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Pferd: Haltung

Allgemeines

Weitere Bezeichnung: Pferdehaltung

Wie werden Pferde artgerecht gehalten?

Es ist sicherlich schwierig, eine allgemeingültige Antwort auf diese Frage zu finden. Tatsache ist aber, dass das deutsche Tierschutzgesetz vorgibt, dass ein Tier „verhaltensgerecht“ untergebracht werden muss. Außerdem darf seine „artgemäße Bewegung“ nicht so weit eingeschränkt werden, dass ihm daraus Schmerzen oder vermeidbare Leiden oder Schäden zugefügt werden.

Wer definiert nun aber, was „verhaltensgerecht“ und „artgemäße Bewegung“ bedeuten?

Um diese Beurteilung zu erleichtern, hat das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz eine "Leitlinie zur Beurteilung von Pferdehaltungen unter Tierschutzgesichtspunkten" herausgegeben. Darin sind Mindestanforderungen an Pferdehaltungen definiert. Natürlich kann so eine Leitlinie nicht auf alle Fragen eine Antwort geben. Rassetypische, nutzungsbedingte und individuelle Unterschiede der Pferde erfordern auch ein großes Maß an Fachverstand des Pferdehalters, um eine artgerechte Haltung zu gewährleisten.

Der vorliegende Artikel soll einen Einblick in die Grundbedürfnisse eines Pferdes geben und die Mindestanforderungen an eine Pferdehaltung erläutern.

Grundlagen

Das Pferd ist ein Herdentier, das in früher Vorzeit den ganzen Tag durch die Steppe zog und hauptsächlich mit der Futteraufnahme beschäftigt war. Als Futter diente überwiegend das harte Steppengras. Das Pferd ist außerdem ein Fluchttier, das auf drohende Gefahr mit Weglaufen reagiert. Der ganze Körper des Pferdes ist also auf stetige Bewegung und viele kleine Mahlzeiten ausgelegt.

Daraus kann man bereits Folgendes ableiten:

  • Sozialkontakt: Ein Pferd braucht Kontakt zu seinen Artgenossen, um sich sicher und geborgen zu fühlen. Am natürlichsten ist ein ständiger Herdenverband, in dem das Pferd dauerhaft lebt und in dem sich eine stabile Rangordnung eingestellt hat. Mindestens nötig sind jedoch Sicht- Hör- und Geruchskontakt zu einem Artgenossen.
  • Bewegung: Ein Pferd braucht viel Bewegung. In der freien Natur bewegt es sich bis zu 16 Stunden täglich, meistens geruhsam im Schritt mit kurzen Sprints bei Gefahr. Als Minimum an täglicher Bewegung gelten heute 4 Stunden. Darin enthalten sind auch Weidegang oder Auslaufzeiten, in denen sich das Pferd entspannt und ungezwungen bewegen kann. Bewegungsmangel schadet nicht nur der Psyche des Pferdes, sondern auch dem Bewegungsapparat, dem Atmungsapparat und der Verdauung.
  • Fressverhalten: Ein Pferd ist unter natürlichen Bedingungen ca. 16 Stunden am Tag mit Fressen beschäftigt. Die Fütterung sollte also aus vielen kleinen, über den Tag verteilten Mahlzeiten bestehen (Näheres siehe im Kapitel Fütterung).
  • Ruhephasen: Ein Pferd braucht mehrmals täglich kurze Ruhephasen. Pferde ruhen im Stehen, in Brustlage oder in Seitenlage. Je älter die Pferde werden, desto weniger Zeit verbringen sie im Liegen und desto mehr dösen sie im Stehen. Richtig tief schlafen können Pferde aber nur im Liegen. Dazu muss eine ausreichend große, trockene und verformbare Liegefläche zur Verfügung stehen. Außerdem muss das Pferd sich dort sicher vor Gefahren und ranghöheren Herdentieren fühlen, um wirklich abschalten zu können.

Haltungsformen

Es gibt verschiedene Haltungssysteme für Pferde. Für alle gilt, dass sie aus gesundheitsunschädlichen Materialien hergestellt sein müssen (auch Farben) und dass sich die Pferde nicht an Nägeln, Brettern, scharfen Kanten, losem Draht usw. verletzen können.

