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Kaninchen: Leber- und Gallengangskokzidiose

Allgemeines

Die Leber ist Teil des Verdauungssystems und erfüllt wichtige Aufgaben im Stoffwechsel sowie bei der Entgiftung des Körpers. Nährstoffreiches Blut aus dem Darm wird durch die Leber geleitet. Dort werden Eiweiße, Kohlenhydrate und Fette aufgenommen und zu körpereigenen Substanzen umgebaut. Die in die Leber eingebettete Gallenblase speichert in der Leber gebildete Gallensäuren, die zur Fettverdauung benötigt werden. Weitere Aufgaben der Leber sind die Speicherung von Vitaminen und Spurenelementen sowie der Abbau von Fremdstoffen und Giften mit Hilfe so genannter Enzyme.

Kokzidien sind einzellige Parasiten. Insgesamt kommen bei Kaninchen neun verschiedene Kokzidien-Arten vor, die fast alle im Darm parasitieren. Eine Kokzidien-Art, Eimeria stiedai, lebt jedoch in den Gallengängen der Leber und verursacht dort die so genannte Gallengangskokzidiose.

Ursachen

Nach Aufnahme so genannter Oozysten, der Dauerform von Kokzidien, mit der Nahrung oder durch das Belecken von befallenen Gegenständen wandern die Oozysten in den Dünndarm. Dort enzystieren sie zu so genannten Sporozoiten, die über die Lymphe in die Leber gelangen. In den Zellen der Gallengänge findet anschließend eine massive Vermehrung statt. Diese Vermehrung in den Gallengängen wird als ungeschlechtliche Vermehrung bezeichnet. Die befallenen Zellen werden dabei massenhaft zerstört. Dies führt zu Entzündungen, die später vernarben. Die Wände der Gallengänge verdicken dadurch und vermindern den Durchfluss. Langfristig führt dies zu hochgradigen Einschränkungen der Leberfunktion. Nach mehreren ungeschlechtlichen Teilungsvorgängen entwickeln sich männliche und weibliche Zellen, die miteinander verschmelzen (Befruchtung). Die befruchtete Zelle umgibt sich mit einer zusätzlichen Schutzhülle und wird so zur Oozyste. Diese neu gebildeten Oozysten gelangen mit der Gallenflüssigkeit über den Dünndarm in den Kot.

Der beschriebene Vorgang dauert etwa 15 – 18 Tage. Erst nach dieser Zeit lässt sich Kokzidienbefall mit Eimeria stiedai im Kot nachweisen.

Ansteckung

Die Ansteckung erfolgt durch direkte orale Aufnahme von infektionsfähigen Oozysten mit dem Futter, aus der Einstreu oder bei der Fellpflege.

Kokzidien treten bei einer Vielzahl von Tierarten auf. Sie sind jedoch sehr wirtsspezifisch, d.h. eine Übertragung von Hundekokzidien auf Kaninchen ist nicht möglich.

Leitsymptom

  • Fressunlust

Symptome

Ein Befall mit Eimeria stiedai bleibt meist lange unbemerkt. Erst wenn ein Großteil der Leber in ihrer Funktion eingeschränkt ist, kommt es zu Symptomen wie Fressunlust und Abmagerung.

Diagnose

Bei Verdacht auf eine Gallengangskokzidiose werden zur endgültigen Diagnose Kotuntersuchungen durchgeführt. Da nicht bei jedem Kotabsatz Oozysten ausgeschieden werden, sollten die Kotbällchen über einige Tage gesammelt und dann beim Tierarzt zur Untersuchung eingereicht werden.

Abb. GDVEUXQE
Abb. GDVEUXQE: Kokzidien, mikroskopische Ansicht.
In dieser Kotprobe können massenhaft Kokzidien nachgewiesen werden.

Behandlung

Verschiedene Medikamente stehen zur Behandlung einer Gallengangskokzidiose zur Verfügung. Alle Partnertiere müssen mitbehandelt werden, auch wenn keine Symptome vorliegen. Bei vorliegender Fressunlust muss eine Zwangsfütterung erfolgen.

Prognose

Bei geringen Leberschäden ist die Prognose gut. Bestehen bereits deutliche Veränderungen im Lebergewebe, können diese nicht mehr ausgeglichen oder rückgängig gemacht werden.

Vorbeugung

Eine regelmäßige und gründliche Reinigung und Desinfektion der Kaninchenställe beugt einer Infektion vor. Futter- und Trinkgefäße müssen wöchentlich ausgekocht werden – Temperaturen über 80°C sind erforderlich.

Tipps

Eine tägliche, gründliche Beobachtung der Tiere sorgt für ein rechtzeitiges Erkennen von Erkrankungen (siehe Gesundheitscheck).

ACHTUNG

Vor der Aufnahme neuer Tiere sollte immer eine Kotuntersuchung erfolgen, um keine Kokzidien in den Bestand einzuschleppen.

Stand: 13.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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