petSpot
enpevetenpevita

Hund: Wurmbefall

Allgemeines

Weitere Bezeichnung: Verwurmung

In diesem Artikel werden Spulwürmer, Hakenwürmer, Peitschenwürmer und Bandwürmer des Hundes beschrieben.

Entgegen der noch immer landläufigen Meinung, „die Würmer könnte man doch sehen“, bleibt auch massiver Wurmbefall für den Besitzer in den meisten Fällen unsichtbar!

Würmer durchlaufen in ihrer Entwicklung verschiedene Stadien: aus einem mikroskopisch kleinen Wurmei bildet sich eine Larve, die mit bloßem Auge nicht zu erkennen ist. Diese Wurmeier oder Larven werden vom Hund, beispielsweise durch Schnuppern an fremden Kot oder durch das Fressen einer Maus, aufgenommen. Im Hund vollzieht sich dann die Weiterentwicklung zum ausgewachsenen Wurm. Der ausgewachsene Wurm parasitiert im Darm und produziert Eier, die zumeist mit dem Kot des Hundes verbreitet werden. Ausgewachsene Würmer werden lebend nur in Ausnahmefällen mit dem Kot ausgeschieden. Nach einer Behandlung mit geeigneten Mitteln werden sie tot ausgeschieden.

Abb. GBW2HY9K
Abb. GBW2HY9K: Spulwürmer
Solche Spulwürmer können im Kot nur NACH einer Wurmkur gesehen werden, normalerweise werden nur die mikroskopisch kleinen Wurmeier ausgeschieden.

Eine Ausnahme bildet der häufigste Bandwurm des Hundes, Dipylidium caninum, der auch Gurkenkernbandwurm genannt wird. Etwa reiskorngroße Glieder des Bandwurms werden regelmäßig mit dem Kot ausgeschieden und können im Fell um den After des Hundes beobachtet werden.

Abb. GBVZSFCC
Abb. GBVZSFCC: Gurkenkernbandwurm (Dipilidium caninum)
Deutlich sichtbar sind auf dieser Abbildung die noch zusammenhängenden, aber auch einzeln beweglichen Glieder des Gurkenkernbandwurms. Die einzelnen Glieder sind etwas reiskorngroß. Durch die Eigenbewegung führen sie häufig zu starkem Juckreiz.

Wurmbefall schadet dem Hund!

Das Abwehrsystem des Hundes wird bereits durch geringen Wurmbefall belastet. Der Hund kann dadurch auf andere Infektionen nicht mehr ausreichend reagieren. Außerdem fressen die Parasiten im Darm mit dem Hund um die Wette und führen so zu Nährstoffmangel. Stumpfes Fell ist beispielsweise ein sichtbares Zeichen dafür.

Verdauungsstörungen, Darmentzündungen sowie ein Darmverschluss können ebenfalls durch den Befall mit Würmern ausgelöst werden (siehe auch Symptome).

Wurmbefall schadet auch dem Menschen!

Verschiedenen Untersuchungen zufolge haben 50% aller Hunde Wurmeier im Fell! Diese können beim Kuscheln im Bett oder Knuddeln mit Kindern leicht auf den Menschen übertragen werden. Nimmt ein Mensch Spulwurmeier oder Eier von Hakenwürmer auf, kann es zu einer Wanderung der Larven in Gewebe und Organe kommen, wodurch Nervenbahnen, Auge und Gehirn Schaden nehmen können.

Bei der Aufnahme von Gliedern des kleinen Fuchsbandwurms (Echinococcus multilocularis) können sich sogar lebensbedrohliche Erkrankungen durch Zystenbildung in Leber und Lunge entwickeln.

Abb. GBW14L2E
Abb. GBW14L2E: Wanderung eines Hakenwurms.
Kaum zu erkennen, aber dies ist ein Männerarm! Hier haben sich die Bohrgänge eines Hakenwurms entzündet und zu hochgradigen Schwellungen geführt.

Ursachen

In Mitteleuropa sind vor allem Spulwürmer, Hakenwürmer, Peitschenwürmer und Bandwürmer für den Hund – und manchmal auch für den Menschen – gefährlich.

Spulwürmer (Askariden, Toxascaris leonina, Toxocara canis)

Spulwürmer sind die häufigsten Darmparasiten des Hundes. Im Darm des Hundes parasitieren die Würmer und nehmen dem Hund wichtige Nährstoffe weg. Einige Larven wandern auch in die Muskulatur und kapseln sich dort ab. Dies ist besonders bei tragenden Hündinnen ein Problem. Durch die hormonellen Veränderungen während der Trächtigkeit werden diese Larven aktiviert und wandern in die Milchdrüse oder in die Gebärmutter. So werden die Welpen bereits im Mutterleib oder über die Muttermilch mit Larven infiziert.

