass sie nur in schnelleren Gangarten sichtbar wird.

Diagnose

Die Untersuchung des Hufes gibt bereits erste Hinweise auf das Vorliegen einer Fraktur. Auf Beklopfen des Hufes (Perkussion) und Druck durch eine Hufzange (Trachtenspanngriff) reagiert das Pferd schmerzhaft.

Abb. GX1ON5KO
Abb. GX1ON5KO: Trachtenspanngriff.

Gesichert wird die Diagnose durch den Nachweis des Frakturspalts oder der Fissur auf dem Röntgenbild. Häufig müssen Röntgenbilder von zwei oder mehr Seiten (Ebenen) angefertigt werden, um die Diagnose zu bestätigen.

Abb. GR52DSSO
Abb. GR52DSSO: Röntgenbild einer Hufbeinastfraktur.
Deutliche Bruchlinie (Pfeil) auf der in Aufsicht rechten Seite. Oxspring-Aufnahme.

In unklaren Fällen kann durch Szintigraphie ein aktiver Prozess im Hufbein nachgewiesen werden.

Abb. GR52FV60
Abb. GR52FV60: Szintigramm einer Hufbeinfraktur.

Behandlung

Eine Hufbeinfraktur kann konservativ oder chirurgisch behandelt werden.

Konservative Behandlung

Die meisten Pferde erhalten spezielle Hufeisen mit seitlichen Aufzügen, die den Hufmechanismus (s. Kapitel Huf) einschränken und so die Bewegung im Huf minimieren.

Zusätzlich wird der Knochen durch einen Gips oder Cast-Verband ruhig gestellt, so dass eine Heilung der Bruchstücke möglich ist. Meistens muss der Huf für 3 – 4 Monate im Gips bleiben. Während dieser Zeit darf das Pferd nicht bewegt werden, sondern sollte in einer weich gepolsterten Box aufgestallt werden.

Chirurgische Behandlung

Bei Absprengfrakturen oder verschobenen Sagittalfrakturen kann eine Operation nötig werden. Bei Absprengfrakturen kann der Chip minimalinvasiv im Rahmen einer Arthroskopie entfernt werden. Sagittalfrakturen können mit einer Schraube fixiert werden mit dem Ziel, die Bruchstücke möglichst nah zusammenzubringen und eine Stufenbildung im Gelenk zu verhindern. Auch die Schrauben müssen 3 – 4 Monate liegen bleiben und dem Pferd wird Boxenruhe verordnet.

Prognose

Sagittalfrakturen, Hufbeinastfrakturen und Abrissfrakturen haben eine relativ gute Prognose, während offene Frakturen mit Verletzung der Sohle oder der Hufwand sowie Trümmerfrakturen eine sehr schlechte Prognose haben bzw. keine Aussicht auf Heilung.

Bei Frakturen mit Gelenkbeteiligung besteht immer die Gefahr, dass sich im Hufgelenk eine Arthrose bildet. Die Gefahr ist umso größer, je weiter der Bruchspalt ist und je verschobener die Bruchstücke.

Vorbeugung

Harter Untergrund sollte beim Reiten vermieden werden. Nach dem Aufheben dürfen die Hufe nicht einfach losgelassen werden, sondern müssen vorsichtig auf dem Boden abgesetzt werden.

Tipps

Um abruptes Absetzen des Hufes bei der täglichen Pflege und beim Schmied zu vermeiden, sollten bereits junge Fohlen spielerisch an das Hufegeben gewöhnt werden. Je eher ein Pferd das Hufegeben lernt, umso besser. Seien Sie bei der Erziehung konsequent.

ACHTUNG

Stellen Sie Ihr Pferd auf Späne, wenn es über einen längeren Zeitraum ruhig gestellt wird. Sonst frisst es den ganzen Tag Stroh und bekommt vielleicht eine Verstopfung.

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Stand: 18.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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