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Kaninchen: Fütterung

Weitere Bezeichnung: Ernährung

Allgemeines

Der Magen-Darm-Trakt ist bei Kaninchen das für Störungen anfälligste Organsystem und wird entscheidend von einer optimalen, ausgewogenen und artgerechten Fütterung beeinflusst. Fütterungsfehler können schwere Auswirkungen wie Zahnfehlstellungen, Trommelsucht, Leberverfettung oder Durchfall haben.

Grundsätzliche Bestandteile des Futters

Eiweiße (Proteine) müssen ständig mit dem Futter zugeführt werden, da sie der wichtigste Baustein des Körpers sind und – im Gegensatz zu Fetten – nicht gespeichert werden können. Der Eiweißgehalt sollte jedoch 20% der Futtermenge nicht übersteigen, um Verdauungsstörungen durch Verschiebungen der Darmflora zu vermeiden.

Kohlenhydrate, zu denen auch die verschiedenen Zucker-Arten gehören, sind die Energiespender in der Nahrung. Der Energie-Bedarf eines Tieres richtet sich nach seiner Größe und seiner Leistung. So haben beispielsweise tragende oder säugende Häsinnen einen bis zu 30% erhöhten Energiebedarf. Auch Kaninchen, die im Winter draußen gehalten werden, benötigen mehr Energie.

Wird zu wenig Energie gefüttert, entwickeln sich die Tiere nicht ausreichend und magern ab. Enthält das Futter zu viel Energie, werden die Kaninchen schnell übergewichtig und entwickeln schwerwiegende Erkrankungen, wie beispielsweise eine Leberverfettung. Außerdem stellt sich zu schnell ein Sättigungsgefühl ein und die Tiere hören zu früh auf zu fressen: Die Zähne werden nicht ausreichend abgenutzt (siehe Zahnerkrankungen) und der Nahrungsbrei bekommt keinen Vorschub. Dadurch kommt der Verdauungsprozess zum Erliegen und es entstehen Fehlgärungen (siehe Verdauungsapparat).

Rohfaser ist ein so genannter Ballaststoff. Rohfaser hat bei Kaninchen eine wichtige Funktion als Regulator der Verdauungstätigkeit. Die Verdauungsprozesse werden beschleunigt und der Kot verfestigt. Der Rohfasergehalt der Nahrung sollte zwischen 13 und 16% liegen und möglichst aus langstieliger Rohfaser, also langem Heu, bestehen. Heu hat einen Rohfasergehalt von etwa 20%. Beträgt der Rohfaseranteil unter 10% der Gesamtfutterration, so nehmen die Tiere vermehrt Haare auf und es entstehen entsprechende Verdauungsprobleme (siehe Haarballen, Fellfressen). Außerdem werden die Zähne nicht ausreichend abgenutzt. Übersteigt der Rohfasergehalt 20%, so ist die Gewichtsentwicklung der Tiere schlecht und es können Nährstoffdefizite entstehen.

Fette werden von Kaninchen nur in geringer Menge (1 – 2% der Futterration) benötigt. Säugende Jungtiere haben zwar einen erhöhten Fettbedarf, dieser wird jedoch über die Muttermilch gedeckt.

Mineralstoffe (z.B. Kalzium, Phosphor, Kalium, Natrium), Spurenelemente (z.B. Eisen, Kupfer, Kobalt, Zink, Magnesium) und Vitamine (z.B. A, B, E) sind weitere lebenswichtige Inhaltsstoffe, die über eine vielseitige, abwechslungsreiche Fütterung ausreichend zugeführt werden.

Trächtige und säugende Häsinnen sowie Jungtiere im Wachstum haben einen erhöhten Bedarf an Kalzium. Dieser kann beispielsweise durch eine vermehrte Fütterung kalziumhaltiger Frischfuttermittel (siehe unten) erreicht werden. Ein zu hoher Kalziumgehalt führt jedoch schnell zur Entstehung von Harnsteinen.

