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Pferd: Fütterung

Allgemeines

Weitere Bezeichnungen: Pferdefütterung, Ernährung, Futter

Der Verdauungsapparat eines Pferdes ist hervorragend an die ursprüngliche Lebensform in der Steppe angepasst. Bis zu 16 Stunden am Tag sind die Wildpferde damit beschäftigt kleine Mengen hartes Gras aufzunehmen. Pferde sind in der Lage, mithilfe ihrer Darmflora auch die für uns unverdaulichen Bestandteile aus dem Gras als Energie- und Nährstofflieferanten zu verwerten. Allerdings hat diese Spezialisierung ihren Preis: Der komplizierte Verdauungsapparat kann nur dann einwandfrei funktionieren, wenn das Pferd ausreichend viel und häufig genug Rohfaser (Erklärung s. unten) in Form von Raufutter (Heu, Stroh) oder auch (nicht zu jungem) Weidegras fressen kann. Weidegras hat allerdings einen relativ geringen Rohfasergehalt, weil es einen wesentlich höheren Wassergehalt als Heu oder Stroh hat.

Man sollte seinem Pferd mindestens während 12 Stunden am Tag den Zugang zu Raufutter (oder Gras) ermöglichen, dabei sollten Hungerphasen nicht länger als 4 Stunden dauern.

Außerdem ist Fressen eine wichtige Beschäftigung für das Pferd und damit auch für die psychische Ausgeglichenheit enorm wichtig. Ein Pferd hat ein sehr hohes Kaubedürfnis! Um das Kaubedürfnis wirklich zu befriedigen, muss das Pferd strukturiertes Raufutter erhalten, also Halme, die es richtig gründlich kauen muss. Langeweile kann zu Unzufriedenheit bis hin zu echten Verhaltensstörungen wie Koppen und Weben führen.

Verdauungsvorgang

Der Verdauungstrakt des Pferdes beginnt in der Maulhöhle, in der das Futter zerkleinert und eingespeichelt wird. Speichel enthält bereits Verdauungs- Enzyme, außerdem puffert der basische Speichel die saure Magensäure ab und verhindert so die Entstehung von Magengeschwüren. Eine ausreichende Speichelproduktion wird nur über das Kauen von Raufutter angeregt. Über den Schlund gelangen die Futterbissen in die Speiseröhre. Eine wellenförmige Muskelbewegung der Speiseröhrenwand sorgt für den Transport in den Magen. Das Pferd hat einen relativ kleinen Magen, er kann nur etwa 8 – 15l Inhalt aufnehmen. Im Magen sorgt Salzsäure dafür, dass mit dem Futter aufgenommene Bakterien abgetötet werden. Außerdem werden Verdauungsenzyme in den Futterbrei gemischt, so dass die eigentliche Verdauung des Futters beginnen kann. Eine Besonderheit gegenüber anderen Tieren ist der sehr starke Schließmuskel zwischen Speiseröhre und Magen. Dieser verschließt den Magen, so dass Gase und Futter nur im Ausnahmefall in die Speiseröhre entweichen können. Pferde können sich also in der Regel nicht erbrechen. Der Magen geht in den Dünndarm über. Dieser ist beim Pferd mit ca. 25m sehr lang. In den Dünndarm werden Verdauungsenzyme aus der Bauchspeicheldrüse und Gallensaft abgegeben. Die verdaulichen Nahrungsbestandteile werden durch diese Enzyme in winzige Teile zersetzt. Diese kleinen Nährstoffteilchen werden über die Darmwand in den Blutkreislauf aufgenommen. Der Futterbrei wird durch wellenförmige Muskelbewegungen der Darmwand weitergeschoben. Diesen Vorgang nennt man auch Peristaltik. Peristaltik findet in allen Darmabschnitten statt. Der Dünndarm mündet in den Blinddarm, der anatomisch bereits zum Dickdarm gehört. Im Gegensatz zum Blinddarm des Menschen ist der Blinddarm des Pferdes sehr groß. Er ist etwa 1m lang und kann ca. 33l Volumen aufnehmen. Der Blinddarm erfüllt eine wichtige Funktion: Er dient als Gärkammer. Im Blinddarm befinden sich viele nützliche Bakterien, die man auch als Darmflora kennt. Diese Bakterien helfen, die ansonsten unverdaulichen Pflanzenteile (Rohfaser) zu verdauen. Dabei entsteht viel Gas, so dass im Blindarm über dem Futterbrei eine Gaskuppel vorhanden ist. Der Futterbrei gelangt aus dem Blinddarm in die weiteren Abschnitte des Dickdarms. Der Dickdarm des Pferdes dient als weitere Gärkammer, auch hier werden noch Nährstoffe und auch Wasser durch die Darmwand aufgenommen. Der Dickdarm des Pferdes gliedert sich in verschiedene Anteile, die in einer strengen Ordnung im Bauch des Pferdes liegen. Insgesamt ist er 6 – 9m lang und hat ein beträchtliches Fassungsvermögen. In dem letzten Darmabschnitt werden schließlich aus den eingedickten Futterresten Kotballen geformt und ausgeschieden.

