petSpot
enpevetenpevita

Pferd: Hornhautverletzung

Allgemeines

Weitere Bezeichnung: Hornhautwunden

Die Hornhaut des Auges ist die durchsichtige, glatte Schicht, die den Augapfel vorne begrenzt. Sie erfüllt eine wichtige Funktion beim Sehen: Durch die Hornhaut fällt Licht in das Auge und wird gebrochen. Das Licht wird von der Linse erneut gebrochen, durchzieht den ebenfalls durchsichtigen Glaskörper und fällt schließlich auf die Netzhaut. Auf der Netzhaut sitzen Sinneszellen, die durch den Lichteinfall angeregt werden und über den Sehnerv die Bildinformation dem Gehirn übermitteln.

Die Hornhaut ist eine empfindliche Struktur, die durch den Lidschlag ständig mit Tränenflüssigkeit feucht und sauber gehalten wird. Die Tränenflüssigkeit dient auch der Ernährung der Hornhaut, da diese im gesunden Zustand nicht von Blutgefäßen durchzogen wird.

Eine Trübung der Hornhaut kann zu einer Einschränkung der Sehfähigkeit führen.

Abb. GR4WFOAO
Abb. GR4WFOAO: Längsschnitt durch ein Auge.

Ursachen

Die Hornhaut kann durch jede Art Fremdkörper verletzt werden. Als Beispiele seien Äste, Sandkörner und Holzsplitter genannt. Aber auch ein Pferd, das seinen Kopf an einem Baum oder an der Stallwand reibt, weil es juckt, kann dabei versehentlich seine Hornhaut verletzen. Dabei kann die Art der Verletzung sehr unterschiedlich sein:

  • Hornhautabschürfungen nennt man flächige, oberflächliche Verletzungen.
  • Nicht perforierende Hornhautverletzungen gehen schon mehr in die Tiefe der Hornhaut, durchtrennen sie aber nicht ganz.
  • Perforierende Hornhautverletzungen durchtrennen die Hornhaut und reichen somit bis in die vordere Augenkammer hinein. Diese Verletzungen können zum einen durch spitze oder schneidende Fremdkörper erzeugt werden, zum anderen kann aber auch ein heftiger Schlag auf das Auge zu einem Riss der Hornhaut führen. Perforierende Hornhautverletzungen sind fatal. Durch den Riss tritt Flüssigkeit aus der vorderen Augenkammer aus und der Augendruck sinkt ab. Wenn es nicht schnell zu einem Verschluss der Wunde kommt, kann das gesamte Auge unwiederbringlich zerstört sein.

Alle Hornhautverletzungen neigen zu einer Sekundärinfektion mit Bakterien und mit Pilzen. So entwickelt sich z.B. aus einer eher harmlosen Abschürfung schnell eine Hornhautentzündung, die zu einem gefährlichen Hornhautulkus oder Hornhautgeschwür werden kann.

Abb. GR4WK454
Abb. GR4WK454: Hornhautulkus.
Bei diesem Pferd sieht man ein noch recht kleines Hornhautgeschwür als hellen Fleck ziemlich zentral auf der Hornhaut.

Leitsymptom

  • Lidkrampf
  • Augenausfluss
  • Hornhauttrübung
  • Rötung der Bindehäute

Symptome

Alle Hornhautverletzungen gehen mit starken Schmerzen einher. Daher wird das Pferd die Augenlider schließen und vermehrten Tränenfluss haben, der sich als Augenausfluss zeigt. Die Bindehäute sind meistens wie bei einer Bindehautentzündung gerötet und geschwollen.

Die weiteren Symptome hängen von der Schwere der Verletzung ab:

  • Oberflächliche Hornhautabschürfungen führen meistens zu einer Trübung auf der Hornhaut, aber nicht immer! Daher kann man sich nicht sicher sein, dass eine ungetrübte Hornhaut immer auch unverletzt ist! Bei längerem Bestehen einer Hornhautverletzung sprossen kleine Blutgefäße in die Hornhaut ein, um die Heilung zu ermöglichen.
  • Bei tiefen Hornhautverletzungen sind die Wundränder meistens mit bloßem Auge als kleine Wülste auf der Hornhaut sichtbar. Hier tritt generell eine Trübung der Hornhaut ein.
  • Kleine perforierende Hornhautverletzungen können sich von selbst verschließen, so dass sie dann den nicht perforierenden ähneln. Bei größeren Verletzungen treten Anteile des inneren Auges durch den Wundspalt nach außen. Dies betrifft meistens die Iris, aber auch Teile der Linse oder sogar der Glaskörper können vorfallen.

Abb. GR4WRM4G
Abb. GR4WRM4G: Hornhauttrübung.
Die Hornhaut dieses Pferdeauges weist eine trübe Stelle auf.

Diagnose

Zum Nachweis einer nicht sichtbaren Hornhautverletzung wird ein fluoreszierender Farbstoff in das Auge eingebracht, der sich in dem verletzten Bereich anreichert. So werden auch oberflächliche Abschürfungen sichtbar gemacht.

