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Kaninchen: Knochenbruch

Allgemeines

Weitere Bezeichnungen: Knochenfraktur, Fraktur

Ursachen

Knochenbrüche (Frakturen) bei Kaninchen entstehen meist bei Stürzen (beispielsweise aus Kinderarmen), beim Hängenbleiben im Käfig und daraufhin folgenden Befreiungsversuchen oder bei Unfällen. Insbesondere die langen und dünnen Knochen der Hintergliedmaße sind häufig betroffen. Auch die kleinen Zehen am Ende der Gliedmaßen brechen jedoch häufig, wenn sich zu lange Krallen im Teppich verhaken.

Symptome

Knochenbrüche sind immer sehr schmerzhaft. Sind Gliedmaßen betroffen, werden diese geschont und hängen herab oder werden krampfhaft angezogen. Bei einer Fraktur im Beckenbereich werden häufig beide Hintergliedmaßen nachgezogen und erscheinen gelähmt.

Bei jedem Knochenbruch gilt: Ruhe bewahren, den betroffenen Bereich entlasten und einen Tierarzt aufsuchen. Jeder Knochenbruch muss tierärztlich versorgt werden.

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen geschlossenen und offenen Brüchen. Bei geschlossenen Brüchen liegt keine zusätzliche Verletzung der Muskulatur oder der äußeren Haut vor. Bei offenen Brüchen ragt der Knochen häufig durch eine Hautwunde nach außen. Haut und Muskulatur können erhebliche Schäden aufweisen. Bedingt durch einige tierartliche Besonderheiten beim Knochenaufbau, kommt es bei Kaninchen besonders häufig zu so genannten Splitterbrüchen. Dies bedeutet, dass der Knochen keine glatte Bruchstelle aufweist, sondern mehrere kleine, scharfe Knochenenden vorliegen. Dies führt neben hochgradigen Verletzungen im umgebenden Gewebe besonders zu Schwierigkeiten bei der Behandlung: Es ist sehr schwierig, die Knochenstücke wieder optimal zusammenzusetzen.

Diagnose

Eine sorgfältige orthopädische Untersuchung und Röntgenaufnahmen in mehreren Ebenen sichern die Diagnose Knochenbruch und machen das Ausmaß der Verletzung sichtbar.

Abb. GDX55WSM
Abb. GDX55WSM: Knochenbruch Oberarm.

Behandlung

Viele Kaninchen mit Knochenbrüchen weisen Schocksymptome auf und müssen vor jeder Behandlung stabilisiert werden. Dazu werden Infusionen mit den Kreislauf stabilisierenden Medikamenten verabreicht.

Einfache Knochenbrüche können mit Hilfe von Schienenverbänden so stabilisiert werden, dass die Knochen wieder zusammenwachsen können. Häufig sind jedoch Operationen notwendig, um langfristig einen schmerzfreien Bewegungsablauf herzustellen. Verschiedene Operationsmethoden stehen zur Verfügung, die unter dem Oberbegriff Osteosynthese (=Knochenverknüpfung) zusammengefasst werden. Je nach Art und Ort des Bruches wird eine geeignete Operationsmethode gewählt. Die Knochen können mit Hilfe von Nägeln, Platten, Schrauben, Marknägeln oder Drähten (Cerclagen) in ihre ursprüngliche Form gebracht werden. Diese Maßnahmen werden direkt am Knochen durchgeführt.

Besonders häufig wird bei Kaninchen auch ein so genannter Fixateur externe verwendet. Dazu wird in jedem Knochenfragment ein so genannter Pin fest verankert, durch die Haut nach außen geführt und dort fest miteinander verbunden.

Ebenfalls möglich ist eine Amputation einzelner Gliedmaßen.

Bei allen Behandlungen am Knochen ist eine Versorgung mit Schmerzmitteln und Antibiotika notwendig. Jede Antibiose muss bei Kaninchen von einem Darmschutz begleitet werden.

Abb. GDX5891D
Abb. GDX5891D: Oberarmknochen nach Osteosynthese.
Der Oberarmknochen wurde mit Nägeln wieder in seine ursprüngliche Lage gebracht

Prognose

Die Prognose ist stark abhängig von der Lage und der Art des Bruches sowie dem Allgemeinzustand des Tieres. Bei Brüchen im Beckenbereich oder der Wirbelsäule ist die Prognose schlecht.

Tipps

Das Anlegen von Verbänden ist bei Kaninchen häufig so schwierig, dass auch bei offenen Brüchen darauf verzichtet werden muss. In diesem Fall sollten Sie auf Einstreu im Stall verzichten. Diese führt zu Verschmutzungen und Reizungen der Wunde und verzögert dadurch die Heilung. Erst wenn die äußere Haut fest verschlossen ist und keine nässenden Stellen vorliegen, darf wieder eingestreut werden.

Kaninchen mit Knochenbrüchen sollten für einige Zeit ruhig gestellt werden. Entfernen Sie daher mögliche Erhöhungen wie Häuschen, Baumstümpfe o.ä. aus dem Stall.

ACHTUNG

Schmerzen und Stress führen bei Kaninchen schnell zu einer Futterverweigerung. Daher werden auch unbedingt Schmerzmittel benötigt. Frisst das Kaninchen trotzdem nicht, muss es zwangsernährt werden, da Kaninchen nicht länger als 24 Stunden hungern dürfen.

Stand: 13.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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12.12.2015: Breha
Hallo!

Ist es möglich, das man bei einem Kaninchen im Unterkiefer einen Knochenaufbau durchführt? Es müsste ein weiterer Zahn im UK entfernt werden, aber die Restknochenhöhe ist so gering, das bei Entfernung vom entzündeten Zahn, der Kiefer bricht. Kann man nicht eine Wurzelspitzenresektion durchführen und den offenen Bereich mit synthetischen Knochenaufbaumaterial aufbauen? Eventuell Emdogain, was auch bei Menschen sehr gut funktioniert ist eine Paste aus Schmelzmatrixproteinen.

Für ein Feedback wäre ich sehr dankbar.
30.09.2015: Simax
Was kostet denn die Heilung eines Bruchs beim Tierarzt ungefähr ?

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