Bedarfsermittlung

Über die Bedeutung der Rohfaser und des Raufutters in der Pferdefütterung wurde bereits gesprochen.

Neben diesen wichtigen, ernährungsphysiologischen Grundsätzen muss die Fütterung Folgendes berücksichtigen: Jedes Pferd hat einen bestimmten täglichen Bedarf an Energie und Nährstoffen: Er setzt sich aus dem Erhaltungsbedarf, also dem, was das Pferd täglich zum Erhalt seines Körpers benötigt und dem zusätzlichen Leistungsbedarf zusammen. Der Leistungsbedarf orientiert sich an der tatsächlichen Leistung eines Pferdes (Wachstum, Arbeit, Trächtigkeit, Laktation).

Futterbestandteile

Energie: Der Energiegehalt eines Futtermittels wird in MJ (Megajoule) angegeben. Das Pferd muss mit dem Futter ausreichend Energie für seinen täglichen Bedarf erhalten. Dabei ist der Energiebedarf von der tatsächlich erbrachten Leistung abhängig. Am Ruhetag benötigt das Pferd weniger Energie als an einem harten Arbeitstag. Eine Überfütterung kann zu Verfettung und Krankheiten wie dem equinen metabolischen Syndrom führen, eine Unterversorgung zu Leistungsabfall und allgemeiner Anfälligkeit für Erkrankungen. Man muss aber feststellen, dass die meisten Hobbypferde, die häufig kaum Leistung erbringen müssen, heutzutage eher überversorgt sind.

Energiespender können ganz verschieden Futterbestandteile sein:

Kohlenhydrate: Kohlenhydrate sind die wichtigsten Energiespender in der Pferdefütterung. Man unterscheidet lösliche Kohlenhydrate und Rohfaser:

  • Lösliche Kohlenhydrate: Zu den löslichen und damit leicht verdaulichen Kohlenhydraten gehören Stärke und Zuckerstoffe. Sie liefern schnell verfügbare Energie. Wenn diese Energie allerdings nicht genauso schnell verbraucht wird, wird sie in Form von Fettdepots gespeichert. Zucker kommen besonders viel in Saftfutter (Möhren, Rüben, junges Gras) vor, während Getreide einen hohen Stärkegehalt aufweist. Im Gras beobachtet man tageszeitliche und jahreszeitliche Schwankungen im Zuckergehalt: Morgens und im Herbst ist der Zuckergehalt meistens niedriger.
  • Rohfaser: Unter Rohfaser versteht man verschiedene Stoffe (Zellulose, Hemizellulose, Lignin), die in der Zellwand von Pflanzen vorkommen. Sie werden auch als Ballaststoffe bezeichnet. Pferde können diese an sich schwer verdaulichen Futterbestandteile in ihrer Gärkammer im Dickdarm mithilfe der Darmflora aufschließen und daraus Nährstoffe gewinnen. Bei jungem Gras gelingt dies leichter als bei bereits sehr verholzten Stängeln. Die Darmflora ist auf die beständige Zufuhr von ausreichend Rohfaser angewiesen, um funktionieren zu können.

