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Pferd: Fohlenfütterung

Allgemeines

Weitere Bezeichnung: Fohlenernährung

Allgemeines zum Thema Fütterung finden Sie in dem gleichnamigen Artikel.

Fohlen verdoppeln in den ersten 60 Lebenstagen ihr Geburtsgewicht. Bis zu einem Alter von 36 Monaten hat das Fohlen etwa 90% des Gewichts eines erwachsenen Pferdes erreicht. Dieses schnelle Wachstum erfordert eine relativ hohe Zufuhr von Eiweiß, Mineralstoffen und Energie. Allerdings weiß man heute, dass zu stark gefütterte Fohlen zu schnell wachsen und häufiger an Erkrankungen des Bewegungsapparates leiden.

Neugeborene Fohlen

Ein normales, gesundes Fohlen wird spätestens zwei Stunden nach der Geburt das erste Mal bei der Mutter trinken. Die erste Milch der Mutterstute wird Kolostrum oder Biestmilch genannt und unterscheidet sich ganz erheblich von der späteren reifen Milch:

  • Sie enthält sehr viele Antikörper, die das Fohlen, das noch keine eigenen Antikörper gebildet hat, in den ersten Lebenswochen vor Krankheitserregern schützen. Das Fohlen kann während der ersten Lebensstunden Antikörper aus der Biestmilch über die Darmwand in das Blut aufnehmen und ist so während der ersten Lebensmonate gegen bestimmte Krankheiten wie z.B. Fohlenlähme oder Tetanus geschützt. Die Aufnahmefähigkeit des Darms für Antikörper nimmt mit zunehmendem Lebensalter ab. Nach 12 Stunden ist sie schon stark vermindert, nach ca. 20 Stunden ist überhaupt keine Aufnahme mehr möglich. Daher ist die ausreichende Aufnahme von Kolostrum besonders innerhalb der ersten 6 Stunden enorm wichtig für die Gesundheit des Fohlens.
  • Das Kolostrum enthält außerdem sehr viele Mineralstoffe, die anregend auf die Darmtätigkeit wirken. Das erleichtert den Abgang des Darmpechs oder Mekoniums. Darmpech entsteht während der Entwicklung des Fohlens. Bereits im Mutterleib schluckt das Fohlen Fruchtwasser, Haare usw. ab. Zusammen mit verschiedenen Sekreten und Geweberesten wird im Darm des Fohlens daraus das Darmpech gebildet. Darmpech sind harte, dunkle Kugeln. Wenn das Fohlen das Darmpech nicht absetzen kann, entsteht eine Darmpechverhaltung.

Viele Ursachen von Seiten des Fohlens oder der Stute können dazu führen, dass das Fohlen kein oder nicht genug Kolostrum aufnehmen kann:

  • Stute: Ungenügende Kolostrumbildung, vorzeitiger Milchfluss und damit Verlust des Kolostrums, Aggressivität oder Unruhe, Tod der Stute
  • Fohlen: ungenügender Saugreflex, Fohlenlähme, Fehlanpassungssyndrom, Unvermögen zu stehen z.B. durch Sehnenstelzfuß oder andere Fehlstellungen, Missbildungen im Bereich des Kopfes

Je nach Ursache stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, das neugeborene Fohlen trotzdem ausreichend zu versorgen:

  • Stute abmelken und Kolostrum über eine Nuckelflasche oder die Nasenschlundsonde eingeben
  • Zuvor eingefrorenes Kolostrum einer anderen Stute geben
  • Blutplasma eines erwachsenen Pferdes über eine Infusion geben.

Abb. GQF1ETUB
Abb. GQF1ETUB: Fohlenfütterung mit der Flasche.
Dieses Fohlen erhält abgemolkene Stutenmilch und zusätzlich eine Infusion.

Abb. GQF1FR7U
Abb. GQF1FR7U: Abmelken der Stute.

Es gibt verschiedene Schnelltest, mit denen man auch im Stall den Antikörperspiegel im Blut des Fohlens messen kann. Es ist ungeheuer wichtig für die spätere Gesundheit des Fohlens, dass es in den ersten Lebensstunden ausreichend Antikörper erhält.

Nach etwa 24 Stunden gibt die Stute kein Kolostrum mehr, sondern reife Milch. Normalerweise trinken Fohlen 50 – 60–mal/Tag am Euter der Stute und nehmen dabei jedes Mal zwischen 100 und 200ml Milch auf. Um herauszufinden, ob die Stute genügend Milch hat, muss man sich das Fohlen ansehen. Wenn es vital und gut genährt ist, so hat die Stute auch genügend Milch.

Bei Stuten mit ungenügender Milchbildung oder anderen Problemen oder bei mutterloser Fohlenaufzucht kann so genannter Milchaustauscher über die Flasche gegeben werden. Dabei ist es wichtig, Milchaustauscher für Fohlen zu verwenden, da sich die Stutenmilch in ihrer Zusammensetzung von der Milch anderer Tierarten unterscheidet. Bei Flaschenfütterung sollte der Zeitabstand zwischen den Mahlzeiten zunächst nicht mehr als zwei Stunden betragen. Nach einigen Wochen kann der Zeitabstand allmählich auf alle 4 Stunden verlängert werden. Sauger und Flasche müssen stets sauber sein. Die Milchmenge pro Mahlzeit richtet sich nach dem Lebensalter und wird bei kommerziellen Milchaustauschern auf der Packung angegeben. Man rechnet aber mindestens 10 – 12l Milch/Tag.

