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Hund: Zahnstein

Allgemeines

In diesem Artikel geht es neben Zahnstein auch um die Themen Zahnfleischentzündung (Gingivitis), Plaque und Parodontitis.

Die unten angeführte Abbildung zeigt die anatomischen Gegebenheiten des Hundegebisses.

Abb. FZB1AY89
Abb. FZB1AY89: Schematitsche Darstellung des Gebisses eines Hundes.

Abb. FZB1MTLD
Abb. FZB1MTLD: Schematische Darstellung eines Zahns und seiner Verankerung in Zahnfleisch und Kieferknochen.

Ursachen

Die meisten Zahnsteinerkrankungen entwickeln sich aus so genannten Plaques. Plaques sind Ansammlungen von Futterresten, Schleimhautzellen und Bakterien, die beim Menschen durch regelmäßiges Zähneputzen entfernt werden. Bei Hunden werden diese Auflagerungen jedoch nur teilweise durch härteres Futter oder Knochenkauen beseitigt. Durch Mineralien aus dem Speichel verkalken diese Plaques innerhalb kürzester Zeit und werden so zu Zahnstein.

Die Zahnsteinauflagerungen scheuern am Zahnfleischrand und ermöglichen so die Ansiedlung von Bakterien. Es entstehen Zahnfleischentzündungen (Gingivitiden). Zusätzlich bilden sich im Zahnfleisch so genannte " Taschen". In diesen Zahnfleischtaschen sammeln sich weitere Bakterien und Futterreste und verschlimmern die Entzündung. Langfristig zieht sich das Zahnfleisch dadurch immer weiter zurück und legt die Zahnhälse und schließlich auch die Zahnwurzel frei, man spricht dann von einer Paradontitis. Die Zähne verlieren ihre Halterung im Knochen, werden locker und fallen aus oder müssen gezogen werden.

Leitsymptom

  • Mundgeruch

Symptome

Leichte Zahnfleischentzündungen bereiten oft keine Schmerzen beim Fressen und können dem Besitzer dadurch lange verborgen bleiben. Unangenehmer Geruch aus dem Maul ist zwar ein typisches Symptom für Zahnstein, die Hundebesitzer deuten dies jedoch häufig als Altersproblem oder führen es auf die Fütterung zurück. Erst wenn Futter verweigert wird, Blutungen im Maul oder Störungen des Allgemeinbefindens auftreten, werden die meisten Hunde in der tierärztlichen Praxis vorgestellt.

Abb. FZB1Q1QL
Abb. FZB1Q1QL: Leichte Zahnsteinbildung.
Bei diesem Patienten sind erst wenige Zähne von Zahnstein betroffen.

Abb. FZ5AF1LB
Abb. FZ5AF1LB: Mittelstarke Zahnsteinbildung.
Alle Zähne sind bei diesem Hund bereits von Zahnstein betroffen.

Abb. FZB1SL0X
Abb. FZB1SL0X: Massiver Zahnsteinbefall.
Bei diesem Hund weisen alle Zähne einen massiven Befall mit Zahnstein auf.

Diagnose

Die Untersuchung der Maulhöhle reicht aus, um die Diagnosen Zahnstein und Zahnfleischentzündungen zu stellen. Durch spezielle Färbelösungen und Lampen können auch versteckte Beläge anschaulich dargestellt werden. Das ganze Ausmaß der Erkrankung lässt sich bei den meisten Tieren allerdings nur unter Narkose beurteilen, wenn die gesamte Maulhöhle eingehend inspiziert werden kann.

Behandlung

Die Behandlung von Zahnstein richtet sich nach dem Stadium der Erkrankung:

Bei anfänglich geringen Belägen kann durch regelmäßiges Reinigen der Zähne mit Zahnbürste und spezieller Hundezahnpaste versucht werden, die Zahnsteinbildung aufzuhalten. Bei sehr ruhigen Hunden kann auch eine manuelle Entfernung mit Zahnreinigern ohne Narkose versucht werden.

