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Katze: Arthritis

Allgemeines

Weitere Bezeichnungen: Gelenkentzündung, entzündliche Gelenkerkrankung

Gelenkentzündungen können theoretisch an jedem Gelenk des Körpers auftreten. Besonders häufig sind jedoch die Gliedmaßengelenke betroffen. Um die Vorgänge, die sich bei einer Gelenkentzündung abspielen, besser verstehen zu können, muss man sich zunächst einen Überblick über den allgemeinen Aufbau eines Gelenks verschaffen. Ein Gelenk besteht aus folgenden Teilen:

  • den mit Gelenkknorpel überzogenen knöchernen Gelenkflächen
  • dem zwischen den Gelenkflächen liegenden Gelenkspalt
  • der die Gelenkflächen umschließenden Gelenkkapsel
  • der Gelenkhöhle mit der darin enthaltenen Gelenkflüssigkeit
  • den das Gelenk stabilisierenden Bändern

Die Gelenkflüssigkeit wird auch Synovia oder Synovialflüssigkeit genannt. Sie ermöglicht das reibungslose Gleiten der Knorpelflächen bei der Bewegung und ernährt den Knorpel, der nicht, wie andere Gewebe, über das Blut ernährt wird. Die Gelenkflüssigkeit ist also extrem wichtig für das Funktionieren eines Gelenks. Die Synovia eines gesunden Gelenks ist klar, hellgelb bis bernsteinfarben gefärbt und „Faden ziehend“. Das bedeutet, dass ihre Viskosität relativ hoch ist. Dies wird unter anderem durch Inhaltsstoffe wie Hyaluronsäure gewährleistet. Die hohe Viskosität ist wichtig, um die Funktion der Synovia als „Schmiermittel“ zu ermöglichen. Die Gelenkflüssigkeit wird von der innersten Schicht der Gelenkkapsel, der Synovialmembran gebildet.

Ein weiterer wichtiger Faktor für die Funktion eines Gelenks ist der sehr glatte Gelenkknorpel. Nur intakte Knorpelflächen können störungsfrei übereinander gleiten. Bereits geringste Rauigkeiten oder Verletzungen führen zu erhöhter Reibung und weiterer Schädigung der Knorpelflächen. Dazu kommt, dass der Knorpel ausgesprochen schlecht heilen kann, da er –wie bereits erwähnt- nicht durchblutet wird.

Abb. G623C4US
Abb. G623C4US: Schematische Darstellung eines Gelenks.

Ursachen

Arthritiden sind akute, entzündliche Gelenkerkrankungen. Sie können entweder infektiös (septisch) oder nicht-infektiös (aseptisch, traumatisch) bedingt sein.

Infektiöse Gelenkentzündungen entstehen, wenn Bakterien oder Viren durch die Gelenkkapsel in das Gelenk eindringen. Die Erreger können auf verschiedenen Wegen in des Innere des Gelenks gelangen:

  • von "außen" durch Bisse, Unfälle, Verletzungen oder auch tierärztliche Eingriffe
  • von "innen" im Zusammenhang mit schweren Allgemeinerkrankungen wie beispielsweise FIV oder FeLV

Die eingedrungenen Erreger verursachen in erster Linie Schäden an der Synovialmembran. Es entsteht eine schwere Entzündung, die durch starke Schwellung und Schmerzhaftigkeit des Gelenks gekennzeichnet ist. Bei bakterieller Beteiligung bildet sich durch den Zerfall von Gewebe und Bakterien Eiter. Im Eiter befinden sich massenhaft Substanzen, die den Gelenkknorpel aufweichen und sehr schwer schädigen.

Abb. HC3814YI
Abb. HC3814YI: Veränderungen im Gelenk bei einer infektiösen Gelenkentzündung.
Nicht-infektiöse Gelenkentzündungen entstehen meist entweder durch einen Unfall (traumatische Arthritis) oder durch eine Reaktion des körpereigenen Abwehrsystems (immunbedingte Arthritis).

  • Traumatische, nicht-infektiöse Gelenkentzündungen entstehen durch ein so genanntes stumpfes Trauma. Das bedeutet, dass die Gelenkkapsel intakt bleibt und keine Bakterien in das Gelenk eindringen können. Ein stumpfes Trauma ist beispielsweise eine Zerrung oder Quetschung. Durch falsches Auftreten, Ausgleiten, Hängenbleiben u.v.m. wird die empfindliche Synovialmembran der Gelenkkapsel und manchmal auch der Knorpel direkt geschädigt. Auch die Bänder können gezerrt werden. Auf die Gewebeschädigung reagiert der Körper mit einer Entzündungsreaktion. Die Entzündung führt zu einer Vermehrung der Gelenkflüssigkeit, es entsteht ein so genannter Gelenkerguss. Außerdem verändert sich die Zusammensetzung der Gelenkflüssigkeit: Der Gehalt an Hyaluronsäure nimmt deutlich ab. Damit sinkt die Viskosität der Synovia und sie kann das Gelenk nicht mehr effektiv schmieren. Zudem treten durch die Entzündungsvorgänge Enzyme auf, die den Knorpel angreifen und schädigen können.
  • Unter dem Sammelbegriff immunbedingte Arthritiden werden verschiedene Arthritisformen zusammengefasst, bei denen die Ursache unbekannt, die aber folgende Gemeinsamkeiten aufweisen:
    • Meist sind mehrere Gelenke betroffen (Polyarthritis).
    • Häufig zeigen die Katzen weitere Symptome bzw. eine zusätzliche Erkrankung.
    • Eine Behandlung mit so genannten Immunsuppressiva, die die körpereigene Abwehr unterdrücken, führt zu einer Besserung der Symptome.

