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Hund: Anaplasmose

Allgemeines

Anaplasmose ist eine weltweit vorkommende Infektionskrankheit. In Europa wird sie überwiegend durch das Bakterium Anaplasma phagocytophilum, seltener durch Anaplasma platys hervorgerufen. Als Reservoir für den Erreger gelten Wildtiere wie Nagetiere, Wildschweine, Füchse, Rehe und Hirsche sowie Hausschafe und Rinder.

Ursachen

Auf den Hund übertragen werden diese Erreger durch Zecken, beispielsweise durch den Holzbock (Ixodes ricinus). Die Bakterien verbreiten sich im Körper über das Blut und die Lymphflüssigkeit. Sie befallen und zerstören die weißen Blutkörperchen (Leukozyten) des Abwehrsystems und schwächen damit die allgemeine Immunabwehr. Außerdem lösen sie Entzündungsreaktionen in vielen verschiedenen Organen wie Milz, Leber, Lunge, Nieren und Herz aus. Die Blutgerinnung ist gestört und in vielen Fällen tritt eine Blutarmut auf.

Die Zecke überträgt die Bakterien etwa 16 – 24 Stunden nach dem Beginn des Saugens.

Abb. GBW395AC
Abb. GBW395AC: Ixodes ricinus.
Vollgesogenes Exemplar eines Holzbocks.

Leitsymptom

  • Fieber
  • Schwäche

Symptome

Die klinischen Symptome einer akuten Anaplasmose sind Fieber und allgemeine Schwäche. Häufig treten auch Appetitlosigkeit, Erbrechen, Durchfall und Gewichtsverlust auf. Weitere mögliche Symptome sind ein angespannter Bauch, blasse Schleimhäute durch Anämie, kleine Blutungsherde und eine schnelle Atmung. Lymphknoten, Leber und Milz sind meist stark vergrößert. Häufig sind mehrere Gelenke entzündet und der Hund lahmt. Zusätzlich kann es den Gliedmaßen zu Wassereinlagerungen (Ödemen) kommen.

Beim chronischen Verlauf stehen Wassereinlagerungen und Gelenkschwellungen im Vordergrund. Betroffene Hunde lahmen immer mal wieder auf verschiedenen Beinen.

Einige Hunde erkranken auch nur subklinisch. Das bedeutet, dass sie sich mit der Infektion auseinandersetzen, ohne dass klinische Symptome sichtbar sind.

Diagnose

Die Diagnose der Anaplasmose wird durch Blutuntersuchungen in Verbindung mit dem klinischen Bild gestellt. Dazu stehen verschiedene Methoden zur Verfügung:

  • Blutbild: Bestimmte Veränderungen in der Zusammensetzung der verschiedenen Blutzellen geben einen Hinweis auf Anaplasmose.
  • Antikörpernachweis: Etwa einen Monat nach der Infektion können spezielle Antikörper, die das Abwehrsystem nach dem Kontakt mit Anaplasmen bildet, im Blut nachgewiesen werden. Allerdings kann der Kontakt mit den Anaplasmen auch schon länger zurückliegen. Durch wiederholt durchgeführte Blutuntersuchungen (so genannte gepaarte Serumproben) kann dann festgestellt werden, ob die Anzahl der Antikörper steigt. Letzteres spricht dann für eine akute Infektion.
  • direkter Erregernachweis: Im Blutausstrich können die Anaplasmen direkt unter dem Mikroskop nachgewisen werden, dieser Nachweis gelingt allerdings nur bei sehr frischen Infektionen, wenn sehr viele Erreger vorhanden sind. Bei länger bestehenden Infektionen können über eine spezielle molekularbiologische Methode (PCR) auch kleine Teile der Anaplasmen in Blut, Gelenkflüssigkeit oder Gewebeproben nachgewiesen werden. Diese Methode ist sehr empfindlich und erlaubt auch den Nachweis des Erregers, wenn kaum noch Erregermaterial vorhanden ist

Behandlung

Die Behandlung der Anaplasmose erfolgt mit Antibiotika, die in schweren Fällen über Infusionen verabreicht werden müssen. Die Medikamente müssen über mehrere Wochen gegeben werden. Auch Bluttransfusionen können notwendig sein, um die Veränderungen im Blutbild auszugleichen.

Zusätzlich werden die einzelnen Symptome, beispielsweise das Erbrechen oder die Gelenkschmerzen behandelt. Schmerzmittel, Entzündungshemmer, Medikamente gegen Erbrechen (Antiemetika) und zum Schutz der Magenschleimhaut können verabreicht werden. Man spricht dann von einer so genannten symptomatischen Therapie.

Prognose

Unbehandelt verläuft eine akute Anaplasmose sehr schwer und kann zum Tode führen. Bei schneller Diagnose und konsequenter Behandlung sind die Chancen für den Hund aber gut.

Vorbeugung

Der Holzbock kommt überall in Europa vor. Vorbeugend sollten Hunde deswegen gegen Zecken geschützt werden. Dies ist mit Hilfe so genannter Spot-on-Präparaten oder auch mit Insektizid-Halsbändern relativ sicher möglich. Derartige Schutzmaßnahmen sollten ergriffen werden, sobald die Außentemperatur über 7°C liegt, da dann die Zecken aktiv werden. Die Wirkung dieser Mittel hält im Durchschnitt etwa 4 Wochen an, kann durch viel Regen oder Baden jedoch auch deutlich kürzer sein. Auch bei Hunden mit sehr trockener Haut ist die Wirkdauer meist kürzer.

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Stand: 21.11.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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