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Katze: Erbrechen

Allgemeines

Weitere Bezeichnungen: Emesis, Vomitus, Übergeben

Erbrechen ist im eigentlichen Sinne ein Symptom, das durch eine Vielzahl von Ursachen hervorgerufen werden kann. Es gehört neben Durchfall zu den am häufigsten vorgestellten Krankheitszeichen in der tierärztlichen Praxis. Der Brechvorgang ist durch drei typische Phasen gekennzeichnet:

  • Übelkeit: Übelkeit macht sich bei der Katze durch Belecken der Lippen, Speicheln, vermehrtes Schlucken, Kauen, Ängstlichkeit und Zittern oder Lustlosigkeit bemerkbar.
  • Würgen: Bei geschlossenem Maul kontrahiert sich die Muskulatur des Zwerchfells und des Bauches. Der Brustkorb wird dadurch weit, der Bauch zieht sich zusammen. Durch diesen Vorgang wird der Mageninhalt in die Speiseröhre transportiert.
  • Erbrechen: Nach dem Würgevorgang öffnet sich das Maul und der Mageninhalt wird ausgeworfen. Anschließend kommt es meist zu einem intensiven Lecken und Schlucken.

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen so genanntem physiologischen Erbrechen und krankhaftem Erbrechen.

Physiologisches Erbrechen ist ein normaler Reinigungsprozess des Körpers, um den Magen beispielsweise von Haaren oder unverdaulichen Pflanzen zu befreien. Es tritt bei Katzen sehr häufig auf, da sie ihre Beutetiere nicht vollständig verdauen können oder bei der Fellpflege zu viele Haare aufnehmen. Es ist dann für eine Katze viel einfacher zu erbrechen, als die unverdaulichen Bestandteile durch den gesamten Darm zu transportieren.

Abb. FZ76H32A
Abb. FZ76H32A: Haarballen.
Typisches Bild eines erbrochenen Haarballens – im Allgemeinen kein Grund zur Sorge.

Krankhaftes (pathologisches) Erbrechen kann akut oder chronisch sein. Als akutes Erbrechen bezeichnet man über ein bis zwei Tage andauernde Erkrankungen. Als chronisches oder wiederkehrendes Erbrechen werden Zustände bezeichnet, die über mindestens zwei Wochen, auch mit Unterbrechungen, zu Krankheitserscheinungen führen.

Erbrechen muss unbedingt vom so genannten Regurgitieren abgegrenzt werden. Dabei wird Nahrung, die in der Speiseröhre lag und den Magen noch nicht erreicht hatte, ausgespuckt. Regurgitieren ist ein wichtiges Symptom bei Fremdkörpern in der Speiseröhre. Regurgitierende Katzen leiden nicht an Übelkeit und würgen auch nicht unbedingt. Der Speisebrei wird mit Hilfe der Schwerkraft nach außen befördert, beispielsweise durch das Absenken des Kopfes, und nicht durch die Muskulatur von Bauchraum und Zwerchfell. Die Nahrung ist nur durch die Zähne zerkleinert und mit Speichel durchsetzt, es hat noch keine Verdauung stattgefunden.

Ursachen

Erbrechen kann durch den Magen selbst oder durch Störungen außerhalb des Magens hervorgerufen werden.

Im Magen lokalisierte Ursachen für Erbrechen:

Erbrechen als Begleiterscheinung von:

Ansteckung

Durch Viren oder Bakterien verursachtes Erbrechen kann – wie eine Magen-Darm-Grippe des Menschen – ansteckend sein. Auch andere Infektionskrankheiten und Parasiten werden von Katze zu Katze übertragen.

Leitsymptom

  • Erbrechen

Symptome

Erbrechen kann bei ansonsten völlig ungestörtem Allgemeinbefinden auftreten oder auch von Störungen des Allgemeinbefindens begleitet sein. Typische Störungen des Allgemeinbefindens bei Erbrechen sind Fieber, Durchfall, Schwäche oder Atemnot.

Länger andauerndes Erbrechen kann – besonders bei Welpen oder älteren Tieren – durch große Flüssigkeitsverluste schnell zu einem lebensbedrohlichen Zustand führen. Beim Erbrechen wird immer auch Magensäure ausgeschieden, die einen sauren pH-Wert besitzt. Es können so Verschiebungen des pH-Wertes des gesamten Körpers entstehen. Zusätzlich gehen dem Organismus durch das Erbrechen wichtige Mineralstoffe, wie Kalium und Chlorid, verloren.

In Einzelfällen gelangt Erbrochenes versehentlich über die Luftröhre in die Lunge und es entsteht eine so genannte Verschluckpneumonie (Aspirationspneumonie).

Diagnose

Nicht jedes Erbrechen einer Katze muss einem Tierarzt vorgestellt werden. Eine tierärztliche Kontrolle sollte jedoch erfolgen, wenn

  • länger als einen Tag mehrmals erbrochen wird,
  • über mehrere Tage hinweg oder in regelmäßigen Abständen Erbrechen auftritt,
  • das Allgemeinbefinden der Katze gestört ist (Apathie, Fieber, Durchfall, Schmerzen),
  • die Katze keine Flüssigkeit mehr bei sich behält,
  • sowie grundsätzlich bei Welpen und älteren Katzen.

