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Kaninchen: Wunde Läufe

Allgemeines

Weitere Bezeichnungen: Pododermatitis, Sohlengeschwür, Sohlenhautentzündung

Beim Sitzen liegt das Körpergewicht eines Kaninchens hauptsächlich auf den Hinterpfoten, dem bei Kaninchen lang ausgebildeten Abschnitt zwischen Fersenbein und Zehenknochen. Dieser Bereich ist durch eine dicke Fellschicht gepolstert, um die darunterliegende empfindliche Haut und die Knochen zu schützen.

Ursachen

Durch verschiedene Ursachen kann das vorliegende Fellpolster die darunterliegende Haut nicht ausreichend schützen und es entstehen teilweise schwere Entzündungen. Ursächlich sind folgende Faktoren meist an Sohlenhautentzündungen beteiligt:

  • Falsche Einstreu: Harter, rissiger Käfigboden, scharfe Kanten am Drahtboden oder ständig feuchte Einstreu führen zu Hauterweichungen und -verletzungen mit der Folge bakterieller, eitriger Entzündungen. Kaninchen sollten auf weicher, saugfähiger Einstreu gehalten werden. Auch viele der im Handel angebotenen Pellets oder Granulate sind eigentlich für die empfindlichen Fußsohlen nicht geeignet und sollten nur mit einer darüberliegenden, dicken Stroh- oder Heuschicht benutzt werden.
  • Mangelnde Hygiene: Wird ein Kaninchenstall nicht oft genug gereinigt, ist schnell die gesamte Einstreu feucht. Ein feuchtes Fellpolster ist jedoch nicht mehr in der Lage, die darunterliegenden Gewebe ausreichend zu schützen. Zusätzlich kann feuchte Haut wesentlich leichter von Bakterien und Pilzen besiedelt werden.
  • Übergewicht: Jedes Gramm Übergewicht führt zu einer zusätzlichen Belastung der Hinterpfoten und begünstigt dadurch die Entstehung von Sohlengeschwüren.

Durch einen oder mehrere dieser Faktoren ist das Fellpolster nicht mehr in der Lage, die darunterliegende Haut ausreichend zu schützen. Es kommt zu verstärktem Druck auf die Sohle und zur Nekrose der Haut. An diese vorgeschädigten Bereiche lagern sich Bakterien oder Pilze an und führen zu schweren Entzündungen.

Leitsymptom

  • Wunden an Hinterläufen

Symptome

An der Unterseite der Hinterläufe fällt meist zuerst das Fell aus. Die darunterliegende Haut ist durch die Druckbelastung dann schnell gerötet und verdickt. Durch die Ansiedlung von Bakterien entstehen nässende Wunden, die schnell großflächig werden und häufig eitrig sind. Auch Blutungen sind häufig. Die erkrankten Kaninchen bewegen sich deutlich weniger.

Diese Entzündungsvorgänge sind hochgradig schmerzhaft und führen zu gestörtem Allgemeinbefinden und zu Fressunlust.

Abb. GE1FWTK4
Abb. GE1FWTK4: Wunde Läufe mit akuten Blutungen.
Abb. GE1FZ0JB
Abb. GE1FZ0JB: Bereits länger bestehende Hautverletzungen mit Krusten- und Narbenbildung.

Diagnose

Die Diagnose ist durch das typische klinische Bild leicht zu stellen.

Behandlung

Die Behandlung von Sohlenhautentzündungen ist schwierig und langwierig. Sie beinhaltet folgende Maßnahmen:

  • Behandlung der Hautentzündungen: Die Pfoten müssen täglich gereinigt und gespült sowie mit antibakteriellen Medikamenten behandelt werden. Bei hochgradigen, in die Tiefe reichenden Entzündungen kann auch die Gabe eines systemisch wirkenden Antibiotikums notwendig sein. Empfehlenswert ist auch das Anlegen so genannter Polsterverbände, um die Pfote maximal zu schützen. Diese werden allerdings nicht von allen Kaninchen toleriert.
  • Schmerzlindernde Maßnahmen: Da Sohlengeschwüre sehr schmerzhaft sind, sollten die Tiere Schmerzmittel erhalten. Dadurch bessert sich das Allgemeinbefinden des Kaninchens meist deutlich und der Appetit kehrt zurück.
  • Änderung der Haltungsbedingungen: Bis zum vollständigen Abheilen der Sohlengeschwüre muss ein betroffenes Kaninchen auf sehr weichem, gut gepolstertem Untergrund gehalten werden. Alte, dick ausgelegte Handtücher mit einer darüberliegenden Heuschicht eignen sich dafür sehr gut. Anschließend sind die Haltungsbedingungen genau zu überprüfen, um ein erneutes Auftreten der Entzündungen zu verhindern.

Prognose

Die Prognose hängt stark vom Ausmaß der Sohlengeschwüre ab. Werden die Entzündungen rechtzeitig bemerkt und dann konsequent behandelt, ist die Prognose gut. In einigen Fällen dringen die Geschwüre jedoch bereits bis auf den Knochen vor, bei diesen Tieren sollte eine Einschläferung in Erwägung gezogen werden.

Vorbeugung

Durch eine artgerechte Fütterung und optimale Haltungsbedingungen können fast alle Sohlengeschwüre vermieden werden. Beim täglichen Gesundheitscheck sollten deswegen immer auch die Läufe kontrolliert werden.

Stand: 13.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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