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Hund: Vergiftungen

Allgemeines

Weitere Bezeichnung: Intoxikation

Vergiftungen bei Hunden entstehen in etwa 90% der Fälle durch tierische Neugier und Verfressenheit sowie Fahrlässigkeit oder Unwissenheit der Tierhalter. Nur in etwa 10% der Fälle handelt es sich um böse Absichten von Hundegegnern. Und grundsätzlich lässt sich auch festhalten, dass der Vergiftungsverdacht weitaus häufiger geäußert wird, als dass wirklich eine Vergiftung vorliegt.

Wenn der Verdacht auf eine Vergiftung vorliegt, sollte man umgehend eine tierärztliche Praxis aufsuchen oder anrufen und möglichst folgende Fragen beantworten können:

  • Welches Gift wurde aufgenommen? Bitte Probe, Verpackung, Erbrochenes usw. bereithalten.
  • Wie viel Gift wurde aufgenommen?
  • Wann genau wurde das Gift aufgenommen?
  • Wie wurde das Gift aufgenommen? Durch die Haut, eingeatmet oder gefressen?
  • Sind bereits Symptome aufgetreten und wenn ja, welche?

In fast allen Fällen können die meisten dieser Fragen mit etwas Ruhe sehr genau beantwortet werden, da es sich – wie bereits erwähnt – fast immer um „Haushaltsunfälle“ handelt.

Ursachen

Es gibt eine nahezu unbegrenzte Anzahl von Möglichkeiten für einen Hund, sich zu vergiften. Zu beachten ist, dass ein Gift nicht nur gefressen, sondern auch über die Haut oder die Atemwege aufgenommen werden kann. Allein in einem durchschnittlichen Haushalt wurden Untersuchungen zufolge mehr als 1000 für einen Hund giftige Stoffe entdeckt. Dazu gehören beispielsweise Zwiebeln, Schokolade, Flohhalsbänder (wenn sie zerkaut werden), Putzmittel aller Art, Frostschutzmittel, Ratten- und Mäusegift, verschiedenste Zimmer- und Balkonpflanzen, Zigaretten, Öl von Duftlampen, Mottenkugeln, viele Medikamente (z.B. Aspirin, Paracetamol und Beruhigungsmittel) sowie Schneckenkorn.

Diese Stoffe haben alle eine unterschiedliche Toxizität, also „Giftigkeit“. Stoffe mit einer sehr hohen Toxizität können bereits in sehr geringer Menge (Dosierung) tödlich wirken, bei einer geringen Toxizität kann relativ viel Gift aufgenommen werden, ohne dass Symptome auftreten. Dabei ist natürlich auch die Hunderasse und das Alter des Tieres entscheidend: Ein erwachsener Berner Sennenhund wird von einer Tablette Aspirin weniger Schaden nehmen, als ein vier Monate alter Rehpinscher. Die Toxizität hängt also auch vom Körpergewicht des Hundes ab.

Symptome

Grundsätzlich sollte man bereits bei jedem Vergiftungsverdacht sofort eine Tierarztpraxis aufsuchen und nicht abwarten, ob vielleicht Symptome auftreten. Einige Gifte zeigen nämlich erst eine Wirkung, wenn sie bereits im Körper des Tieres umgewandelt wurden. Dann können sie jedoch nicht mehr oder nur sehr schwer aus dem Körper entfernt werden.

Die Symptome von Vergiftungen sind in den seltensten Fällen typisch. Häufige Symptome sind:

  • Speicheln
  • Erbrechen
  • Durchfall
  • Zittern
  • Zuckungen
  • Krämpfe
  • Lähmungen
  • Schwäche
  • Enge Pupillen

Viele dieser Symptome werden jedoch auch bei anderen Erkrankungen beobachtet. Insbesondere Hitzschlag, Epilepsie, Diabetes mellitus, Nebenwirkungen von bewusst verabreichten Medikamenten, Infektionen oder unbeobachtete Unfälle sollten deshalb immer auch als Ursache in Erwägung gezogen werden.

