petSpot
enpevetenpevita

Pferd: Fesselbeinbruch

Allgemeines

Weitere Bezeichnung: Fesselbeinfraktur

Als Fesselbein bezeichnet man den Knochen, der zwischen Fesselgelenk und Krongelenk liegt.

Abb. GQEVE4T9
Abb. GQEVE4T9: Schemazeichnung der Knochen der Pferdezehe von der Seite.

Er bildet an seinem oberen Ende die Gelenkpfanne des Fesselgelenks, die den Gelenkkopf des Röhrbeins aufnimmt. Am unteren Ende bildet er den Gelenkkopf für das Krongelenk.

Auf der Vorderseite zieht die Strecksehne über das Fesselbein, auf der Rückseite die oberflächliche und die tiefe Beugesehne. Außerdem setzen die so genannten Gleichbeinbänder auf der Rückseite des Fesselbeins an, d.h. sie sind dort mit der Knochenhaut verwachsen. Zusätzlich setzen verschiedene weitere Bänder am oberen und unteren Ende des Fesselbeins an. Sie dienen der Stabilisierung des Fessel- bzw. Krongelenks.

Ursachen

Der Fesselbeinbruch (Fesselbeinfraktur) ist einer der häufigsten Knochenbrüche beim Pferd. Die Ursache liegt in dem Bau des Fesselgelenks: Der Gelenkkopf des Röhrbeins hat in der Mitte einen von vorne nach hinten verlaufenden Kamm. Dieser passt genau in eine Rinne der Gelenkpfanne des Fesselbeins. Bei der Streckung und bei der Beugung des Fesselgelenks gleitet dieser Kamm problemlos in der Rinne.

Abb. GQEVGR2C
Abb. GQEVGR2C: Schemazeichnung der Knochen der Pferdezehe von vorne.

Abb. GQEVIDL6
Abb. GQEVIDL6: Kronbein (A), Fesselbein (B) und ein Teil des Röhrbeins (C) als Präparat.

Wenn das Pferd aber eine scharfe Wendung macht oder schräg auftritt, kann es passieren, dass sich die Gelenkflächen verkanten. Der Kamm drückt dann wie ein Keil auf die Gelenkfläche des Fesselbeins. Bei genügend Druck oder einer gewissen Vorschädigung des Fesselbeins platzt dieses daraufhin auseinander. Dabei sind alle Schweregrade möglich: Es kann sich nur ein winziger Spalt (Fissur) oder auch eine richtige Längsfraktur (auch Sagittalfraktur genannt) bilden. Diese Bruchart ist typisch für das Fesselbein.

Daneben kommen auch andere Bruchformen wie Trümmerbrüche, Querbrüche und Absprengfrakturen der Bandansätze vor. Die Absprengfrakturen können im Gelenk oder außerhalb liegen. Im Gelenk findet man auch kleine Absprengungen der Gelenkflächen, die man Chip-Frakturen nennt. Diese treten meistens an der Vorderseite der Fesselgelenkpfanne auf. Ursachen für diese Brüche können z.B. Unfälle, Anschlagen des Beins, ein Tritt mit dem Huf usw. sein.

Leitsymptom

Lahmheit

Symptome

Der Lahmheitsgrad hängt ab von der Art und dem Ausmaß des Bruchs. Kleine Chip-Frakturen können z.B. mit einer nur leichten Lahmheit und einer geringen Gelenkschwellung einhergehen. Die typische Längsfraktur führt häufig dazu, dass das Pferd mit dem verletzten Bein gar nicht mehr auftritt. Der betroffene Bereich weist eine schmerzhafte Schwellung auf.

Diagnose

Die Diagnose eines Knochenbruchs wird anhand der klinischen Symptome in Verbindung mit einer röntgenologischen Untersuchung des Beines gestellt. Dazu ist es meistens nötig, Röntgenbilder in verschiedenen Ebenen anzufertigen, um alle Bruchlinien zu finden. Für die weitere Behandlung und für die Prognose ist es unerlässlich zu wissen, wo die Bruchlinien verlaufen, ob ein Gelenk mitbetroffen ist und wie die einzelnen Knochenteile zueinander liegen. Erst dann kann entschieden werden, welche Behandlung nötig und möglich ist.

Das Problem bei der Diagnose von Frakturen ist die Tatsache, dass Pferde mit einem Frakturverdacht gar keinen Schritt mehr machen dürfen. Bei Belastung der Gliedmaße kann nämlich sonst aus einer Fissur eine echte Fraktur werden oder die Knochenenden verschieben sich. Das bedeutet aber, dass man das Pferd unbedingt auf der Weide, dem Reitplatz oder im Gelände an Ort und Stelle belassen muss und sofort den Tierarzt hinzu ruft. Bestätigt dieser den Frakturverdacht, so muss das Pferd entweder an Ort und Stelle geröntgt werden oder mit einem fachmännisch angelegten Schienenverband in eine Klinik gebracht werden.

