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Kaninchen: Magenblähung

Allgemeines

Weitere Bezeichnungen: Trommelsucht, Tympanie

Der Magen ist bei Kaninchen – im Gegensatz zu anderen Pflanzenfressern wie beispielsweise Rindern, die ein hochentwickeltes und riesiges Magensystem besitzen – ein eher kleines Organ. Er ist dünn, dehnbar und besitzt nur wenig Muskulatur. Diese dünne Muskelschicht ist nicht in der Lage, den Nahrungsbrei aktiv aus dem Magen in den Darm zu transportieren. Kaninchen müssen deswegen ständig fressen, damit das nachfolgende Futter die Nahrung weiterschiebt und die Verdauungsvorgänge aufrechterhalten bleiben.

Die fehlende Muskulatur im Magen ist auch Grund dafür, dass Kaninchen sich nicht erbrechen können und vor einer Narkose deswegen nicht fasten müssen. Weitere Informationen siehe auch unter Verdauungsapparat.

Abb. GE15PQMV
Abb. GE15PQMV: Schematische Darstellung des Verdauungstrakts.

Ursachen

Bei einer Magenblähung kommt es zur massiven Ansammlung von Gas, die sich bei der Verdauung der Nahrung im Magen gebildet hat. Da der Magen kaum Muskulatur besitzt, kann er sich extrem dehnen und eine beträchtliche Größe entwickeln. Dadurch wird das Zwerchfell eingeengt und kann sich nicht mehr regelmäßig bewegen, um die Atmung aufrechtzuerhalten: Es entsteht Atemnot. Außerdem kommt es zu einer starken Beeinträchtigung des Kreislaufs mit Schockgefahr.

Ursächlich an der übermäßigen Entwicklung von Gasen beteiligt sind vor allem:

  • Zahnerkrankungen: Durch Zahnfehlstellungen oder andere Zahnerkrankungen wird das Futter nicht ausreichend zerkleinert. Dies begünstigt die Entstehung von Fehlgärungen.
  • Fütterung: Fütterungsbedingte Tympanien entstehen vor allem durch:
    • einen zu geringen Gehalt von Rohfaser im Futter (z.B. zu wenig oder qualitativ schlechtes Heu)
    • große Mengen Frischfutter, ohne dass die Tiere langsam an das Futtermittel gewöhnt wurden (ganz typisch ist der erste Frühlingsausflug auf die Wiese)
    • schlechte Futterqualität
    • blähende Futtermittel (z.B. Kohlblätter)
    • unregelmäßige Fütterungszeiten und -mengen
  • Parasiten (z.B. Kokzidien)
  • Haarballen
  • Magenüberladung

Grundsätzlich wirken Übergewicht, Bewegungsmangel sowie Fellfressen begünstigend auf das Entstehen von Magenblähungen.

Leitsymptom

  • Fressunlust
  • Bauchumfang nimmt zu

Symptome

Kaninchen mit einer Magenblähung verweigern jede weitere Futteraufnahme, da der gedehnte Magen ein Sättigungsgefühl verursacht und gleichzeitig Schmerzen bereitet. Die Tiere sind matt, teilnahmslos und bewegen sich wenig. Meist ist die linke Körperseite deutlich vergrößert. Starke Schmerzen äußern sich durch kauernde Haltung, Zähneknirschen oder nach hinten ausgestreckten Hinterläufen. Hochgradige Tympanien führen schnell zu Atemnot, zu Kreislaufversagen und enden tödlich.

Diagnose

Das klinische Bild einer Magenblähung ist sehr typisch. Durch gründliches Abtasten des Bauches ist der prall mit Gas gefüllte Magen deutlich tastbar. Auch mit Hilfe von Röntgenbildern kann eine Magenblähung sichtbar gemacht werden. Gleichzeitig ist so eine Unterscheidung von einer Magenüberladung, die mit ähnlichen Symptomen einhergeht, möglich.

Abb. GE2GLC4I
Abb. GE2GLC4I: Magenblähung, Röntgenaufnahme.
Der Magen (weißer Pfeil) ist stark vergrößert und mit Gas gefüllt.

Behandlung

Die Behandlung einer Magenblähung richtet sich stark nach dem Füllungsgrad des Magens.

Bei nur geringer Magenblähung können Infusionen den Allgemeinzustand des Kaninchens stabilisieren. Diesen Infusionen werden verschiedene Medikamente wie Schmerzmittel oder Gas-bindende Substanzen zugesetzt. Verweigert das Kaninchen trotz dieser Maßnahmen weiterhin die Nahrungsaufnahme, muss eine Zwangsfütterung erfolgen. Nur so kann der fehlgärende Nahrungsbrei weiter in den Darm befördert und die weitere Bildung von Gasen verhindert werden.

Bei hochgradigen Magenblähungen kann auch das vorsichtige Ablassen von Gas mit Hilfe einer Magenschlundsonde über das Maul versucht werden.

Bei allen Erkrankungen im Verdauungstrakt muss vorbeugend die sensible Darmflora geschützt werden. Weitere Informationen dazu finden Sie unter Darmschutz.

Nach der Behandlung der akuten Blähung muss die genaue Ursache für die Erkrankung herausgefunden und behandelt werden. Eine Zahnkorrektur oder Futterumstellung kann beispielsweise das erneute Auftreten einer Magenblähung verhindern.

Prognose

Nur ein rechtzeitiges Erkennen und Behandeln sorgt für eine gute Prognose, da Magenblähungen hochgradige Auswirkungen auf das Kreislaufsystem der Tiere haben. Kreislaufstörungen sind bei Kaninchen grundsätzlich nur selten erfolgreich zu behandeln.

Vorbeugung

Die meisten Kaninchen reagieren auf jede Form von Unwohlsein mit Fressunlust. Bei jeder Fütterung sollte daher das Verhalten der Tiere genau beobachtet werden. Ausführliche Informationen finden Sie auch unter Gesundheitscheck.

Stand: 13.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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