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Hund: Keratoconjunctivitis sicca

Allgemeines

Weitere Bezeichnungen: Keratokonjunktivitis sicca, KCS

Die Oberfläche des Auges ist von einem feinen Feuchtigkeitsfilm überzogen, der die empfindliche Hornhaut des Auges schützt und ernährt. Dazu bilden die Tränendrüsen und die Nickhautdrüse des Auges ständig etwas Tränenflüssigkeit.

Bei einer Keratoconjunctivitis sicca liegt ein so genanntes "trockenes Auge" mit einer nur unzureichenden Menge an Tränenflüssigkeit vor. Dadurch kommt es zu Reizungen und Entzündungen an Hornhaut (Cornea) und Bindehaut (Conjunctiva).

Abb. GF54LV8P
Abb. GF54LV8P: Schematische Darstellung des Auges von vorne mit Lage der Tränendrüse.
Die Tränendrüse liegt dem Auge im schläfenseitigen Winkel auf.

Abb. GF54OYI6
Abb. GF54OYI6: Schematischer Aufbau des Auges mit Darstellung der Nickhautdrüse, Hornhaut und Bindehaut.
Die Nickhautdrüse liegt im nasenseitigen Augenwinkel.

Ursachen

Verschiedene Ursachen können an einer Keratoconjunctivitis sicca beteiligt sein:

  • Als häufigste Ursache gilt eine Fehlregulation des Immunsystems, die zu einer Entzündung der Tränendrüsen führt. Einige Hunderassen sind gehäuft von dieser Form der KCS betroffen.
  • Angeborenes Fehlen der Nickhautdrüse beispielsweise bei Yorkshire Terriern und Möpsen.
  • Verschiedene Allgemeinerkrankungen wie Staupe, Diabetes mellitus, Morbus Cushing, Atopie u.a.
  • Verschiedene Autoimmunerkrankungen wie beispielsweise Pemphigus.
  • Verletzungen am Auge, die zu Schäden an Nerven führen, die für die Versorgung mit Tränenflüssigkeit zuständig sind.
  • Verschiedene Medikamente.
  • Entfernung der Nickhautdrüse nach Vorfall der Nickhaut.

In vielen Fällen bleibt die Ursache für das trockene Auge jedoch ungeklärt, man spricht dann von einer idiophatischen KCS.

Leitsymptom

  • trockenes, gerötetes Auge

Symptome

Fehlt dem Auge der Schutz und die Ernährung durch die Tränenflüssigkeit, entstehen chronische Binde- und Hornhautentzündungen. Diese machen sich durch vermehrtes Blinzeln und starke Rötung des Auges bemerkbar. Auch schleimig-eitriger Augenausfluss tritt auf. Die Hornhaut ist matt. Später entstehen zusätzlich Trübungen auf der Hornhaut, die sich sehr schnell zu Hornhautgeschwüren entwickeln. Ohne eine schnell einsetzende Behandlung, kann der Hund sehr schnell blind werden.

Häufig wird eine KCS mit einer Bindehautentzündung verwechselt und entsprechend behandelt. Durch diese Medikamte wird dann auch tatsächlich eine Linderung der Symptome erzielt, weil mit diesen ja Flüssigkeit in das Auge gebracht wird. Nach dem Absetzen der Augentropfen oder -salben treten dann die Symptome sehr schnell erneut und häufig schlimmer auf.

Diagnose

Bei Verdacht auf Keratoconjunctivitis sicca kann mit Hilfe des so genannten Schirmer-Tränen-Tests die Menge der Tränenflüssigkeit ermittelt werden. Ein saugfähiger Papiermessstreifen wird dazu in den unteren Bindehautsack eingehängt. Die Tränenflüssigkeit wird vom Messstreifen eine Minute lang aufgesaugt. Die Höhe der Benetzung dient dann als Maß für die Tränenproduktion. Diese Untersuchung wird vom Hund meist gut toleriert.

Mit Hilfe eines Fluoreszeintest können bereits bestehende Hornhautdefekte sichtbar gemacht werden. Genaue Informationen dazu finden Sie in unserem Artikel über Hornhauterkrankungen.

Wird der Verdacht auf eine KCS durch diese Untersuchung bestätigt, muss nach der Ursache für die mangelhafte Tränenproduktion gesucht und vor allem abgestellt werden. Leider ist die Grundursache nicht in allen Fällen zu finden.

Abb. GF56ATQ5
Abb. GF56ATQ5: Schirmer-Tränen-Test.
Der Papierstreifen wird für eine Minute in den unteren Bindehautsack eingehängt. Es wird dann abgelesen, wie stark sich der Messstreifen mit Tränenflüssigkeit vollgesogen hat.

Behandlung

Eine akute Keratokonjunktivits sicca ist ein augenärztlicher Notfall der sofort behandelt werden muss, um eine Erblindung des Hundes zu verhindern!

Bei leichten oder vorübergehenden Fällen von Keratoconjuctivitis sicca kann die mangelnde Tränenflüssigkeit durch künstliche Tränenflüssigkeit ersetzt werden. Dazu müssen regelmäßig Augentropfen verabreicht werden. Im schlimmsten Fall muss dies das ganze Hundeleben lang stündlich erfolgen! Daneben müssen bereits bestehende Entzündungen mit antibiotischen und entzündungshemmenden Medikamenten behandelt werden. Neben dieser so genannten symptomatischen Behandlung gilt es jedoch, die Ursache für die KCS zu finden und zu behandeln. Nur so kann die Produktion von Tränenflüssigkeit wieder gesteigert und die aufwändige Behandlung reduziert werden.

Reicht eine medikamentelle Behandlung nicht aus, um das Auge ausreichend mit Tränenflüssigkeit zu versorgen, steht in spezialisierten Kliniken auch eine chirurgische Lösung zur Verfügung: Dabei wird der Ausführungsgang der Speicheldrüse vom Maul zum Auge umgeleitet. Die Hornhaut wird dann durch den Speichel befeuchtet. Die Erfolgsergebnisse dieser Maßnahme sind sehr unterschiedlich.

Prognose

Die Prognose richtet sich nach dem Grundleiden: Kann die Ursache für die KCS abgestellt werden, muss die fehlende Tränenflüssigkeit nur zeitweise ersetzt werden. Leider leiden die meisten betroffenen Hunde an einer so genannten idiopathischen KCS, bei der dauerhaft Tränenflüssigkeit fehlt. Diese muss dann lebenslang durch Augentropfen ersetzt werden – teilweise durch halbstündliche Gaben.

Tipps

Im Rahmen dieser Augenkrankheit müssen meist oft Augentropfen oder -salben eingegeben werden. Lassen Sie sich das in der tierärztlichen Praxis in Ruhe zeigen. Mit ein paar Tricks ist es nämlich ganz einfach!

Abb. GF6GA9GH
Abb. GF6GA9GH: Eingabe künstlicher Tränenflüssigkeit.
Zur Eingabe künstlicher Tränenflüssigkeit sollte der Kopf des Hundes leicht gedreht werden. Dadurch kann dann senkrecht auf das Auge getropft werden. Um bei Abwehrbewegungen nicht das Auge mit der Flasche zu berühren, wird die Hand unter dem Auge aufgestützt.

Stand: 17.01.2013, © Copyright by www.enpevet.de
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