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Pferd: Funktionsstörungen der Gebärmutter

Allgemeines

Weitere Bezeichnung: Degenerative Veränderungen der Gebärmutter

Die Gebärmutter (Uterus) des Pferdes besteht aus dem Gebärmutterkörper, der nach vorne in zwei Gebärmutterhörner übergeht.

Der Gebärmutterkörper ist über den Gebärmutterhals (Zervix) mit der Scheide verbunden. Während der Rosse und bei der Geburt ist der Gebärmutterhals offen, die übrige Zeit ist seine Öffnung stark verengt und stellt im Normalfall einen wirksamen Schutz gegenüber Erregern dar, die in die Scheide eingedrungen sind.

In die Spitzen der Gebärmutterhörner münden die Eileiter, die das Ei nach erfolgtem Eisprung vom Eierstock in die Gebärmutter transportieren. Im Eileiter findet auch die Befruchtung des Eis mit den Samenzellen statt. Die Gebärmutter mit Eileitern und Eierstöcken ist über das breite Mutterband ähnlich einer Hängematte an der seitlichen Bauchwand aufgehängt. Das breite Mutterband ist eine dünne, aber feste Haut. So ist die Gebärmutter zwar etwas beweglich und kann sich während der Trächtigkeit auch ausdehnen, die Beweglichkeit ist aber begrenzt, um Verdrehungen usw. zu vermeiden. Im Mutterband laufen auch die versorgenden Blutgefäße der Organe.

Abb. GQF33V3A
Abb. GQF33V3A: Schemazeichnung der Geschlechtsorgane der Stute.

Das Innere der Gebärmutter ist mit einer Schleimhaut ausgekleidet, der Gebärmutterschleimhaut ( Endometrium). Diese erfüllt wichtige Funktionen im Rahmen der Trächtigkeit. Der Aufbau der Gebärmutterschleimhaut ist zyklischen Schwankungen unterworfen, die durch die Geschlechts- Hormone geregelt werden. So bereitet das Östrogen, das während der Rosse von dem Follikel auf dem Eierstock gebildet wird, die Gebärmutterschleimhaut auf die Einnistung einer befruchteten Eizelle vor. Progesteron, dass nach dem Eisprung vom Gelbkörper auf dem Eierstock gebildet wird, sorgt dafür, dass die Gebärmutterschleimhaut die Trächtigkeit aufrecht erhalten kann. Auch die Gebärmutter selbst bildet Hormone: Wenn keine Trächtigkeit stattfindet, bildet das Endometrium Prostaglandin. Das Prostaglandin führt dazu, dass der Gelbkörper auf dem Eierstock abgebaut wird und macht so den Weg für eine erneute Rosse frei. Wenn die Eizelle jedoch erfolgreich befruchtet wurde, so wandert sie bis etwa zum 16. Tag nach dem Eisprung durch die Gebärmutter, bevor sie sich einnistet. Durch dieses Signal „weiß“ das Endometrium, dass eine Trächtigkeit vorliegt und bildet kein Prostaglandin. Der Gelbkörper bleibt erhalten und produziert weiter Progesteron. Ab dem 40. bis zum 120. Trächtigkeitstag setzt die Gebärmutter zudem das "pregnant mare serum gonadotropine" (PMSG oder eCG) frei, dass ebenfalls zum Erhalt der Trächtigkeit beiträgt.

Erkrankungen des Endometriums sind die bei weitem häufigsten Ursachen für das Ausbleiben einer Trächtigkeit (Infertilität). Entzündungen des Endometriums werden in dem Kapitel Endometritis behandelt.

Ursachen

Funktionsstörungen der Gebärmutter bezeichnen nicht-entzündliche Veränderungen der Gebärmutterschleimhaut, die zu einer Verminderung der Fruchtbarkeit führen. Diese können verschiedene Ursachen haben:

  • Endometrose: Unter diesem Begriff versteht man so genannte chronisch-degenerative Veränderungen des Endometriums. Er bezeichnet eine verstärkte Bildung von Bindegewebe in der Gebärmutterschleimhaut, die zu einer so genannten Fibrose, also einer Art "Vernarbung" führt. Auch die kleinen Blutgefäße, die die Schleimhaut versorgen, zeigen bindegewebige Zubildungen in ihren Wänden. Das nennt man Angiosen oder auch Angiopathien. Das Bindegewebe stört die Funktion der Schleimhaut. Die Einnistung der befruchteten Eizelle wird dadurch erschwert. Mit zunehmendem Alter der Stute verstärken sich die bindegewebigen Einlagerungen und verdrängen das eigentliche Schleimhautgewebe. Auch Entzündungen der Gebärmutterschleimhaut sollen die Entwicklung einer Endometrose begünstigen. Endometrose findet man als Hauptursache bei Stuten, die über einen längeren Zeitraum nicht tragend werden.
  • Gebärmutterzysten: Neben kleinen Drüsenzysten, die im Rahmen der Endometrose auftreten, finden sich gelegentlich größere Zysten in der Gebärmutterhöhle. Diese entstehen als Aussackungen von Lymphgefäßen und behindern die Einnistung der Frucht. Sie treten überwiegend bei älteren Stuten auf.
  • Verklebungen: Als Verklebungen bezeichnet man Verwachsungen oder Anheftungen der Gebärmutterschleimhaut mit der gegenüberliegenden Seite. Verklebungen in der Gebärmutter können als Folge einer schweren Entzündung, Verletzung oder nach der Behandlung der Gebärmutter mit aggressiven Substanzen auftreten. Neben einzelnen „Spangen“ können auch ganze Teile der Gebärmutterhöhle durch Verklebungen versperrt werden.
  • Fehldifferenzierung: Als Fehldifferenzierung bezeichnet man es, wenn die Gebärmutterschleimhaut nicht das übliche zyklische Erscheinungsmuster aufweist oder wenn zur gleichen Zeit verschiedene Differenzierungsstadien der Schleimhautzellen auftreten. Fehldifferenzierung kommt bei hormonellen Störungen im Geschlechtszyklus der Stute z.B. bei Eierstockerkrankungen und Eierstocktumoren vor.

