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Kaninchen: Hautpilzinfektion

Allgemeines

Weitere Bezeichnungen: Dermatophytose, Hautpilzerkrankung, Dermatomykose

Pilzerkrankungen (Mykosen) werden durch verschiedene krankmachende (pathogene) Pilzarten hervorgerufen. Je nach Besiedlungsort dieser Pilze unterscheidet man zwischen Hautpilzerkrankungen (Dermatomykosen) und Organ- oder Systemmykosen. Außerdem gibt es noch so genannte Mykotoxikosen, die durch die Aufnahme von Pilzgiften (Toxine) mit dem Futter entstehen.

Ursachen

Bei Kaninchen führen vor allem Trichophyton-Arten (neu: Arthroderma benhamiae), seltener Microsporum-Arten zu Hautpilzerkrankungen. Häufig ist die Haut bereits vorgeschädigt, beispielsweise durch vermehrten Tränenfluss, Nasenausfluss oder Ektoparasiten. Die Pilze lagern sich dann als so genannte Sekundärerreger an die Haut an. Insbesondere junge, geschwächte oder langhaarige Kaninchen erkranken an Pilzinfektionen der Haut. Viele gesunde Tiere sind jedoch Träger von Pilzsporen. Sie verbreiten die Sporen, ohne selber zu erkranken.

Ansteckung

Die Übertragung erfolgt direkt von Tier zu Tier und auch indirekt über Stallgeräte oder Käfige, da sich Pilze über Sporen verbreiten, die monatelang in der Umgebung überleben können. Viele Pilzarten sind auch ansteckend für Menschen (Zoonosegefahr) und andere Haustiere, wie z.B. Hunde, Katzen und Meerschweinchen.

Leitsymptom

  • Haarausfall

Symptome

Ein typisches Symptom bei Hautpilzerkrankungen ist kreisrunder Haarausfall. Die haarlose Haut ist dann leicht gerötet und schuppig, Juckreiz liegt eher selten vor. An die vorgeschädigte Haut lagern sich häufig Bakterien an und führen zu Sekundärinfektionen, die eitrig sind. Neben dieser typischen Form kann sich aber auch hinter jeder juckenden, schuppigen oder krustösen Hautveränderung ein Pilzbefall verbergen. Manchmal liegen auch nur diffuser Haarausfall oder Verfilzungen vor. Pilzbefall entsteht häufig zuerst um die Augen, auf dem Nasenrücken und am Ohrgrund. Durch Putzbewegungen sind anschließend auch die Vorderläufe betroffen.

Diagnose

Einige Pilzarten können mit einer speziellen Lampe (Wood-Lampe) in einem abgedunkelten Raum sichtbar gemacht werden. Dabei werden mit UV-Licht fluoreszierende Substanzen nachgewiesen, die von den Pilzen gebildet werden.

Auch eine mikroskopische Untersuchung kann zum Nachweis der Pilze führen. Haare aus veränderten Randbezirken werden dafür nach Präparierung mit einer speziellen Lauge unter dem Mikroskop untersucht.

Die sicherste Diagnose ist derzeit mit Hilfe einer Pilzkultur möglich. Dazu werden Hautschuppen und Haare, meist in einem speziellen Labor, über einige Wochen angezüchtet und anschließend mikroskopiert. Jeder Pilz kann durch diese Pilzkultur genau bestimmt und anschließend das wirksamste Medikament ermittelt werden.

Etwa 90% der Pilze können auch mit einer Biopsie nachgewiesen werden. Das Ergebnis liegt schneller vor, die Untersuchung ist allerdings auch teurer und nicht ganz so zuverlässig wie die langwierige Pilzkultur.

Sollten andere Tiere im Haushalt oder die Tierbesitzer ähnliche Hautveränderungen aufweisen, ist dies meist ein sicherer Hinweis auf eine ansteckende Pilzerkrankung. In diesem Fall muss eine sofortige Behandlung des Tieres eingeleitet werden, auch ohne dass der Pilz nachgewiesen wurde. Jeder infizierte Mensch muss umgehend hautärztlich behandelt werden.

Abb. GDWW1NN2
Abb. GDWW1NN2: Pilzdiagnostik.
Bei diesem Test werden Hautschuppen und Haare auf den ursprünglich gelben Nährboden gelegt. Sind Pilze vorhanden, färbt sich der Nährboden nach einigen Tagen rot. In diesem Fall liegen also Hautpilze vor. Die genaue Pilzart kann so jedoch nicht bestimmt werden, dazu sind aufwändigere Methoden im Labor notwendig.