Die Diagnose Erbrechen ist einfach und schnell gestellt, es dauert jedoch meist einige Zeit, die genaue Ursache für das Erbrechen herauszufinden und die erforderliche Behandlung festzulegen. Die diagnostischen Möglichkeiten bei Erbrechen sind vielfältig. Daher sind der Vorbericht zur Fütterung, verabreichte Medikamente und insbesondere die letzte Entwurmung wichtige Informationen für den Tierarzt. Je schwerer der Verlauf des Erbrechens und je kranker das Tier, desto umfangreicher werden die anschließenden Untersuchungen ausfallen.

Folgende Untersuchungen können in Betracht gezogen werden:

  • Kotuntersuchung: Da häufig Wurmbefall das Erbrechen verursacht oder den Krankheitsverlauf zumindest beeinflusst, können Kotuntersuchungen durchgeführt werden.
  • Blutuntersuchungen: Routine-Blutuntersuchungen geben Hinweise auf Entzündungsgeschehen, Allergien und Parasitenbefall. Zusätzlich können so genannte Organ-Profile die Funktion einzelner Organe wie Leber, Niere usw. überprüfen.
  • Harnuntersuchungen: Die Zusammensetzung des Harns gibt wichtige Hinweise auf die Funktion einiger innerer Organe (Niere, Nebenniere).
  • Röntgen: Mit Hilfe von Röntgenaufnahmen können beispielsweise Fremdkörper oder ein Darmverschluss sichtbar gemacht werden. Zur besseren Darstellung kann der Katze vorher ein Kontrastmittel verabreicht werden.
  • Ultraschall: Eine Ultraschalluntersuchung erlaubt eine Beurteilung aller inneren Organe.
  • Endoskopie : Unter Narkose wird der Katze eine kleine Kamera über Maul und Speiseröhre in den Magen eingeführt. Der Tierarzt kann so die gesamte Schleimhaut des Magens und des oberen Dünndarms untersuchen und Gewebeproben entnehmen.
  • Probelaparotomie (diagnostische Eröffnung des Bauchraums): Bei einer Probelaparotomie wird unter Narkose die Bauchhöhle der Katze eröffnet. Das ermöglicht die genaue Untersuchung aller im Bauchraum liegenden Organe.

Behandlung

Anhaltendes Erbrechen und Erbrechen, das von Fieber, Durchfall, Schwäche, Atemnot oder Blutbeimengungen begleitet wird, muss unbedingt tierärztlich behandelt werden. Der Tierarzt oder die Tierärztin richten die Behandlungsmaßnahmen am Verlauf und dem Schweregrad des Erbrechens sowie dem individuellen Zustand (Alter, Allgemeinbefinden) der Katze aus.

Die symptomatische Therapie, also die Behandlung der Folgen des Erbrechens, erfolgt durch Flüssigkeitsersatz, Diät sowie mit Medikamenten, die das Brechzentrum steuern oder die Schleimhaut schützen können. Zusätzlich ist eine so genannte kausale Therapie notwendig, die die Grunderkrankung durch eine gezielte Therapie (Medikamente, Operation) behandelt.

Bei Erbrechen, das erst weniger als 24 Stunden andauert und ohne Begleiterkrankungen auftritt, kann ein Therapieversuch ohne endgültige Diagnose durchgeführt werden. Der Katze wird für etwa 24 Stunden nur Wasser angeboten und keine Nahrung gegeben. Der Magen kann sich während dieser Zeit beruhigen. Auch Freigänger sollten während des Nahrungsentzugs im Haus behalten werden. Wenn sie sich auch nur ein bisschen besser fühlen, wird sonst gleich bei den Nachbarn gefressen! Tritt während dieser Fastendauer kein erneutes Erbrechen auf, kann langsam mit einem selbstgekochten Diätfutter angefüttert werden. Dafür wird sehr weich gekochter Reis mit gekochter Hühnerbrust vermischt. Diese fettarme Mischung ist im Magen leicht verdaulich. Sie versorgt die Katze mit Energie, ohne den Organismus stark zu belasten. Der Katze werden von dieser Futtermischung über den Tag verteilt einige Esslöffel angeboten. Die Menge kann bei gutem Vertragen erhöht werden. Wenn die normale Futtermenge erreicht ist, ohne dass erneut erbrochen wurde, kann langsam das gewohnte Futter untergemischt werden.

Prognose

Einfaches Erbrechen ist meist nach einigen Tagen ausgestanden. Bei Erbrechen, das durch ein anderes Grundleiden ausgelöst wird, ist die Prognose sehr unterschiedlich.

Vorbeugung

Entwurmen Sie Ihr Tier regelmäßig! Parasiten sind eine häufige Ursache von Erbrechen und belasten das Abwehrsystem Ihrer Katze auch bei anderen Infektionen.

Tipps

Erbrechen führt zu Flüssigkeitsverlusten, die ausgeglichen werden müssen. Folgendes Rezept der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kann bei Erbrechen und Durchfällen immer als Alternative zu Trinkwasser angeboten werden:

  • 1l gekochtes Wasser
  • 2/3 Teelöffel Salz
  • 1/2 Teelöffel Backpulver
  • 400ml Apfelsaft
  • 4 Teelöffel Honig oder Traubenzucker

Neben Flüssigkeitsverlusten werden so auch einige Mineral- und Nährstoffverluste ausgeglichen.

ACHTUNG

Bei Welpen und älteren Katzen führt Erbrechen sehr schnell zu hohen Flüssigkeitsverlusten. Sie sollten daher keine eigenen Therapieversuche unternehmen, sondern immer sofort eine Tierarztpraxis aufsuchen.

Stand: 29.01.2013, © Copyright by www.enpevet.de
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