Verdauung von Rohfaser ist ein langsamer Prozess, bei dem die Energie über einen längeren Zeitraum freigesetzt wird und damit dem Pferd über einen längeren Zeitraum zur Verfügung steht. Dies entspricht der natürlichen Ernährung viel mehr als schnelle Energiefreisetzung aus Zucker und Stärke. Außerdem wird die Darmmotorik, also die Darmbewegung durch Rohfaser reguliert. Rohfaser ist daher ein ungemein wichtiger Inhaltsstoff in der Pferdefütterung. Man unterscheidet strukturierte Rohfaser (Halme, besonders in Raufutter wie Heu und Stroh enthalten) von stark zerkleinerter Rohfaser, die z.B. in Pellets erhalten sein kann. Der Darmflora ist es egal, ob die Rohfaser in strukturierter oder unstrukturierter Form gefüttert wird, für das Wohlbefinden des Pferdes ist die Art der Rohfaserfütterung aber überhaupt nicht egal: Nur strukturierte Rohfaser befriedigt das Kaubedürfnis und regt den Speichelfluss an. Daher sollte der Rohfaserbedarf zu mindestens 2/3 über Raufutter gedeckt werden.

Eiweiß (Protein): Eiweiße werden aus Aminosäuren aufgebaut. Sie stellen den Hauptbestandteil der Körpersubstanz dar. Wachsende Tiere, Tiere im Muskelaufbau und tragende bzw. säugenden Stuten benötigen vermehrt Eiweiß. Erwachsene Pferde haben einen relativ geringen Eiweißbedarf. Eiweiß ist außerdem ein schlechter Energiespender. Eine Unterversorgung mit Eiweiß kommt in der Pferdefütterung eigentlich praktisch nicht vor.

Auf Verpackungen von Pferdefutter wird häufig der so genannte Rohproteingehalt angegeben: Rohprotein ist ein in der Futtermittelanalyse gebräuchlicher Begriff. Im Rohprotein „verstecken“ sich neben den Eiweißen, die den Hauptanteil ausmachen, auch noch geringe Mengen anderer stickstoffhaltiger Bestandteile des Futtermittels.

Fette: Fette können als effektive Energielieferanten in der Pferdefütterung von Sportpferden dienen. Fette haben einen viel höheren Energiegehalt als beispielsweise Getreide. Außerdem werden die Fette langsam verdaut, so dass die Energie über einen längeren Zeitraum zur Verfügung steht. In der Pferdefütterung sollten nur pflanzliche Fette (z.B. Leinöl oder Sonnenblumenöl) zum Einsatz kommen, schließlich ist das Pferd ein reiner Pflanzenfresser!

Vitamine: Vitamine werden für verschiedene Abläufe im Stoffwechsel benötigt. Man unterscheidet zwischen wasserlöslichen (z.B. C, B1, B2, B6, B12, Biotin, Folsäure) und fettlöslichen Vitaminen (A, D, E, K). Die fettlöslichen Vitamine können im Körper gespeichert werden. Vitamine der Vitamin-B-Gruppe und Vitamin K werden durch die Darmflora selber hergestellt. In der Regel wird eine ausreichende Vitaminversorgung durch Weidegang und gutes Heu sichergestellt. Viele Mischfuttermittel und Mineralfutter enthalten dennoch Vitaminzusätze, um einem eventuellen Mangel vorzubeugen. Besonders im Winter bis zum ersten Weidegang kann eine zusätzliche Vitamingabe sinnvoll sein, da der Vitamingehalt des Heus mit zunehmender Lagerungsdauer abnimmt. Viele Vitamine bzw. deren Vorstufen sind auch im Saftfutter (z.B. Futtermöhren, Rote Beete) enthalten.

Mineralstoffe: Mineralstoffe lassen sich in die Mengenelemente (Kalzium, Phosphor, Magnesium, Natrium, Kalium, Chlor) und die Spurenelemente (Eisen, Kupfer, Mangan, Zink, Kobalt, Jod, Selen) unterteilen. Von den Spurenelementen benötigt man nur sehr wenig, sie dürfen aber auch nicht fehlen. Mineralstoffe sind für den Körper und seine Stoffwechselvorgänge sehr wichtig.

