petSpot
enpevetenpevita

Pferd: Ehrlichiose

Allgemeines

Weitere Bezeichnung: Potomac horse fever

Unter dem Begriff Ehrlichiose werden derzeit beim Pferd zwei Erkrankungen zusammengefasst, die beide durch Bakterien hervorgerufen werden, die zu der Gruppe der Rickettsien gehören. Beide Bakterienarten werden durch Zecken übertragen und treten daher nur zur Aktivitätszeit dieser Spinnentiere in den wärmeren Monaten auf (oder ganzjährig in warmen Gebieten).

Ursachen

Man unterscheidet beim Pferd die granulozytäre Ehrlichiose (EGE) und die monozytäre Ehrlichiose (EME).

Granulozytäre Ehrlichiose wird durch eine Infektion mit Anaplasma phagocytophilum (früher Ehrlichia equi) hervorgerufen. Die Erkrankung kommt in vielen Ländern vor und kann verschiedene Säugetierarten befallen. Bei uns in Deutschland werden die Bakterien durch die Zecke Ixodes ricinus übertragen, die man gemeinhin als Holzbock kennt. Die Zecken dienen als Träger der Bakterien und geben diese bei ihrer Blutmahlzeit über ihren Speichel auf das Wirtstier ab. Die Bakterien befallen dann die zu den weißen Blutkörperchen gehörenden Granulozyten.

Monozytäre Ehrlichiose wird durch Neorickettsia risticii (früher Ehrlichia risticcii) hervorgerufen. Diese Erkrankung tritt überwiegend in den USA und Kanada auf und heißt dort „Potomac horse fever“. In Deutschland ist bislang kein Fall bekannt. Man vermutet auch hier Zecken als Überträger. Neuere Studien haben ergeben, dass die Bakterien auch in Fliegen und kleinen Wasserschnecken vorkommen, die dann beim Trinken oder beim Grasen durch das Pferd versehentlich aufgenommen werden. Die Bakterien befallen Monozyten, die ebenfalls zu den weißen Blutkörperchen gehören.

Ansteckung

Infizierte Zecken übertragen die Bakterien bei ihrer Blutmahlzeit. Bakterientragende Insekten und Weichtiere können versehentlich über das Maul aufgenommen werden. Andere Übertragungswege sind bislang nicht bekannt. Ehrlichiose kann also nicht direkt von einem Säugetier auf das andere übertragen werden.

Leitsymptom

Symptome

Granulozytäre Ehrlichiose: Die Symptome variieren abhängig vom Alter des Pferdes. Pferde unter einem Jahr zeigen häufig nur leichtes Fieber und allgemeine Mattigkeit. Je älter das Pferd wird, umso ausgeprägter sind die Krankheitserscheinungen: Fieber bis 41°C, Fressunlust, Ödeme an Beinen und Unterbauch, Ataxie, erhöhte Atem- und Herzfrequenz.

Monozytäre Ehrlichiose: Erkrankte Pferde können Fieber, Mattigkeit, Hufrehe, Durchfall und Kolik zeigen.

Diagnose

Die klinischen Symptome und der Zeckenbefall erlauben nur eine Verdachtsdiagnose, die durch Blutuntersuchungen gesichert wird:

Blutausstrich: Unter dem Mikroskop können die Bakterien direkt im Blut nachgewiesen werden.

Antikörpernachweis: Die Bakterien stimulieren das Immunsystem zur Bildung von Antikörpern, die einige Tage nach Beginn der Infektion im Blut nachzuweisen sind. Durch eine wiederholte Antikörperuntersuchung nach 1 – 2 Wochen (so genannte gepaarte Serumprobe) kann bei einer akuten Infektion ein Anstieg der Antikörpermenge (Titer) festgestellt werden.

Antigen-Nachweis: Mit einer PCR kann Erbgut (DNA) der Erreger im Blut festgestellt werden.

Behandlung

Die Bakterien können mit einem geeigneten Antibiotikum bekämpft werden, das ausreichend lang gegeben werden muss.

Prognose

Die Ehrlichiose beim Pferd kann in der Regel gut therapiert werden. Auch ohne Behandlung kommt es in vielen Fällen zu einer Heilung. Die Pferde entwickeln nach überstandener Infektion einen natürlichen Schutz gegen eine erneute Infektion, der etwa 2 Jahre anhält.

Vorbeugung

Die einzige Vorbeugemaßnahme ist die Vermeidung eines Zeckenbefalls (s. Kapitel Zecken).

ACHTUNG

Der Erreger der granulozytären Ehrlichiose gilt auch als Erreger der Ehrlichiose beim Menschen. Die Erkrankung gehört damit zu den Zoonosen.

Verwandte Themen

Stand: 18.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
Jetzt mitdiskutieren!
- Dieser Artikel wurde noch nicht kommentiert -

Das von der enpevet GmbH bereitgestellte Informationsangebot ist ausschließlich zu Informationszwecken bestimmt und ersetzt in keinem Falle eine persönliche Beratung, Untersuchung oder Diagnose durch einen Tierarzt. Die Informationen dienen also der Ergänzung des Dialogs zwischen Tierhalter und Tierarzt, sie können den Tierarztbesuch in keinem Falle ersetzen. enpevet® fordert alle Benutzer, deren Tiere Gesundheitsproblemen haben dazu auf, im Bedarfsfall immer einen Tierarzt aufzusuchen. Wenn Sie bezüglich der Gesundheit Ihres Tieres Fragen haben, raten wir Ihnen, sich an den Tierarzt Ihres Vertrauens zu wenden, anstatt Behandlungen eigenständig zu beginnen, zu verändern oder abzusetzen. Der Inhalt von enpevet® kann und darf nicht für die Erstellung eigenständiger Diagnosen oder für die Auswahl und Anwendung von Behandlungsmethoden verwendet werden.