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Kaninchen: Harnwegsinfektion

Allgemeines

Zu den Harnwegen des Kaninchens gehören die beidseits der Wirbelsäule liegenden Nieren, zwei Harnleiter (Ureteren) sowie Harnblase (Vesica urinaria) und Harnröhre (Urethra). In den Nieren werden Giftstoffe aus dem Blut gefiltert. Diese werden in Wasser gelöst über die Harnleiter, die Harnblase und die Harnröhre ausgeschieden.

Urin gesunder Kaninchen kann verschiedene Gelbtönungen aufweisen, alle Färbungen zwischen hellgelb und ockerfarben sind möglich. Eine tierartliche Besonderheit ist die physiologische, also natürliche Trübung des Urins. Diese Trübung entsteht durch so genannte Harnkristalle, die durch eine Besonderheit im Kalzium-Stoffwechsel der Tiere entstehen.

Ursachen

Infektionen der Harnwege werden in den meisten Fällen durch Bakterien ausgelöst. Durch Verunreinigung des Genitalbereichs (beispielsweise durch Durchfallerkrankungen) kommt es zu aufsteigenden Infektionen über die Harnröhre. Diese Infektionen werden durch unsaubere oder nasse Einstreu sowie Unterkühlung begünstigt.

Weibliche Kaninchen besitzen eine deutlich kürzere Harnröhre als männliche und erkranken dadurch häufiger. Auch Harnsteine können zu Harnwegsinfektionen führen. Sie schädigen die Schleimhaut und begünstigen so eine Ansiedlung von Bakterien. Blasensteine oder Harngrieß können jedoch auch durch eine Infektion entstehen. Der pH-Wert des Urins ändert sich durch eine Entzündung und normalerweise im Urin gelöste Stoffe fallen plötzlich aus und bilden Harngrieß oder Harnsteine.

Leitsymptom

  • häufiger Harnabsatz
  • feuchte Analregion

Symptome

Kaninchen mit einer Infektion der Harnwege versuchen häufig, Harn abzusetzen. Meist können jedoch nur kleine Mengen abgesetzt werden und viele Tiere äußern dabei Schmerzen (Strangurie). Die Analregion, also der Bereich um Scheide oder Penis und After sowie die Schenkelinnenflächen, sind durch das Harnträufeln feucht und die Haut ist gerötet und gereizt. Sehr schnell entsteht ein getrübtes Allgemeinbefinden mit Fressunlust.

Abb. GDWU89VN
Abb. GDWU89VN: Symptome einer Blasenentzündung.
Bei diesem Patienten ist die gesamte Anogenitalregion mit Harn verklebt.

Diagnose

Der Vorbericht gibt dem Tierarzt deutliche Hinweise auf eine Harnwegsinfektion. Bei der klinischen Untersuchung ist die Bauchdecke gespannt und das Abtasten ist häufig schmerzhaft. Die Blase ist meist nur wenig gefüllt. Eine Urinprobe kann mit Hilfe von Teststreifen untersucht werden und weitere Hinweise auf ein Entzündungsgeschehen geben. Genauere Urinuntersuchungen können in einem Labor durchgeführt werden und beispielsweise zu einer genauen Bestimmung des bakteriellen Erregers führen. Durch die Erstellung von Röntgenbildern können vorhandene Harnsteine sichtbar gemacht werden.

Behandlung

Bei entzündlichen Veränderungen im Harntrakt ist immer eine sofortige Behandlung mit Antibiotika notwendig. Zuerst wird meist ein so genanntes Breitspektrum-Antibiotikum verabreicht, das gegen die meisten an Harnwegsinfektionen beteiligten Erreger wirkt. Sollte nach genauer Bestimmung des Erregers und Durchführung eines Antibiogramms ein anderes Antibiotikum wirksamer sein, so ist ein Wechsel des Medikaments notwendig. Entscheidend ist, dass das Antibiotikum ausreichend lange, also unbedingt auch nach dem Abklingen der klinischen Symptome, gegeben wird. Aufgrund des sehr empfindlichen Verdauungssystems bei Kaninchen ist bei jeder Behandlung mit Antibiotika immer gleichzeitig ein so genannter Darmschutz durchzuführen.

Je nach Allgemeinzustand des Tieres können weitere Maßnahmen, beispielsweise Infusionen und Schmerzmittel, notwendig sein. Bei appetitlosen Tieren muss immer eine Zwangsfütterung erfolgen. Liegen gleichzeitig Blasensteine vor, müssen diese meist operativ entfernt werden (siehe Harnsteinerkrankungen).

Prognose

Bei schnell eingeleiteter und ausreichend langer Therapie ist die Prognose einer einfachen Harnwegsinfektion gut.

Vorbeugung

Harnwegsinfektionen werden häufig durch aufsteigende Keime ausgelöst, die aus verschmutzter Einstreu stammen. Kaninchenställe müssen auch deswegen regelmäßig gereinigt werden.

ACHTUNG

Sollte die Analregion mit Urin verklebt sein, so legen Fliegen dort häufig ihre Eier ab. Es entwickelt sich – besonders in den warmen Sommermonaten bei Kaninchen in Außenhaltung – ein gefährlicher Befall mit Fliegenmaden.

Stand: 13.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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