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Pferd: Equine Virusarteritis

Allgemeines

Weitere Bezeichnungen: EVA, Equine infektiöse Arteritis, Pferdestaupe, Pink Eye, Rotlaufseuche, Epizootische Cellulitis

Die equine Virusarteritis (EVA) ist eine ansteckende Viruserkrankung des Pferdes, die weltweit vorkommt. Heutzutage zeigen die meisten Pferde, die an equiner Virusarteritis erkranken, nur milde oder gar keine Symptome. Das typische Krankheitsbild, das früher besonders häufig bei Armeepferden auftrat, ist bei uns in den letzten Jahren nur noch sehr selten zu sehen gewesen. Allerdings wird die Erkrankung trotz strenger seuchenhygienischer Auflagen seit einigen Jahren wieder häufiger diagnostiziert. Ein Grund dafür könnte der rege Pferdeverkehr zwischen verschiedenen Ländern sein.

Ursachen

Die equine Virusarteritis wird durch eine Infektion mit dem equinen Arteritisvirus (EVA-Virus) verursacht. Nach der Aufnahme des Virus über die Schleimhäute wird es über das Blut im Körper verteilt. Untersuchungen haben ergeben, dass bereits vier Tage nach der Infektion besonders viele Viren in den Gefäßwänden von Arterien und Lymphgefäßen zu finden sind. Bereits einen Tag später sind in den Gefäßwänden Entzündungsprozesse nachzuweisen, die zu den klinischen Symptomen führen. Das Virus ist darüber hinaus auch in allen anderen Organen des Körpers nachzuweisen.

Bei Stuten, Junghengsten vor der Geschlechtsreife und bei Wallachen gelingt es dem körpereigenen Abwehrsystem, das Virus erfolgreich zu bekämpfen und aus dem Körper zu eliminieren. Bereits ca. drei Wochen nach dem Zeitpunkt der Infektion ist bei diesen Pferden kein Virus mehr im Körper nachzuweisen. Eine wichtige Ausnahme bildet der geschlechtsreife Hengst: Bei diesem zieht sich das Virus in die Geschlechtsdrüsen zurück und kann dort jahrelang bleiben. Diese Hengste können jederzeit das Virus mit den Geschlechtsflüssigkeiten ausscheiden. Dabei zeigen die Hengste selber keinerlei klinische Anzeichen, so dass diese so genannten Ausscheider jahrelang unbemerkt bleiben können.

Ansteckung

Das Virus kann über die verschiedenen Körperflüssigkeiten (Speichel, Nasenausfluss, Husten, Sperma, Abortmaterial) ausgeschieden werden und von einem gesunden Pferd über die Schleimhäute von Nase, Maul, Atemwegen oder des Geschlechtstraktes aufgenommen werden. Dabei ist eine direkte Übertragung durch Tierkontakt oder über Tröpfcheninfektion ebenso möglich wie eine indirekte Übertragung über Kleidung, Schuhe, Geräte oder Einstreu. Auch bei der künstlichen Besamung kann das EVA-Virus übertragen werden, wenn der Samen Virus enthält.

Pferde, die sich mit dem EVA-Virus infiziert haben, scheiden das Virus für eine begrenzte Zeit mit allen Körperflüssigkeiten aus: Bereits 15 Tage, nachdem das Virus die Gefäßwände befallen hat, findet keine Virusausscheidung mehr statt, die Tiere können also keine weiteren Pferde mehr anstecken. Die Ausnahme bildet der geschlechtsreife Hengst, der nach der Infektion jahrelang das Virus mit dem Sperma ausscheiden kann.

Bei tragenden Stuten führt eine Infektion mit dem EVA-Virus häufig zu einer Besiedelung der Gebärmutter. In 70% der Fälle abortiert die Stute das Fohlen, sie verfohlt. Das Abortmaterial (Fruchtwasser, Mutterkuchen, Fohlen) ist stark virushaltig und damit sehr ansteckend für andere Pferde.

Eine Übertragung über stechende Insekten konnte bis heute nicht nachgewiesen werden.

Leitsymptom

Symptome

Zwischen der Aufnahme des Virus und dem Auftreten der ersten Krankheitsanzeichen vergehen zwischen 2 und 10 Tage, man nennt diese Zeit Inkubationszeit. Das erste bemerkbare Symptom ist der Fieberanstieg. Körpertemperaturen von 41,0°C können auftreten. Dabei sind die Pferde auffallend matt und wollen nicht mehr fressen. Einige Pferde wirken abwesend und zeigen taumelnden Gang. Häufig tritt eine Bindehautentzündung mit einer starken Schwellung der Augenlider auf, daher stammt der Name „pink eye“. Dazu stellen sich schmerzhafte Schwellungen (Ödeme) an den Beinen, seltener auch am Unterbauch und der Brust ein. Bei der Stute kann das Euter, beim männlichen Pferd der Vorhautsack angeschwollen sein. Im Gesicht treten ebenfalls weitere leichte Schwellungen an Lippen und Zunge auf. Der Kehlkopf kann ebenfalls leicht anschwellen, diese Pferde husten dann gelegentlich. Zusätzlich zu den Ödemen zeigen einige Pferde Koliksymptome, die durch eine Verstopfung verursacht werden. Bei diesen Pferden sind häufig auch die Schleimhäute leicht gelblich verfärbt. Dies ist ein Zeichen für eine Beteiligung der Leber am Krankheitsgeschehen, man spricht auch von einem Ikterus.

Bei schweren Verläufen kann auch das Herz in Mitleidenschaft gezogen werden. Die Herzfrequenz ist dann deutlich erhöht.