Massiver Zahnstein muss jedoch unter Narkose des Hundes, meist mit Hilfe von Ultraschall, entfernt werden. Die Narkose ist unbedingt notwendig, da die Entfernung mit Ultraschall für die Hunde eine hohe Stressbelastung darstellt. Das Gerät erzeugt einerseits einen für Hunde sehr unangenehmen Lärm. Außerdem ist es schmerzhaft, wenn die Ultraschallsonde die Zähne berührt. Nur unter Narkose ist wirklich die gesamte Maulhöhle optimal zugänglich. Nach der Entfernung des Zahnstein sollten die Zähne unbedingt poliert werden, da dies die Neubildung von Zahnstein verzögert. Außerdem müssen eventuell vorliegende Zahnfleischtaschen gründlich geleert, gespült und mitunter auch chirurgisch entfernt werden. Lockere Zähne müssen meist gezogen werden. Nur in Ausnahmefällen, bei hochgradigen wiederkehrenden Entzündungen, kann das Ziehen sämtlicher Zähne notwendig sein.

Häufig werden die Hunde bereits vor der Zahnbehandlung antibiotisch versorgt. Dies ist einerseits wichtig für den Hund, da es durch die Behandlung zu einer Ausschwemmung der Bakterien in den Körper (Bakteriämie) kommt. Entzündungen der Nieren, Leber und vor allem der Herzklappen können so vermieden werden. Andererseits ist dies auch wichtig für den Tierarzt, die Tierärztin und die tierärztliche Fachangestellte, die trotz Atemschutz während der Entfernung des Zahnsteins einer sehr hohen Keimbelastung ausgesetzt sind. Die Behandlung mit einem Antibiotikum wird nach dem Eingriff fortgesetzt.

Prognose

Die Entfernung des Zahnsteins durch den Tierarzt oder die Tierärztin muss bei den betroffenen Hunden meist regelmäßig wiederholt werden. Die Abstände zwischen den Behandlungen können jedoch durch entsprechende Zahnpflege vergrößert werden.

Vorbeugung

Regelmäßiges Zähneputzen, die Fütterung von Trockenfutter und das Füttern von Knochen oder Kollagensticks können der Bildung von Zahnstein vorbeugen.

In seltenen Fällen mit hochgradigen, wiederkehrenden Entzündungen kann das Ziehen sämtlicher Zähne notwendig werden. Nur die Eckzähne sollten möglichst erhalten bleiben.

Tipps

Kontrollieren Sie die Zähne Ihres Hundes! Das Öffnen des Fanges sollte von Ihnen regelmäßig geübt werden, damit der Hund dies in Notfällen oder auch beim Tierarztbesuch ohne Probleme toleriert. Dabei können Sie sich die Zähne und das Zahnfleisch genau ansehen und bei Auffälligkeiten rechtzeitig handeln.

ACHTUNG

Die Bakterien aus der Maulhöhle können „streuen“ und zu Entzündungen von Herz, Nieren und anderen lebenswichtigen Organen führen! Deswegen ist eine Zahnstein-Behandlung auch dann sinnvoll, wenn Ihr Hund noch keine hochgradigen Entzündungen aufweist und ganz normal fressen kann.

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Stand: 20.11.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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18.08.2012: Emspfoten
Zahnstein ist ein immer wiederkehrendes Thema. Dabei kann die Vorbeugung so einfach und "lecker" sein - füttern sie mehrmals wöchentlich Dinge, an denen ihr Hund kauen und reissen kann wie z.B. (rohe) Kehlköpfe, Rinderkopfhaut oder (rohe!) Knochen mit Fleischanteil.
Ihrem Hund wird diese Nahrung schmecken und der Zahnstein hat keine Chance!
Viele Grüsse aus Rheine senden die Emspfoten Janine mit Günther, Antje und Mila
www.hundeschule-rheine.de

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