Abb. GQEVMODA
Abb. GQEVMODA: Röntgenbild einer Fesselbeinfissur (Pfeil).

Abb. GQEVOKVP
Abb. GQEVOKVP: Röntgenbild einer Fesselbeinfraktur (Pfeil).

Behandlung

Die Art der Behandlung richtet sich nach der Bruchart und auch nach dem zukünftigen Nutzen des Pferdes.

In einigen wenigen Fällen, in denen die Stabilität des Beines weitgehend erhalten ist wie z.B. bei einer leichten Fissur ohne Gelenkbeteiligung, kann versucht werden, das Pferd mit Boxenruhe und einem festen Stützverband zu behandeln.

Abb. GQEVS19U
Abb. GQEVS19U: Cast-Verband.

In den meisten Fällen ist es jedoch nötig, den Knochenbruch zu operieren. Dabei werden die Knochenstücke durch verschiedene Methoden künstlich wieder miteinander verbunden. Diese Vorgehensweise nennt man Osteosynthese. Dabei kommen je nach Bruchart Schrauben, Nägel, Platten oder auch der so genannte Fixateur externe zum Einsatz. Zusätzlich erhalten die Pferde entzündungshemmende Medikamente und häufig auch ein Antibiotikum, um eine Infektion der operierten Knochen zu verhindern.

Eine Osteosynthese wird unter Vollnarkose in spezialisierten Pferdekliniken durchgeführt. Diese besitzen speziell gepolsterte Aufwachboxen, in die das noch narkotisierte Pferd nach der Operation gebracht wird. Die Aufwachphase ist ein heikler Moment nach der Operation. Da ein Pferd ein Fluchttier ist, versucht es, sofort aufzustehen, wenn es aufwacht. Dabei ist es häufig noch sehr unsicher auf den Beinen. So besteht immer die Gefahr, dass es das operierte Bein so stark belastet, dass die Osteosynthese dem Gewicht nicht standhält und auseinander bricht.

Nach einer Osteosynthese muss das Pferd in absoluter Boxenruhe gehalten werden, um der Knochenheilung genügend Zeit zu gewähren. Zur Kontrolle des Heilungsverlaufs sollten regelmäßig Röntgenaufnahmen angefertigt werden. An das Stadium der absoluten Boxenruhe schließt sich ein kontrolliertes Bewegungsprogramm an, das ebenfalls streng eingehalten werden muss, damit das neu gebildete Knochenmaterial nicht zu starken Belastungen ausgesetzt wird.

Abb. GQEVU0T5
Abb. GQEVU0T5: Osteosynthese einer Fesselbeinfraktur.
Der Bruch wurde mit drei Schrauben stabilisiert.

Prognose

Die Prognose von Knochenbrüchen hängt von ihrem Ausmaß ab und variiert zwischen günstig und unheilbar. Einfache Brüche und Fissuren, die gleich durch Osteosynthese versorgt werden, haben eine günstige Prognose. Ungünstige Bruchlinien, viele Fragmente und Verschiebung der Bruchstücke erschweren die Osteosynthese. Brüche mit Beteiligung der Gelenkfläche führen leicht zu Knochenzubildungen im Gelenk im Sinne einer Arthrose.

Als weitere Komplikation kann sich während des Heilungsverlaufs eine Belastungs- Rehe am eigentlich gesunden Bein ausbilden. Da die Pferde über längere Zeit das verletzte Bein nicht belasten können, trägt das gesunde Bein der anderen Seite das ganze Gewicht und wird überlastet.

Vorbeugung

Regelmäßige Hufpflege und ebenes Trainingsgelände ohne Löcher und Steine können einer Fesselbeinfraktur vorbeugen.

Verwandte Themen

Stand: 18.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
Jetzt mitdiskutieren!
- Dieser Artikel wurde noch nicht kommentiert -

Das von der enpevet GmbH bereitgestellte Informationsangebot ist ausschließlich zu Informationszwecken bestimmt und ersetzt in keinem Falle eine persönliche Beratung, Untersuchung oder Diagnose durch einen Tierarzt. Die Informationen dienen also der Ergänzung des Dialogs zwischen Tierhalter und Tierarzt, sie können den Tierarztbesuch in keinem Falle ersetzen. enpevet® fordert alle Benutzer, deren Tiere Gesundheitsproblemen haben dazu auf, im Bedarfsfall immer einen Tierarzt aufzusuchen. Wenn Sie bezüglich der Gesundheit Ihres Tieres Fragen haben, raten wir Ihnen, sich an den Tierarzt Ihres Vertrauens zu wenden, anstatt Behandlungen eigenständig zu beginnen, zu verändern oder abzusetzen. Der Inhalt von enpevet® kann und darf nicht für die Erstellung eigenständiger Diagnosen oder für die Auswahl und Anwendung von Behandlungsmethoden verwendet werden.