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Kaninchen: Kastration der Häsin

Allgemeines

Kastration bei der Häsin bedeutet, dass sowohl die Eierstöcke als auch die Gebärmutter vollständig entfernt werden. Dadurch wird nicht nur eine Trächtigkeit verhindert, sondern auch das durch die Geschlechtshormone, die in den Eierstöcken gebildet werden, beeinflusste Verhalten der Tiere verändert.

Bei einer Sterilisation werden hingegen nur die Eileiter durchtrennt, um das Zusammentreffen von Eizellen und Sperma zu verhindern. Dieser in der Humanmedizin übliche Eingriff wird bei Tieren nicht durchgeführt.

Die weiblichen Geschlechtsorgane der Häsin umfassen zwei Eierstöcke, zwei Eileiter, eine Gebärmutter sowie die Scheide. Die Gebärmutter weist bei Kaninchen einige Besonderheiten auf: Es liegt ein so genannter Uterus duplex vor, die Gebärmutter besteht aus zwei Gebärmutterhörnern und zwei Muttermundöffnungen, die nebeneinander in der Scheide münden. Hier finden Sie weitere Informationen über den weiblichen Geschlechtsapparat.

Abb. FZCG7S81
Abb. FZCG7S81: Schematische Darstellung des weiblichen Geschlechtsapparats.

Zeitpunkt der Kastration

Eine Kastration kann bei Kaninchen ab dem 3. Lebensmonat durchgeführt werden. Diese so genannte Frühkastration empfiehlt sich, da Kaninchen sehr fruchtbar sind (siehe Fruchtbarkeit). Aber auch ältere Tiere können jederzeit kastriert werden.

Mögliche Vorteile einer Kastration

Mögliche Nachteile einer Kastration

  • Operations- und Wundheilungsrisiko

Operationsvorbereitung

Kaninchen dürfen vor einem operativen Eingriff – im Gegensatz zu vielen anderen Säugetieren – NICHT fasten. Lediglich auf Grünfutter/Frischfutter sollte wegen möglicher Blähungssymptome verzichtet werden. Kaninchen besitzen ein sehr spezielles Verdauungssystem, das nur bei ständiger Nahrungsaufnahme funktioniert. Hier finden Sie weitere Informationen zu Fütterung und Verdauung.

Operationsverlauf

Für eine Kastration wird eine Narkose benötigt, die entweder durch eine Injektion oder durch Inhalation erfolgen kann. Einige Medikamente sind antagonisierbar, d.h. nach Ende der Operation kann die Wirkung mit Hilfe eines weiteren Medikaments wieder aufgehoben werden. Dieses Vorgehen scheint die Stressbelastung für Kaninchen deutlich zu reduzieren und sie beginnen schneller wieder zu fressen.

Unter Narkose wird der Operationsbereich geschoren und desinfiziert. Anschließend wird durch einen kleinen Schnitt in der Bauchmittellinie die Gebärmutter mit den zwei Eierstöcken vorgelagert, abgebunden und entfernt. Die Bauchwand wird mit einer Naht verschlossen.

Abb. FZAXNJTD
Abb. FZAXNJTD: Operationsvorbereitung für die Kastration eines weiblichen Kaninchens.
Im Rahmen der Operation kann die Gabe von Medikamenten wie Schmerzmitteln, Antibiotika oder Infusionen notwendig werden. Der behandelnde Tierarzt wird im Einzelfall über die Notwendigkeit entscheiden.

Nachsorge

Sobald die Kaninchen wieder vollständig wach sind, sollten sie abgeholt und in ihre vertraute Umgebung gebracht werden. Auch der Kontakt zu Partnertieren direkt nach dem Eingriff ist durchaus sinnvoll, jede Trennung der Tiere ist zu vermeiden.

Die Tiere benötigen jedoch während der ersten drei Tage nach dem Eingriff eine gründliche Beobachtung. Insbesondere Körpertemperatur und Futteraufnahme müssen genau überprüft werden. Kaninchen sind sehr empfindlich gegenüber Temperaturschwankungen. Daher kann bereits auf dem Weg aus der Tierarztpraxis nach Hause eine – fest in ein Handtuch eingewickelte – Wärmflasche hilfreich sein. Die Körpertemperatur sollte immer zwischen 38°C und 39°C betragen und zumindest am OP-Tag mehrmals überprüft werden. Die Messung erfolgt rektal. Bei Unterschreitung der Körpertemperatur können Wärmflaschen oder Heizkissen hilfreich sein, die in der Nähe des Kaninchens untergebracht werden.

Nach dem Eingriff sollten die Kaninchen schnellstmöglich wieder Futter aufnehmen. Wird einige Stunden nach der Operation noch nicht gefressen, muss umgehend eine Zwangsfütterung erfolgen.

Um eine Verschmutzung der Operationswunde zu vermeiden, sollte bis zum vollständigen Abheilen der Hautwunde nur der Toilettenbereich des Stalls mit Einstreu versehen werden. Im restlichen Stall helfen Küchenrolle, Handtücher, Zeitungen oder ähnliches die Wunde sauber zu halten. Die Hautwunde muss mindestens einmal täglich untersucht und gegebenenfalls gesäubert werden. Insbesondere im Sommer stellt der Befall mit Fliegenmaden eine große Gefahr dar.

Stand: 13.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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