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Pferd: Equine Herpesviren

Allgemeines

Weitere Bezeichnung: EHV

Herpesvirusinfektionen beim Pferd sind ansteckende Erkrankungen, die in der gesamten Pferdepopulation weit verbreitet sind. Man unterscheidet fünf Herpesvirentypen (EHV-1 bis EHV-5).

Ursachen

Aus klinischer Sicht sind insbesondere das equine Herpesvirus 1 (equines Abortvirus, EHV-1) und das equine Herpesvirus 4 (equines Rhinopneumonitisvirus, EHV-4) bedeutsam. Man geht davon aus, dass sich 70% aller Pferde mit Beendigung ihres 3. Lebensjahrs mit diesen Erregern auseinander gesetzt haben. Sie können verschiedene Organe besiedeln und so zu verschiedenen Krankheitsformen führen:

  • Abort (Virusabort) oder Geburt lebensschwacher Fohlen (überwiegend EHV-1)
  • Atemwegserkrankungen (überwiegend EHV-4)
  • Erkrankungen des Nervensystems (EHV-1 und/oder EHV-4)

Infektionen mit den Herpesviren EHV-2, EHV-3 und EHV-5 treten ebenfalls recht häufig auf. Sie haben aber nicht den gleichen Stellenwert, da die Infektionen z.T. unbemerkt und ohne klinische Erscheinungen verlaufen. Im Einzelnen können sie jedoch auch folgende Krankheitsbilder auslösen:

  • EHV-2-Infektionen sind im Fohlenalter sehr verbreitet. Die wenigsten infizierten Fohlen zeigen jedoch deutliche Krankheitsanzeichen. Anzeichen für eine EHV-2-Infektion sind Fieber, Nasenausfluss und Husten. Am Auge treten Bindehaut- und Hornhautentzündung auf. EHV-2-Infektionen sind häufig mit anderen Herpesvirusinfektionen vergesellschaftet.
  • EHV-3 spielt als equines Koitalexanthem-Virus (Deckexanthem des Pferdes, Mosaikausschlag, Bläschenausschlag der Stute) eine Rolle und wird beim Deckakt vom Hengst auf die Stute übertragen. Bei der Stute kommt es zu einem Bläschenausschlag an den Schamlippen, beim Hengst zu winzigen Blutungsstellen am Penisschaft. Die Erkrankung verläuft in der Regel komplikationslos. Bei der Stute bleiben oft weiße Stellen als Folge der Bläschen auf den Schamlippen zurück. Betroffene Hengste und Stuten müssen für die laufende Decksaison gesperrt werden.
  • EHV-5-Infektionen sind nach derzeitigem Wissensstand klinisch nicht relevant.

Mischinfektionen mit verschiedenen Herpesviren treten häufig auf.

Im folgenden Text wird wegen der herausragenden klinischen Bedeutung nur auf die Infektion mit EHV-1 und EHV-4 näher eingegangen.

Ansteckung

Herpesviren werden mit Husten, Nasenausfluss, Tränenflüssigkeit erkrankter Pferde und mit dem gesamten Abortmaterial (auch Fruchtwasser) massiv ausgeschieden. Die Ansteckung erfolgt direkt über Tröpfcheninfektion oder durch Verschleppung der Erreger über Gerätschaften oder Pflegepersonal. Eine Infektion des Fohlens im Mutterleib über das Blut der Stute ist ebenfalls möglich. Herpesviren sind sehr ansteckend. Die Viren werden über die Schleimhäute der Atemwege aufgenommen und führen zunächst zu einer Besiedelung der Atemwege. Die Zeit von der Aufnahme der Erreger bis zu den ersten Krankheitssymptomen beträgt zwischen 2 und 14 Tage (Inkubationszeit).

