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Pferd: Hornhautentzündung

Allgemeines

Weitere Bezeichnung: Keratitis

Die Hornhaut des Auges ist die durchsichtige, glatte Schicht, die den Augapfel vorne begrenzt. Sie wird auch Kornea genannt. Sie erfüllt eine wichtige Funktion beim Sehen: Durch die Hornhaut fällt Licht in das Auge und wird gebrochen. Das Licht wird von der Linse erneut gebrochen, durchzieht den ebenfalls durchsichtigen Glaskörper und fällt schließlich auf die Netzhaut. Auf der Netzhaut sitzen Sinneszellen, die durch den Lichteinfall angeregt werden und über den Sehnerv die Bildinformation dem Gehirn übermitteln.

Die Hornhaut ist eine empfindliche Struktur, die durch den Lidschlag ständig mit Tränenflüssigkeit feucht und sauber gehalten wird. Die Tränenflüssigkeit dient auch der Ernährung der Hornhaut, da diese im gesunden Zustand nicht von Blutgefäßen durchzogen wird.

Eine Trübung der Hornhaut kann zu einer Einschränkung der Sehfähigkeit führen.

Abb. GR4V0B87
Abb. GR4V0B87: Längsschnitt durch ein Auge.

Ursachen

Entzündungen der Hornhaut treten beim Pferd relativ häufig auf. In der Fachsprache heißen sie Keratitiden (Einzahl: Keratitis). Sie werden meistens durch Bakterien, Pilze oder (selten) Herpesviren entweder direkt verursacht oder häufig zumindest verkompliziert. Das nennt man dann eine Sekundärinfektion.

Einige Bakterien befinden sich immer auf den Bindehäuten eines gesunden Pferdeauges. Auch Pilze findet man regelmäßig in der Umgebung eines Pferdes. Normalerweise bilden jedoch der Tränenfilm und die glatte Hornhautoberfläche einen sehr effektiven Schutz gegenüber Krankheitserregern, so dass das Auge gesund bleibt. Verschiedene Ursachen können aber diese Barriere schwächen und somit ein Haften der Krankheitserreger an der Hornhaut ermöglichen:

  • Hornhautverletzung
  • zu wenig Tränenflüssigkeit und damit Austrocknen der Hornhaut
  • Weit vorstehende Augäpfel
  • Entropium
  • Reizung durch chemische Stoffe, z.B. Insektenabwehrpräparate
  • Mangelernährung der Hornhaut

Entzündungen der Hornhaut ohne Beteiligung von Krankheitserregern sind selten, kommen aber auch vor.

Alle genannten Ursachen führen zu einer Zerstörung der oberflächlichen Hornhautschicht. Durch die nachfolgenden Entzündungsprozesse in der Hornhaut kommt es in vielen Fällen zu einer weiteren Schädigung und Einschmelzung des Hornhautgewebes. Die Entzündung „frisst“ sich sozusagen in die Tiefe und entwickelt sich zu einem Hornhautulkus (Hornhautgeschwür). Im ungünstigsten Fall bricht das Ulkus in die vordere Augenkammer ein. Dadurch entsteht ein richtiges Loch in der Hornhaut. Durch das Loch fließt Kammerwasser aus dem Augeninneren heraus, der Augendruck sinkt ab und die inneren Strukturen des Auges können unwiederbringlich zerstört werden. Aber auch ohne diesen so genannten Durchbruch kann sich im Rahmen eines Hornhautulkus eine Entzündung des inneren Auges entwickeln, die man auch Uveitis nennt.

Abb. GR4V3OUO
Abb. GR4V3OUO: Hornhautulkus.
Bei diesem Pferd sieht man ein noch recht kleines Hornhautgeschwür ziemlich zentral als hellen Fleck auf der Hornhaut.

Ansteckung

Die sehr seltene Herpesviruskeratitis ist ansteckend. Alle anderen Formen entwickeln sich aufgrund von individuellen Vorgängen am Auge, die nicht direkt übertragbar sind. Allerdings können Bakterien und Pilze durchaus auch über Tücher, Schwämme oder Finger in das Auge gebracht werden. Wie erwähnt, führen sie aber nur unter günstigen Bedingungen zu einer Entzündung.

Leitsymptom

  • Hornhauttrübung
  • Lidkrampf
  • Augenausfluss
  • Rötung der Bindehäute

Symptome

Die meisten Hornhautentzündungen sind sehr schmerzhaft. Das Pferd wird daher krampfhaft die Augenlider geschlossen halten. Das Auge tränt verstärkt. Der Augenausfluss ist häufig klar, bei Beteiligung von Bakterien und bei einigen Pilzarten wird er auch gelblich. Die Bindehäute sind meistens wie bei einer Bindehautentzündung gerötet und geschwollen.

Die Hornhaut ist je nach Ausbreitung der Entzündung komplett trübe oder weist milchig trübe Bereiche auf.

Abb. GR4VHRVJ
Abb. GR4VHRVJ: Hornhauttrübung.
Die Hornhaut dieses Pferdeauges weist eine trübe Stelle auf.

Ein Ulkus führt meistens zu einer Erhebung auf der Oberfläche, der Ulkusrand kann aufgeworfen sein. Kommt es zum Durchbruch eines Ulkus, so können auch Irisanteile durch den Hornhautspalt vorfallen.

Abb. GR4VKO48
Abb. GR4VKO48: Hornhautgeschwür oder -ulkus.
Dieses Pferd hat ein riesiges Hornhautgeschwür. Die übrige Hornhaut ist komplett eingetrübt.

