petSpot
enpevetenpevita

Kaninchen: Cheyletiellose

Allgemeines

Weitere Bezeichnung: Raubmilbenbefall

Cheyletiellose wird durch Raubmilben hervorgerufen. Raubmilben sind extrem vermehrungsfähig: Innerhalb von etwa 10 Tagen entwickelt sich eine neue Milbengeneration. Da jedes Milbenweibchen bis zu 100 Eier legen kann, können so innerhalb kurzer Zeit Millionen Milbeneier in oder auf der Haut zu finden sein. Aus diesen Milbeneiern entwickeln sich über ein Larven- und zwei Nymphenstadien die erwachsenen Milben.

Das Verständnis für diesen Entwicklungszyklus ist für die Behandlung eines Milbenbefalls wichtig: Die Eier der Milben werden nicht durch Antiparasitika abgetötet. Erst eine wiederholte Behandlung, wenn also aus den Eiern eine neue Milbengeneration geschlüpft ist, führt zur erfolgreichen Bekämpfung der Parasiten.

Ursachen

Cheyletiellose wird durch die Raubmilbe Cheyletiella parasitovorax ausgelöst. Sie gehört zu den am häufigsten durch Ektoparasiten ausgelösten Hauterkrankungen bei Kaninchen. Cheyletiellen leben auf der Hautoberfläche und ernähren sich dort von abgestorbenen Hautschuppen.

Ansteckung

Die Milben werden bei direktem Kontakt der Kaninchen untereinander übertragen. Sehr selten kann sich auch der Mensch infizieren, es besteht eine geringe Zoonosegefahr (siehe Achtung).

Leitsymptom

  • Haarausfall
  • Hautschuppen

Symptome

Bei vielen Kaninchen verläuft eine Infektion lange Zeit völlig symptomlos. Erst bei Schwächung des Abwehrsystems, beispielsweise durch Stress, veränderte Haltungsbedingungen oder eine andere, gleichzeitig vorliegende Erkrankung, treten Krankheitszeichen auf. Diese sind dann sehr typisch: Es besteht Haarausfall und Schuppenbildung. Insbesondere der Nacken und der Rücken sind anfänglich betroffen, eine Ausbreitung auf den gesamten Körper ist jedoch auch möglich. Einige Kaninchen tolerieren den Milbenbefall, es kann jedoch auch starker Juckreiz auftreten. Teilweise sieht es aus, als würden sich die Schuppen bewegen: Das sind die Milben!

Diagnose

Der Nachweis von Cheyletiellen ist meist einfach. Ein Streifen durchsichtiges Klebeband wird auf die Hautveränderungen gedrückt und anschließend auf einen Objektträger geklebt. Unter dem Mikroskop sind die Milben dann meist deutlich zu erkennen. Sollten so keine Cheyletiellen nachgewiesen werden, kann man mit einem Flohkamm, der sehr engmaschig ist, das Fell kämmen und die ausfallenden Schuppen auffangen. Die Schuppen können wiederum mit Klebeband und Objektträger unter dem Mikroskop betrachtet werden.

Abb. G04V52EZ
Abb. G04V52EZ: Mikroskopische Ansicht einer Raubmilbe.

Behandlung

Für eine erfolgreiche Behandlung von Milben müssen alle Tiere eines Bestandes behandelt werden, egal ob Symptome bestehen oder nicht. Werden nicht alle Tiere gleichzeitig behandelt, kommt es immer wieder zu erneuten Infektionen.

Die Behandlung einer Cheyletiellose erfolgt mit so genannten Antiparasitika, die die Milben abtöten. Diese Medikamente werden als Injektion oder Spot-on-Präparat verabreicht. Wichtig ist, dass eine wiederholte Behandlung erfolgt, damit alle Milbenstadien erreicht werden.

Bei Kaninchen, die an Juckreiz leiden, entstehen durch das ständige Kratzen häufig Hautschäden. Durch Besiedlung mit Bakterien oder Hautpilzen kommt es dann zu Sekundärinfektionen. Bei diesen Tieren kann die Gabe eines Antibiotikums notwendig sein. Aufgrund des empfindlichen Verdauungsapparates von Kaninchen muss dann gleichzeitig ein so genannter Darmschutz erfolgen.

Neben der Behandlung der Kaninchen sollten Ställe und Stalleinrichtungen gründlich gereinigt und desinfiziert werden – idealerweise immer am Behandlungstag.

Prognose

Bei sachgemäßer und wiederholter Anwendung von geeigneten Antiparasitika und einer gründlichen Desinfektion der Umgebung ist die Prognose gut.

ACHTUNG

Cheyletiellen können auf den Menschen übertragen werden, etwa jede 5. Kontaktperson infiziert sich. An den betroffenen Hautstellen zeigen sich kleine, juckende, rote Veränderungen. Häufig werden diese mit Mückenstichen oder Neurodermitis verwechselt. Der Mensch ist ein so genannter Fehlwirt, d.h. die Milben können sich auf ihm nicht weiterentwickeln. Es kommt jedoch immer wieder zu neuen Hautveränderungen, solange der Milbenbefall des Tieres nicht behandelt wird.

Stand: 13.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
Jetzt mitdiskutieren!
- Dieser Artikel wurde noch nicht kommentiert -

Das von der enpevet GmbH bereitgestellte Informationsangebot ist ausschließlich zu Informationszwecken bestimmt und ersetzt in keinem Falle eine persönliche Beratung, Untersuchung oder Diagnose durch einen Tierarzt. Die Informationen dienen also der Ergänzung des Dialogs zwischen Tierhalter und Tierarzt, sie können den Tierarztbesuch in keinem Falle ersetzen. enpevet® fordert alle Benutzer, deren Tiere Gesundheitsproblemen haben dazu auf, im Bedarfsfall immer einen Tierarzt aufzusuchen. Wenn Sie bezüglich der Gesundheit Ihres Tieres Fragen haben, raten wir Ihnen, sich an den Tierarzt Ihres Vertrauens zu wenden, anstatt Behandlungen eigenständig zu beginnen, zu verändern oder abzusetzen. Der Inhalt von enpevet® kann und darf nicht für die Erstellung eigenständiger Diagnosen oder für die Auswahl und Anwendung von Behandlungsmethoden verwendet werden.