Die Infektion insbesondere mit EHV-4erfolgt oft bereits als Saugfohlen. Pferde können sich jedoch auch zu jedem späteren Zeitpunkt mit Herpesviren infizieren. Insbesondere Saugfohlen erkranken häufig nicht, sondern bleiben latent infiziert. Das bedeutet, dass sich das Virus in das Nervengewebe des Pferdes zurückzieht. Dort „wartet“ es auf eine günstige Gelegenheit. Diese latente Infektion ohne klinische Symptome kommt auch bei älteren Pferden vor. Wird die körpereigene Abwehr des Pferdes durch Stressoren (z.B. Absetzen von der Mutter, Begleitinfektion, Transport) geschwächt, erfolgt eine Reaktivierung des Virus aus dem Nervengewebe. Das Virus vermehrt sich rasant und gelangt ins Blut. Mit dem Blut überschwemmt es den Körper. Dieser Vorgang kann zum Ausbruch der Krankheit führen oder wiederum zu einer stillen Infektion ohne klinische Anzeichen. In beiden Fällen findet aber eine Virusausscheidung statt und andere Pferde können angesteckt werden.

In jedem Fall bleibt ein einmal infiziertes Pferd lebenslang Virusträger (latente Infektion). Diese Pferde können jederzeit, insbesondere bei Stress, erneut Virus ausscheiden und verbreiten. Man geht davon aus, dass 80% unserer Pferde latent mit Herpes infiziert sind. Herpesviren können in der Umgebung bei 20°C bis zu 40 Tage ansteckend bleiben.

Leitsymptom

  • Abort
  • Fieber
  • Husten
  • Koordinations- und Bewegungsstörung

Symptome

Die Symptome hängen davon ab, in welchem Organ die Viren ihre krankmachende Wirkung entfalten:

  • Tragende Gebärmutter: Trächtigkeitsverlust überwiegend im letzten Trächtigkeitsdrittel oder die Geburt eines lebensschwachen Fohlens. Die Stute fohlt ohne vorherige Anzeichen schnell und komplikationslos ab. Das Abortmaterial ist frisch und zeigt keine Zersetzungserscheinungen. Die Stute weist meist keine Begleitsymptome auf.
  • Atemwege: Zu Beginn zeigen die Pferde Fieber bis 39,5°C, gefolgt von wässrigem Nasenausfluss und Husten. Die Bindehäute sind häufig entzündlich gerötet und die Augen tränen. Häufig siedeln sich an die durch das Virus geschädigten Schleimhäute zusätzlich Bakterien an und führen zu so genannten Sekundärinfektionen. Dadurch verschlimmert sich häufig der Krankheitsverlauf. Der Nasenausfluss wird eitrig. Die Erkrankung kann sich bis zur Bildung einer lebensbedrohlichen Lungenentzündung ausweiten.
  • Nervensystem: Einige Tage nach einer kurzen Fieberphase, z.T. begleitet von leichtem Nasen- und Augenausfluss und Husten, treten Koordinationsstörungen, schwankender Gang und Lähmungen auf, die insbesondere die Hinterhand betreffen (hundesitzige Stellung, Hammelschwanz). Es kann zum Festliegen kommen. Der Kot- und Harnabsatz kann gestört sein. Das Bewusstsein und die Futteraufnahme sind jedoch meistens ungestört.

Diagnose

Aufgrund des klinischen Bildes kann nur eine Verdachtsdiagnose gestellt werden. Beweisend für das Vorliegen einer Herpesinfektion ist der Nachweis des Erregers. Virushaltiges Material aus den Atemwegen (z.B. Nasenrachentupfer) oder dem Abortmaterial sollte deswegen zum Virusnachweis in ein geeignetes Labor eingeschickt werden. Die Proben müssen gekühlt und per Kurier versandt werden. Leider gelingt der Virusnachweis nicht in jedem Fall.

