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Pferd: Fesselgelenkluxation

Allgemeines

Weitere Bezeichnungen: Verrenkung des Fesselgelenks, Ausgekugeltes Fesselgelenk

Das Fesselgelenk des Pferdes wird durch die reiterliche Nutzung stark beansprucht. Dabei sind es besonders die Fesselgelenke der Vorderbeines, die z.B. bei der Landung nach einem Sprung viel Gewicht auffangen und abfedern müssen. Daher erkranken die Fesselgelenke der Vorderbeine deutlich häufiger als die der Hinterbeine. Der Reiter kann mithelfen, die Vorderbeine zu entlasten, wenn er dafür sorgt, dass eine aktive Hinterhand weit unter den Schwerpunkt des Pferdes fußt und so viel Gewicht aufnimmt. Eine wichtige Reiterregel lautet: Der Motor sitzt hinten!

Zum besseren Verständnis soll zunächst der Aufbau des Fesselgelenks näher erläutert werden. Das Fesselgelenk des Pferdes wird aus folgenden Anteilen gebildet:

  • der oberen Gelenkfläche, dem so genannten Gelenkkopf. Er wird vom unteren Ende des Mittelfußes (Röhrbein) gebildet,
  • der unteren Gelenkfläche, der so genannten Gelenkpfanne. Sie wird vom oberen Ende des Fesselbeins und von den Gleichbeinen gebildet,
  • der das Gelenk umschließenden Gelenkkapsel und
  • vielen stabilisierenden Gelenkbändern.

Abb. GQEXE6HB
Abb. GQEXE6HB: Schemazeichnung der Knochen der Pferdezehe von der Seite.

Abb. GQEXF2MF
Abb. GQEXF2MF: Kronbein (A), Fesselbein (B) und ein Teil des Röhrbeins (C) als Präparat.

Abb. GQEXFWPA
Abb. GQEXFWPA: Gleichbeine im Präparat.

Ein Teil der Bänder und ein sehniger Muskel bilden zusammen mit den Gleichbeinen eine Art Tragegurt für das Fesselgelenk, den man auch Fesselträger nennt. Dieser hilft, das Gelenk zu stabilisieren.

Über die Rückseite des Fesselgelenks laufen die oberflächliche und die tiefe Beugesehne, über die Vorderfläche verläuft die Strecksehne.

Grundsätzlich sind im Fesselgelenk Beugung und Streckung möglich, Drehbewegungen sind aufgrund der Form der Gelenkflächen fast gar nicht möglich. Dabei wird das Fesselgelenk gebeugt, wenn der Huf angewinkelt wird und gestreckt, wenn sich der Huf nach vorne bewegt. Wenn man sich die Stellung des Fesselgelenks im Stand einmal von der Seite anschaut, so stellt man fest, dass bereits in Ruhe eine so genannte Überstreckung im Fesselgelenk besteht. Von der Seite gesehen knickt die Zehenachse im Fesselgelenk nach vorne, in die Streckrichtung, ab. So kann das Pferd im Fesselgelenk Bewegungen besonders gut abfedern. Nun drückt das Gewicht des Pferdes allerdings permanent von oben auf diese Gelenkstellung und verstärkt insbesondere bei der Bewegung die Überstreckung. Daher ist es enorm wichtig, dass das Gelenk durch einen intakten Trageapparat gestützt wird, sonst würde der Fesselkopf bei der Belastung des Beines bis auf den Boden durchgedrückt. Pferde, bei denen die Zehenachse im Fesselgelenk auffallend stark nach vorne abknickt, sind besonders anfällig für Erkrankungen des Fesselgelenks. Man sagt auch, diese Pferde sind weich gefesselt. Im Gegensatz dazu bedeutet steil gefesselt, dass von der Seite gesehen der Knick im Fesselgelenk nur gering ausgeprägt ist.

Ursachen

Unter einer Luxation des Fesselgelenks versteht man eine Verschiebung des Röhrbeins und des Fesselbeins so zueinander, dass die Gelenkflächen keinen oder nur noch wenig Berührungskontakt haben. Wenn sich die Gelenkflächen noch etwas berühren, spricht man auch von einer Subluxation.

Normalerweise halten Gelenkkapsel, Bänder und Sehnen die Knochen in ihrer Position. Durch Fehltritte, Unfälle oder auch bei sehr schnellen Bewegungen können diese Gelenk stabilisierenden Strukturen aber stark gedehnt werden oder sogar zerreißen. Sie können die Knochen dann nicht mehr in ihrer Position halten und die Knochen verrutschen. Je nach Ausmaß der Verletzung rutschen die Knochen nur teilweise oder vollständig auseinander. Dabei hängt die Richtung der Verschiebung davon ab, welche Strukturen genau geschädigt wurden. Eine Verlagerung des Fesselbeins nach vorne ist die häufigste Luxationsform des Fesselgelenks und tritt auf, wenn die oberflächliche Beugesehne oder der Fesselträger reißen.

Leitsymptom

Lahmheit

Symptome

Pferde mit einer Gelenkluxation gehen akut lahm. Die Beinachse ist geknickt. Bei einer Subluxation können Schwellung und Lahmheit die einzigen Symptome sein.

Diagnose

Meistens erkennt man die Luxation bereits an einem auffallenden Knick in der Beinachse. Durch Abtasten, Ultraschalluntersuchung und Röntgen kann die Diagnose gesichert werden und das Ausmaß der Schädigungen, die an den Haltstrukturen und vielleicht sogar am Knochen entstanden sind, beurteilt werden.

Behandlung

Das Gelenk muss unter Vollnarkose wieder in die Normalstellung gebracht werden. Anschließend muss das Bein z.B. durch einen Cast-Verband ruhig gestellt werden, damit der Haltapparat wieder heilen kann und stabil wird.

Abb. GQEXOFT5
Abb. GQEXOFT5: Cast-Verband.

Prognose

Die Prognose für ein vollständiges Wiedererlangen der Reitbarkeit ist umso günstiger, je schneller die Behandlung erfolgt und je geringer die Schäden an Knochen und Weichteilen sind. Bei ausgedehnten Verletzungen insbesondere der Sehnen ist die Prognose immer vorsichtig zu stellen.

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Stand: 18.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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