Leitsymptom

Symptome

Nicht-entzündliche Veränderungen der Gebärmutterschleimhaut sind rein äußerlich gar nicht wahr zu nehmen. Einziges Anzeichen ist das wiederholte Ausbleiben einer Trächtigkeit.

Diagnose

Es stehen verschiedene Hilfsmittel zur Verfügung, um das Innere der Gebärmutter genauer zu untersuchen:

  • Rektale Untersuchung: Der Tierarzt geht mit dem Arm in den Darm des Pferdes ein. Da der Darm im Pferd etwas beweglich aufgehängt ist und die Gebärmutter genau unter dem Darm liegt, kann der Tierarzt mit der Hand die Gebärmutter befühlen. Dabei untersucht er Größe, Symmetrie und Konsistenz des Organs. Gebärmutterzysten können ab einer bestimmten Größe bereits ertastet werden.
  • Ultraschalluntersuchung : Bei diesem Verfahren führt der Tierarzt ähnlich der rektalen Untersuchung mit dem Arm eine Ultraschallsonde in den Darm des Pferdes ein. Mit dem Ultraschallkopf wird die Gebärmutter abgefahren. Der Ultraschallkopf sendet Schallwellen aus und fängt deren Echo auf. Daraus wird ein schwarzweißes Bild von der Gebärmutter erzeugt. Zysten oder Flüssigkeit in der Gebärmutter können so erkannt werden.
  • Vaginale Untersuchung: Mit Hilfe eines Spekulums wird die Schamspalte der Stute gespreizt, so dass die Schleimhaut der Scheide und des Gebärmutterhalses beurteilt werden kann. Farbe, Glanz und eventuell Flüssigkeitsansammlungen werden beurteilt. Zusätzlich wird der Öffnungsgrad des Gebärmutterhalses bestimmt.
  • Gewebeprobe (Biopsie): Endometrose und Fehldifferenzierungen können mit den bisher beschriebenen Verfahren nicht diagnostiziert werden. Für ihren Nachweis wird mit einer Biopsiezange ein reiskorngroßes Stück der Gebärmutterschleimhaut abgekniffen. Das geht am stehenden Pferd normalerweise ohne Sedation. Die Probe wird in einer Lösung fixiert (haltbar gemacht) und in ein Labor für Histopathologie eingesendet. Dort wird eine histologische Untersuchung durchgeführt, das bedeutet, dass die Zellen, aus denen sich das Gewebe zusammensetzt, näher untersucht werden. So erhält man Aufschluss über die Art und den Grad der vorliegenden Veränderungen. Bei der Endometrose wird man z.B. vermehrt Bindegewebszellen finden. Seit einigen Jahren existiert ein Beurteilungsschema für Endometriumbiopsien, so dass anhand der Befunde eine Prognose für eine erneute Trächtigkeit gestellt werden kann.
  • Spiegelung: In einigen, unklaren Fällen oder beim Vorliegen umfangreicher Zysten oder Verklebungen in der Gebärmutter kann eine Gebärmutterspiegelung mit einem Endoskop nötig werden (Hysteroskopie). Diese kann am stehenden Pferd unter Sedation durchgeführt werden. Die Spiegelung der Gebärmutter wird in der Regel unter Klinikbedingungen durchgeführt.

Abb. GQF3HM0Z
Abb. GQF3HM0Z: Spekulum.
Farbe und Feuchtigkeit der Scheidenschleimhaut sowie Flüssigkeit und Öffnungsgrad des Gebärmutterhalses können beurteilt werden. Gewebeproben und Tupferpoben lassen sich so entnehmen.

Behandlung

Eine Endometrose ist nicht behandelbar, da das neugebildete Bindegewebe nicht wieder verschwinden kann.

Zysten lassen sich meist mit dem Endoskop während der Spiegelung entfernen. Die Krankheitsursache, nämlich die Erschlaffung der Lymphgefäße, lässt sich allerdings nicht beheben. Verklebungen können ebenfalls während einer Spiegelung entfernt werden.

Prognose

Bei Stuten mit Endometrose sinkt die Wahrscheinlichkeit einer Trächtigkeit mit zunehmendem Grad der Veränderungen. Man muss bedenken, dass sich der Zustand mit zunehmendem Alter der Stute weiter verschlechtert.

Nach der Entfernung von Zysten und Verklebungen können die Stuten wieder tragend werden, allerdings liegt oft gleichzeitig Endometrose vor. Man muss leider auch damit rechnen, dass sich neue Zysten entwickeln.

Fehldifferenzierungen können sich wieder vollständig normalisieren, wenn die Ursache abgestellt werden kann (z.B. Entfernen eines Eierstocktumors).

Auf die Allgemeingesundheit der Stute haben alle diese Veränderungen keinerlei Auswirkungen.

Vorbeugung

Bei Stuten, die gedeckt werden sollen und ganz besonders bei solchen, die nicht tragend geworden sind, sollte eine Tupferprobe durchgeführt werden, um eine Endometritis frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Verschleppte Entzündungen können sonst zu einer Funktionsstörung der Gebärmutterschleimhaut führen. Bei längerem Ausbleiben der Trächtigkeit sollte eine genauere Untersuchung der Geschlechtsorgane der Stute durchgeführt werden.

Stand: 18.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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06.06.2013: uecker
kann der tupfer beim tupfern in der gebährmutter abbrechen?

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