Abb. GDWW3ZEP
Abb. GDWW3ZEP: Typisches Bild einer Hautpilzerkrankung bei einem Kind.

Behandlung

Viele Pilzerkrankungen würden nach einigen Monaten von alleine heilen. Während dieser Zeit werden jedoch unendlich viele Sporen in der Umgebung verbreitet, die dort jahrelang überleben können und eine ständige Infektionsquelle für andere Tiere und die Tierhalter – insbesondere Kinder – darstellen. Daher sollte jede Pilzinfektion schnellstmöglich behandelt werden. Leben mehrere Tiere im Haushalt, müssen diese in den meisten Fällen mitbehandelt werden, auch ohne dass sichtbare Hautveränderungen bestehen. Dies sollte der behandelnde Tierarzt im Einzelfall entscheiden.

Die Therapie von Hautpilzinfektionen besteht grundsätzlich aus drei Bausteinen: Einer systemischen Behandlung, einer lokalen Applikation von pilztabtötenden (fungiziden) Substanzen sowie einer Umgebungsbehandlung. Bei gleichzeitigem Vorliegen von bakteriellen Sekundärinfektionen kann zusätzlich die Gabe eines Antibiotikums notwendig sein.

Systemische Behandlung: Zur systemischen Behandlung stehen verschiedene Wirkstoffgruppen zur Verfügung, die meist in Tablettenform verabreicht werden. Die systemische Behandlung fördert die Heilung der eigentlichen Infektion.

Lokale Behandlung: Zweimal wöchentlich sollte das gesamte Tier – und nicht nur die offensichtlich veränderten Hautbezirke – mit einer pilzabtötenden Substanz behandelt werden. Verschiedene Lösungen oder Shampoos stehen hierfür zur Verfügung. Zur Behandlung sollten Einweghandschuhe getragen werden, um eine Ansteckung zu verhindern. In den meisten Fällen sollte das Tier vorher geschoren werden. Dadurch kann das Medikament besser aufgetragen, die gesamte Haut sicher durchfeuchtet und dadurch auch bisher nicht ganz so offensichtliche Hautveränderungen sicher behandelt werden. Außerdem sind die Pilzsporen überall im Fell verteilt und der Infektionsdruck in der Umgebung kann durch eine Schur deutlich verringert werden.

Umgebungsbehandlung: Ziel der Umgebungsbehandlung ist es, die Sporen in der Umgebung des Tieres abzutöten und dadurch die Ansteckungsgefahr für den Menschen und andere Haustiere zu verringern. Gründliches Staubsaugen verringert die Anzahl der Haare in der Umgebung, die häufig mit Pilzsporen behaftet sind. Der Staubsaugerbeutel sollte während der Behandlung regelmäßig gewechselt werden. Zusätzlich muss eine wöchentliche Desinfektion aller Flächen und Gegenstände durchgeführt werden. Als Desinfektionsmittel eignet sich beispielsweise handelsübliche Chlorbleiche. Alle Flächen müssen gründlich abgewischt, alle Gegenstände (Ställe, Bürsten, Decken usw.) eingeweicht oder gewaschen werden.

Die Behandlung von Pilzerkrankungen ist langwierig und muss über mindestens 6 – 8 Wochen, auf jeden Fall über das sichtbare Abheilen der Hautveränderungen hinaus, erfolgen. Bevor die Medikamente abgesetzt werden, muss der Therapieerfolg mit Hilfe einer erneuten Pilzkultur überprüft werden.

Prognose

Bei regelmäßiger und ausreichend langer Behandlung – die auch die Umgebung und weitere Tiere des Haushalts einschließt – ist die Prognose von Hautpilzerkrankungen gut.

Tipps

Wenn Kinder oder andere Familienmitglieder an einem Hautpilz erkranken, sollten die Kaninchen unbedingt auf Hautpilze untersucht werden, auch wenn keine offensichtlichen Hautveränderungen vorliegen. Kaninchen können nämlich auch nur symptomlose Träger der Infektion sein!

ACHTUNG

Pilzerkrankungen der Haut sind Zoonosen, d.h. sie können auf den Menschen übertragen werden. Vermeiden Sie engen Kontakt mit Ihrem Kaninchen, bis dieses wieder vollständig gesund ist – in diesem Fall also bis das Fell wieder überall zu wachsen beginnt und eine erneute Pilzkultur ein negatives Ergebnis erbracht hat.

Stand: 13.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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