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Pferd: Entzündung des Fesselgelenks

Allgemeines

Weitere Bezeichnung: Fesselgelenkarthritis

Das Fesselgelenk des Pferdes wird durch die reiterliche Nutzung stark beansprucht. Dabei sind es besonders die Fesselgelenke der Vorderbeines, die z.B. bei der Landung nach einem Sprung viel Gewicht auffangen und abfedern müssen. Daher erkranken die Fesselgelenke der Vorderbeine deutlich häufiger als die der Hinterbeine. Der Reiter kann mithelfen, die Vorderbeine zu entlasten, wenn er dafür sorgt, dass eine aktive Hinterhand weit unter den Schwerpunkt des Pferdes fußt und so viel Gewicht aufnimmt. Eine wichtige Reiterregel lautet: Der Motor sitzt hinten!

Zum besseren Verständnis soll zunächst der Aufbau des Fesselgelenks näher erläutert werden. Das Fesselgelenk des Pferdes wird aus folgenden Anteilen gebildet:

  • der oberen Gelenkfläche, dem so genannten Gelenkkopf. Er wird vom unteren Ende des Mittelfußes (Röhrbein) gebildet,
  • der unteren Gelenkfläche, der so genannten Gelenkpfanne. Sie wird vom oberen Ende des Fesselbeins und von den Gleichbeinen gebildet,
  • der das Gelenk umschließenden Gelenkkapsel und
  • vielen stabilisierenden Gelenkbändern.

Abb. GQEWFEAH
Abb. GQEWFEAH: Schemazeichnung der Knochen der Pferdezehe von der Seite.

Abb. GQEWG95T
Abb. GQEWG95T: Kronbein (A), Fesselbein (B) und ein Teil des Röhrbeins (C) als Präparat.

Abb. GQEWHE28
Abb. GQEWHE28: Gleichbeine im Präparat.

Die Gelenkflächen sind von sehr glattem Gelenkknorpel überzogen. Die innerste Schicht der Gelenkkapsel, die Synovialmembran, bildet die Gelenkflüssigkeit (Synovia). Sie ermöglicht das reibungslose Gleiten der Knorpelflächen bei der Bewegung und ernährt den Knorpel, der nicht, wie andere Gewebe, über das Blut ernährt wird. Die Synovia eines gesunden Gelenks ist klar, hellgelb bis bernsteinfarben gefärbt und „Faden ziehend“. Das bedeutet, dass ihre Viskosität relativ hoch ist. Diese wird unter anderem durch ihre Inhaltsstoffe wie Hyaluronsäure gewährleistet. Die hohe Viskosität ist wichtig, um die Funktion der Synovia als „Schmiermittel“ zu ermöglichen. Ein weiterer wichtiger Faktor für die Funktion eines Gelenks ist der sehr glatte Gelenkknorpel. Nur intakte Knorpelflächen können störungsfrei übereinander gleiten. Bereits geringste Rauigkeiten oder Verletzungen führen zu erhöhter Reibung und weiterer Schädigung der Knorpelflächen. Dazu kommt, dass der Knorpel ausgesprochen schlecht heilen kann, da er nicht durchblutet wird.

Abb. GT406YTU
Abb. GT406YTU:

Ein Teil der Gelenkbänder und ein sehniger Muskel bilden zusammen mit den Gleichbeinen eine Art Tragegurt für das Fesselgelenk, den man auch Fesselträger nennt. Dieser hilft, das Gelenk zu stabilisieren.

Über die Rückseite des Fesselgelenks laufen die oberflächliche und die tiefe Beugesehne, über die Vorderfläche verläuft die Strecksehne.