Eine ausreichende Versorgung mit Mineralstoffen lässt sich über eine alleinige Heufütterung bzw. Weidegang nicht sicherstellen, da unsere Weiden keinen abwechselungsreichen Bewuchs von Gräsern und Kräutern mehr aufweisen. Daher sollten Mineralstoffe entweder als Mineralfutter oder als Bestandteil eines Mischfutters zugeführt werden.

Futterarten

Raufutter: Heu und Stroh sind mit über 20% Rohfaser die wichtigsten Rohfaserlieferanten in der Pferdefütterung. Sie werden auch als Raufutter bezeichnet. Heulage/ Anwelksilage kann ebenfalls zum Raufutter gezählt werden, allerdings ist ihr Rohfaseranteil deutlich geringer als bei Heu und Stroh. Weidegras zählt nicht zum Raufutter, das es durch seinen hohen Wassergehalt eine sehr viel geringeren Rohfaseranteil hat.

Raufutter, besonders Heu, ist elementar für den störungsfreien Ablauf der Verdauungsprozesse, da es

  • das Kaubedürfnis befriedigt,
  • die Speichelproduktion anregt,
  • die Darmperistaltik reguliert,
  • die Darmflora intakt hält und
  • einen guten Energielieferanten darstellt.

Eine ausreichende Versorgung mit gutem Heu deckt bereits den Erhaltungsbedarf unserer Reitpferde in vielen Punkten ab! Man rechnet dafür ca. 1 – 1,5kg gutes Heu/100kg Körpergewicht (also 5 – 7,5kg Heu/Tag für ein 500kg schweres Pferd). Für körperliche Leistung über den Erhaltungsbedarf hinaus muss dann zusätzlich Energie in Form eines Kraftfutters zugefüttert werden. Der Leistungsbedarf kann in der Regel nicht durch zusätzliche Heurationen gewährleistet werde, weil das Pferd am Tag nicht soviel Menge fressen kann (man spricht auch von der begrenzten Trockensubstanzaufnahme). Außerdem kann der Mineralstoffbedarf eines Pferdes nicht durch eine ausschließliche Heufütterung gedeckt werden und muss durch ein Mineralfutter oder ein mineralisiertes Mischfutter gewährleistet werden.

Heu muss frei von Verunreinigungen, Staub, feuchten Stellen und Schimmel sein. Es darf nicht muffig riechen und sollte grüne Farbe haben. Heu muss nach der Trocknung etwa 3 Monate ruhen, bevor es verfüttert wird. Während dieser Zeit „schwitzt“ das Heu, d.h. es laufen Fermentationsprozesse im Heu ab, die für das Pferd schädlich sind. Zu lange Trocknungszeiten, Regen während der Trocknungsphase, lange Lagerungszeiten und zweiter oder sogar dritter Schnitt einer Wiese führen zu einer Abnahme des Nährstoff- und Vitamingehalts im Heu.

Stroh enthält nur wenige Nährstoffe, sollte aber ergänzend zum Heu gefüttert werden, um das Kaubedürfnis und den Rohfasergehalt der Ration zu erhöhen.

Auch Stroh muss von einwandfreier Qualität sein und darf keine Verfärbungen aufweisen. Als Futterstroh eignen sich besonders Hafer- und Weizenstroh. Achtung: Zuviel oder ausschließliche Strohfütterung kann bei empfindlichen Pferden Kolik, meistens durch eine Verstopfung verursachen.

