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Pferd: Arthrose

Allgemeines

Weitere Bezeichnungen: Chronische Gelenkerkrankung, Chronische Gelenkdegeneration, Arthropathia deformans

Als Arthrosen bezeichnet man nicht-entzündliche Gelenkerkrankungen, die in erster Linie mit Veränderungen am Gelenkknorpel und dem darunter liegenden Knochen einhergehen. Die Gelenkkapsel kann ebenfalls betroffen sein. Dabei liegt im Unterschied zur Arthritis keine Entzündung vor. Eine Arthrose kann aber aus einer Arthritis hervorgehen. Sie kann sich aber auch ohne vorangegangene Entzündung entwickeln. Das Komplizierte dabei ist, dass beide Erkrankungswege zu den gleichen Krankheitsbildern wie z.B. Spat führen können. Auch können beide Erkrankungsformen gleichzeitig in einem Gelenk vorliegen. Diese Überschneidungen haben dazu geführt, dass die Begriffe Arthrose und Arthritis in der Literatur nicht immer sauber getrennt verwendet werden.

Um die Vorgänge, die zu einer Arthrose führen, besser verstehen zu können, muss man sich zunächst einen Überblick über den allgemeinen Aufbau eines Gelenks verschaffen.

Ein Gelenk besteht aus folgenden Teilen:

  • den mit Gelenkknorpel überzogenen knöchernen Gelenkflächen,
  • dem zwischen den Gelenkflächen liegenden Gelenkspalt,
  • der die Gelenkflächen umschließenden Gelenkkapsel,
  • der Gelenkhöhle mit der darin enthaltenen Gelenkflüssigkeit und
  • den das Gelenk stabilisierenden Bändern.

Abb. GS8N2OCL
Abb. GS8N2OCL: Schemazeichnung eines Gelenks.

Die Gelenkflüssigkeit wird auch Synovia oder Synovialflüssigkeit genannt und dient als Schmiermittel im Gelenk. Sie ermöglicht das reibungslose Gleiten der Knorpelflächen bei der Bewegung und ernährt den Knorpel, der nicht, wie andere Gewebe, über das Blut ernährt wird. Sie wird von der innersten Schicht der Gelenkkapsel gebildet, die auch Synovialmembran genannt wird.

Der Gelenkknorpel überzieht als dünne Schicht die Knochenenden. Er ist sehr glatt und gewährleistet so die störungsfreie Bewegung. Außerdem wirkt er als Stoßdämpfer bei der Bewegung. Eine Besonderheit des Knorpels ist, dass er nicht durchblutet wird. Er wird, wie oben beschrieben, über die Gelenkflüssigkeit ernährt. Das hat gravierende Folgen: Im Falle einer Verletzung oder Abnutzung kann der Knorpel nicht selber heilen, denn für eine Heilung ist eine Durchblutung erforderlich. Er kann also nur aus der darunterliegenden Knochenschicht „repariert“ werden. Leider wird dabei kein vollwertiger Ersatzknorpel gebildet, sondern knochenartiges Gewebe.

Ursachen

Arthrosen können theoretisch an jedem Gelenk auftreten. Nicht selten findet man sie z.B. an den kleinen Facettengelenken der Halswirbelsäule Man spricht dann von Spondylarthrosen. Am häufigsten führen allerdings Arthrosen der Gliedmaßengelenke zu Problemen.

Die Ursachen, die zu einer Arthrose führen können, sind vielfältig:

  • Fehlstellung : Durch verstärkten Druck auf einzelne Gelenksabschnitte wird dort der Gelenkknorpel stärker abgenutzt oder sogar verletzt.
  • Fehl- und Überbelastung: Wenn Muskeln und Bänder nicht mehr in der Lage sind, die Bewegungen abzufedern, so werden die Gelenke und damit der Knorpel stärker belastet, abgenutzt und ggf. sogar verletzt.
  • Altersbedingte Abnutzung: Im Laufe des Alters nutzt sich der Knorpel naturgemäß ab. Dies geschieht umso schneller, je stärker das Pferd belastet wird.
  • Frohwüchsige Tiere: Sehr schnell wachsende Pferde und zu gut gefütterte Jungpferde belasten schon allein durch ihr Eigengewicht den Gelenkknorpel zu stark. Bei diesen jungen Pferden reagiert der noch wachsende Körper auf die Belastung mit einer Verdickung des Gelenkknorpels. Dieser kann dann nicht mehr optimal durch die Gelenkflüssigkeit ernährt werden. Teile des Knorpels können einreißen oder absterben und sich sogar von der Knorpeloberfläche ablösen. Diese freien Teilchen werden auch Gelenkchips oder Gelenkmäuse genannt.
  • Arthritis: Durch Entzündungsprodukte im Gelenk wird der Knorpel angegriffen. Näheres siehe im Kapitel Arthritis.
  • Knochenbrüche : Tritt an den Knochenflächen, die zum Gelenk gehören, ein Bruch auf, so wird der dazugehörende Gelenkknorpel ebenfalls verletzt. Bei der Knochenheilung bildet sich Ersatzgewebe, das in den Gelenkspalt hineinragen kann und dort zu Reibung führt.
  • Mineral- und Vitaminmangel: Bei Mangelernährung des Knorpels wird die Knorpelsubstanz aufgeweicht und der Knorpel ist anfälliger für Abnutzung und Verletzungen.

