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Pferd: Durchfall

Allgemeines

Weitere Bezeichnung: Diarrhoe

Als Durchfall bezeichnet man das mehrfache Absetzen ungeformten Kots. Statt der üblichen Pferdeäpfel kann der Kot dickbreiig, dünnbreiig oder wässrig sein und schleimige oder blutige Beimengungen haben. Auch übler Geruch kann dabei auftreten. Durchfallkot wird häufiger abgesetzt als normaler Kot.

Durchfall ist keine Diagnose, sondern ein Symptom. Dahinter können sich harmlose, aber auch schwerwiegende Erkrankungen verbergen.

Ursachen

Die Ursachen für Durchfall sind vielfältig:

Die verschiedenen Ursachen führen zu einer verstärkten Durchblutung der Darmschleimhaut. Dabei können Blutgefäße platzen, so dass Blut im Kot auftritt. Durch die vermehrte Durchblutung wird Flüssigkeit aus den Blutgefäßen in den Darminhalt abgegeben, so dass dieser flüssiger wird. Außerdem führen die Vorgänge zu einer Verstärkung der Darmbewegung (Peristaltik). Der Futterbrei wird also schneller durch den Darm transportiert. Normalerweise verweilt der Futterbrei einige Zeit im gewaltigen Dickdarm des Pferdes. Die Mikroorganismen im Dickdarm, die so genannte Darmflora, sorgen während dieser Zeit für eine Zersetzung der ansonsten unverdaulichen Pflanzenteile. Durch die Dickdarmwand wird dabei neben den Nährstoffen auch viel Wasser aus dem Futterbrei aufgenommen, man sagt, der Kot wird eingedickt. Durch die beschleunigte Passage bei Durchfall wird dieser Mechanismus gestört. Dies ist ein weiterer Grund für den weichen Kot.

Bei schweren, akuten Durchfällen kann das Pferd schnell viel Flüssigkeit verlieren. Dies kann lebensbedrohlich sein, da so das Blut eindickt und seine Funktionen nicht mehr erfüllen kann.

Langanhaltende Durchfälle führen zu einer Störung des Elektrolythaushalts. Außerdem kann die Aufnahme von Nahrungsstoffen durch die geschädigte Darmwand gestört sein, so dass die Tiere trotz guter Fütterung einen Mangel erleiden.

Ansteckung

Durch Viren, Bakterien und Parasiten hervorgerufene Durchfälle können ansteckend sein.

Leitsymptom

  • Weicher Kot
  • Häufiger Kotabsatz

Symptome

Je nach Ursache des Durchfalls können die Symptome sehr unterschiedlich sein. Bei leichten Durchfällen z.B. durch Stress treten häufig gar keine weiteren Symptome auf.

Durch Parasiten oder Blinddarmverstopfung verursachte Durchfälle sind häufig breiig. Sie treten meistens lang anhaltend oder wiederkehrend auf und können von Abmagerung und struppigem Haarkleid begleitet werden.

Entzündungen der Darmschleimhaut durch Bakterien und Viren können Fieber, Abgeschlagenheit und kolikartige Schmerzen hervorrufen. Diese Erkrankungen sowie Colitis-X können zu starkem, wasserartigem Durchfall führen. Dabei kann das Pferd sehr viel Flüssigkeit verlieren und austrocknen. Akute, starke Durchfälle sind daher lebensbedrohlich! Besonders Fohlen können innerhalb weniger Stunden verenden.

Diagnose

Die Diagnose der eigentlichen Ursache eines Durchfalls ist mitunter schwierig zu stellen. Wichtig sind Fragen zu Haltung und Fütterung, allgemeinem Gesundheitszustand, Besonderheiten in letzter Zeit, Entwurmungen usw.

Je nach Verdachtsdiagnose können dann weitere Methoden diagnostisch hilfreich sein:

Behandlung

Nicht jeder Durchfall bedarf einer Behandlung. Bei Bestehen über mehrere Tage oder dünnflüssigem oder sogar wässrigem Durchfall und weiteren Symptomen wie Fieber und Mattigkeit sollte aber unbedingt ein Tierarzt hinzugezogen werden.

Die Therapie orientiert sich am Schweregrad und am Verlauf der Erkrankung. Die verschiedenen Grunderkrankungen müssen gezielt behandelt werden (z.B. Antibiotikum, Entwurmung, entzündungshemmende Medikamente mit Wirkung gegen Endotoxine).

Allgemein bestehen folgende symptomatische Behandlungsmöglichkeiten bei Durchfall:

  • Fütterung häufiger kleiner Mengen, am besten gutes Heu und gewohntes Futter
  • Wenn das Futter zuvor umgestellt wurde, wieder auf das alte Futter wechseln
  • Paraffinöl oder Leinsamschleim per Nasenschlundsonde, um schädliche Stoffe aus dem Darm zu entfernen (besonders bei Vergiftung) und um die Darmschleimhaut zu schonen
  • medizinische Kohle
  • hygienisch einwandfreies Wasser anbieten
  • Zusatzfutter zum Aufbau einer gesunden Darmflora

Wenn der Durchfall mit stärkeren Flüssigkeits- und Elektrolytverlusten einhergeht, müssen diese unbedingt mit Flüssigkeitsgaben über die Nasenschlundsonde oder Infusionen ausgeglichen werden.

Prognose

Einfache Durchfälle klingen meistens nach 1 – 2 Tagen unter der Diät ab.

Länger bestehende Durchfälle mit Veränderungen der Darmwand sind häufig nicht erfolgreich dauerhaft zu behandeln, da die Darmwand nicht wieder vollständig gesund wird.

Schwere, akute Durchfälle mit großem Flüssigkeitsverlust können innerhalb von 12 – 24 Stunden zum Tod führen.

Vorbeugung

Regelmäßiges Entwurmen, einwandfreie Qualität des Futters und viele kleine Mahlzeiten sowie eine ausreichende Raufutterversorgung können einigen Durchfallerkrankungen vorbeugen. Eine gute Wasser- und Stallhygiene kann das Infektionsrisiko durch Krankheitserreger senken.

Tipps

Gewöhnen Sie Ihr Pferd über mehrere Wochen an ein neues Futtermittel. Mischen Sie steigende Mengen unter das gewohnte Futter, damit sich die Darmflora des Pferdes langsam umstellen kann.

ACHTUNG

Solange man noch nicht weiß, woher der Durchfall kommt, sollte man sich so verhalten, als ob er ansteckend wäre. Das bedeutet, erkrankte Tiere zuletzt versorgen, Schuhe und Hände waschen und desinfizieren und Kleidung wechseln bzw. Schutzkleidung anlegen.

Stand: 18.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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