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Hund: Hornhauterkrankungen

Allgemeines

Weitere Bezeichnung: Keratopathie

Die Hornhaut des Auges ist die durchsichtige, glatte Schicht, die den Augapfel vorne begrenzt. Sie erfüllt eine wichtige Funktion beim Sehen: Durch die Hornhaut fällt Licht in das Auge und wird gebrochen. Das Licht wird von der Linse erneut gebrochen, durchzieht den ebenfalls durchsichtigen Glaskörper und fällt schließlich auf die Netzhaut. Auf der Netzhaut sitzen Sinneszellen, die durch den Lichteinfall angeregt werden und über den Sehnerv die Bildinformation dem Gehirn übermitteln.

Die Hornhaut ist eine empfindliche Struktur, die durch den Lidschlag ständig mit Tränenflüssigkeit feucht und sauber gehalten wird. Die Tränenflüssigkeit dient auch der Ernährung der Hornhaut, da diese im gesunden Zustand nicht von Blutgefäßen durchzogen wird.

Eine Trübung der Hornhaut kann zu einer Einschränkung der Sehfähigkeit führen.

Abb. GEWL0RXY
Abb. GEWL0RXY: Schematische Darstellung des Auges mit Lage der Hornhaut (Cornea).

Die häufigsten Hornhauterkrankungen sind Hornhautentzündungen (Keratitis) und Hornhautverletzungen, aus beiden kann sich ein Hornhautgeschwür (Hornhautulkus) entwickeln. Der Übergang von einer Hornhautentzündung, einer Hornhautverletzung und einem Hornhautgeschwür ist oft fließend, daher werden diese Erkrankungen hier unter Hornhauterkrankungen zusammengefasst.

Bei einer Hornhautentzündung lagern sich Bakterien, Viren oder Pilze an die glatte Hornhautoberfläche an. Diese Erreger können sowohl primäre Verursacher sein, sind aber in den meisten Fällen als so genannte Sekundärerreger an Hornhauterkrankungen beteiligt.

Bei einer Hornhautverletzung unterscheidet man verschiedene Varianten:

  • Hornhautabschürfungen nennt man flächige, oberflächliche Verletzungen.
  • Nicht perforierende Hornhautverletzungen gehen schon mehr in die Tiefe der Hornhaut, durchtrennen sie aber nicht ganz.
  • Perforierende Hornhautverletzungen durchtrennen die Hornhaut und reichen somit bis in die vordere Augenkammer hinein. Durch den Riss tritt Flüssigkeit aus der vorderen Augenkammer aus und der Augendruck sinkt ab. Wenn es nicht schnell zu einem Verschluss der Wunde kommt, kann das gesamte Auge unwiederbringlich zerstört sein.

Alle genannten Varianten von Hornhauterkrankungen führen zu einer Zerstörung der oberflächlichen Hornhautschicht. Durch die nachfolgenden Entzündungsprozesse in der Hornhaut kommt es in vielen Fällen zu einer weiteren Schädigung und Einschmelzung des Hornhautgewebes. Die Entzündung „frisst“ sich sozusagen in die Tiefe und entwickelt sich zu einem Hornhautgeschwür. Im ungünstigsten Fall bricht das Geschwür (Ulkus) in die vordere Augenkammer ein. Das Kammerwasser fließt aus, der Augendruck sinkt ab und die inneren Strukturen des Auges können unwiederbringlich zerstört werden. Aber auch ohne Durchbruch kann sich im Rahmen eines Hornhautulkus eine Entzündung des inneren Auges entwickeln, die man auch Uveitis nennt.

Ursachen

Folgende Faktoren sind meist an der Entstehung von Hornhauterkrankungen beteiligt:

  • Bakterien, Pilze oder Viren: Normalerweise bilden der Tränenfilm und die glatte Hornhautoberfläche einen sehr effektiven Schutz gegenüber Krankheitserregern, so dass das Auge gesund bleibt. Verschiedene Ursachen können aber diese Barriere schwächen und somit ein Haften der Krankheitserreger an der Hornhaut ermöglichen.
  • Verletzungen durch streifende Zweige, Dornen, Stacheln oder andere Tiere (besonders Katzen!)
  • schwere Allgemeininfektionen wie beispielsweise Staupe
  • verschiedene Augenerkrankungen wie Distichiasis, Keratokonjunktivitis sicca oder Entropium
  • Reizung durch chemische Stoffe, z.B. Insektenabwehrpräparate
  • Selbstverletzung bei Schmerzen des Auges (z.B. Glaukom) mit der Pfote oder durch Reiben auf dem Teppich