Fütterungstipps

Kaninchen stammen aus Südeuropa und sind daher an eine karge, energiearme Ernährung gewöhnt. Sie sind Pflanzen- und Blätterfresser (herbivor und folivor), im Gegensatz zu Mäusen oder Ratten, die Getreidefresser sind. Ihr Verdauungsapparat ist für die Aufnahme von Gräsern bestens ausgestattet, daran sollte man sich bei der Fütterung immer erinnern.

Kaninchen müssen mehrmals täglich kleine Mahlzeiten erhalten und nicht die Futterration des gesamten Tages am Morgen bekommen. Mindestens drei-, besser sogar sechsmal täglich sollte frisches Futter nachgelegt werden.

Eine optimale Fütterung eines Hauskaninchens könnte beispielsweise folgendermaßen aussehen:

1. Heu

Qualitativ gutes, möglichst langstieliges Heu stellt das Grundnahrungsmittel für Kaninchen dar. Gutes Heu ist grün und riecht aromatisch. Es sorgt für:

  • ständige Abnutzung der Zähne
  • Vorschub des Nahrungsbreis im Verdauungskanal
  • optimale Zusammensetzung der Darmflora des Blinddarms

Heu sollte täglich, am besten morgens, frisch verabreicht werden. Noch in der Raufe befindliches Heu hat bereits viele Duftstoffe verloren und reizt viele Kaninchen nicht mehr zum Fressen. Außerdem suchen sich die Tiere aus dem Heu die besten Gräser heraus und die am Morgen vorliegenden Reste besitzen häufig einen eher geringen Gehalt an Nährstoffen und können verworfen werden. Neben Heu aus der Raufe sollte immer auch Heu in einer Schüssel zur Verfügung stehen, da viele Tiere das Fressen von unten bevorzugen.

Einige Kaninchenhalter nutzen Heu auch als Einstreu, andere lehnen dies kategorisch ab und bevorzugen Späne und Stroh.

Manchmal verweigern Kaninchen anfänglich das Fressen von Heu. Für ein gesundes, langes Leben ist die Aufnahme von Heu jedoch dringend erforderlich. Folgende Tricks können ausprobiert werden, um die Tiere für Heu zu begeistern:

  • verschiedene Heu-Sorten ausprobieren
  • Heu an anderer Stelle füttern
  • morgens als erstes Heu füttern und weiteres Grünfutter erst einige Stunden später anbieten
  • Heu mit Lieblingskräutern des Tieres mischen
  • anfänglich eine leichte Zucker-Lösung auf das Heu sprühen und diese dann langsam reduzieren

2. Grünfutter und Frischfutter

Kaninchen benötigen täglich saisonal gemischtes Grün- oder Frischfutter. Unter Grünfutter versteht man im Allgemeinen die grünen Anteile von Pflanzen, also Gras, Löwenzahn, Kräuter, Klee, Kohlrabiblätter, Möhrengrün usw., Obst und Gemüse werden meist eher unter dem Begriff Frischfutter zusammengefasst.

Grün- und Frischfutter sollte mehrmals täglich in kleinen Mengen gefüttert werden, da die meisten Kaninchen es sehr lecker finden und sich sonst leicht überfressen. Es muss frisch und sauber sein – es sollte sich keinesfalls um Abfälle aus dem Supermarkt handeln. Einige Kaninchenhalter feuchten das Grünfutter zusätzlich mit Wasser an, andere befürchten dadurch schwere Verdauungsstörungen. Kaninchen, die bereits eine Heumahlzeit erhalten haben und an das Frischfutter gewöhnt sind, haben jedoch meist keine Probleme bei der Aufnahme angefeuchteten Frischfutters. Es erhöht deutlich die Flüssigkeitsaufnahme der Tiere und beugt so Harnsteinerkrankungen vor.

Über die Futtermenge von Frisch- und Grünfutter sind sich Fachleute und Halter uneinig: Einige empfehlen einen ungehinderten Zugang zu Frischfutter, andere raten zu einer eingeschränkten Menge. Etwa 80g pro Kilogramm Kaninchen werden dann als Richtwert angegeben.

