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Kaninchen: Durchfall

Allgemeines

Weitere Bezeichnung: Diarrhoe

Der Verdauungsvorgang von Kaninchen weist einige tierartliche Besonderheiten auf. Weitere Informationen hierzu siehe unter Verdauungsapparat.

Ursachen

Das Verdauungssystem von Kaninchen ist sehr empfindlich und kann durch eine Vielzahl von Ursachen aus dem Gleichgewicht gebracht werden. Zu den häufigsten Ursachen von Durchfall gehören:

  • Zahnerkrankungen
  • Fütterungsfehler: Weitere Informationen siehe unter Fütterung.
  • Fressunlust (Appetitlosigkeit, Anorexie, Inappetenz): Durch eine fehlende Nahrungsaufnahme wird der bereits gefressene Nahrungsbrei nicht weitergeschoben. Es entstehen so genannte Fehlgärungen, die zu Durchfall führen können. Jede Allgemeinerkrankung, die zu Fressunlust führt, kann deswegen Durchfall hervorrufen. Kaninchen, die nicht freiwillig fressen, müssen daher immer zwangsgefüttert werden.
  • Bakterien : Zu den bakteriellen Durchfallauslösern gehören insbesondere Salmonellen, Escherichia coli, Clostridien und Bacillus piliformis (Tyzzersche Krankheit). Diese Bakterien sind auch in einem gesunden Kaninchendarm in einer begrenzten Anzahl vorhanden. Bereits durch kleine Verdauungsstörungen können sie sich jedoch explosionsartig vermehren, die Darmflora massiv verändern und zu Durchfall führen.
  • Viren : Rota- und Corona-Viren verursachen insbesondere bei Jungtieren Durchfall.
  • Parasiten : Parasitäre Auslöser von Durchfall sind Kokzidien sowie verschiedene Wurmarten.
  • Pilze : Hefepilze sind meist so genannte Sekundärerreger. Wenn die Darmflora bereits leicht gestört ist, können sie sich ähnlich wie Bakterien explosionsartig vermehren.
  • Antibiotika-Behandlung: Bei einigen Krankheiten ist die Gabe von Antibiotika zwingend notwendig. Therapeutisch verabreichte Antibiotika töten jedoch nicht nur die krankmachenden (pathogenen) Bakterien ab, sondern haben immer gleichzeitig auch Auswirkungen auf die im gesunden Darm vorhandenen Bakterien. Die für die Verdauung lebensnotwendige Darmflora wird verändert. Deswegen muss bei jeder Antibiotika-Gabe immer gleichzeitig auch ein so genannter Darmschutz erfolgen, um Durchfall vorzubeugen.
  • Vergiftungen

Ansteckung

Je nach Ursache können Durchfallerkrankungen unter Kaninchen ansteckend sein. Hierzu gehören insbesondere Darmparasiten. Bakterielle Erreger sind eher selten ansteckend, da ein gesunder Kaninchendarm die übermäßige Vermehrung von pathogenen Bakterien verhindert.

Leitsymptom

  • Durchfall
  • feuchte Analregion

Symptome

Neben einer veränderten Kotbeschaffenheit ist besonders Appetitlosigkeit ein häufiges Symptom bei Durchfall. Diese Fressunlust führt sehr schnell zu einer weiteren Verschlechterung des Allgemeinzustands. Weitere Anzeichen sind Mattigkeit und Teilnahmslosigkeit, aufgeblähter Bauch oder Austrocknung durch hochgradige Flüssigkeitsverluste. Auch plötzliche Todesfälle können – insbesondere bei Jungtieren – auftreten.