Im Grunde sind die Vorgänge im Gelenk, die aufgrund der genannten Ursachen ablaufen, vergleichbar: Auf Knorpelabnutzung, Defekte und Risse im Knorpel reagiert der darunterliegende Knochen mit Umbauvorgängen: Er baut den geschädigten Knorpel weiter ab und bildet statt dessen Knochenmaterial. Diese Knochenzubildungen werden auch Exostosen genannt. Sie scheuern im Gelenk, weil die Oberfläche des Knochens viel rauer ist als die des Knorpels. Weiterer Knorpel wird durch die Reibung verletzt und so unterhält sich die Erkrankung in einer Art Teufelskreis selbst. An den Gelenkrändern können sich regelrechte Knochenwülste bilden wie bei der Schale. Die Gelenkkapsel wird durch die dauernde Reizung dicker und derb. Die Produktion der Gelenkflüssigkeit kann dadurch beeinträchtigt sein, so dass die Synoviamenge vermindert ist. Dadurch verringert sich ihre Schmierwirkung, was zusätzlich die Reibung im Gelenk erhöht.

Weitere Krankheitsbilder, denen eine Arthrose zugrunde liegen kann, sind Spat, Wobbler-Syndrom und Leist.

Leitsymptom

  • Lahmheit
  • Einlaufen

Symptome

Arthrosen führen zu chronischen Schmerzzuständen, die oftmals schleichend beginnen. Die meisten Pferde zeigen zu Beginn der Bewegung eine gering- bis mittelgradige Lahmheit, die unter der Bewegung besser wird und sogar ganz verschwinden kann. Dieses „Einlaufen“ ist darauf zurück zu führen, dass der Schmiereffekt der Gelenkflüssigkeit unter der Bewegung zunimmt und damit die Reibung im Gelenk geringer wird.

Treten die Knochenzubildungen im Randbereich der Gelenke auf, so lassen sie sich dort ab einer bestimmten Größe als knochenharte Umfangsvermehrungen fühlen.

Eine vermehrte Füllung des Gelenks tritt in der Regel nicht auf, es kann sogar sein, dass durch die Schädigung der Synovialmembran weniger Gelenkflüssigkeit als normal gebildet wird.

Abb. GWXOPMEH
Abb. GWXOPMEH: Arthrose im linken Fesselgelenk.
Bereits äußerlich sieht man die Umfangsvermehrung des linken Fesselkopfes

Diagnose

Für die Diagnosestellung steht eine Vielzahl diagnostischer Möglichkeiten zur Verfügung, die abhängig von der Schwere und Eindeutigkeit der Befunde zum Einsatz kommen:

  • Klinische Lahmheitsuntersuchung: Eine klinische Lahmheitsuntersuchung wird durchgeführt, um den genauen Schmerzpunkt zu lokalisieren und knöcherne Zubildungen zu ertasten. Bei unklaren Fällen kann es nötig sein, die Lahmheit durch die Beugung der einzelnen Gelenke zu verstärken, um herauszufinden, welches Gelenk erkrankt ist. Man nennt dies auch Beugeprobe oder Provokationsprobe. Ein weitere Möglichkeit, die Lahmheitsursache näher einzugrenzen, sind diagnostische Anästhesien: Dazu wird ein Lokalanästhetikum an einen Nerven oder in ein Gelenk gespritzt und dieser Bereich betäubt. Geht das Pferd nach der Anästhesie des betroffenen Gebiets lahmfrei, so weiß der Tierarzt, wo der Schmerz lokalisiert ist.
  • Röntgen : In einem Röntgenbild sind die knöchernen Zubildungen zu erkennen. So kann man den Grad der Veränderungen beurteilen. Außerdem kann es nötig sein, durch ein Röntgenbild andere Lahmheitsursachen wie Knochenbrüche auszuschließen. Knorpel und Weichteile sind im Röntgenbild nicht gut zu erkennen.
  • Arthroskopie (Gelenkspiegelung): In einigen Fällen kann es nötig sein, mit einem Arthroskop in das Gelenk hineinzuschauen. Insbesondere beim Verdacht auf Knorpelschäden, die auf einem Röntgenbild nicht sichtbar sind, kann eine Gelenkspiegelung wertvolle Erkenntnisse liefern. Die Arthroskopie wird unter Vollnarkose in einer Klinik durchgeführt.

