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Kaninchen: Rabbit Haemorrhagic Disease

Allgemeines

Weitere Bezeichnungen: RHD, Hämorrhagische Krankheit der Kaninchen, Chinaseuche, Virusseptikämie, RCD, Rabbit Calicivirus Disease

Rabbit Haemorrhagic Disease (RHD) ist eine hochansteckende, meist tödlich verlaufende Virusinfektion. Die Erkrankung trat 1984 zum ersten Mal in China auf, allerdings bei einem Angorakaninchen, das aus Deutschland stammte. Seit 1988 tritt die Erkrankung auch in Deutschland auf.

Bis 1995 war RHD eine anzeigepflichtige Erkrankung, d.h. bei einem Ausbruch musste unverzüglich die Veterinärbehörde informiert werden. Seit 1995 gibt es jedoch einen zuverlässigen Impfstoff gegen RHD und die Anzeigepflicht wurde aufgehoben.

Ursachen

Der Erreger von RHD ist ein Calici-Virus. Das Virus führt nach einer sehr kurzen Inkubationszeit von nur 1 bis 3 Tagen zu Gerinnungsstörungen und erhöht die Durchlässigkeit der Blutgefäße. Dadurch entstehen Einblutungen in alle Organe, die Tiere verbluten innerlich. Bereits einen Tag nach der Ansteckung wird das Virus mit allen Körperflüssigkeiten (Speichel, Tränenflüssigkeit, Blut, Urin usw.) ausgeschieden. Meist tritt RHD in so genannten Seuchenzügen auf: Ganz plötzlich erkranken viele Bestände, auch überregional.

Ansteckung

Die Ansteckung mit RHD erfolgt durch:

  • direkten Kontakt mit infizierten Tieren
  • blutsaugende Insekten
  • mit Viren verseuchtem Futter (wenn beispielsweise vorher ein infiziertes Wildkaninchen Urin auf dem gepflückten Löwenzahn abgesetzt hat)
  • Gegenstände, die das Virus tragen

Nur Kaninchen können an RHD erkranken, eine Übertragung auf andere Tierarten oder Menschen ist nicht möglich.

Leitsymptom

  • Perakut: Schreien, Zusammenbrechen, Ersticken, evtl. mit Blutaustritt aus der Nasenöffnung
  • Akut: Benommenheit, Unruhe, erschwerte Atmung, evtl. Blutaustritt aus der Nasenöffnung
  • Mild: geringgradige Störung des Allgemeinbefindens

Symptome

Der Krankheitsverlauf kann sehr unterschiedlich sein und hängt stark von der Virulenz des Erregers, der aufgenommenen Virusmenge sowie dem Abwehrsystem des einzelnen Kaninchens ab.

Grundsätzlich werden drei Krankheitsverläufe unterschieden:

  • Perakuter Verlauf: Am häufigsten ist der perakute Krankheitsverlauf, insbesondere zu Beginn eines Seuchenzuges. Ohne vorher Krankheitserscheinungen gezeigt zu haben, werden die Tiere tot im Stall aufgefunden. Manchmal befindet sich schaumiges Blut an den Nasenöffnungen.
  • Akuter Verlauf: Der akute Krankheitsverlauf dauert zwischen sieben und 14 Tagen. Die Kaninchen zeigen zuerst nur eine leichte Benommenheit, bekommen Fieber, werden unruhig und atmen schwer. Es treten innere Blutungen auf, die sich durch blutigen Urin, Blut im Kot sowie durch Nasenbluten bemerkbar machen. Im Endstadium kommt es zu Störungen des zentralen Nervensystems. Krämpfe, Gangstörungen und Lähmungen treten auf. Der akute Krankheitsverlauf wird vereinzelt überlebt.
  • Milder Verlauf: Bei mildem Krankheitsverlauf zeigen die Kaninchen eine vorübergehende Störung des Allgemeinbefindens mit leichter Benommenheit und Fressunlust. Vermutlich werden die meisten milden Verlaufsformen nicht als RHD erkannt.

Diagnose

Bei perakutem und akutem Krankheitsverlauf entsteht sehr schnell der Verdacht eines RHD-Seuchenzuges. Durch pathologische Untersuchungen verendeter Tiere können die charakteristischen Organveränderungen dann die Diagnose RHD absichern. Außerdem kann das Virus mit Hilfe labordiagnostischer Verfahren direkt nachgewiesen werden.

Behandlung

Eine Behandlung sichtbar erkrankter Tiere ist erfolglos und sollte nicht versucht werden, um die Ausbreitung des Virus zu vermeiden. Verendete Tiere und ihre Einstreu sollten verbrannt werden, um das Virus zuverlässig abzutöten.

Prognose

Etwa 80% der mit dem Virus in Kontakt stehenden Kaninchen erkranken an RHD. Unter diesen Tieren ist die Todesrate sehr hoch, insbesondere zu Beginn eines Seuchenzuges. Lediglich bei mildem Krankheitsverlauf besteht eine Überlebenschance für die Kaninchen.

Vorbeugung

Da eine Behandlung von RHD nicht möglich ist, sind vorbeugende Maßnahmen von entscheidender Bedeutung.

  • Impfung: Gegen RHD ist ein wirkungsvoller Impfstoff erhältlich. Kaninchen ab der 6. Lebenswoche können geimpft werden. Ist das Muttertier jedoch regelmäßig geimpft, sollte die erste Impfung erst nach der 12. Lebenswoche erfolgen. Eine Wiederholungsimpfung ist 4 Wochen später notwendig, anschließend nur noch jährlich. Diese Impfung wird auch für reine Wohnungskaninchen empfohlen, da das Virus über Futter und Gegenstände leicht in die Wohnung eingeschleppt werden kann.
  • Futter: Grünfutter von Wiesen, zu denen Wildkaninchen und Feldhasen Zugang haben, sollte nicht verfüttert werden.
  • Insektenbekämpfung: Da die Viren auch über Insekten übertragen werden, ist eine konsequente Insektenbekämpfung erforderlich. Dazu können Fliegengazen an Fenster oder Käfigen angebracht werden. In der Umgebung von Kaninchenstallungen sollten außerdem möglichst keine Brutstätten für Mücken, z.B. Teiche, offene Wasserbehälter oder sonstige feuchte Stellen, vorhanden sein. Hier können sich Mücken entwickeln, die das RHD-Virus verbreiten.

Tipps

Wenn Sie ein neues Kaninchen in Ihren Bestand aufnehmen möchten, sollte dieses einen wirkungsvollen Impfschutz besitzen, also regelmäßig nach dem oben angegebenen Schema geimpft worden sein.

ACHTUNG

Nach einem Seuchenzug müssen alle Stallungen und Geräte gereinigt und desinfiziert werden. Das Virus kann an Gegenständen bis zu 7 Monate überleben.

Stand: 13.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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