Eine weitere Nachweismöglichkeit einer Herpesinfektion ist die Bestimmung der Antikörper-Menge (Titer) im Blut: Antikörper werden vom körpereigenen Abwehrsystem als Antwort auf den Kontakt mit dem Virus gebildet. Sie sollen helfen, die Infektion zu bekämpfen. Zu Beginn der Infektion ist die Antikörpermenge im Blut noch gering, steigt aber im weiteren Verlauf sprunghaft an. Bestimmt man die Antikörpermenge zu Beginn der Infektion und ca. 10 Tage später, so wird man diesen Antikörperanstieg feststellen (gepaarte Serumprobe).

Auch bei geimpften und latent infizierten Pferden, die keine akute Infektion durchmachen, finden sich Antikörper im Blut. Diese Pferde zeigen aber in der zweiten Probe keinen Antikörperanstieg.

Behandlung

Die Herpesvirusinfektion ist an sich nicht behandelbar. Jede Behandlung orientiert sich daher an den Symptomen und soll den Selbstheilungsprozess unterstützen, man nennt dies symptomatische Behandlung. Meist werden dafür schleimlösende oder entzündungshemmende Medikamente eingesetzt. Im Einzelfall kann es auch nötig sein, den Kreislauf des Pferdes z.B. mit Infusionen zu stabilisieren. Kann das Pferd keinen Harn mehr absetzten, so muss ein Harnkatheter in die Blase eingebracht werden. Um zusätzlichen Infektionen mit Bakterien vorzubeugen oder bereits bestehende Infektionen zu behandeln, werden Antibiotika eingesetzt.

Prognose

Beim Virusabort bestehen für das Fohlen keine Überlebenschancen. Die Stute übersteht den Virusabort in der Regel jedoch komplikationslos.

Die Erkrankung der Atemwege verläuft normalerweise milde. Die Symptome klingen nach ca. 14 Tagen ab. Im Falle einer bakteriellen Sekundärinfektion sind jedoch schwere Verläufe mit Folgeschäden möglich.

Für die Erkrankung des Nervensystems hängt die Prognose stark vom Verlauf der Erkrankung ab. Bei Pferden mit nur leichten Bewegungsstörungen heilt die Erkrankung in 50% der Fälle ab. Je länger die Symptome andauern und je schwerer die Störungen ausgeprägt sind, umso schlechter wird die Prognose. Grundsätzlich liegt die Todesrate der an dieser Form erkrankten Pferde zwischen 40 und 70%.

Vorbeugung

Konsequent halbjährlich durchgeführte Bestandsimpfungen sind das einzige wirksame Mittel gegen Herpesviren. Die Impfungen sind zwar nicht immer in der Lage, die Erkrankung einzelner Pferde zu verhindern, sie führen jedoch zu einer deutlichen Abnahme der Gesamtvirusmenge innerhalb der Pferdepopulation. Geimpfte Pferde, die das Virus in sich tragen, scheiden in der Reaktivierungsphase deutlich weniger Virus aus und stecken damit auch nicht so viele andere Pferde an. Die Krankheit bricht daher in einem geimpften Bestand wesentlich seltener aus. Zudem ist der Verlauf milder.

Treten Krankheitsfälle auf, so müssen erkrankte Pferde isoliert werden. Kein anderes Pferd darf mit ihren Körperflüssigkeiten in Berührung kommen. Pflegepersonal muss auf gründliche Hygiene achten. Dazu gehört, dass Kleidung, Schuhwerk und Gerätschaften vor dem Kontakt mit gesunden Pferden gewechselt werden müssen.

Aus betroffenen Beständen dürfen innerhalb einer Sperrzeit keine Pferde verbracht werden. Auch sollten keine neuen Pferde – auch wenn diese regelmäßig geimpft wurden – eingestellt werden. Beim Virusabort wird eine Sperrzeit von 8 Wochen nach dem letzten bestätigten Virusabort empfohlen. Bei den anderen Krankheitsformen sollte mindestens drei Wochen nach Abklingen der letzten Symptome abgewartet werden.

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Stand: 18.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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