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Hund: Wobbler-Syndrom

Allgemeines

Weitere Bezeichnungen: Kompressionssyndrom der kaudalen Halswirbelsäule, kaudale zervikale Spondylomyelopathie

Die Wirbelsäule eines Hundes besteht aus verschiedenen Abschnitten: Halswirbelsäule, Brustwirbelsäule, Lendenwirbelsäule, Kreuzbein und Schwanzwirbeln. Jeder Wirbelsäulenbereich wird durch verschieden geformte Wirbelkörper gebildet. Vom Hals bis zum Becken wird so die knöcherne Hülle des Rückenmarks gebildet. Das Rückenmark entlässt seitlich zwischen den einzelnen Wirbeln Nervenäste zur Reizweiterleitung an Muskulatur und Organe. Um eine reibungslose Bewegung der Wirbelsäule zu ermöglichen, liegen Bandscheiben (Zwischenwirbelscheiben, Disci intervertebrales) wie Stoßdämpfer zwischen den einzelnen Wirbeln. Jede Bandscheibe besteht aus einem weichen Kern (Gallertkern, Nucleus pulposus) der von einem außen liegenden Faserring (Anulus fibrosus) umhüllt ist und so in Form gehalten wird. Wirbelkörper, Bandscheiben und Rückenmark bilden sozusagen eine Einheit, die von außen noch zusätzlich durch Muskulatur, Bänder und Sehnen stabilisiert wird.

Abb. H0JD1UUA
Abb. H0JD1UUA: Schematische Darstellung der Wirbelsäule (Seitenansicht).

Ursachen

Grundsätzlich liegt beim Wobbler-Syndrom eine Veränderung im Bereich der Halswirbelsäule vor, zumeist an einem der letzten Halswirbel vor dem Übergang zur Brustwirbelsäule. Häufig liegen eine oder mehrere der folgenden Veränderungen vor:

  • Verengungen (Stenose) des Wirbelkanals
  • Missbildungen oder knöcherne Zubildungen an den Wirbelkörpern
  • Bandscheibenvorfälle
  • Instabilität der Wirbelkörper

All diese Veränderungen führen zu Druck auf das Rückenmark. Warum es zu diesen Veränderungen der Halswirbelsäule kommt, ist bisher unbekannt. Einige Hunderassen besitzen eine so genannte Prädisposition für diese Erkrankung.

Leitsymptom

  • Bewegungstörungen

Symptome

Erste Symptome eines Wobbler-Syndroms sind Bewegungsstörungen. Der Gang betroffener Hunder scheint unkoordiniert und es sieht häufig aus, als hätte der Hund Gleichgewichtsstörungen. Später treten zusätzlich Lähmungserscheinungen an den Gliedmaßen auf, die Beine knicken dadurch beim Laufen ein. Viele Hunde haben deutliche Schmerzen im Bereich der Halswirbelsäule und lassen dadurch "den Kopf hängen". Obwohl das Wobbler-Syndrom durch Druck auf das Rückenmark im Bereich der Halswirbelsäule ausgelöst wird, tauchen die beschriebenen Symptome zuerst an den Hinterläufen auf. Erst im weiteren Krankheitsverlauf sind auch die Vordergliedmaßen betroffen.

Diagnose

Die klinischen Symptome, die Rassezugehörigkeit sowie eine gründliche neurologische Untersuchung erlauben eine Verdachtsdiagnose. Eine Absicherung der Verdachtsdiagnose erfolgt mit radiologischen Untersuchungsverfahren, die meist unter Narkose durchgeführt werden müssen. Normale Röntgenaufnahmen reichen bei dieser Erkrankung häufig nicht für eine eindeutige Diagnose aus. Zusätzlich müssen meist weitere bildgebende Untersuchungsverfahren wie Myelographie, Computertomographie und Magnetresonanztomographie zur Diagnostik herangezogen werden. Bei einer Myelographie wird mit Hilfe eines Kontrastmittels der genaue Verlauf des Rückenmarks dargestellt. So können Einengungen der Nerven sichtbar gemacht werden. Eine Computertomographie (CT) stellt besonders gut die knöchernen Strukturen, also die Wirbelkörper und mögliche Zubildungen, dar. In Kombination mit den oben erwähnten Kontrastmitteln kann so auch ein Wobbler-Syndrom diagnostiziert werden. Magnetresonanztomographie (MRT) eignet sich besonders für die Darstellung von weichen Geweben wie Bandscheibe und Rückenmark und kommt daher ebenfalls zum Einsatz.

Abb. H0M85UU4
Abb. H0M85UU4: Myelogramm einer Halswirbelsäule.
Das Kontrastmittel umhüllt das Rückenmark im Wirbelkanal und zeigt deutliche Einengungen, die das Wobbler-Syndrom auslösen können.

Behandlung

Bei leichten Fällen eines Wobbler-Syndroms kann mit Hilfe von entzündungshemmenden Medikamenten, Schmerzmitteln und Schonung eine vorübergehende Besserung erzielt werden. In den meisten Fällen kann jedoch nur ein komplizierter chirurgischer Eingriff eine langfristige Linderung verschaffen. Die Art der Operation hängt natürlich davon ab, wodurch das Rückenmark eingeengt wird. In den meisten Fällen wird versucht, die Halswirbel mit "Abstandshaltern" zu versteifen.

Prognose

Grundsätzlich ist die Prognose eines Wobbler-Syndroms eher ungünstig – auch wenn ein chirurgischer Eingriff erfolgt. Die Prognose verschlechtert sich zusätzlich, wenn bereits Lähmungserscheinungen aufgetreten sind.

Vorbeugung

Hunde, bei denen ein Wobbler-Syndrom aufgetreten ist, müssen von der Zucht ausgeschlossen werden!

Bei prädisponierten Hunderassen sollte in der Wachstumsphase die Fütterung sehr kontrolliert erfolgen, insbesondere die Versorgung mit Mineralstoffen wie Kalzium!

Stand: 26.11.2012, © Copyright by www.enpevet.de
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