Alle Arthritisformen gehen bei längerem Bestehen in eine chronische Entzündung über. Chronische Arthritiden gehen oft mit knorpel- und knochenartigen Zubildungen im Gelenk einher, die den Bewegungsablauf des Gelenks dauerhaft stören. Man spricht dann von einer chronisch degenerativen Arthritis. Wenn die Entzündung abklingt, bleiben die Zubildungen dennoch bestehen und verursachen häufig anhaltende Schmerzen. Dieses Krankheitsbild nennt man Arthrose.

Leitsymptom

  • Lahmheit

Symptome

Katzen mit infektiöser Arthritis sind hochgradig lahm und leiden unter Fieber und Teilnahmslosigkeit. Das betroffene Gelenk ist sehr schmerzhaft, warm und geschwollen. Bei einer traumatischen Arthritis geht die Katze zwar auch lahm, das Gelenk schwillt ebenfalls an und ist vermehrt warm, es liegt jedoch kein Fieber vor. Im weiteren Verlauf kann das Bein um das betroffene Gelenk ebenfalls anschwellen, man dies ein Begleit ödem. Bei immunbedingten Arthritiden können zusätzlich auch sehr unspezifische Symptome wie Müdigkeit, Abnahme der Bemuskelung und Gewichtsverlust auftreten.

Sind mehrere Gelenke von einer Entzündung betroffen, geht die Katze steif und bewegt sich insgesamt ungern. Abwechselndes Hinken auf Vorder- und Hinterbeinen ist nicht ungewöhnlich.

Diagnose

Häufig gibt das klinische Bild bereits deutliche Hinweise auf eine Gelenkentzündung. Je nach Schwere und Eindeutigkeit der Befunde können folgende weiterführende Untersuchungsmethoden zum Einsatz kommen:

  • Gelenk punktion: Unter Vollnarkose wird Gelenkflüssigkeit gewonnen und in einem Labor auf Bakterien, Entzündungszellen u.a. untersucht. Auch eine Gewebeprobe der Synovialmembran kann entnommen und untersucht werden.
  • Röntgen : Auf einem Röntgenbild sind knöcherne Zubildungen im Gelenk zu erkennen, so können beispielsweise bereits entstandene Arthrosen sichtbar gemacht werden. Auch eine vermehrte Gelenkfüllung ist häufig gut zu erkennen.
  • Blut- und Urinuntersuchung: Besonders immunbedingte Arthritisformen führen auch zu Veränderungen im Blutbild und in der Urinzusammensetzung.
  • Ultraschall : Immunbedingte Arthritisformen führen häufig zu Veränderungen der Nieren und anderen inneren Organen. Diese können gut im Ultraschall dargestellt werden.

Behandlung

Bei der Behandlung gibt es zwischen den Arthritisformen grundsätzliche Unterschiede:

  • Infektiöse Arthritis: Die Behandlung einer infektiösen Arthritis muss unverzüglich begonnen werden, da unbehandelte Erkrankungen tödlich enden können. Antibiotika, Entzündungshemmer und Schmerzmittel werden eingesetzt. Die Medikamente müssen über einen langen Zeitraum verabreicht werden, um eine ausreichende Wirkstoffkonzentration im Gelenk zu erreichen. In Einzelfällen muss das Gelenk geöffnet und gespült werden, um Bakterien und Knorpelreste zu entfernen. Bei schlechtem Ansprechen auf die Behandlung kann eine Versteifung des Gelenks (Arthrodese) oder eine Amputation der Gliedmaße notwendig werden.
  • Traumatische Arthritis: Bei einer traumatisch bedingten Arthritis wird die Katze möglichst ruhig gestellt, um das Gelenk zu schonen. Zusätzlich werden meistens entzündungshemmende Medikamente systemisch gegeben, also entweder gespritzt oder über das Maul verabreicht. Diese werden dann über das Blut zum betroffenen Gelenk transportiert.
  • Immunbedingte Arthritis: Mit Hilfe von Immunsuppressiva wird versucht, die körpereigene Abwehr so zu schwächen, dass keine Symptome mehr auftreten. Gleichzeitig vorliegende Erkrankungen müssen ebenfalls behandelt werden.

Prognose

Die Prognose von Gelenkentzündungen ist sehr unterschiedlich. Je schneller und je umfassender die Behandlung eingeleitet wird, desto besser sind die Heilungsaussichten. Spätfolgen von infektiösen Arthritiden sind häufig Arthrosen, die irreparabel sind und lebenslang Schmerzen verursachen. Immunbedingte Arthritiden kommen leider in einigen Fällen wieder und erfordern z.T. lebenslange Behandlung.

Stand: 18.01.2013, © Copyright by www.enpevet.de
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