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Hund: Knochenbruch

Allgemeines

Weitere Bezeichnungen: Knochenfraktur, Fraktur

Zum besseren Verständnis von Knochenbrüchen wird hier zunächst der Knochenaufbau erklärt:

Knochen besteht hauptsächlich aus einer festen und wenig elastischen Knochensubstanz, die sehr viele Kalziumsalze enthält. Die Knochen werden von einer dünnen Haut überzogen, die Knochenhaut oder auch Periost genannt wird. Nur die Gelenkflächen eines Knochens sind nicht mit Knochenhaut überzogen, sondern mit dem sehr glatten Gelenkknorpel. Die Knochenhaut enthält sehr viele Nervenfasern, daher ist sie auch sehr schmerzempfindlich. Außerdem laufen in ihr sehr viele Blutgefäße, die den Knochen versorgen. Die Zellen der Knochenhaut sind es auch, die im Falle eines Knochenbruchs das Reparaturgewebe bilden, das man auch Kallus nennt. Dabei verläuft die Knochenheilung in mehreren Stufen: Zunächst bildet sich nach einem Bruch sehr viel relativ weicher Knorpelkallus, der die Aufgabe hat, den Bruch notdürftig zu stabilisieren. Klinisch erkennt man diese überschießende Kallusbildung daran, dass im Bruchbereich eine Art Knubbel zu fühlen ist. Im Laufe der Zeit wird der Knorpelkallus in den stabileren Knochenkallus umgebaut, der die Bruchenden dann wieder fest miteinander verbindet.

Abb. HC1TS4QY
Abb. HC1TS4QY: Schematischer Aufbau eines langen Gliedmaßenknochens.
Knochenbrüche lassen sich u.a. nach folgenden Kriterien einteilen:

  • Zunächst unterscheidet man
    • vollständige Brüche, bei denen auch die Knochenhaut verletzt ist, von
    • unvollständigen Brüchen mit intakter Knochenhaut. Unvollständige Brüche, bei denen nur ganz feine Risse in der Knochensubstanz auftreten, werden auch Grünholzfrakturen genannt.
  • Wenn die Haut über dem Knochenbruch nicht verletzt wurde, so spricht man von einer
    • geschlossenen oder gedeckten Fraktur,
    • Knochenbrüche mit Verletzung der Haut heißen offene Frakturen.
  • Ein weiteres Kriterium ist die Bruchlinie. Es gibt:
    • Knochensprünge oder -spalten, auch Fissuren genannt, die streng genommen noch keinen echten Knochenbruch darstellen,
    • Querfrakturen,
    • Längs- oder Sagittalfrakturen,
    • Spiralfrakturen, bei denen die Bruchlinie spiralig verläuft,
    • Absprengfrakturen, bei denen die Ansatzstelle einer Sehne oder eines Bandes abgerissen ist,
    • Trümmerfrakturen, bei denen der Knochen in viele kleine Knochenstücke zersplittert ist,
    • Chip-Frakturen, bei denen Knochenteilchen im Gelenk abgebrochen sind,
    • Eindrück- oder Impressionsfrakturen, bei denen der Knochen zusammengedrückt wurde.
  • Des Weiteren beurteilt man die Lage der Bruchenden. Liegen sie weiterhin annähernd in ihrer normalen Lage, so ist der Bruch nicht verschoben. Es kommen aber auch Verschiebungen der Bruchenden in Längsrichtung oder zur Seite vor. Daneben können einzelne Bruchstücke auch verdreht sein.

Ursachen

Die häufigste Ursache für einen Knochenbruch ist ein Trauma. Das kann ein Unfall sein oder auch ein extremer Fehltritt. Hauptsächlich sind beim Hund die Gliedmaßenknochen oder das Becken betroffen. Begünstigt wird ein Knochenbruch durch eine Vorschädigung des Knochens, wie beispielsweise durch Knochenzysten, Knocheninfektionen oder auch Tumoren.

Leitsymptom

  • Lahmheit

Symptome

Die Symptome bei einem Knochenbruch ähneln sich, wenngleich sie natürlich abhängig von der Art der Fraktur sind. Fast allen Knochenbrüchen gemeinsam ist das plötzliche Auftreten einer sehr starken Lahmheit. Meistens schwillt der betroffene Bereich innerhalb weniger Stunden an. Die Hunde versuchen jede Belastung der erkrankten Gliedmaße zu vermeiden. Bei Verschiebungen der Knochenenden kann man eine Abweichung von der normalen Gliedmaßenachse erkennen. Bei offenen Frakturen sieht man mitunter die Knochenstücke aus der Wunde ragen.