Leitsymptom

  • Lidkrampf
  • Augenausfluss
  • Hornhauttrübung

Symptome

Die meisten Hornhauterkrankungen sind sehr schmerzhaft. Der Hund wird daher krampfhaft die Augenlider geschlossen halten. Der Augenausfluss ist häufig klar, bei Beteiligung von Bakterien und bei einigen Pilzarten wird er auch gelblich. Die Bindehäute sind meistens wie bei einer Bindehautentzündung gerötet und geschwollen. Die sonst klar durchsichtige Hornhaut ist je nach Ausbreitung der Entzündung komplett trübe oder weist milchig trübe Bereiche auf. Ein Hornhautgeschwür führt meistens zu einer Erhabenheit auf der Oberfläche, der Ulkusrand kann aufgeworfen sein. Kommt es zum Durchbruch eines Ulkus, so können auch Teile der Iris durch den Hornhautspalt vorfallen.

Diagnose

Die Diagnose kann durch die sorgfältige Untersuchung des Auges gestellt werden. Mit einer Augenlampe werden die Oberfläche und das innere Auge untersucht. Defekte der Hornhaut können durch einen fluoreszierenden Farbstoff sichtbar gemacht werden. Durch diese so genannte Fluorescein-Probe kann der Tierarzt in den meisten Fällen das Ausmaß der Hornhautveränderung sichtbar machen. Dabei wird der verletzte Bereich der Hornhaut grün-gelb gefärbt.

Zum Nachweis beteiligter Bakterien und Pilze werden Tupferproben von Bindehaut und Hornhaut entnommen und in einem geeigneten Behälter an ein Labor geschickt. Der Nachweis der Krankheitserreger ist wichtig für die optimale Wahl der Medikamente.

Abb. GEWSA2KE
Abb. GEWSA2KE: Fluorescein-Test.
Durch das Einträufeln von Farbstoff werden Hornhautschäden sicher diagnostiziert. Das Fluorescein sammelt sich im Bereich der verletzten Hornhaut.
Abb. GEWSBVZS
Abb. GEWSBVZS: Fluorescein-Probe mit Lichtquelle.

Behandlung

Die Therapie von Hornhauterkrankungen besteht aus antibiotischen und entzündungshemmenden Augensalben oder -tropfen. Auch Vitamin-Salben kommen zum Einsatz, um die Regenerationsfähigkeit der Hornhaut zu erhöhen. Auch Schmerzmittel werden regelmäßig eingesetzt.

Bei einigen Hornhautdefekten kann eine so genannte Nick- oder eine Bindehautschürze notwenig sein. Dabei wird mit Hilfe verschiedener Techniken die Hornhaut mit dem dritten Augenlid (Nickhaut) oder mit Bindehaut abgedeckt. Die durch diese Abdeckung geschützte Hornhaut kann ungestört ausheilen. Medikamente können trotzdem auf das geschlossene Auge verabreicht werden, da diese durch die Nickhaut dringen können.

Abb. GEWSE0WB
Abb. GEWSE0WB: Eingabe von Augensalbe.
Bei der Eingabe von Augensalben sollte der Tubenhals das Auge möglichst nicht berühren. Das ist auch bei Abwehrbewegungen des Hundes einfach möglich, wenn die Hand unter dem Auge abgestützt wird
Abb. GEWSFHSR
Abb. GEWSFHSR: Eingabe von Augentropfen.
Bei der Eingabe von Augentropfen sollte der Kopf des Hundes leicht gedreht werden, damit senkrecht auf die Hornhaut getropft werden kann. Auch hier hilft das Abstützen der Hand, um bei Abwehrbewegungen nicht das Auge mit der Tropfenflasche zu berühren.

Prognose

Je nach Tiefe und Ausmaß der Hornhautveränderung kann eine Narbe auf der Hornhaut zurückbleiben, die als weißliche Trübung sichtbar bleibt. Diese Narben können das Sehvermögen einschränken.

ACHTUNG

Sollten sich Stacheln, Dornen oder andere Fremdkörper im Auge befinden, so sollten Sie diese niemals selbst entfernen! Halten Sie ein feuchtes, fusselfreies Tuch auf das Auge und suchen Sie sofort einen Tierarzt auf.

Niemals sollte Kamille ins Auge gebracht werden! Kamille besitzt mikroskopisch feine Härchen, die jedes Sieb und jeden Teebeutel durchdringen können und zu starker Reizung im Auge führen.

Stand: 11.01.2013, © Copyright by www.enpevet.de
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