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Pferd: HYPP

Allgemeines

Weitere Bezeichnungen: Hyperkalemische periodische Paralyse, Hyperkalemic Periodic Paralysis

HYPP ist eine anfallsweise verlaufende Stoffwechselerkrankung der Muskulatur, die durch einen Gendefekt verursacht wird. Der Gendefekt entstand durch Mutation eines Gens bei dem Quarterhorse Hengst „Impressive“. Dieser gab den Gendefekt an seine Nachkommen weiter. Es sind also nur Pferde von dieser unheilbaren Erkrankung betroffen, die mit dem Hengst „Impressive“ verwandt sind. Diese Pferde sind häufig auffallend gut bemuskelt.

Jedes Pferd hat zwei Gene derselben Sorte, je eins von der Mutter und eins vom Vater. Es gibt also Pferde, bei denen nur das eine Gen defekt ist, man nennt das auch heterozygot. Diese Pferde erkranken in der Regel weniger stark oder bleiben sogar unentdeckt. Pferde, die sowohl vom Vater als auch von der Mutter das defekte Gen geerbt haben, sind homozygot in Bezug auf dieses spezielle Gen und erkranken meistens sehr schwer.

Ursachen

Bei Pferden, die diesen Gendefekt haben, ist der so genannte Natriumkanal einiger oder aller Muskelzellen fehlerhaft. Das führt zu einer Übererregbarkeit der Muskelzellen, die sich plötzlich übermäßig und unwillkürlich anspannen können. Durch die fehlerhaften Kanäle gelangt vermehrt Kalium aus den Zellen in das Blut, so dass diese Pferde häufig erhöhte Kaliumspiegel im Blut haben. Ein Anfall kann dadurch ausgelöst werden, dass durch andere Faktoren noch zusätzlich der Kaliumgehalt im Blut erhöht wird. Ein hoher Kaliumspiegel resultiert z.B. aus kaliumreicher Fütterung und anschließender Fastenzeit. Aber auch andere Anlässe wie Erkrankung, Futterwechsel, Vollnarkose und zu geringe Bewegung können einen Anfall auslösen. Die häufigsten Anfälle findet man bei 3- bis 5-jährigen Pferden, die das stärkste Muskelwachstum haben.

Ansteckung

HYPP wird vererbt. Bislang sind nur Nachkommen des Quarterhorse Hengstes „Impressive“ betroffen. Die Erkrankung wird autosomal dominant vererbt. Dominant bedeutet, dass es ausreicht, wenn nur ein Gen (heterozygot) betroffen ist, um die Erkrankung auszulösen. Autosomal bedeutet, dass das Gen nicht auf einem Geschlechtschromosom liegt, also nicht an das Geschlecht des Pferdes gebunden ist.

Pferde haben entweder das mutierte Gen oder sie haben es nicht. Es ist daher nicht zu erwarten, dass sich die Erkrankung im Laufe der Generationen abschwächt.

Leitsymptom

  • Muskelzittern
  • Muskelschwäche
  • Zusammenbruch

Symptome

Die Symptome können von leichtem, kaum wahrnehmbarem Muskelzittern bis hin zu schweren Lähmungserscheinungen mit Todesfolge variieren.

Pferde mit HYPP zeigen anfallsweise Muskelzittern und Muskelschwäche, die bis zum Zusammenbruch des Pferdes führen können. Begleitet werden die Anfälle häufig von lauten Atemgeräuschen, die durch eine Lähmung der oberen Atemwege hervorgerufen werden. Die Pferde können bei einem Anfall sterben, wenn sich die Lähmung auf die Atemmuskulatur oder den Herzmuskel ausdehnt.

Diagnose

Der Gendefekt kann durch einen speziellen Gentest nachgewiesen werden. Dazu wird eine Blutprobe oder eine Haarprobe (mit Zellen der Haarwurzel) entnommen und in ein geeignetes Labor geschickt. So kann man auch herausfinden, ob der Defekt heterozygot oder homozygot vorliegt.

Behandlung

Die Behandlung von HYPP umfasst langfristige Maßnahmen und Maßnahmen für den Anfall:

Akuter Anfall:

  • Bewegung: Wenn das Pferd sich noch bewegen kann, sollte es maßvoll bewegt werden. Bewegung reduziert den Kaliumgehalt im Blut.
  • Medikamente: In schweren Fällen muss der Tierarzt eine Infusion mit Elektrolyten, einem Zuckerstoff und/oder Insulin geben oder eine Zuckerlösung über die Nasenschlundsonde eingeben. Zucker und Insulin erhöhen die Kaliumaufnahme in die Zellen und senken so den Kaliumspiegel im Blut.

Langfristige Maßnahmen:

  • Fütterung: Pferde mit HYPP erhalten eine spezielle Diät, die einen geringen Kaliumgehalt haben muss. Futtermittel wie Luzerne, Melasse, Soja, Heu vom ersten Schnitt und Mineralfutter enthalten viel Kalium und sollten vermieden werden. Dagegen enthalten Heu vom späten Schnitt und viele Getreidesorten wie Hafer, Gerste und Mais nur geringe Kaliummengen und eignen sich daher für Pferde mit HYPP. Pferde sollten ständig Zugang zu Futter haben oder häufig mit kleinen Portionen gefüttert werden, um plötzliche hohe Kaliumspiegel durch große Futtermengen zu verhindern. Abrupte Futterumstellungen sind zu vermeiden.
  • Bewegung: Pferde mit HYPP sollten dauerhaft Auslauf auf einem Paddock oder einer Weide haben oder mehrmals am Tag bewegt werden.
  • Medikamente: Verschiedene Medikamente erhöhen die Kaliumausscheidung durch die Nieren und können bei täglicher Gabe das Risiko eines Anfalls verringern.

Prognose

Die Erkrankung ist unheilbar. Pferde, die diesen Gendefekt haben, können während ihres ganzen Lebens Anfälle entwickeln. Mit reichlich Bewegung und Diät kann das Risiko eines Anfalls vermindert werden. Pferde, bei denen der Defekt homozygot vorliegt, sterben häufig schon als Fohlen.

Vorbeugung

Mit Pferden, die diesen Gendefekt haben, sollte auf keinen Fall gezüchtet werden, auch wenn sie symptomlos sind!

Bei erkrankten Pferden beugt man mit langfristigen Maßnahmen (s.Behandlung) einem Anfall vor.

ACHTUNG

Pferde, die den HYPP-Gendefekt haben und keine Symptome zeigen, können diesen Defekt genauso vererben wie erkrankte Tiere!

Beim Umgang und Reiten von Pferden mit HYPP ist erhöhte Vorsicht geboten, da die Anfälle plötzlich und unerwartet auftreten können.

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Stand: 18.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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