Kraftfutter: Unter Kraftfutter versteht man Futter, das einen relativ hohen Energiegehalt aufweist. Es kann zusätzlich zum Raufutter gefüttert werden, um den Leistungsbedarf zu decken. Man unterscheidet

  • reines Getreide
  • Mischfutter:
    • Pellets
    • Müsli

Getreide in der Pferdefütterung ist in erster Linie Hafer. Hafer hat einen relativ geringen Eiweiß- und Energiegehalt und ist sehr gut verträglich, so dass es (zu Recht) das beliebteste Getreide in der Pferdefütterung darstellt. Hafer kann als ganzes Korn oder gequetscht gefüttert werden, wenn auffällt, dass die Tiere den ganzen Hafer nicht ausreichend kauen. Zunächst sollte man dann aber die Zähne auf Zahnkanten kontrollieren lassen. Das ganze Korn hat den Vorteil, dass das Pferd gründlicher kauen muss, was die Speichelproduktion anregt. Quetschhafer verdirbt schneller und sollte nicht länger als 14 Tage gelagert werden. Auch Gerste und Mais werden in der Pferdefütterung eingesetzt, um den Energiegehalt einer Ration zu erhöhen. Weizen und Roggen eignen sich aufgrund ihres hohen Gehalts an Klebereiweiß nur sehr eingeschränkt für die Pferdefütterung (Kolik-Gefahr). Der Nachteil der reinen Getreidefütterung liegt in dem geringen Mineralstoffgehalt, der durch ein Mineralfutter ausgeglichen werden muss.

Pellets und Müslifutter enthalten unterschiedliche Anteile Getreide, Rohfaser, Mineralstoffe, Vitamine und weitere Bestandteile wie eiweißreiche Pflanzenmehle oder -flocken (z.B. Erbsen, Soja) oder Melasse. Für die Pelletherstellung werden die Bestandteile gemahlen und anschließend zu Pellets geformt. In Müslifutter findet man zudem thermisch aufgeschlossenes Getreide in Form von Getreideflocken, das eine bessere Verwertung gewährleisten soll.

Es gibt eine Vielzahl unterschiedlicher Mischfutter im Handel, die in ihrer Zusammensetzung auf die Bedürfnisse bestimmter Pferdegruppen zugeschnitten sind.

Beispiele:

  • eiweißreiche Mischungen für wachsende Pferde und tragende bzw. säugende Stuten
  • energiereiche Mischungen für Sportpferde
  • rohfaserreiche Mischungen für Hobbypferde und übergewichtige Pferde oder Ponys
  • schmackhafte Mischungen (z.B. mit Melasse) für schlechte Fresser

Mischfutter unterteilt man in Alleinfutter, die zusätzlich zu Heu gefüttert werden und in Ergänzungsfutter, die z.B eine Heu-/Haferration ergänzen. Auf der Verpackung wird angegeben, für welche Verwendung und in welcher Menge das Futtermittel gefüttert werden soll.

Saftfutter: Saftfutter hat einen hohen Wassergehalt von mindestens 40 – 45%. Dazu zählt Grünfutter wie Gras, Gärfutter wie Silage, Wurzeln und Knollen wie Karotten, Rote Beete und Rüben. Saftfutter hat zudem meistens einen recht hohen Zuckergehalt, der bei der Rationsgestaltung berücksichtigt werden muss.

Mineralfutter/Salzleckstein: Mineralfutter enthält alle lebenswichtigen Mineralstoffe und meistens auch die benötigten Vitamine. Bei reiner Weidehaltung, Heufütterung oder Heu-/Haferfütterung müssen Mineralstoffe ergänzt werden. Das geschieht am besten über ein Mineralfutter, da bei einem mineralisierten Leckstein die tatsächliche Aufnahme nicht überprüft werden kann. Bei Fütterung eines Alleinfutters oder eines Ergänzungsfutters ist meistens keine zusätzliche Mineralstoffergänzung nötig, da diesen Futtermitteln schon Mineralstoffe und Vitamine zugesetzt wurden. Bei der Wahl und Dosierung des Mineralfutters orientiert man sich an den Angaben auf der Verpackung, um das passende Produkt zur Ergänzung der Ration auszuwählen.

Über den Schweiß verlieren Pferde zudem viel Salz, das aus Natrium und Chlorid besteht. Daher sollten stark schwitzende Pferde zusätzlich zum Mineralfutter einen Salzleckstein erhalten, an dem sie sich bei Bedarf bedienen können. Der Salzleckstein sollte nicht im Futtertrog liegen, damit das Pferd nicht gezwungen ist, bei jeder Mahlzeit Salz aufzunehmen.

