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Pferd: Amerikanische Enzephalomyelitiden des Pferdes

Allgemeines

Weitere Bezeichnungen: Virusenzephalitis des Pferdes, Ost-, West- und Venezolanische-Hirn-Rückenmark-Entzündung des Pferdes

Die virusbedingten Amerikanischen Pferdeenzephalomyelitiden werden auch Hirn-Rückenmark-Entzündungen genannt. Zu ihnen gehören die Western Equine Encephalomyelitis (WEE), Eastern Equine Encephalomyelitis (EEE) und Venezuelan Equine Encephalomyelitis (VEE).

Sie kommen beim Pferd und beim Menschen sowie bei weiteren Wirbeltieren (Affen, Hunde, Fledermäuse) vor. Klinische Erkrankungen wurden bislang nur in Amerika beobachtet, wo regelrechte Seuchenzüge mit hohen Todesraten auftreten. Durch den regen Pferdehandel zwischen Amerika und Europa haben die Amerikanischen Pferdeenzephalomyelitiden auch für uns eine Bedeutung. Durch strenge staatliche Überwachungsmaßnahmen soll eine Einschleppung unbedingt verhindert werden.

Ursachen

Die Amerikanischen Pferdeenzephalomyelitiden werden durch Viren hervorgerufen, die zur Familie der Togaviren gehören. Man unterscheidet drei Untergruppen, die so genannten Serotypen. Diese werden als WEE, EEE, VEE bezeichnet und führen zu unterschiedlich schweren Krankheitsverläufen. Die schwersten Krankheitsverläufe mit Todesfolge sind meistens auf eine Infektion mit dem EEE-Virus zurück zu führen.

Der Infektionsweg ist bei allen Serotypen gleich: Nachdem ein Pferde mit einem der Enzephalomyelitisviren infiziert wurde, vermehren sich die Viren zunächst in den Lymphknoten. Von dort gelangen sie über den Blutkreislauf ins Gehirn und in das Rückenmark. Dort führen sie zu einer Entzündung des Nervengewebes.

Ansteckung

Übertragen werden die Viren ausschließlich über Insekten, hauptsächlich verschiedene Mückenarten. Eine direkte Ansteckung von Tier zu Tier oder zu Mensch ist nicht möglich.

Derzeit wird diskutiert, ob Vögel das Virus in sich tragen können ohne zu erkranken. Mücken, die infizierte Vögel stechen, nehmen das Virus auf und können es weiter geben. Da Vögel sehr weite Strecken zurücklegen, können sie die Viren weit verschleppen.

Leitsymptom

  • Fieber
  • Bewegungsstörungen
  • Lähmung

Symptome

Ein bis drei Wochen nach der Übertragung des Erregers (Inkubationszeit) zeigen die Pferde hohes Fieber bis 41,0°C. Im Anschluss daran entwickeln sich die Symptome, die durch die Entzündung des Nervensystems verursacht werden: Die Pferde zeigen zunächst Unruhe, Zwangsbewegungen und Futterverweigerung. Im weiteren Verlauf treten Apathie und Lähmungen auf, die sich bis zu vollständiger Bewegungsunfähigkeit ausweiten können. Daneben können als Begleiterscheinungen Durchfall oder Kolik auftreten. Einige Pferde verenden innerhalb weniger Stunden nach Fieberbeginn. Bei einer Infektion mit dem EEE-Erreger verenden die meisten Tiere nach 2 bis 4 Tagen.

Diagnose

Der Seuchenverlauf und das klinisches Bild erlauben bereits eine Verdachtsdiagnose, die aber durch spezielle Laboruntersuchungen bestätigt werden muss. Dazu können Blut, Hirn-Rückenmarks-Flüssigkeit (Liquor) oder auch Hirnmaterial untersucht werden. Durch die Laboruntersuchung lässt sich herausfinden, mit welchem der drei Virustypen das Pferd infiziert ist.

Behandlung

Das Virus kann nicht direkt bekämpft werden, es kann nur durch eine so genannte symptomatische Behandlung versucht werden, den Selbstheilungsprozess des Körpers zu unterstützen und die Symptome zu lindern. Dazu werden z.B. entzündungshemmende Präparate eingesetzt oder Infusionen, um den Kreislauf zu stabilisieren. Beim Nachweis einer EEE-Infektion sollte wirklich nur in Einzelfällen eine Therapie versucht werden, da diese Patienten mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht wieder gesund werden.

Prognose

Die Prognose für ein Überleben ist bei einer EEE-Infektion sehr schlecht, 90% der an dieser Form erkrankten Pferde versterben, die übrigen tragen häufig bleibende Gehirnschäden davon. Bei WEE-Infektion versterben ca. 50% der Patienten. Beim VEE-Virus ist die Prognose ebenfalls ungünstig.

Vorbeugung

In einigen Ländern, in denen Amerikanische Pferdeenzephalomyelitiden auftreten, gibt es Impfungen. Allerdings kam es in der Vergangenheit trotz intensiver Impfprogramme immer wieder zu Krankheitsausbrüchen.

Die Einfuhr eines Pferdes aus diesen Ländern unterliegt strengen seuchenhygienischen Bestimmungen, um eine Einschleppung zu verhindern. Nach Deutschland dürfen diese Pferde nur mit einem amtlichen Gesundheitsattest einreisen. Details können beim Veterinäramt erfragt werden.

In den betroffenen Ländern ist es sinnvoll, Pferde mit Decken und geeigneten Präparaten vor Mücken zu schützen.

ACHTUNG

Bei dieser Erkrankung handelt es sich um eine Zoonose, d.h. das Virus ist auch auf den Menschen übertragbar und führt dort zur Erkrankung. Eine direkte Übertragung vom Pferd auf den Menschen ist aber nicht möglich, sondern kann nur über eine Mücke als Zwischenwirt erfolgen.

Amerikanische Pferdeenzephalomyelitiden sind anzeigepflichtige Erkrankungen. Das bedeutet, dass bereits der Verdachtsfall unverzüglich dem Veterinäramt gemeldet werden muss.

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Stand: 18.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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