Diagnose

Die Diagnose kann nur durch die sorgfältige Untersuchung des Auges gestellt werden. Da die Erkrankung sehr schmerzhaft für das Pferd ist, ist es in den meisten Fällen nötig, das Pferd für die Untersuchung zu sedieren oder in wenigen Fällen sogar in Vollnarkose zu legen.

Mit einer Lichtquelle und einem Augenspiegel werden die Oberfläche und das innere Auge untersucht. Ultraschall kann hilfreich sein, auch die tief im Inneren des Auges liegenden Strukturen zu untersuchen.

Defekte der Hornhaut können durch einen fluoreszierenden Farbstoff sichtbar gemacht werden, der sich in dem Defekt anreichert.

Zum Nachweis der beteiligten Bakterien und Pilze und zur Charakterisierung von Entzündungszellen werden Tupferproben oder Gewebeproben von Bindehaut und Hornhaut entnommen und in einem geeigneten Behälter an ein Labor geschickt. Der Nachweis der Krankheitserreger ist wichtig für die optimale Wahl der Medikamente.

Abb. GR4VQXM0
Abb. GR4VQXM0: Plattenepithelkarzinom.
Diese Trübung der Hornhaut wurde nicht von einer Entzündung hervorgerufen, sondern von einem äußerst bösartigen Tumor.

Behandlung

Die Behandlung einer Hornhautentzündung sollte folgende Kriterien erfüllen:

  • Beseitigung der Ursache
  • Gezielte Therapie mit Antibiotika/ Antimykotika. Neben der Anwendung von Augensalben und Tropfen, die unter Umständen stündlich (auch nachts) gegeben werden müssen, kann diese Behandlung auch systemisch erfolgen. Diese Behandlung muss konsequent und lange genug durchgeführt werden. Manchmal wird dazu ein Katheter unter das Oberlid gelegt. Der Katheter wird an der Mähne fixiert. Er ist so lang, dass er bis zum Widerrist gelegt werden kann. Über diesen Schlauch kann dann das Medikament in das Auge gebracht werden, ohne das Pferd am Auge zu berühren. Besonders nach Operationen und bei starken Abwehrbewegungen des Pferdes wird so die Medikamentengabe erleichtert.
  • Schmerzmittel
  • Chirurgische Behandlung:
    • Beseitigung der abgestorbenen Gewebereste, von Entzündungsprodukten und Reinigung der Wundfläche (Wundauffrischung)
    • Bei größeren Hornhautdefekten Anlegen eines Hornhauttransplantats oder Abdeckung des Ulkus mit Bindehaut (so genannte Bindehautschürze)
  • Ggf. Augensalben zur Uveitisprophylaxe
  • Dunkle, staub- und fliegenfreie Umgebung

Abb. GWZ22TS7
Abb. GWZ22TS7: Bindehautschürze.
Bei diesem Pferd wurde ein dünnes Häutchen aus der Bindehaut des Oberlids abgelöst und auf die erkrankte Hornhaut genäht. Unter dieser Abdeckung kann die Hornhaut gut heilen.

Abb. GR4W1U40
Abb. GR4W1U40: Augenkatheter.
Bei diesem Pferd wurde ein Augenkatheter unter das Oberlid gelegt. Der Schlauch endet am Hals. Von dort werden mit einer Spritze die Medikamente in das Auge eingebracht – gefahrlos für Mensch und Tier.

Prognose

Die Prognose ist umso günstiger, je eher die Behandlung begonnen wird und je weniger Gewebe bereits zerstört wurde. Besonders Entzündungen mit Beteiligung von Bakterien und Pilzen sprechen häufig nur langsam auf die Behandlung an. Man muss in jedem Fall damit rechnen, dass eine Hornhautnarbe als trüber Fleck auf der Hornhaut bestehen bleibt, die das Sehen behindern kann.

Abb. GWZ4S6H8
Abb. GWZ4S6H8: Hornhautnarbe.

Eine Uveitis im Gefolge einer Hornhautentzündung kann auch zu bleibenden Schäden im Inneren des Auges führen, die die Sehfähigkeit des Pferdes weiter einschränken.

Durchgebrochene Geschwüre haben generell eine sehr schlechte Prognose.

ACHTUNG

Hornhautentzündungen ähneln in ihrer Symptomatik der häufigsten Augenerkrankung des Pferdes, der periodischen Augenentzündung.

Stand: 18.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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02.08.2016: B-L
Danke! Super aufgezeigt und erklärt, so dass auch Medizin-Laien etwas davon verstehen können. Mein Pferd und ich haben gerade mit Verletzungen beider Hornhäute zu kämpfen, was natürlich dazu führt, dass ich alles durchforste, was das Internet zu bieten hat. Diese Seite hat mir am ehesten geholfen, zu verstehen, was derzeit tatsächlich in meinem Pferd vorgeht – in zweierlei Hinsicht.
14.11.2015: lior
Die Seite war mir sehr hilfreich. Dachte schon oh weh.. mein Pferd wird Blind aber dank der guten Beschreibung der Trübungen verschiedener Arten weiss ich was zu tun ist...vielen Dank
14.11.2015: lior
Die Seite war mir sehr hilfreich. Dachte schon oh weh.. mein Pferd wird Blind aber dank der guten Beschreibung der Trübungen verschiedener Arten weiss ich was zu tun ist...vielen Dank

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