Fohlen beginnen schon sehr früh, an frischen Kothaufen ihrer Mütter zu knabbern. Dieser Vorgang ist sehr wichtig, da die Fohlen damit B-Vitamine und wichtige Darmbakterien aufnehmen, um selber eine intakte Darmflora zur Verdauung fester Futtermittel aufzubauen.

Erste Zufütterung

Mit wenigen Wochen beginnen die Fohlen zunächst spielerisch Heu, Gras und auch Stutenfutter aufzunehmen. Ab dem zweiten Lebensmonat bereits liefert die Stutenmilch nicht mehr ausreichend Eiweiß, Energie und Mineralstoffe für das schnell wachsende Fohlen. Daher sollte man jetzt mit der gezielten Zufütterung eines speziellen Fohlenfutters (z.B. Fohlenstarter) beginnen und außerdem erstklassiges Heu anbieten. Fohlenstarter sind pelletierte Mischfutter, die auf die Bedürfnisse des Fohlens zugeschnitten sind. Dieses Futter sollte in einem eigenen Futtertrog für Fohlen angeboten werden, der für die Stute unzugänglich ist. Fohlenstarter sind reich an Energie, hochverdaulichem Eiweiß (meistens Milchpulver) und Mineralstoffen (v.a. Kalzium und Kupfer). Häufig wird Fohlenstarter mit gequetschtem Hafer im Verhältnis 1:1 gemischt. Man sollte das Fohlenfutter nur in Maßen und in langsam steigender Menge zufüttern. Es ist unbedingt zu vermeiden, das Fohlen zu dick zu füttern oder das Wachstum durch übermäßige Fütterung zu sehr zu beschleunigen! Diese Fohlen haben häufig gesundheitliche Probleme, z.B. mit Gelenkchips (Osteochondrose). Als Faustregel für die Kraftfuttermenge gilt: Man erhöht die Fohlenfuttermenge pro Monat um 0,5kg. Maximal 4kg/Tag sollten aber nicht überschritten werden. Die Menge richtet sich auch nach Art des Fohlenfutters (Herstellerangaben beachten) und nach der Gewichtskondition des Fohlens.

In den nächsten Wochen wird das Fohlen zunehmend Beifutter aufnehmen. Nach drei Monaten sinkt bereits die Milchproduktion der Stute, weil das Fohlen seinen Bedarf jetzt vermehrt über feste Futtermittel deckt (in erster Linie Heu und Gras, ergänzt durch Fohlenfutter).

Sobald das Fohlen festes Futter aufnimmt, muss es auch Wasser zur freien Verfügung haben. Dabei ist zu beachten, ob das Fohlen in der Lage ist, aus der Selbsttränke der Stute zu trinken. Ansonsten muss es mit dem Eimer getränkt werden.

Absetzer

Mit etwa einem halben Jahr wird das Fohlen von der Stute entwöhnt. Dieser Prozess verläuft schonender, wenn das Fohlen jeden Tag etwas länger von der Stute getrennt wird. Es frisst jetzt bis zu 3kg Kraftfutter (z.B. Hafer und Fohlenfutter) pro Tag, abhängig von Weide und Heuqualität. Spezielles Fohlenfutter sollte mindestens bis zum 9. Lebensmonat gegeben werden, kann aber auch bis zum 18. Lebensmonat gefüttert werden.

Jährlinge

Jährlinge heißen Pferde im Jahr nach ihrer Geburt. Sie werden meistens ab Frühling auf der Weide gehalten. Ein langsames Anweiden bei gleichzeitiger Fütterung von gutem Heu ist auch bei den jungen Pferden sehr wichtig. Je nach Weidequalität sollte Mineralfutter für Jungpferde oder bei knapper Weide auch Kraftfutter (Jungpferdeaufzuchtfutter und Hafer) zugefüttert werden. Im Winter erhalten die Pferde zusätzlich Raufutter (meistens Heu). Generell müssen die jungen Pferde zwar mit allen wichtigen Nährstoffen versorgt werden, dürfen aber nicht zuviel Energie bekommen, damit sie nicht zu schnell wachsen. Auch der Eiweißbedarf der Jährlinge ist geringer als bei Fohlen.

Tipps

Tägliche Auslaufmöglichkeit ist ein ganz wichtiger Bestandteil der Jungpferdeaufzucht und beugt Erkrankungen vor.

ACHTUNG

Der ungehinderte Zugang zu Salzlecksteinen kann bei Fohlen und Jungpferden zu Durchfall führen. Daher dürfen Fohlen Salzlecksteine nicht erreichen.

Wissenschaftliche Studien haben ergeben, dass sowohl eine Unterversorgung mit Kupfer als auch eine Überversorgung mit Kalzium und Phosphor die Bildung von Gelenkchips begünstigen können. Daher sollte man Fohlenaufzuchtfutter bzw. Mineralfutter speziell für Jungpferde füttern, bei denen die richtige Kombination an Mineralstoffen gewährleistet ist.

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Stand: 18.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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