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Pferd: Colitis-X

Allgemeines

Weitere Bezeichnungen: Typhlocolitis, Idiopathische Typhlocolitis, Idiopathische Dickdarmentzündung

Der Begriff Colitis-X beschreibt eine schwere Entzündung des Blinddarms und des anschließenden Dickdarmabschnitts, den man Colon ascendens nennt. Die Erkrankung führt zu häufig unstillbarem Durchfall und Schock. 50 – 70% der erkrankten Tiere sterben an Colitis-X.

Der Blinddarm des Pferdes, der bereits zum Dickdarm gehört, ist im Gegensatz zum Blinddarm des Menschen sehr groß. Er ist etwa 1m lang und kann ca. 33l Volumen aufnehmen. Der Blinddarm erfüllt eine wichtige Funktion: Er dient als Gärkammer. Im Blinddarm befinden sich viele nützliche Bakterien, die man auch als Darmflora kennt. Diese Bakterien helfen, die ansonsten unverdaulichen Pflanzenteile zu verdauen. Dabei entsteht viel Gas, so dass im Blinddarm über dem Futterbrei eine Gaskuppel vorhanden ist. Der Futterbrei gelangt aus dem Blinddarm in die weiteren Abschnitte des Dickdarms (Grimmdarm oder Kolon). Der Grimmdarm des Pferdes dient als weitere Gärkammer, hier werden Nährstoffe und auch Wasser durch die Darmwand in den Blutkreislauf aufgenommen. Der Grimmdarm des Pferdes gliedert sich in verschiedene Anteile, die in einer strengen Ordnung im Bauch des Pferdes liegen. Insgesamt ist er 6 – 9m lang und hat ein beträchtliches Fassungsvermögen. In dem letzten Darmabschnitt (Rektum) werden schließlich aus den eingedickten Futterresten Kotballen geformt und ausgeschieden.

Der Futterbrei wird durch wellenförmige Muskelbewegungen der Darmwand weitergeschoben. Diesen Vorgang nennt man auch Peristaltik. Peristaltik findet in allen Darmabschnitten statt.

Ursachen

Colitis-X tritt vorwiegend bei Pferden auf, die zur Behandlung in einer Klinik stehen. Am häufigsten sind Pferde betroffen, die aufgrund einer Kolik operiert werden mussten. Aber auch Kolikpatienten ohne Operation, andere Klinikpatienten und Pferde ohne irgendeine tierärztliche Vorbehandlung können daran erkranken.

Man nimmt an, dass folgende Ursachen eine Colitis-X auslösen können:

  • Stress (z.B. Transport, Turnier)
  • Nahrungsentzug (Fasten)
  • Antibiotika-Behandlung
  • Operative Eingriffe
  • Wurmbefall

Wie genau die Colitis-X entsteht, ist nach wie vor ungeklärt. Mehrere Faktoren müssen aber zusammenkommen, damit ein Pferd erkrankt.

Man nimmt an, dass eine Veränderung der Zusammensetzung der Darmflora von entscheidender Bedeutung ist. Besonders bestimmte Clostridien (Clostridium difficile und Clostridium perfringens) vermehren sich im Darm eines erkrankten Pferdes unverhältnismäßig stark. Clostridien sind Bakterien, die eigentlich zur normalen Darmflora gehören und mit dem Kot ausgeschieden werden. Allerdings ist es bislang unklar, ob sich die Pferde nicht auch mit besonders aggressiven Clostridienstämmen infizieren, die gehäuft in Kliniken nachzuweisen sind. Wenn sich die Clostridien im Darm übermäßig vermehren, setzen sie Giftstoffe frei, die Endotoxine. Die Endotoxine werden über die Darmwand in das Blut aufgenommen und führen so zu einem Endotoxinschock (siehe auch Kapitel Schock).

Zusätzlich ist die Darmwand von Blinddarm und Kolon sehr stark entzündet. Die Entzündung führt zu einer verstärkten Durchblutung der Darmwand. Durch den verstärkten Blutdruck und die Schäden in der Darmwand geht viel Flüssigkeit aus den Blutgefäßen in den Darminhalt verloren. Das Pferd erleidet so zusätzlich einen so genannten Volumenmangelschock, da das Blut eindickt. Die starke Entzündung der Darmwand führt schließlich zu einem Absterben von Darmwandteilen.