In der Regel halten die Symptome für drei Wochen an und bessern sich danach merklich. Die Tiere sind aber noch längere Zeit schwach und benötigen eine lange Rekonvaleszenzzeit, um vollständig zu genesen.

Viele Pferde zeigen jedoch nur milde oder sogar gar keine Krankheitsanzeichen. Der Schweregrad der Erkrankung scheint auch vom allgemeinen Gesundheitszustand des Pferdes und von seiner Arbeitsleistung abzuhängen. Pferde in einem schlechten Allgemeinzustand, insbesondere Tiere mit starkem Wurmbefall, und Pferde, die schwere Arbeit verrichten, erkranken in der Regel heftiger.

Diagnose

Eine Diagnose anhand der klinischen Symptome zu stellen ist in vielen Fällen schwierig, da die Symptome recht unterschiedlich aussehen können und häufig nur sehr schwach ausgeprägt sind. Daher muss die Diagnose über eine Laboruntersuchung abgesichert werden. Dazu kann das Virus direkt in Blut, Speichel, Nasenausfluss, Sperma, Abortmaterial und in den Organen gestorbener Pferde nachgewiesen werden.

Da das Virus das körpereigene Abwehrsystem zur Bildung von speziellen Antikörpern stimuliert, eignet sich auch der Nachweis dieser Antikörper im Blut zur Diagnosestellung. Um eine akute Infektion nachzuweisen, muss man eine Blutprobe zu Beginn der Erkrankung nehmen und eine weitere ca. 14 Tage später. Die Antikörpermenge (Titer) wird dann in der zweiten Probe deutlich größer sein als in der ersten (gepaarte Serumprobe).

Behandlung

Zur Behandlung des Virus an sich existieren keine Medikamente. Es kann nur mit Hilfe einer so genannten symptomatischen Behandlung versucht werden, die Symptome zu lindern und den Selbstheilungsprozess des Körpers zu unterstützen. Dazu können beispielsweise entzündungshemmende Präparate eingesetzt werden. Im Einzelfall kann es nötig sein, den Wasserverlust durch Ödeme und fehlenden Wasseraufnahme über Infusionen auszugleichen. Das Wichtigste ist aber die sofortige Ruhigstellung des Patienten und die Gewährung einer langen Schonzeit, um eine vollständige Genesung zu erreichen.

Begleitend muss sichergestellt werden, dass durch Quarantäne- und Hygienemaßnahmen eine Verbreitung im Bestand und eine Weiterschleppung des Erregers in andere Bestände unbedingt vermieden wird (s. auch Vorbeugung).

Prognose

In der Regel genesen die Pferde nach einer EVA-Infektion vollständig. Nur sehr wenige Pferde sterben an der Infektion. Bei tragenden Stuten allerdings können bis zu 70% ihr Fohlen durch einen Abort verlieren, was einen großen wirtschaftlichen Schaden darstellt. Das Hauptproblem liegt bei den infizierten Hengsten, die lebenslang Virus ausscheiden können und damit als Hauptansteckungsquelle dienen.

Vorbeugung

Die Vorbeugung stützt sich zum einen auf Quarantäne- und Hygienemaßnahmen bei einem Krankheitsausbruch und zum anderen auf Vorbeugemaßnahmen im Zuchtbetrieb:

  • Quarantäne und Hygiene:
    • Sofortige Sperrung des Betriebs bis 6 Wochen nach Ende des letzten Krankheitsfalls
    • Isolierung erkrankter Pferde
    • Sorgfältige Reinigung und Desinfektion von Händen, Kleidung, Schuhwerk, Gegenständen und Stallungen
  • Zuchthygienische Maßnahmen:
    • Das EU-Recht erlaubt nur Handel mit Sperma, in dem sich nachgewiesen keine EVA-Virus befindet.
    • Das EU-Recht sieht vor, dass im Natursprung nur Hengste decken dürfen, die keine Virusausscheider sind.

Das nationale Recht in Deutschland sieht entgegen dem EU-Recht keine zuchthygienischen Maßnahmen vor. Wenn man einen Ausscheiderhengst auf nationaler Ebene weiterhin zur Zucht einsetzen will, ist es allerdings sinnvoll, nur Stuten von ihm decken zu lassen, die bereits vorher eine EVA-Infektion durchgemacht haben. Diese Stuten haben bereits Antikörper gegen das EVA-Virus im Blut und sind so gegen eine erneute Infektion geschützt.

An Impfstoffen gegen die equine Virusarteritis wird zur Zeit noch geforscht. Ein Impfstoff ist in Deutschland zugelassen, allerdings kann der Impfstoff nicht die Infektion und auch nicht die Virusausscheidung insbesondere beim Hengst verhindern. Lediglich die klinischen Symptome sind bei einem geimpften Pferd geringer. Ein weiterer Nachteil des Impfstoffs besteht darin, dass man die Antikörper nach einer Impfung nicht von denen nach einer Infektion unterscheiden kann. Man kann also nicht feststellen, ob das Pferd geimpft wurde oder ob es (unter Umständen zusätzlich) mit dem Virus infiziert wurde.

ACHTUNG

Die equine Virusarteritis ist eine meldepflichtige Tierseuche. Das bedeutet, dass Tierärzte und Untersuchungsstellen den Ausbruch der Erkrankung dem Veterinäramt melden müssen. So soll ein Überblick über die Verbreitung der Erkrankung gegeben werden. Maßnahmen zur Bekämpfung der Erkrankung werden vom Veterinäramt aber nicht angeordnet.

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Stand: 13.12.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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