Diagnose

Wenn der Hund bei der Aufnahme des Giftes beobachtet wurde oder eindeutige Hinweise darauf vorliegen, ist es natürlich einfach, die Diagnose Vergiftung zu stellen. Wenn der Hund jedoch einige Zeit unbeobachtet war und beispielsweise im Wald einen Köder gefressen haben könnte, kann meist nur vermutet werden, dass eine Vergiftung vorliegt. In diesem Fall sollte man Erbrochenes aufbewahren, um es in geeigneten Laboren untersuchen zu lassen. Dies ist insbesondere wichtig, wenn eine böswillige Vergiftung vermutet wird, um entsprechende rechtliche Schritte einleiten zu können.

Im Rahmen der Behandlung werden eine Reihe diagnostischer Tests durchgeführt werden müssen. Dazu gehören insbesondere Blutuntersuchungen und Röntgenaufnahmen.

Behandlung

Die Behandlung von Vergiftungen gehört grundsätzlich in die Hand von Tierärzten. Sie sollten auf keinen Fall ohne ausdrückliche Aufforderung durch Ihren Tierarzt versuchen, Ihren Hund zum Erbrechen zu bringen oder ihm Flüssigkeiten wie Milch oder Salzwasser zu verabreichen. Ihrem Tierarzt stehen verschiedene Behandlungsmöglichkeiten zur Auswahl. Aus diesen muss sorgfältig abgewägt werden, welche geeignet ist. In den meisten Fällen wird sich die Tierarztpraxis zusätzlich an eine Giftzentrale wenden, da es kaum möglich ist, alle Informationen über alle Gifte und Gegengifte zu kennen.

Ihr Tierarzt wird aus folgenden Behandlungsmaßnahmen wählen:

  • Aufrechterhaltung der so genannten Vitalfunktionen wie Atmung und Kreislauf durch Beatmung, Infusionen, Medikamente
  • Verhinderung von Schmerzen und Leiden
  • Entgiftung:
    • Magen entleeren durch Erbrechen oder Magenspülung
    • Darmspülung
    • Absorption des Giftes, beispielsweise durch Aktivkohle
    • Verdünnung/Herausspülen durch Infusionen oder Erhöhung der Ausscheidung durch die Nieren
    • Waschen und/oder Scheren des Fells bei Giften, die über die Haut wirken
  • Gabe eines Gegengiftes (Antidots): Für viele Gifte gibt es Gegenmittel, die die schädigende Wirkung des Giftes aufheben können. Dies ist natürlich nur möglich, wenn das genaue Gift bekannt ist.

Prognose

Die Prognose ist abhängig von der Menge des aufgenommenen Giftes, der Toxizität, also der „Giftigkeit“ des Stoffes, dem Zeitpunkt des Behandlungsbeginns und dem Vorhandensein eines Gegengiftes (Antidot).

Vorbeugung

Jeder Haushalt mit Hund muss im Prinzip wie ein Haushalt mit Kleinkind gesichert werden: Putzmittel, Medikamente usw. gehören sicher verstaut. Untersuchen Sie Ihre Zimmerpflanzen und auch den Garten nach Giftpflanzen. Viele Hunde kauen einfach aus Langeweile auf diesen Pflanzen herum. Auch Handtaschen mit Medikamenten oder Zigaretten müssen sicher vor neugierigen Hundeschnauzen verstaut werden. Und niemals Schokolade herumliegen lassen!

Tipps

Über Vergiftungen sind viele Tipps im Umlauf, insbesondere dass man möglichst schnell selbst Milch, Salzwasser oder Aktivkohle verabreichen sollte. In den meisten Fällen ist dies aber nicht richtig. Milch beispielsweise beschleunigt bei vielen Giften die Aufnahme im Magen-Darm-Trakt und wirkt nur in wenigen Fällen hilfreich. Auch wenn Tierhalter versuchen, einen Hund zum Erbrechen zu bringen, sind die Folgen meist weniger erfreulich: Der Hund kann versehentlich Erbrochenes einatmen und zusätzlich an einer Aspirationspneumonie erkranken. Außerdem sind diese Versuche in den meisten Fällen sehr belastend für den Hund, und es wird wertvolle Zeit verschwendet. Der einzige Tipp, der wirklich richtig ist, lautet daher: Rufen Sie eine Tierarztpraxis an, und folgen Sie deren Anweisungen.

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Stand: 26.11.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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