Weidehaltung und Offenstallhaltung

Eine ganzjährige Weidehaltung in einer Herde kommt sicherlich der ursprünglichen Lebensform der Pferde am nächsten. Ganztägige Bewegung, Sozialkontakt, Licht, frische Luft, die frei von Schadgasen ist und ständige Nahrungsaufnahme von Gras und Raufutter fördern die Gesundheit. Bei der ganzjährigen bzw. ganztägigen Haltung auf der Weide oder auf dem Auslauf sind jedoch einige Punkte zu beachten, um die Haltung wirklich artgerecht zu gestalten:

  • Fläche: Als Auslauffläche rechnet man mindestens 150m2 für bis zu zwei Pferde. Für jedes weitere Pferd werden 40m2 hinzugerechnet.
  • Witterungsschutz: Pferde benötigen einen Witterungsschutz, der vor übermäßiger Sonneneinstrahlung, Regen, Wind und lästigen Insekten schützt. Dabei müssen alle Pferde einer Herde, auch die rangniedrigen, Zugang und Platz in dem geschützten Bereich finden. Man berechnet den Platzbedarf eines Pferdes im Witterungsschutz mit der Formel (2–mal Widerristhöhe)2/Pferd. Das bedeutet für ein Pferd mit einem Stockmaß von 1,60m: (2x1,60m)2 = 10,24m2. Wenn im Witterungsschutz auch gefüttert wird, muss zusätzlich Platz einkalkuliert werden. Die Formel erhöht sich dann auf (3–mal Widerristhöhe)2/Pferd. Der Eingangsbereich muss so groß sein, dass zwei Pferde ungehindert aneinander vorbei gehen können und dass er nicht von einem Pferd versperrt werden kann. Dazu sollte er mindestens 1,80m breit sein. Zwei oder mehr Eingänge sind empfehlenswert. Für größere Herden sollten mehrere Unterstände angeboten werden. Der Witterungsschutz kann im Sommer auch durch Bäume etc. gewährleistet werden, im Winter reichen natürliche Schutzeinrichtungen nicht aus.
  • Umzäunung: Die Umzäunung muss für das Pferd gut sichtbar, stabil und hoch genug sein. Man rechnet mindestens 0,75–mal Widerristhöhe. Für ein Pferd von 1,60m Stockmaß bedeutet das eine Zaunhöhe von 0,75x1,60m = 1,20m. Bei einem guten Springer kann das aber unter Umständen nicht ausreichend sein! Es ist wichtig, dass die Umzäunung nicht nur aus Draht besteht, da dieser von den Pferden nicht als Hindernis wahrgenommen wird und ein hohes Verletzungsrisiko birgt. Stacheldraht ist für Pferdeweiden als alleinige Einzäunung sogar verboten. Man muss sich immer vor Augen halten, dass das Pferd als Fluchttier in Panik versuchen könnte, den Zaun zu überwinden. Je eher ein Pferd den Zaun als Hindernis wahrnimmt desto besser.
  • Tränkewasser: Pferde müssen Zugang zu Tränkewasser haben. Ein Wasserwagen oder ein täglich auf Verunreinigungen überprüfter Wassertrog sind besser als die Tränke aus natürlichen Gewässern, deren Wasserqualität z.B. durch Düngung oder Keimbelastung stark schwanken kann.
  • Bodenbeschaffenheit: Pferde müssen generell die Möglichkeit haben, auf trockenem Boden zu stehen und zu liegen. Kurzzeitiger Aufenthalt im Morast schadet sicherlich nicht, aber bei längerer Zeitdauer wächst die Gefahr von Strahlfäule oder Mauke. Das gilt besonders, wenn der Boden mit Pferdeäpfeln und Urin stark verunreinigt ist. Außerdem können sich die Pferde auf feuchtem, aufgeweichtem Boden nicht zum Schlafen hinlegen. Besonders bei hoher Pferdedichte auf kleinen Ausläufen muss ein geeigneter Untergrund vorhanden sein, damit Wasser schnell ablaufen kann. Die Pferdeäpfel sollten täglich abgesammelt werden. Außerdem lieben es Pferde, sich im Sand zu wälzen. Sandschüttungen können daher das Wohlbefinden eines Pferdes in einem ansonsten befestigten Auslauf noch erheblich steigern.

Stallhaltung

Bei der Stallhaltung gibt es große Unterschiede. Man unterscheidet Einzel- und Gruppenhaltung mit Auslauf oder ohne. Gruppenställe oder Laufställe können zudem in einzelne Funktionsbereiche aufgeteilt werden (Fressen, Liegen, Bewegung). Auch bei der Stallhaltung gilt, dass die Haltung in der Gruppe der natürlichen Lebensform des Pferdes am ehesten entspricht. Gruppenhaltung stellt aber auch erhebliche Anforderungen an das Management und an das Fachwissen des Tierhalters, da der verfügbare Platz auch in der Gruppenhaltung meistens eingeschränkt ist. Rangstreitigkeiten können daher nur bedingt ausgefochten werden und Ausweichen ist nur begrenzt möglich. Eine stabile, verträgliche Gruppe ist die Grundvoraussetzung für eine Gruppenhaltung.

