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Kaninchen: Encephalitozoonose

Allgemeines

Weitere Bezeichnungen: Encephalitozoon-Infektion, Enzephalitozoonose

Ursachen

Der Erreger von Encephalitozoonose ist der einzellige Parasit Encephalitozoon cuniculi. Die Parasiten besiedeln besonders das Nervensystem und die Nieren und führen dort zu Entzündungserscheinungen. Encephalitozoonose ist die häufigste Ursache für neurologische Störungen bei Kaninchen.

Abb. GDV7L11F
Abb. GDV7L11F: Schematische Darstellung des Zentralnervensystems.
Encephalitozoon cuniculi hat eine besondere Affinität zum Nervensystem und verursacht dort massive Entzündungen.

Einigen Untersuchungen zufolge besitzen bis zu 90% aller Kaninchen Antikörper gegen diese Parasiten, was beweist, dass sie bereits Kontakt mit den Erregern hatten. Von diesen 90% infizierten Tieren erkranken jedoch nur sehr wenige – die Gründe dafür sind bisher unbekannt. Vermutlich sind die Erreger bereits jahrelang im Organismus des Kaninchens vorhanden. Bei einer starken Schwächung des Abwehrsystems, beispielsweise durch Stress oder andere Erkrankungen, bricht dann die Krankheit aus.

Ansteckung

Infizierte Kaninchen scheiden den Erreger über Urin und Kot aus. Andere Tiere stecken sich dann bei der Aufnahme verunreinigter Futtermittel an. Auch eine Übertragung auf ungeborene Jungtiere in der Gebärmutter wird vermutet.

Leitsymptom

  • Lähmungen
  • Gleichgewichts- und Koordinationsstörungen
  • Kopfschiefhaltung

Symptome

Die Symptome einer Encephalitozoon-Infektion sind vielfältig, im Vordergrund stehen neurologische Ausfallerscheinungen. Folgende Krankheitserscheinungen können beobachtet werden:

  • Kopfschiefhaltung (Tortikollis)
  • Lähmungen (am gesamten Körper oder auch nur in einzelnen Abschnitten)
  • Kreisdrehen, Rollen, gegen die Wand laufen
  • Gleichgewichts- und Koordinationsschwierigkeiten
  • Augenentzündungen
  • Augenzittern (Nystagmus)
  • Epileptiforme Anfälle
  • Niereninsuffizienz (diese wird meist jedoch nur bei Blutuntersuchungen entdeckt)
  • Muskelkrämpfe
  • Muskelschwund
  • Sehverlust
  • Hörverlust
Abb. GDV7SKEU
Abb. GDV7SKEU: Tortikollis (Kopfschiefhaltung) als typisches Symptom einer Encephalitozoonose.

Diagnose

Die Diagnose einer Encephalitozoon-Infektion erfolgt durch eine Kombination aus klinischen Symptomen, Nachweis von Antikörpern im Blut und dem Ausschluss anderer Erkrankungen, die ebenfalls zu Störungen des Nervensystems führen können. Der Nachweis von Antikörpern durch eine Blutuntersuchung ist auch bei typischer Symptomatik nicht ausreichend, da bis zu 90% der Kaninchen Antikörper gegen Encephalitozoon cuniculi besitzen, also mit den Parasiten infiziert sind oder waren, aber nur wenige Tiere tatsächlich erkranken. Insbesondere Entzündungen des Innenohres müssen als Differentialdiagnose in Betracht gezogen werden, da auch diese typischerweise zu Kopfschiefhaltung führen. Der Erreger selbst kann nur bei bereits verendeten Tieren aus verschiedenen Organen isoliert werden.

Behandlung

Die Behandlung einer Encephalitozoon-Infektion erfolgt meist durch eine Kombination aus Antibiotika, Kortison, Infusionen und Antiparasitika. Der Erreger kann sich jedoch in verschiedenen Körperzellen verstecken und wird dort nur schwer von Medikamenten erreicht. Es ist daher notwendig, die Medikamente über einen langen Zeitraum zu verabreichen. Je nach vorherrschender Symptomatik können zusätzlich Vitamine, Augensalben oder andere Medikamente zum Einsatz kommen. Durch Lähmungen der Kaumuskulatur oder Koordinationsstörungen können die Tiere häufig nicht genügend Nahrung und Wasser aufnehmen und sollten zwangsgefüttert werden.

Prognose

Je schneller die Erkrankung erkannt wird und die Behandlung einsetzt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit einer vollständigen Heilung. Derzeit gibt es jedoch keine Behandlungsmöglichkeiten, um den Erreger vollständig aus dem Körper zu eliminieren. Einige Parasiten schaffen es meist, sich dauerhaft in Körperzellen zu verstecken. Bei ausreichend langer Behandlung mit einem Antiparasitikum ist die Rezidivrate, also ein wiederholtes Auftreten der Erkrankung, jedoch sehr gering.

Vorbeugung

Die meisten Kaninchen besitzen Antikörper gegen die Parasiten, ohne jemals Krankheitserscheinungen entwickelt zu haben. Nur bei gleichzeitigem Vorliegen von Stress, schlechten Haltungsbedingungen, Parasitenbefall oder anderen Erkrankungen scheint die Krankheit zum Ausbruch zu kommen. Vorbeugende Maßnahmen sind daher einwandfreie Haltungsbedingungen, eine stressarme Umgebung und eine ausgewogene, den Bedürfnissen des Tieres angepasste Fütterung.

ACHTUNG

Kaninchen, die mehr als 24 Stunden keine Nahrung zu sich nehmen, sind Notfallpatienten. Dies beruht auf dem besonderen Verdauungsapparat der Tiere. Es muss dann immer eine Zwangsfütterung erfolgen.

Stand: 13.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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