Tiefe Hornhautverletzungen sollten immer unter Vollnarkose untersucht werden, um das Ausmaß der Zerstörung zu erfassen.

Ultraschall kann hilfreich sein, auch die tief im Inneren des Auges liegenden Strukturen zu untersuchen.

Behandlung

Oberflächliche Abschürfungen können mit Augensalben behandelt werden. Diese enthalten Antibiotika, um bakterielle Sekundärinfektionen abzuwenden, und ggf. auch Medikamente, die die Heilung fördern. Augensalben müssen häufig, d.h je nach Schweregrad mehrmals täglich bis stündlich und konsequent gegeben werden. Gegen die Schmerzen kann das Pferd auch systemisch entzündungshemmende und schmerzstillende Medikamente erhalten.

Tiefe Verletzungen müssen unter Vollnarkose genäht werden. Meistens wird die genähte Hornhaut zusätzlich mit einer Nickhautschürze, einer Bindehautschürze oder durch Vernähen der Augenlider vorübergehend komplett abgedeckt. Unter diesem Schutz kann die Hornhaut ungestört heilen. Augensalben oder Tropfen werden entweder über einen Dauerkatheter, der unter dem Oberlid mündet, in das Auge eingebracht oder werden auf die Bindehaut aufgetragen. Zusätzlich erhalten die Pferde systemisch entzündungshemmende Medikamente.

Die Pferde sollten möglichst staubfrei gehalten werden und nicht im Zug stehen. Gegen lästige Fliegen kann man dem Pferd eine Fliegenmaske aufsetzen.

Abb. GWZ2A4AC
Abb. GWZ2A4AC: Bindehautschürze
Bei diesem Pferd wurde ein dünnes Häutchen aus der Bindehaut des Oberlids abgelöst und auf die erkrankte Hornhaut genäht. Unter dieser Abdeckung kann die Hornhaut gut heilen.

Abb. GR4WYNRK
Abb. GR4WYNRK: Augenkatheter.
Bei diesem Pferd wurde ein Augenkatheter unter das Oberlid gelegt. Der Schlauch endet am Hals. Von dort werden mit einer Spritze die Medikamente in das Auge eingebracht – gefahrlos für Mensch und Tier.

Prognose

Die Prognose einer früh erkannten und konsequent behandelten oberflächlichen Hornhautabschürfung ist gut. Je nach Umfang der Verletzung kann ein trüber Fleck, eine so genannte Hornhautnarbe, auf der Hornhaut bestehen bleiben. Diese Narbe kann die Sehfähigkeit des Pferdes einschränken.

Abb. GWZ4YFL8
Abb. GWZ4YFL8: Hornhautnarbe.

Bei Nichtbehandlung kann sich aus einer Abschürfung eine Hornhautentzündung entwickeln, die in einen gefährlichen Hornhautulkus übergehen kann.

Abb. GR4X94HS
Abb. GR4X94HS: Hornhautgeschwür oder -ulkus.
Dieses Pferd hat ein riesiges Hornhautgeschwür. Die übrige Hornhaut ist komplett trübe.

Tiefe, nicht perforierende Verletzungen führen eigentlich immer zu Narbenbildung auf der Hornhaut. Ansonsten sind auch sie in der Regel gut behandelbar.

Perforierende Verletzungen sind hingegen prognostisch schlecht zu bewerten. Viele Strukturen im Auge können dauerhaft zerstört werden und das Pferd erblinden.

ACHTUNG

Tiefe Hornhautverletzungen, insbesondere perforierende, stellen einen absoluten Notfall dar.

Oberflächliche Hornhautverletzungen können mit Bindehautentzündung verwechselt werden. Ein erkranktes Auge sollte immer fachmännisch untersucht werden, bevor Augensalben eingebracht werden, denn einige Augensalben, z.B. Kortison, können Hornhautverletzungen verschlimmern.

Verwandte Themen

Stand: 18.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
Jetzt mitdiskutieren!
- Dieser Artikel wurde noch nicht kommentiert -

Das von der enpevet GmbH bereitgestellte Informationsangebot ist ausschließlich zu Informationszwecken bestimmt und ersetzt in keinem Falle eine persönliche Beratung, Untersuchung oder Diagnose durch einen Tierarzt. Die Informationen dienen also der Ergänzung des Dialogs zwischen Tierhalter und Tierarzt, sie können den Tierarztbesuch in keinem Falle ersetzen. enpevet® fordert alle Benutzer, deren Tiere Gesundheitsproblemen haben dazu auf, im Bedarfsfall immer einen Tierarzt aufzusuchen. Wenn Sie bezüglich der Gesundheit Ihres Tieres Fragen haben, raten wir Ihnen, sich an den Tierarzt Ihres Vertrauens zu wenden, anstatt Behandlungen eigenständig zu beginnen, zu verändern oder abzusetzen. Der Inhalt von enpevet® kann und darf nicht für die Erstellung eigenständiger Diagnosen oder für die Auswahl und Anwendung von Behandlungsmethoden verwendet werden.