Grundsätzlich sind im Fesselgelenk Beugung und Streckung möglich, Drehbewegungen sind aufgrund der Form der Gelenkflächen fast gar nicht möglich. Dabei wird das Fesselgelenk gebeugt, wenn der Huf angewinkelt wird und gestreckt, wenn sich der Huf nach vorne bewegt. Wenn man sich die Stellung des Fesselgelenks im Stand einmal von der Seite anschaut, so stellt man fest, dass bereits in Ruhe eine so genannte Überstreckung im Fesselgelenk besteht. Von der Seite gesehen knickt die Zehenachse im Fesselgelenk nach vorne, in die Streckrichtung, ab. So kann das Pferd im Fesselgelenk Bewegungen besonders gut abfedern. Nun drückt das Gewicht des Pferdes allerdings permanent von oben auf diese Gelenkstellung und verstärkt insbesondere bei der Bewegung die Überstreckung. Daher ist es enorm wichtig, dass das Gelenk durch einen intakten Trageapparat gestützt wird, sonst würde der Fesselkopf bei der Belastung des Beines bis auf den Boden durchgedrückt. Pferde, bei denen die Zehenachse im Fesselgelenk auffallend stark nach vorne abknickt, sind besonders anfällig für Erkrankungen des Fesselgelenks. Man sagt auch, diese Pferde sind weich gefesselt. Im Gegensatz dazu bedeutet steil gefesselt, dass von der Seite gesehen der Knick im Fesselgelenk nur gering ausgeprägt ist.

Ursachen

Eine Gelenkentzündung nennt man auch Arthritis. Sie ist immer durch eine Entzündung der Synovialmembran gekennzeichnet. Diese führt zu vermehrter Bildung einer eher wässrigen Gelenkflüssigkeit. Ein Gelenkerguss ist die Folge. Außerdem wird der Gelenkknorpel nicht mehr effektiv geschmiert, so dass es zu verstärkter Reibung und als Folge sogar zu Knorpelschäden kommen kann. Auch Produkte der Entzündung können den Knorpel schädigen.

In schweren Fällen sind neben der Synovialmembran auch direkt der Knorpel, die Gelenkbänder, Knochen und Sehnen durch die auslösende Ursache in Mitleidenschaft gezogen.

Am Fesselgelenk treten folgende Entzündungsformen auf:

Nicht-infektiöse Fesselgelenkentzündung

Die nicht-infektiöse Fesselgelenkentzündung ist die häufigste Form. Sie kann viele Ursachen haben:

Wird eine nicht-infektiöse Fesselgelenkentzündung nicht behandelt und wird dem Pferd keine ausreichende Ruhe zur vollständigen Heilung gewährt, so geht die akute Entzündung in eine chronische Form über. Die ständige Reizung kann zu einer Wucherung der innersten Schicht der Gelenkkapsel, der Synovialmembran führen. Diese zottenartigen Wucherungen ragen dann in den Gelenkspalt hinein und behindern die Bewegung.

In schweren Fällen mit Knorpel- und Knochenverletzungen können sich auch schwerwiegende Arthrosen entwickeln.

Infektiöse Fesselgelenkentzündung

Infektiöse, d.h. durch Bakterien verursachte Fesselgelenkentzündungen können u.a. durch eine eitrige Schleimbeutelentzündung unter der Strecksehne an der Vorderseite des Fesselgelenks verursacht werden. Dabei dringen Bakterien aus dem entzündeten Schleimbeutel in das benachbarte Gelenk ein.Bakterien können auch durch eine Verletzung, bei der häufig auch die Beugesehnenscheide verletzt wird, oder bei einer bakteriell bedingten Allgemeinerkrankung wie der Fohlenlähme in das Fesselgelenk gelangen.

Bakterielle Entzündungen führen zu einer massiven Bildung von Entzündungsprodukten. Diese sind sehr aggressiv und schädigen innerhalb kürzester Zeit den Gelenkknorpel, so dass meistens eine Arthrose die Folge ist.

Leitsymptom

  • Lahmheit
  • Gelenkschwellung

Symptome

Nicht-infektiöse Fesselgelenkentzündung: Die Pferde zeigen je nach Ausmaß eine unterschiedlich starke Stützbeinlahmheit, Gelenkschwellung und vermehrte Wärme des Gelenks. Die Schwere der Befunde ist abhängig von dem Umfang des Gewebeschadens im Gelenk.

Infektiöse Fesselgelenkentzündung: Eine deutliche Stützbeinlahmheit mit starker Wärmeentwicklung und Schwellung entwickelt sich über einen Zeitraum von 1 bis 2 Tagen und kann mit Fieber einhergehen.