Ansteckung

Es ist nach wie vor nicht auszuschließen, dass sich ein Pferd mit aggressiven Clostridienstämmen oder anderen, noch unbekannten Erregern infiziert. Daher müssen Pferde, die an Colitis-X erkranken, als ansteckungsverdächtig angesehen werden.

Leitsymptom

  • wässriger Durchfall
  • Schock

Symptome

Zunächst fallen die Pferde häufig nur durch Futterverweigerung und große Mattigkeit auf. Die Darmperistaltik ist, anders als bei normalen Durchfallerkrankungen, herabgesetzt. Dann setzen leichte Koliksymptome ein und die Pferde zeigen zunehmend Schocksymptome. Der einsetzende, massive Durchfall ist wässrig und kann später auch blutig werden. Die Pferde trocknen schnell aus und können innerhalb weniger Stunden verenden.

Als Folge der gebildeten Endotoxine können die Pferde eine Hufrehe ausbilden.

Diagnose

Vorbericht und klinisches Bild sprechen nach dem Einsetzen des Durchfalls für eine Colitis-X. Durch wiederholte Allgemeinuntersuchung und Blutuntersuchung kann auch schon vor Einsetzen des Durchfalls eine Colitis-X erkannt werden. Bei der Blutuntersuchung fallen vor allem die zunehmende Eindickung des Blutes und eine Verringerung der weißen Blutkörperchen auf (Leukopenie).

Eine rektale Untersuchung kann ebenfalls Hinweise liefern.

Nützlich sind außerdem bakteriologische Untersuchungen des Kotes auf Bakterien (Clostridien, Salmonellen), die ggf. wiederholt werden müssen, da Bakterien nicht kontinuierlich ausgeschieden werden. Auch auf Endotoxine kann der Kot untersucht werden.

Behandlung

Colitis-X muss so früh wie möglich und intensiv behandelt werden, um dem Pferd eine Chance zu geben. In der Regel werden die Pferde mit konservativen Methoden behandelt:

Konservative Behandlung:

  • Infusionen zum Ausgleich von Flüssigkeitsmangel, Elektrolyten, Nährstoffen
  • Entzündungshemmende Medikamente
  • Medikamente gegen die Endotoxine
  • Darmanregende Medikamente
  • Nahrungsentzung bzw. händchenweise erstklassiges Heu
  • Thrombose- und Reheprophylaxe (blutverdünnende Medikamente, Rehegipse)
  • Leichtverdauliche Diät, sobald die Pferde wieder festen Kot absetzen.

Operative Behandlung: In Vollnarkose wird der Bauchraum eröffnet. Blinddarm und Kolon werden entleert und gespült. Das operative Vorgehen ist nur sinnvoll, wenn die Darmwand noch nicht schwer geschädigt wurde.

Prognose

Die Behandlung einer Colitis-X ist sehr kostenintensiv und in vielen Fällen dennoch nicht erfolgreich. Die Prognose ist umso günstiger, je besser das Pferd auf die Therapie anspricht und je weniger die Blutwerte zu Beginn der Behandlung verändert waren.

Vorbeugung

Stressvermeidung, häufiges Füttern bzw. nur kurze Fastenzeiten vor einer Operation und regelmäßige Entwurmung können helfen, eine Colitis-X zu vermeiden. Intensive Beobachtung gefährdeter Patienten ermöglicht ein frühes Erkennen und damit eine frühzeitige Behandlung der Erkrankung.

In Kliniken werden operierte Pferde häufig prophylaktisch mit Medikamenten gegen Endotoxine und mit Infusionen versorgt.

ACHTUNG

Hinter wässrigem Durchfall kann sich auch eine ansteckende Salmonellose verbergen. Diese geht jedoch meistens mit hohem Fieber einher. Hygienemaßnahmen wie Schutzkleidung, Schuh- und Handdesinfektion sollten im Umgang mit schwer durchfallkranken Pferden immer durchgeführt werden.

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Stand: 18.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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