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Kaninchen: Zahnerkrankungen

Allgemeines

Ursprünglich stammen Kaninchen aus Südeuropa, aus den spanischen Grasebenen. Das Nahrungsangebot in den dortigen Grasebenen war eher spärlich, sie ernährten sich hauptsächlich von Pflanzen und Blättern. Auf diese Art der kargen, energiearmen Ernährung ist auch heute noch der Verdauungsapparat der Kaninchen, zu dem auch die Zähne gehören, ausgelegt und die Fütterung sollte entsprechend erfolgen.

Sowohl Schneide- als auch Backenzähne der Kaninchen wachsen lebenslang, Schneidezähne etwa 1 – 2mm pro Woche. Dies ist nötig, damit die Zähne die ständige Zerkleinerung der energiearmen Gräser bewerkstelligen können. Durch den ständigen Abrieb nutzen sie sich entsprechend ab. Kaninchen besitzen im Oberkiefer auf jeder Seite zwei Schneidezähne und sechs Backenzähne, im Unterkiefer jeweils einen Schneidezahn sowie fünf Backenzähne.

Ursachen

Die Ursachen für Zahnerkrankungen sind vielfältig:

  • Angeborene Zahn- oder Kieferfehlstellungen: Bei einigen Kaninchenrassen ist beispielsweise ein Vorbiss ein rassetypisches und gewünschtes Kennzeichen. Zahnerkrankungen treten bei diesen Rassen gehäuft auf.
  • Fütterungsfehler: Fütterungsfehler sind besonders in der Heimtierhaltung weit verbreitet und verstärken den Effekt eventuell angeborener Zahnfehlstellungen zusätzlich. Durch einen zu hohen Gehalt an Energie in der Fütterung müssen Tiere deutlich weniger fressen und reiben die Zähne nur geringgradig ab (siehe Fütterung). Ein Kaninchen braucht beipielsweise kaum eine Minute, um 1g Pellets zu fressen. Mit der Aufnahme von 1g Heu ist es jedoch bis zu 10 Minuten beschäftigt und nutzt so seine Zähne gleichmäßig ab.
  • Zahnverlust: Bei einem Zahnverlust wird der gegenüberliegende Zahn nicht mehr abgerieben und wächst ungehindert. Dies wirkt sich langfristig auch auf die anderen Zähne des Gebisses aus.
  • Alter: Bei älteren Tieren kommt es häufig durch eine Schwächung des Bindegewebes zu Verschiebungen der Backenzähne. Der Zahnabrieb ist dann ungleichmäßig.

All diese Ursachen führen meist zur Bildung von Kanten oder Spitzen, die zu schmerzhaften Verletzungen an der Zunge oder der Maulschleimhaut führen. Aus diesen Verletzungen können sich hochgradige Entzündungen entwickeln, beispielsweise oronasale Fisteln oder Zahnfachvereiterungen.

Leitsymptom

  • Appetitlosigkeit
  • Abmagerung
  • Durchfall

Symptome

Zahnerkrankungen führen früher oder später zu einer eingeschränkten Futteraufnahme der Tiere, da das Futter entweder nicht mehr verwertet werden kann oder das Fressen mit hochgradigen Schmerzen verbunden ist. Die veränderte Nahrungsaufnahme führt, bedingt durch den sehr sensiblen Verdauungstrakt der Tiere, schnell zu Durchfall.

Zu lange Schneidezähne sind meist gut sichtbar, aber besonders ungleichmäßig abgeriebene Backenzähne verursachen schmerzhafte Verletzungen der Zunge oder der Backenschleimhäute. Die Backenzähne sind jedoch nicht immer gut einsehbar, nicht selten nur in Narkose. Feuchte Stellen oder gar Haarausfall in den Mundwinkeln, der Wamme oder den Vorderpfoten sind ebenfalls ein häufiger Hinweis auf Zahnerkrankungen. Fisteln, Abszesse oder Zahnfachvereiterungen können von außen als Schwellungen sichtbar sein. Diese können auch zu – meist einseitigem und eitrigem – Nasenausfluss führen.

Einige Tiere tolerieren die Zahnfehlstellungen sehr lange und ohne deutliche Symptome zu zeigen. Bei diesen Tieren kann es so weit kommen, dass die Backenzähne die Wange durchstoßen.

Abb. GE1H6E7D
Abb. GE1H6E7D: Zahnfehlstellungen Schneidezähne.
Zu lange Schneidezähne können vom Kaninchenbesitzer selbst entdeckt werden.

Diagnose

Bei Verdacht auf eine Zahnerkrankung muss die gesamte Maulhöhle gründlich untersucht werden. Dazu stehen verschiedene Instrumente, wie Maulspreizer oder Wangenspreizer, zur Verfügung. Auch wenn schnell klar ist, dass offensichtlich zu lange Schneidezähne ursächlich beteiligt sind, sollten auch die Backenzähne gründlich untersucht werden. Die langen Schneidezähne führen nämlich zu eingeschränkten Kaubewegungen und damit immer auch zu einem mangelnden Abrieb der Backenzähne.

Auch die Anfertigung von Röntgenbildern kann sinnvoll sein, um das genaue Ausmaß der Fehlstellung und eventueller Entzündungsvorgänge sichtbar zu machen.

Abb. GE1HA5Q5
Abb. GE1HA5Q5: Zahnfehlstellungen Backenzähne.
Die Backenzähne können nur in der tierärztlichen Praxis mit Hilfe spezieller Instrumente begutachtet werden. Bei diesem Patienten haben die Backenzähne des Oberkiefers deutliche Spitzen gebildet und wachsen nach außen. Das kann zu erheblichen Verletzungen der Maulschleimhaut führen.

Behandlung

Ziel einer Behandlung von Zahnfehlstellungen ist die vollständige Wiederherstellung eines funktionierenden Kauvorganges. Dazu werden die Zähne mit Hilfe von verschiedenen Werkzeugen (Raspeln, Zangen, Trennscheiben) wieder in ihre ursprüngliche Form gebracht. Die Behandlung kann – je nach Verhalten und Allgemeinzustand sowie Vorlieben des Tierarztes – in Narkose durchgeführt werden.

Hochgradige Entzündungsvorgänge im Zahnfach, oronasale Fisteln oder Abszesse erfordern eine chirurgische Versorgung.

Abb. GE1HDF2C
Abb. GE1HDF2C: Abszess im Backenbereich.
Bei diesem Patienten haben ebenfalls die Backenzähne des Oberkiefers zu Verletzungen der Maulschleimhaut geführt. Daraus hat sich ein massiver Abszess entwickelt.
Abb. GE1HF8HB
Abb. GE1HF8HB: Zahnabszess nach der Operation.

Prognose

Kaninchen mit Zahnproblemen erkranken – besonders bei angeborenen Fehlstellungen – häufig wiederholt. Die Futteraufnahme dieser Tiere muss daher besonders sorgfältig beobachtet werden, um rechtzeitig eingreifen zu können. Bei einigen Tieren können regelmäßige tierärztliche Untersuchungen der Zähne sinnvoll sein.

Vorbeugung

Eine optimale Fütterung gewährleistet den Abrieb der lebenslang wachsenden Zähne der Kaninchen. Dazu gehört auch eine Versorgung mit entsprechenden Nagematerialien. Die Futteraufnahme der Tiere sollte täglich beobachtet werden (siehe auch Gesundheitscheck). Sobald die Nahrungsaufnahme nur eingeschränkt erfolgt oder bestimmte Futtermittel gemieden werden, sollte eine Untersuchung der Zähne in Erwägung gezogen werden.

Stand: 13.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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