Bei Fissuren und Grünholzfrakturen können sich die Symptome auch langsamer entwickeln und nicht ganz so stark ausgeprägt sein. Insbesondere bei diesen Brucharten ist der betroffene Bereich nicht immer eindeutig zu erkennen.

Diagnose

Die Diagnose eines Knochenbruchs wird anhand der klinischen Symptome in Verbindung mit einer röntgenologischen Untersuchung gestellt. Dazu ist es meistens notwendig, Röntgenbilder in verschiedenen Ebenen anzufertigen, um alle Bruchlinien zu finden. Für die weitere Behandlung und für die Prognose ist es unerlässlich zu wissen, wo die Bruchlinien verlaufen, ob ein Gelenk mitbetroffen ist und wie die einzelnen Knochenteile zueinander liegen. Erst dann kann entschieden werden, welche Behandlung nötig und möglich ist.

Abb. GFHWKU4V
Abb. GFHWKU4V: Frakturen der Vordergliedmaßen.
Dieser Hund hat sich an beiden Vorderläufen die Speiche und Elle gebrochen. Die Bruchenden sind verschoben. Es handelt sich um eine offene Fraktur mit Verletzung der äußeren Haut.

Behandlung

Die Behandlung eines Knochenbruchs hängt vom betroffenen Knochen, von der Art des Bruches sowie von Alter, Größe und auch Temperament des Hundes ab.

Einfache Knochenbrüche mit nicht oder nur gering verschobenen Knochenenden oder Haarbrüche (Fissuren) können teilweise mit Hilfe von Schienenverbänden oder Kunststoffgipsen so stabilisiert werden, dass die Knochen wieder zusammenwachsen können. Häufig sind jedoch Operationen notwendig, um dem Hund auch langfristig einen schmerzfreien Bewegungsablauf zu ermöglichen. Verschiedene Operationsmethoden stehen dafür zur Verfügung, die unter dem Oberbegriff Osteosynthese (= Knochenverknüpfung) zusammengefasst werden. Je nach Art und Ort des Bruches wird eine geeignete Operationsmethode gewählt. Die Knochen können mit Hilfe von Nägeln, Platten, Schrauben, Marknägeln oder Drähten (Cerclage) in ihre ursprüngliche Form gebracht werden. Diese Maßnahmen werden direkt am Knochen durchgeführt.

Zusätzlich besteht die Möglichkeit, bei Trümmerbrüchen mit einem so genannten Fixateur externe den Knochen von außen zu stabilisieren. Vorher wird in jedes der betroffenen Knochenstücke ein Pin eingebracht, die dann von außen fest miteinander verbunden werden können.

Bei allen Behandlungen ist eine Versorgung mit Schmerzmitteln und Antibiotika, Ruhigstellung sowie Leinenzwang dringend notwendig.

Abb. GFHW64IH
Abb. GFHW64IH: Röntgenaufnahme der linken Vordergliedmaße unmittelbar nach der chirurgischen Versorgung.
Abb. GFHW8XYL
Abb. GFHW8XYL: Fraktur von Radius und Ulna nach der Operation.
10 Wochen nach der Operation könnten die Schrauben, Platten und Nägel entfernt werden.
Abb. GFHWBEMO
Abb. GFHWBEMO: Mehrfach gebrochener Oberschenkel mit deutlich verschobenen Bruchstücken.
Abb. GFHWEPHY
Abb. GFHWEPHY: Fixateur externe.
Mit Hilfe eines Fixateur externe wird der Knochen von außen stabilisiert.

Prognose

Die Prognose von Knochenbrüchen hängt von ihrem Ausmaß ab und variiert zwischen günstig und schlecht. Ziel einer jeden Behandlung ist es, die Beweglichkeit und Belastungsmöglichkeit des Knochens wiederherzustellen und das Auftreten von Folgeerscheinungen wie Arthrosen zu vermeiden. Ob dies gelingt, hängt stark von der Lage des betroffenen Knochens und der Schwere und Art der Fraktur ab. Auch die Kooperationsbereitschaft von Hund und Halter in der Nachsorgephase ist entscheidend.

ACHTUNG

Bei jedem Knochenbruch gilt: Ruhe bewahren, den betroffenen Bereich entlasten und einen Tierarzt aufsuchen. Jeder Knochenbruch muss tierärztlich versorgt werden.

Stand: 10.01.2013, © Copyright by www.enpevet.de
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