Diagnose

Für die Diagnosestellung steht eine Vielzahl diagnostischer Möglichkeiten zur Verfügung, die abhängig von der Schwere und Eindeutigkeit der Befunde zum Einsatz kommen:

  • Klinische Lahmheitsuntersuchung: Eine klinische Lahmheitsuntersuchung wird durchgeführt, um den Schmerzpunkt zu lokalisieren und Wärme und Gelenkschwellung zu beurteilen. Bei einigen Fällen sind Schwellung und Wärme nicht so deutlich ausgeprägt oder lassen sich nicht zweifelsfrei einem Gelenk zuordnen. In diesen unklaren Fällen kann es nötig sein, die Lahmheit durch die Beugung der einzelnen Gelenke zu verstärken, um herauszufinden, welches Gelenk erkrankt ist. Man nennt dies auch Beugeprobe oder Provokationsprobe. Ein weitere Möglichkeit, die Lahmheitsursache näher einzugrenzen, sind diagnostische Anästhesien: Dazu wird ein Lokalanästhetikum an einen Nerven oder in ein Gelenk gespritzt und dieser Bereich betäubt. Geht das Pferd nach der Anästhesie des betroffenen Gebiets lahmfrei, so weiß der Tierarzt, wo der Schmerz lokalisiert ist.

Abb. GQEWZZTM
Abb. GQEWZZTM: Beugeprobe.
In dieser Abbildung sieht man eine Übersichtsbeugeprobe der Zehengelenke. Bei dieser Beugeprobe werden Fessel-, Kron- und Hufgelenk gleichzeitig gebeugt. So möchte man herausfinden, ob die Lahmheit aus diesen Bereichen stammt. Ist die Beugeprobe positiv, d.h. die Lahmheit verstärkt sich, kann man danach die einzelnen Gelenke beugen, um den Schmerzherd näher einzugrenzen.

  • Röntgen: In einem Röntgenbild sind knöcherne Zubildungen, Knochenbrüche und Gelenkchips zu erkennen. Knorpel und Weichteile lassen sich im Röntgenbild nicht darstellen.
  • Gelenk- Punktion: Bei einer Gelenkpunktion wird Gelenkflüssigkeit gewonnen. Die Beschaffenheit der Synovia kann bereits mit bloßem Auge beurteilt werden. Zudem kann die Zusammensetzung in einem Labor genauer bestimmt werden. Eine Gelenkpunktion kann auch genutzt werden, um den Druck im Gelenk zu messen, der bei einem Gelenkerguss erhöht ist.
  • Arthroskopie (Gelenkspiegelung): In einigen Fällen kann es nötig sein, mit einem Arthroskop in das Gelenk hineinzuschauen. Insbesondere beim Verdacht auf Knorpelschäden, die auf einem Röntgenbild nicht sichtbar sind, kann eine Gelenkspiegelung wertvolle Erkenntnisse liefern. Die Arthroskopie wird unter Vollnarkose in einer Klinik durchgeführt.
  • Szintigraphie: Die Szintigraphie zeigt entzündliche Prozesse frühzeitig auf, die noch nicht zu Gewebeveränderungen geführt haben. Der Einsatz dieser speziellen Maßnahme ist allerdings Spezialkliniken vorbehalten.

Behandlung

Die Behandlungsweisen einer nicht-infektiösen und einer infektiösen Arthritis unterscheiden sich maßgeblich:

  • Nicht-infektiöse Arthritis: Das Pferd wird sofort ruhiggestellt, am besten in eine Box mit weicher Einstreu. In der Anfangsphase kann das Bein gekühlt werden oder kühlende Verbände angelegt werden. Im weiteren Verlauf können auch entzündungshemmende Einreibungen sinnvoll sein. Zusätzlich werden meistens entzündungshemmende Substanzen systemisch gegeben, also entweder gespritzt oder über das Maul verabreicht. Diese werden dann über das Blut zum betroffenen Gelenk transportiert. Je nach Schwere der Erkrankung kann es sinnvoll sein, Entzündungshemmer auch direkt in das Gelenk zu spritzen. Darüber hinaus hat sich der Einsatz von Hyaluronsäure bewährt, die ebenfalls direkt in das Gelenk gespritzt werden kann. Gelenkchips, Knochenbrüche u.ä. machen unter Umständen einen chirurgischen Eingriff nötig. In vielen Fällen ist es sinnvoll, das Gelenk durch einen orthopädischen Hufbeschlag zu entlasten. Dieser muss in Zusammenarbeit von Tierarzt und Hufschmied individuell für den Patienten gefertigt werden.
  • Infektiöse Arthritis: Die infektiöse Arthritis ist immer ein Notfall! Die Entzündungsprozesse mit Eiterbildung schädigen den Gelenkknorpel massiv und können ihn vollständig zerstören. Daher muss ein Patient mit einer Gelenkinfektion umgehend in eine Klinik gebracht werden, in der das Gelenk gespült und mit einem Antibiotikum behandelt wird. Zumeist wird das Antibiotikum auch noch systemisch verabreicht.

Wenn die akute Form der Gelenkentzündung in eine chronische übergegangen ist, können entzündungshemmende Medikamente und Hyaluronsäure immer noch helfen, die Entzündung zur Ruhe zu bringen.

Wucherungen der Synovialmembran werden mit Hilfe eines Arthroskops bei einer Gelenkspiegelung (Arthroskopie) entfernt.

Unterstützend kann ein orthopädischer Beschlag aufgebracht werden.

Prognose

Eine nicht-infektiöse Arthritis hat bei sofortigem Einleiten einer Therapie gute Heilungsaussichten, sofern der Knorpel nicht beschädigt wurde. Liegen Knorpelschäden vor, so verschlechtert sich die Prognose erheblich, da der Knorpel nur sehr schlecht repariert werden kann.

Die Prognose einer infektiösen Gelenkentzündung ist eher vorsichtig zu stellen. Gelingt es, die Bakterien durch die Behandlung schnell zu beseitigen und ist der Gelenkknorpel nicht geschädigt worden, so hat das Pferd gute Heilungsaussichten. Leider bleiben jedoch häufig schwere Knorpelschäden zurück, die den Einsatz des Patienten als Reitpferd oft unmöglich machen.

Vorbeugung

Eine direkte Vorbeugung gegen eine Arthritis gibt es nicht, sie kann jederzeit auftreten. Allerdings sollten folgende Punkte beherzigt werden, um den Bewegungsapparat des Pferdes bestmöglich zu schützen:

  • Ein Pferd sollte stets nur so weit belastet werden, wie es seinem Entwicklungs- und Trainingszustand entspricht.
  • Fehlstellungen der Gliedmaße sollten bereits im Fohlenalter durch einen Tierarzt und einen Hufschmied begutachtet werden und ggf. korrigiert werden.
  • Regelmäßige und fachlich richtige Hufpflege erleichtert das Abrollen und entlastet die Gelenke.
  • Tägliche Kontrollen lassen kleine Verletzungen frühzeitig erkennen und verhindern, dass sich Entzündungsprozesse ausbreiten.
  • Lahmheiten lieber gleich behandeln lassen, bevor sich durch Verschleppung von Entzündungsprozessen bereits Arthrosen im Gelenk bilden konnten.

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Stand: 18.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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11.03.2013: Ida56
mein pferd hatte einen griffelbeinbruch vorne links; als wir es entdeckten, war er schon ca. 14 tage alt und der knochen schon wieder leicht angewachsen; gerade als das wieder auf dem wege der besserung war, ging meine stute von einem auf den anderen moment stocklahm hinten links; vorher war sie ganz normal schritt gelaufen und hatte keine symptome; bis der arzt kam trat sie zwar wieder auf, humpelte aber sehr stark; der arzt konnte nichts konkretes feststellen; sie erhielt eine schmerz- und entzündungshemmende spritze und pulver für die nächsten 2 tage; ansonsten boxenruhe; bei der untersuchung konnte man nur erkennen, dass sie am fesselkopf bei drehbewegungen leicht zuckte;

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