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Kaninchen: Magenüberladung

Allgemeines

Der Magen ist bei Kaninchen – im Gegensatz zu anderen Pflanzenfressern wie beispielsweise Rindern, die ein hochentwickeltes und riesiges Magensystem besitzen – ein eher kleines Organ. Er ist dünn, dehnbar und besitzt nur wenig Muskulatur. Diese dünne Muskelschicht ist nicht in der Lage, den Nahrungsbrei aktiv aus dem Magen in den Darm zu transportieren. Kaninchen müssen deswegen ständig fressen, damit das nachfolgende Futter die Nahrung weiterschiebt und die Verdauungsvorgänge aufrechterhalten bleiben. Die fehlende Muskulatur im Magen ist auch Grund dafür, dass Kaninchen sich nicht erbrechen können und vor einer Narkose deswegen nicht fasten müssen. Weitere Informationen finden Sie auch unter Verdauungsapparat.

Abb. GE16U3MK
Abb. GE16U3MK: Schematische Darstellung des Verdauungstrakts.

Ursachen

Magenüberladungen entstehen entweder durch die plötzliche Aufnahme großer Futtermengen oder das Fressen von quellfähigem Futter. Außerdem können Haarballen den Magenausgang verstopfen und so den Weitertransport des Speisebreis in den Darm verhindern. Der stark gefüllte Magen dehnt sich. Dies vermittelt dem Kaninchen das Gefühl der Sättigung oder gar Übelkeit – ein Erbrechen ist jedoch nicht möglich. Durch die Übelkeit hört das Kaninchen auf zu fressen und verhindert so den eventuell möglichen Vorschub des Nahrungsbreis in den Darm. Durch die längere Verweildauer der Nahrung im Magen entstehen Fehlgärungen, die eine zusätzliche Magenblähung verursachen. Der Magen wird dadurch noch weiter gedehnt.

Leitsymptom

  • Fressunlust
  • Bauchumfang nimmt zu

Symptome

Die Symptome einer Magenüberladung ähneln den Symptomen einer Magenblähung. Die Tiere verweigern die Nahrungsaufnahme. Das Allgemeinbefinden ist sehr schnell stark getrübt. Betroffene Kaninchen sind matt, teilnahmslos und bewegen sich weniger. Meist ist die linke Körperseite deutlich vergrößert. Auch starke Schmerzen treten auf und äußern sich durch kauernde Haltung, Zähneknirschen oder nach hinten ausgestreckte Hinterläufen. Hochgradige Magenüberladungen führen schnell zu einer eingeschränkten Atmung, zu Kreislaufversagen und enden tödlich.

Diagnose

Das klinische Bild einer Magenüberladung ist sehr typisch. Durch gründliches Abtasten des Bauches ist der prall mit Nahrung gefüllte Magen tastbar. Mit Hilfe von Röntgenbildern kann der Mageninhalt meist deutlich dargestellt werden und eine Unterscheidung der mit ähnlichen Symptomen einhergehenden Magenblähung möglich machen.

Behandlung

Eine erfolgreiche Behandlung von Magenüberladungen ist schwierig. Ähnlich wie bei einer Magenblähung wird versucht, den Kreislauf mit Infusionen zu stabilisieren und gleichzeitig durch die Zwangsfütterung von stark verflüssigtem Futter den Nahrungsbrei in den Darm weiterzuschieben. Auch die Beimischung von Gleitgel ist möglich. Ist der Magenausgang jedoch beispielsweise durch einen Haarballen verstopft, muss dieser meist chirurgisch entfernt werden. Das Operationsrisiko ist jedoch bei kreislaufschwachen Kaninchen sehr hoch.

Prognose

Die Prognose einer Magenüberladung ist ungünstig. Häufig ist es durch eine Verstopfung des Magenausgangs nicht möglich, die Nahrung durch eine Zwangsfütterung in den Darm zu schieben. Die Kaninchen verenden dann an Kreislaufversagen.

Vorbeugung

Vorbeugende Maßnahmen sind:

  • ausreichendes Angebot an Rohfaser, um Fellfressen zu vermeiden
  • Unterstützung bei der Fellpflege durch tägliches Bürsten mit einer weichen Bürste
  • den Bedürfnissen der Tiere angepasste Futtermittel und -mengen (siehe Fütterung)
Stand: 13.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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