Abb. GWXPGV9U
Abb. GWXPGV9U: Beugeprobe.
In dieser Abbildung sieht man eine Übersichtsbeugeprobe der Zehengelenke. Bei dieser Beugeprobe werden Fessel-, Kron- und Hufgelenk gleichzeitig gebeugt. So möchte man herausfinden, ob die Lahmheit aus diesen Bereichen stammt. Ist die Beugeprobe positiv, d.h. die Lahmheit verstärkt sich, kann man danach die einzelnen Gelenke beugen, um den Schmerzherd näher einzugrenzen.

Abb. GWXP4TA8
Abb. GWXP4TA8: Diagnostische Anästhesien.
Auf diesem Foto sieht man drei mögliche Einstichstellen für so genannte Leitungsanästhesien. Durch die Kanüle wird ein Betäubungsmittel an einen Nerven gespritzt und damit der Schmerz unterhalb der Einstichstelle ausgeschaltet. Geht das Pferd danach unverändert lahm, so wird etwas höher anästhesiert

Behandlung

Es gibt keine Medikamente, die Knochenzubildungen wieder entfernen können. Eine Therapie kann nur versuchen, weitgehende Schmerzfreiheit im Gelenk zu erzielen und den weiteren Erkrankungsprozess aufzuhalten. Die Wahl der Behandlung richtet sich nach der Ursache der Arthrose und den klinischen Befunden:

  • Häufig werden entzündungshemmende und schmerzstillende Präparate eingesetzt, die ggf. direkt in das betroffene Gelenk gespritzt werden.
  • Ein orthopädischer Hufbeschlag soll das Gelenk entlasten und eine weitgehend schmerzfreie Bewegung ermöglichen. Dieser muss meistens konsequent während des ganzen weiteren Lebens des Pferdes aufgebracht werden.
  • Neuerdings werden spezielle Medikamente eingesetzt, die gezielt den Knorpel unterstützen oder die Knochenzubildungen verhindern sollen.
  • In einigen Fällen kann es sinnvoll sein, die Funktion der Gelenkflüssigkeit als Schmiermittel durch den Einsatz von Hyaluronsäure zu verbessern.
  • Futterzusatzstoffe wie Mineralmischungen können dazu beitragen, dass der Knorpel optimal versorgt wird.
  • Für einzelne Erkrankungsbilder wie den Spat haben sich verschiedene Operationstechniken etabliert. Weitere Informationen siehe dort.

Prognose

Eine Arthrose ist nicht heilbar. Je nach Befunden ist es aber möglich, durch die Behandlung die frühere Nutzung des Pferdes wieder herzustellen. Dies gelingt umso besser, je früher die Arthrose erkannt und behandelt wird. Dennoch muss beim Vorliegen von Knochenzubildungen damit gerechnet werden, dass die Schmerzen jederzeit wieder auftreten können.

Vorbeugung

Folgende Maßnahmen können helfen, das Entstehen einer Arthrose zu verhindern:

  • Pferde sollten erst nach Abschluss des Wachstums intensiv belastet werden. In der Regel sind Vollblutpferde mit 28 bis 30 Monaten ausgewachsen, Warmblutpferde ein halbes Jahr später.
  • Kein Training über die Ermüdungsgrenze hinaus! Ein erschöpftes Pferd mit müden Muskeln kann Bewegungen nur noch schlecht abfedern und belastet die Gelenke stärker.
  • Optimale Ernährung und Mineralstoffversorgung besonders während der Aufzuchtphase beugen Knorpelschäden vor.
  • Regelmäßige und fachlich richtige Hufpflege erleichtert das Abrollen und entlastet die Gelenke.
  • Stellungsfehler der Gliedmaßen sollten bereits im frühen Fohlenalter durch einen Tierarzt und einen Hufschmied begutachtet und ggf. korrigiert werden. Übermäßige Korrektur von Stellungsfehlern im späteren Alter begünstigt das Entstehen von Arthrosen.

Tipps

Pferde mit Arthrosen sollte man vor der Arbeit genügend lange aufwärmen. Die Gelenke sind erst ca. 10 bis 15 Minuten nach Bewegungsbeginn gut geschmiert. Für diese Pferde ist es besonders wichtig, täglich ausreichend bewegt zu werden, um die Gelenke geschmeidig zu halten. Führmaschinen o.ä. eignen sich ebenfalls gut für Pferde mit Arthrosen.

Stand: 18.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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