Achtung: Bei Fohlen und Jungpferden kann der ungehinderte Zugang zu Lecksteinen zu Durchfall führen.

Futterration

Die Futterration eines Pferdes muss den Bedarf eines Pferdes in folgenden Punkten abdecken:

  • Kaubedürfnis
  • Rohfasergehalt
  • Energiegehalt (Erhaltungsbedarf/Leistungsbedarf)
  • Mineralstoffversorgung

Als Beispiel für eine einfache, pferdegerechte Fütterung dient folgende Tagesration:

  • 1,5kg gute Heu/100kg Körpergewicht
  • ca. 0,5kg Kraftfutter/100kg Körpergewicht (z.B. Hafer) bei mittlerer Leistung (15min Schritt, 20min Trab, 15min Galopp)
  • Mineralfutter nach Dosierungsempfehlung und Art des Kraftfutters

Das Heu deckt Kaubedürfnis, Rohfasergehalt und Erhaltungsbedarf ab. Das Kraftfutter deckt den Leistungsbedarf ab und sollte sich an der tatsächlichen Leistung des Pferdes orientieren. Mineralfutter sichert die Versorgung mit allen lebenswichtigen Mineralstoffen. Natürlich können Pferdetyp und Temperament sowie besondere Lebensumstände wie Krankheit, Alter etc. die Futteraufnahme und -verwertung beeinflussen und bedürfen unter Umständen eine Anpassung der Ration oder besondere Futtermittel.

Fütterungstechnik

Folgende Stichpunkte sollten bei der praktischen Durchführung der Fütterung beherzt werden:

  • Das Pferd als „Dauerfresser“ sollte viele kleine Rationen über den Tag verteilt erhalten. Dabei sollte man das Raufutter stets vor dem Kraftfutter füttern, damit die Speichelproduktion angeregt wird und der erste Hunger bereits gestillt ist. So kaut das Pferd das Kraftfutter besser und kann es auch besser verwerten. In der Regel füttert man Kraftfutter dreimal am Tag. Mindestens eben so oft sollte auch Raufutter vorgelegt werden, wobei die größte Ration am Abend gefüttert wird. So beugt man Magenproblemen vor!
  • Das Pferd entwickelt eine „innere Uhr“, daher sollte man immer zur gleichen Uhrzeit füttern und stets alle Pferde im Stall auf einmal. Das senkt die Unruhe im Stall und damit den Stresslevel.
  • Hastige Fresser können durch einen großen Stein im Futtertrog oder durch Einmischen von Stroh- oder Heuhäcksel ins Kraftfutter gebremst werden. Mäkelige Fresser können durch Zugabe von Melasse oder Möhren zum Fressen animiert werden.
  • Vor und nach dem Fressen sollten die Pferde eine Pause von einer Stunde haben, um in Ruhe verdauen zu können.
  • Die Umstellung auf ein neues Futtermittel muss allmählich erfolgen, damit sich die empfindliche Darmflora des Pferdes darauf einstellen kann. Daher sollte man über ca. 14 Tage steigende Mengen des neuen Futters unter das alte mischen.
  • Futterplatz und Tröge müssen sauber sein.
  • Die natürliche Haltung beim Fressen ist die mit gesenktem Kopf. Bei der Fütterung vom Boden muss allerdings die Hygiene sicher gestellt sein.
  • In Gruppenhaltungen muss jedes Pferd in Ruhe und ausreichend fressen können, auch die rangniedrigen. Unter Umständen müssen die Pferde zum Füttern getrennt werden.
  • Hygienisch einwandfreies Tränkewasser sollte immer zur freien Verfügung stehen oder mindestens dreimal täglich bis zur Durstsättigung angeboten werden.

Besonderheiten

ACHTUNG

Zahnerkrankungen sowie Zahnkanten oder Wurmbefall können dazu führen, dass ein an sich ausreichend gefüttertes Pferd dennoch Gewicht verliert. Daher sollten regelmäßig Vorsorgemaßnahmen getroffen werden.

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Stand: 18.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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