Hakenwürmer (Ankylostomen, Ancylostoma caninum, Uncinaria stenocephala)

Auch Hakenwürmer können bereits von der Mutter mit der Milch auf die Welpen übertragen werden. Larven von Hakenwürmern können jedoch auch von außen durch die Haut in den Körper eindringen und in den Darm wandern. Im Darm saugen sie sich mit spitzen Mundwerkzeugen an der Darmwand fest und ernähren sich von Blut.

Abb. GBW20QLE
Abb. GBW20QLE: Hakenwurm Ancylostoma caninum, Rasterelektronenmikroskop (REM).
Das Vorderende von Hakenwürmern besitzt so genannte Schneiden, mit denen sich die Würmer in der Darmwand ansaugen. Da sie meist in großer Zahl auftreten, können die Blutverluste tödlich sein.

Peitschenwürmer (Trichuris vulpis)

Peitschenwürmer werden meist durch mit Kot verschmutzem Wasser (Pfützen) oder Nahrung aufgenommen. Sie leben im Enddarm, wo das dünne Vorderende des Wurms in die Schleimhaut eindringt.

Bandwürmer (Hunde- und Fuchsbandwürmer (Echinococcus-Arten), Fischbandwurm, Gurkenkernbandwurm (Dipylidium caninum), Bandwürmer der Gattung Taenia, Mesocestoides-Arten)

Einige Bandwurm-Arten werden über Schlachtabfälle, rohes Fleisch, Fisch oder Mäuse und Ratten übertragen. Andere Bandwurm-Arten leben als Zwischenstadien in Flöhen und Haarlingen und werden beim Putzen und Lecken von den Hunden aufgenommen. Bandwürmer führen zu hochgradigen Entzündungen im Darm.

Abb. GF0R54A5
Abb. GF0R54A5: Fuchsbandwurm (Echinococcus multilocularis).

Symptome

Hunde mit Wurmbefall zeigen meist Abmagerung trotz gutem Appetit, wiederkehrende Durchfälle oder Erbrechen. Die Symptome sind bei Welpen besonders ausgeprägt. Welpen mit Wurmbefall fallen häufig durch einen prallen, geblähten „ Wurmbauch“ auf.

Bei Befall mit Haken- oder Peitschenwürmern kann es auch zu Blutarmut kommen, da diese Würmer im Darm Blut saugen. Massiver Befall mit diesen Würmer kann tödlich sein.

Einige Bandwürmer verursachen einen starken Juckreiz am After, den die Hunde durch „ Schlittenfahren“ zu lindern versuchen. Dabei rutschen die Hunde mit dem After auf dem Boden.

Bei erwachsenen, gesunden Hunden kann Wurmbefall jedoch völlig ohne Symptome bleiben. Die Würmer schwächen dann das Abwehrsystem des Hundes, manche sind zudem eine gefährliche Ansteckungsquelle für den Menschen.

Diagnose

Die Diagnose eines Wurmbefalls wird über Kotuntersuchungen gestellt. Hierzu sollte Kot über drei Tage gesammelt und vom Tierarzt mikroskopisch untersucht werden. Anhand der Eier und Larven können die verschiedenen Wurm-Arten unterschieden werden.

Allerdings scheiden nicht alle Hunde, die von Würmern befallen sind, auch Eier oder Larven aus. Das kann mehrere Gründe haben:

Präpatenz: Als Präpatenz bezeichnet man die Zeit zwischen der Aufnahme der infektionstüchtigen Eier oder Larven bis zum Zeitpunkt des ersten Auftretens von Eiern oder Larven im Kot. Während dieser Zeit entwickelt sich in dem Hund der erwachsene Wurm, der erst nach Abschluss seiner Entwicklung Eier ausscheidet.

Ruhephase: Einige Wurmlarven machen Ruhephasen durch, d.h. sie bleiben eine Zeitlang Larve, bevor sie sich zum erwachsenen Wurm weiterentwickeln. Diese Larven können aber ihren Wirt schädigen, da sie sich durch verschieden Organe bohren und dort Schäden anrichten können.

Unregelmäßige Wurmausscheidung: Besonders Bandwürmer scheiden sehr unregelmäßig die mit Eiern gefüllten Glieder aus.

Behandlung

Würmer können mit verschiedenen Medikamenten in Form von Pasten, Tabletten oder Spot-on-Präparaten abgetötet werden. Nicht jeder Wirkstoff ist für jede Wurmart geeignet und nicht jede Entwicklungsstufe der Würmer wird immer erreicht. Daher sollte genau festgelegt werden, welches Medikament zu welchem Zeitpunkt verabreicht werden muss.