  • Boxenbeschaffenheit: Grundsätzlich müssen auch Boxen so beschaffen sein, dass die Pferde sich nicht verletzen können. Dabei ist es auch wichtig, dass Metallstäbe oder Latten z.B. von Futterraufen oder Boxenwänden so eng stehen, dass das Pferd beim Wälzen nicht mit seinem Huf dazwischen stecken bleiben kann. Der Untergrund muss rutschfest, trocken und im Liegebereich verformbar sein. Einstreu soll die Flüssigkeit aufnehmen. Stroh, Häcksel, Hobelspäne oder Torf sind verschiedene Alternativen.
  • Luft: Ganz wichtig ist die Luftqualität im Stall. Pferde können sich gut an Temperaturschwankungen und auch an Luftbewegung anpassen, die wir bereits als Zugluft empfinden. Was Pferde mit ihren empfindlichen Atmungsorganen aber nicht vertragen, sind Staub und Schadgase in der Luft. Staub entwickelt sich je nach Qualität aus der Einstreu und dem Futter und wird beim Fegen aufgewirbelt. Schadgase entstehen bei der Zersetzung von Kot und Urin in der Einstreu. Staub und Gase sind die Hauptgründe für die vielen chronischen Atemwegserkrankungen bei im Stall gehaltenen Pferden (siehe auch COB).
  • Licht: Pferde brauchen natürliches Licht. Wenn kein Auslauf unter freiem Himmel ermöglicht werden kann, sollten die Pferde zumindest durch ein geöffnetes Stallfenster hinausschauen können. Elektrisches Licht kann das natürliche Licht nicht ersetzen.
  • Platzbedarf: In den oben erwähnten Leitlinien werden die minimalen Platzangaben für jede Art der Stallhaltung angegeben. Als Beispiel soll hier nur der Richtwert für eine Einzelbox angegeben werden: Die Boxenfläche sollte mindestens (2–mal Widerristhöhe)2 betragen, dabei dürfen die Seiten nicht kürzer als 1,75–mal Widerristhöhe sein. Die Tür sollte 1,20m Breite haben. Tränke und Trog sollten auf Höhe von 0,3–mal Widerristhöhe von der Standfläche aus angebracht werden. Beispiel: Ein Pferd mit Stockmaß von 1,60m benötigt also eine Stallfläche von mindestens (2x1,60m)2 = 10,24m2, dabei dürfen die Seiten nicht kürzer als 1,75x1,60m = 2,80m sein, damit das Pferd sich auch gut umdrehen kann. Tränke und Trog sollten etwa auf 0,3x1,60m = 0,48m Höhe angebracht werden.

Pflegemaßnahmen

Fellpflege

Die Fellpflege hängt stark von der Haltungs- und Nutzungsform ab. Einige Beispiele:

  • Ganztägig draußen gehaltene Pferde pflegen sich ihr Fell durch Wälzen. Sie sollten möglichst nicht mit Shampoo gewaschen werden, um den natürlichen Schutzfilm von Haut und Haaren nicht zu beeinträchtigen.
  • Pferde mit langem Kötenbehang, die auch noch dauerhaft auf feuchtem Untergrund stehen, brauchen mehr Pflege als andere Pferde.
  • Sportpferde mit dickem Winterfell trocknen nach der Arbeit nur schlecht ab und werden daher oft geschoren oder frühzeitig eingedeckt, um ein dickes Winterfell zu vermeiden. Man muss dann nur darauf achten, eine der Witterung angepasste Pferdedecke zu wählen, die einwandfrei sitzt.

Aus den Beispielen wird ersichtlich, dass die Fellpflege individuell der Haltung und der Nutzung des Pferdes angepasst werden muss.

Hufpflege

Hufe sollten täglich ausgekratzt werden. Dabei wird die Hufsohle auf eingetretene Steinchen usw. kontrolliert. Hufe müssen in regelmäßigen Abständen (im Normalfall alle 6 – 8 Wochen) von einem Hufschmied bearbeitet werde, da sich Hufwachstum und -abnutzung in den üblichen Haltungsformen nicht mehr ausreichend von alleine regulieren. Weitere Informationen finden Sie im Kapitel Huf.

Tierärztliche Versorgung

Diese umfasst sowohl das Hinzuziehen des Tierarztes bei Erkrankungen des Pferdes als auch Routinemaßnahmen wie

Stand: 18.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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