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Hund: Ehrlichiose

Allgemeines

Weitere Bezeichnung: Canine monozytäre Ehrlichiose

Ursachen

Ehrlichiose wird in Europa durch das Bakterium Ehrlichia canis hervorgerufen. Diese Bakterien werden durch den Stich der Braunen Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus) übertragen. Auch beim Fressen einer infizierten Zecke kann sich ein Hund mit den Bakterien infizieren. Die Bakterien befallen die weißen Blutkörperchen und schwächen dadurch das Abwehrsystem.

Diese Zeckenart lebt normalerweise im subtropischen und tropischen Klima, daher stecken sich Hunde meist während Urlaubsreisen im Süden Europas mit Ehrlichiose an. Auch Importhunde aus südlichen Ländern sind häufig mit Ehrlichia canis infiziert. In Hundezwingern und Häusern ist es auch bei uns warm genug, dass eingeschleppte Zecken überleben können und so theoretisch auch einheimische Hunde befallen und infizieren können.

Ehrlichiose tritt häufig gemeinsam mit Babesiose auf, da beide Erreger durch die gleiche Zeckenart übertragen werden.

Abb. GBW523AR
Abb. GBW523AR: Rhipicephalus sanguineus, mikroskopische Aufnahmen.
Links im Bild massenhaft Larven, rechts ein Nymphe. Beides sind Entwicklungsstadien einer Zecke, die sich bereits von Blut ernähren.

Leitsymptom

  • Fieber

Symptome

Die Inkubationszeit, also die Zeit vom Stich bis zum Auftreten erster Krankheitszeichen, beträgt 8 bis 20 Tage. Die Krankheit verläuft dann in typischen Phasen, die jedoch in ihrer Länge individuell unterschiedlich sind. Außerdem müssen nicht alle Phasen zwangsläufig auftreten.

  • Akute Phase: Die akute Phase dauert meist zwischen ein bis drei Wochen. In dieser Zeit zeigen infizierte Hunde Schwäche, Appetitlosigkeit, Abmagerung, Lymphknotenschwellungen, Fieber, Erbrechen, Atembeschwerden und kleine, punktförmige Blutungen in der Haut und Schleimhaut. Diese unspezifischen Symptome klingen wieder ab. Zu diesem Zeitpunkt hat der Hund die Infektion entweder erfolgreich bekämpft (u.a. über die Bildung von Antikörpern gegen Ehrlichis canis) oder er tritt in die zweite, so genannte subklinischen Phase ein.
  • Subklinische Phase: Während der so genannten subklinischen Phase, die Wochen bis Monate andauern kann, zeigt der Hund keine oder kaum Symptome der Ehrlichiose. Lediglich im Blutbild können Veränderungen sichtbar sein. Während dieser Zeit bildet das Abwehrsystem des Hundes sehr viele Antikörper gegen die Bakterien. Diese sind aber nicht in der Lage, die Bakterien dauerhaft zu beseitigen.
  • Chronische Phase: Die Symptome in der chronischen Phase ähneln der akuten Phase, dauern jedoch länger an und können auch ausgeprägter sein. Zusätzlich kommt es zu einer allgemeinen Blutungsneigung (Nasenbluten, Blut im Urin und Kot, Anämie), Nierenfunktionsstörungen, Lahmheiten durch Gelenkentzündungen, Augenveränderungen und Störungen des zentralen Nervensystems mit Lähmungen, Krämpfen und Gleichgewichtsstörungen.

Diagnose

Die Diagnose von Ehrlichiose wird durch Laboruntersuchungen in Verbindung mit klinischen Symptomen gestellt.

Bei Laboruntersuchungen werden die Erreger entweder direkt oder indirekt nachgewiesen:

Direkter Erregernachweis: Durch mikroskopische Untersuchung eines Blutausstrichs oder einer Gewebeprobe von Milzmaterial oder Knochenmark kann der Erreger nachgewiesen werden. Meistens findet man den Erreger aber nur im sehr frühen Stadium der Erkrankung. Daneben kann man Teile des Erbguts des Erregers (DNA) auch später noch mit einer Methode nachweisen, die man PCR nennt. Dazu benötigt man ebenfalls Blutproben oder Milz- oder Knochenmarkmaterial, auch Abstriche von der Lidbindehaut oder Gelenkflüssigkeit können geeignetes Probenmaterial sein. Die Auswahl der Probe und des Untersuchungsverfahrens müssen für den Einzelfall entschieden werden.

Indirekter Erregernachweis: Beim indirekten Erregernachweis werden nicht die Bakterien an sich nachgewiesen, sondern spezielle Antikörper, die das Abwehrsystem etwa ab dem siebten Tag nach dem Kontakt mit Ehrlichia canis bildet. Durch wiederholt durchgeführte Blutuntersuchungen kann dann festgestellt werden, ob die Anzahl der Antikörper steigt. Das spricht für einen akute Infektion. Bei nur niedrigen Antikörperspiegeln im Blut kann es sich auch um eine überstandene Ehrlichiose handeln oder um eine so genannte Kreuzreaktion. Bei einer Kreuzreaktion werden fälschlicherweise Antikörper nachgewiesen, die von einer anderen Infektion stammen. Besonders eine Anaplasmose kann zu falsch positiven Ergebnissen bei der Untersuchung auf Ehrlichiose-Antikörper führen.

Behandlung

Die Behandlung von Ehrlichiose ist bisher nur unbefriedigend möglich. Es gibt kein Medikament, dass den Erreger vollständig aus dem Körper eliminiert. Mittel der Wahl ist derzeit ein Antibiotikum, das über 3 – 4 Wochen verabreicht werden muss. Im europäischen Ausland sind auch andere Behandlungsansätze möglich (s. Babesiose), die entsprechenden Wirkstoffe sind jedoch in Deutschland nicht zugelassen.

Unterstützend werden die Symptome behandelt. Dazu werden Infusionen, Bluttransfusionen oder auch entzündungshemmende Medikamente eingesetzt.

Prognose

Im akuten Stadium ist die Erkrankung meistens gut zu behandeln, so dass die Patienten in der Regel eine gute Prognose haben. Im chronischen Stadium treten oft Blutungen oder Sekundärinfektionen auf, so dass diese Hunde eine ungünstigere Prognose haben.

Vorbeugung

Ehrlichiose wird ausschließlich durch die Braune Hundezecke übertragen. Die wirksamste Vorbeugung ist daher, den Hund nicht mit in Gebiete zu nehmen, in denen diese Zecke vorkommt (s. oben). Ist dies nicht möglich, muss der Hund vor Zecken geschützt werden: So genannte Repellentien wirken auf Zecken abschreckend und verhindern, dass die Zecke den Hund überhaupt befällt. Repellentien werden meist in Kombinationspräparaten mit so genannten Akariziden angeboten, die die Zecke dann bei direktem Kontakt mit Blut abtöten. Details hierzu s. unter Zecken.

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Stand: 27.12.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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