Die aktuellen Empfehlungen der europäischen veterinärparasitologischen Organisation (ESCCAP) zur Entwurmung von Hunden lauten:

  • Ab der 2. Lebenswoche alle 2 Wochen bis 2 Wochen nach der letzten Muttermilch: Behandlung gegen Spul- und Hakenwürmer. Anschließend mindestens alle 3 Monate gegen Spul- und Hakenwürmer behandeln.
  • Nimmt der Hund rohes Fleisch auf, wird zur Jagd genutzt oder hat Gelegenheit durch unbeaufsichtigtes Spiel kleine Nagetiere oder Aas zu fressen, sollte alle 4 – 6 Wochen eine Behandlung gegen Bandwürmer erfolgen. Sonst sollte vorbeugend alle 3 Monate gegen Bandwürmer behandelt werden.
  • Hunde, die engen Kontakt mit Kleinkindern haben, sollten generell alle 4 Wochen gegen alle oben genannten Würmer behandelt werden!

Einige Hundebesitzer ziehen Kotuntersuchungen einer regelmäßigen, prophylaktischen Entwurmung vor. Ein negatives Ergebnis der Kotuntersuchung – d.h. keine Wurmeier wurden gefunden – gibt jedoch keine 100%ige Sicherheit, dass der Hund nicht mit Würmern infiziert ist! Es kann durchaus sein, dass zufällig keine Wurmeier gefunden wurden, da diese nicht bei jedem Kotabsatz ausgeschieden werden. Für Kotuntersuchungen sollte deswegen der Kot immer über mindestens drei Tage gesammelt werden.

Wurmkuren haben keine vorbeugende Wirkung! Sie wirken immer nur am jeweiligen Tag und erreichen daher immer nur die Würmer, die bereits ein gewisses Entwicklungsstadium erreicht haben. Eier und Larven werden – je nach gewähltem Medikament – nicht abgetötet und entwickeln sich weiter zu erwachsenen Würmern, die dann erneut Eier ausscheiden.

Vorbeugung

Neben regelmäßigen Entwurmungen können folgende Maßnahmen einer Ansteckung von Mensch und Tier vorbeugen:

  • Im Zwinger sollten alle Böden leicht zu reinigen sein. Kot muss täglich beseitigt werden und der gesamte Zwinger sollte wöchentlich mit heißem Wasser (mind. 60°C) gewaschen werden. Auch regelmäßige Desinfektionen sollten durchgeführt werden.
  • Insbesondere in Städten sollte Kot sofort mit einer Plastiktüte o.ä. entfernt werden – auch hinter einem Busch!
  • Hunde sollten grundsätzlich von Sandkästen und Spielplätzen ferngehalten werden, da sich dort besonders Kleinkinder häufig anstecken.

Tipps

Sollte Ihr Hund Sie in den Urlaub begleiten, können neben den bisher angeführten Würmern noch andere Endoparasiten gefährlich sein. Herzwürmer treten beispielsweise in Südeuropa auf. Ihr Tierarzt kann Sie umfassend beraten, welche Schutzmaßnahmen Sie im Ausland ergreifen sollten.

Stand: 13.10.2012, © Copyright by www.enpevet.de
Jetzt mitdiskutieren!
10.07.2015: Jadelinde
Ist weicher Kot oder gar Durchfall ein Hinweis auf Würmer?
Sind Giardien nicht noch gefährlicher? Und dagegen helfen doch die meisten Wurmkuren gar nicht.
Was ist von Futter oder Nahrungsergänzungsmitteln zu halten, die gegen Würmer helfen sollen?

Das von der enpevet GmbH bereitgestellte Informationsangebot ist ausschließlich zu Informationszwecken bestimmt und ersetzt in keinem Falle eine persönliche Beratung, Untersuchung oder Diagnose durch einen Tierarzt. Die Informationen dienen also der Ergänzung des Dialogs zwischen Tierhalter und Tierarzt, sie können den Tierarztbesuch in keinem Falle ersetzen. enpevet® fordert alle Benutzer, deren Tiere Gesundheitsproblemen haben dazu auf, im Bedarfsfall immer einen Tierarzt aufzusuchen. Wenn Sie bezüglich der Gesundheit Ihres Tieres Fragen haben, raten wir Ihnen, sich an den Tierarzt Ihres Vertrauens zu wenden, anstatt Behandlungen eigenständig zu beginnen, zu verändern oder abzusetzen. Der Inhalt von enpevet® kann und darf nicht für die Erstellung eigenständiger Diagnosen oder für die Auswahl und Anwendung von Behandlungsmethoden verwendet werden.