Bei der Fütterung von Grün- und Frischfutter ist es unbedingt notwendig, dass jedes neue Futtermittel langsam und in kleinen Mengen eingeführt wird. Nicht gefressenes Futter muss vor der nächsten Fütterung entsorgt werden. Einige Frisch- und Grünfutter besitzen einen sehr hohen Kalziumgehalt. Kaninchen besitzen einen sehr spezialisierten Kalzium-Stoffwechsel (siehe Harnsteine), der bei einer übermäßigen Fütterung von Kalzium schnell zu Harnsteinen führen kann. Diese Futtermittel sollten daher nur begrenzt als Grünfutter eingesetzt werden. Zu den kalziumreichen Futtermitteln gehören insbesondere: Petersilie, Löwenzahn, Luzerne, Klee, Kohlrabi- und Brokkoliblätter.

ACHTUNG: Während der Trächtigkeit und beim Säugen von Jungtieren hat die Häsin einen erhöhten Bedarf an Kalzium, ebenso wie wachsende Kaninchen. Das Verfüttern kalziumhaltigen Grünfutters kann dann sinnvoll sein.

3. Fette

Kaninchen besitzen nur einen sehr geringen Bedarf an Fetten, der über eine tägliche Gabe von Körnern oder Samen gedeckt werden kann. Ein Sonnenblumenkern am Tag ist dabei für ein Kaninchen mittlerer Größe völlig ausreichend.

4. Nagematerialien

Kaninchen gehören zwar zoologisch nicht zu den Nagetieren, sondern zu den Hasenartigen, dennoch benötigen sie zur Gesunderhaltung ihrer Zähne, zur Versorgung mit Spurenelementen sowie zur Beschäftigung Nagematerialien – am besten täglich.

Zweige verschiedener Bäume, wie beispielsweise Haselnuss, Buche oder einige Obstsorten, sind dazu bestens geeignet. Diese können mit ihren Blättern in den Käfig gelegt werden.

Getrocknetes Brot eignet sich nicht als Nagematerial: Es ist für die Zähne von Kaninchen noch immer zu weich und besitzt vor allem einen viel zu hohen Energiegehalt. Dies führt dazu, dass die Tiere weniger Rohfaser reiches Futter aufnehmen und ihre Zähne nur ungenügend abnutzen (siehe Zahnerkrankungen). Im Handel erhältliche Nagematerialien sind ebenfalls nicht geeignet. Nagesteine haben häufig einen zu hohen Gehalt an Kalzium und sind ebenfalls zu weich, Sticks beinhalten Getreide und spenden damit zu viel Energie, und so genannte Nagehölzer sind fast immer zu hart und meist mit Zucker getränkt.

5. Kraftfutter, Körnerfutter, Trockenfutter

Kraftfutter wird hier absichtlich an letzter Stelle genannt, weil es eigentlich nicht gefüttert werden muss. Es ist ein reines Energiefutter, das ursprünglich für die Kaninchenmast konzipiert wurde. Diese Tiere werden nur wenige Wochen alt und sollten in dieser Zeit möglichst viel Gewicht zulegen. Viele im Handel erhältliche Trockenfutter sind optisch sehr ansprechend und scheinen einen abwechslungsreichen Inhalt aufzuweisen. Häufig handelt es sich jedoch um Nebenprodukte aus der Nahrungsindustrie, die mit Farbstoffen behandelt und unterschiedlich geformt wurden.

Einige Fachleute lehnen die Fütterung von Kraftfutter vollständig ab, andere empfehlen Kraftfutter nur, wenn die Tiere einen erhöhten Energiebedarf haben, beispielsweise

  • bei Außenhaltung im Winter
  • während des Wachstums
  • während der Trächtigkeit und beim Säugen
  • bei Krankheit
  • bei Stress

Kaninchen, die hauptsächlich mit Trockenfutter ernährt werden und auf eine artgerechte Fütterung umgestellt werden sollen, müssen sehr langsam entwöhnt werden. Die Kraftfuttermenge wird dabei täglich nur sehr leicht reduziert und andere Futtermittel verstärkt angeboten. Die Futterumstellung sollte mindestens vier Wochen dauern!

Stand: 13.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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