Diagnose

Die Diagnose Durchfall kann relativ schnell gestellt werden, weitaus schwieriger ist es meist, die genaue Ursache für die Verdauungsstörung herauszufinden. Der Tierarzt benötigt für eine Diagnosefindung detaillierte Angaben zur Haltung, zur Fütterung und auch zu eventuellen Vorbehandlungen – insbesondere mit Antibiotika. Nach einer gründlichen klinischen Untersuchung können folgende Untersuchungsmethoden zum Einsatz kommen:

  • Kotuntersuchungen: In Kotproben können Parasiten, Bakterien, Viren und Pilze nachgewiesen werden.
  • Röntgenuntersuchungen: Mit Hilfe von Röntgenaufnahmen können beispielsweise Fremdkörper oder ein Haarballen sichtbar gemacht werden. Zur besseren Darstellung kann dem Kaninchen vorher ein Kontrastmittel eingegeben werden.
  • Ultraschall: Eine Ultraschalluntersuchung erlaubt eine Beurteilung aller inneren Organe.
  • Blutuntersuchungen: Blutuntersuchungen können Hinweise auf Entzündungsgeschehen, Parasitenbefall und die Funktion einzelner Organe geben.

Behandlung

Jede Durchfallerkrankung bei Kaninchen muss sofort tierärztlich behandelt werden. Während bei Fleischfressern wie Hund und Katze oder auch bei Menschen ruhig ein Tag abgewartet werden kann, entwickelt sich für Kaninchen aus einer scheinbar harmlosen Verdauungsstörung sehr schnell ein lebensbedrohlicher Zustand. Je nach Diagnose wird eine ursächliche, kausale Therapie eingeleitet, die beispielsweise bei Parasitenbefall mit Antiparasitika, durch eine Futterumstellung oder durch die Korrektur einer Zahnfehlstellung erfolgen kann. Daneben erfolgt grundsätzlich eine so genannte symptomatische Therapie mit dem Ziel, den Durchfall direkt zu stoppen. In der tierärztlichen Praxis gehören dazu vor allem Infusionen, Schmerzmittel oder auch Antibiotika zur Vorbeugung weiterer bakterieller Sekundärinfektionen. Für den Kaninchenhalter zuhause haben sich folgende Maßnahmen bewährt:

  • Die Umgebung der Tiere sollte sauber und warm sein. Eine Wärmflasche von etwa 38°C (fest in ein Handtuch eingewickelt, damit sie nicht angeknabbert werden kann) oder eine Rotlichtlampe können im Käfig angebracht werden. Alternativ stehen im Zoohandel verschiedene Wärmekissen, speziell für Heimtiere entwickelt, zur Verfügung. Neben der Wärmequelle muss ausreichend Platz vorhanden sein, so dass die Kaninchen sich aussuchen können, ob sie Wärme benötigen oder nicht. Sonst kann es schnell zur Überhitzung kommen.
  • Jegliche Vermeidung von Stress. Ein krankes Kaninchen sollte möglichst in seiner gewohnten Umgebung belassen werden. Auch Partnertiere sollten nur nach ausdrücklicher Anweisung des Tierarztes getrennt werden.
  • Wenn das Kaninchen noch selbstständig frisst, sollte hauptsächlich hochwertiges Heu gefüttert werden. Dies hat einen hohen Gehalt an Rohfaser und einen niedrigen Gehalt an Kohlenhydraten und ist ideal geeignet, um die Darmflora positiv zu beeinflussen.
  • Kaninchen, die die Futteraufnahme verweigern, müssen unbedingt gepäppelt werden. Detaillierte Informationen dazu unter Zwangsfütterung.
  • Zur Aufrechterhaltung oder Wiederherstellung der natürlichen Darmflora sollte bei jeder Durchfallerkrankung ein so genannter Darmschutz durchgeführt werden.

Prognose

Grundsätzlich ist jede Durchfallerkrankung bei Kaninchen lebensbedrohlich. Die genaue Prognose ist stark abhängig von der Ursache des Durchfalls und dem Behandlungsbeginn.

Vorbeugung

Viele Durchfallerkrankungen können durch eine ausgewogene, den Bedürfnissen der Tiere angepasste Fütterung vermieden werden.

Tipps

Durch einen täglichen Gesundheitscheck können Sie entstehende Erkrankungen rechtzeitig erkennen und behandeln lassen.

ACHTUNG

Durchfallerkrankungen führen, insbesondere bei Außenhaltung, schnell zu einem Befall mit Fliegenmaden (Myiasis).

Stand: 13.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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