petSpot
enpevetenpevita

Hund: Harnwegsobstruktion

Allgemeines

Weitere Bezeichnung: Harnwegverlegung

Als Harnwege werden Harnleiter (Ureter), Harnblase (Vesica urinaria) und Harnröhre (Urethra) bezeichnet. Die Harnwege transportieren den in den Nieren gebildeten Harn nach außen. Blase und Harnröhre werden zusammen auch als untere Harnwege bezeichnet.

Bei einer Harnwegobstruktion kommt es zu einer Verstopfung (Obstruktion) der Harnwege. Meistens ist eine Harnsteinerkrankung (Urolithiasis) die Ursache für den Verschluss. Als Harnsteine werden Steine unterschiedlicher Größe und Form bezeichnet, die sich in den Nieren (Nierensteine) und den harnableitenden Wegen bilden können. Zuerst bildet sich so genannter Harngrieß, der wie feiner Sand aussieht. Diese Grießkörner können sich zusammenlagern und Harnsteine bilden. Harnsteine und Harngrieß werden auch als Harnkonkremente bezeichnet. Rüden besitzen eine lange und enge Harnröhre und sind dadurch von Harnwegobstruktionen besonders häufig betroffen.

Harngrieß und Harnsteine reizen die mit Schleimhaut ausgekleideten Harnwege. An diesen kleinen Verletzungen können sich Bakterien anlagern und zu Harnwegsinfektionen führen.

Abb. FZB0N3VD
Abb. FZB0N3VD: Schematische Übersicht der Harn- und Geschlechtsorgane bei Rüden.
Der Weg von der Blase bis zur Eichel, der Mündung der Harnröhre, ist sehr lang.

Abb. FZB0P2XD
Abb. FZB0P2XD: Schematische Übersicht der Harn- und Geschlechtsorgane bei weiblichen Hunden.
Die Harnröhre, die Verbindung zwischen Blase und Scheide, ist nur sehr kurz.

Ursachen

Häufige Ursachen für Harnsteinerkrankungen sind:

  • übermäßiger oder unausgewogener Gehalt von Mineralstoffen im Futter
  • übermäßige Fütterung eines Futtermittels mit eigentlich ausgewogenem Verhältnis von Mineralstoffen
  • angeborene Stoffwechselstörung bei einigen Hunderassen
  • Folge einer Harnwegsinfektion
  • Medikamente, die den pH-Wert des Urins verändern und dadurch das Ausfällen von Mineralstoffen begünstigen

Leitsymptom

  • Harndrang
  • Schmerzen

Symptome

Die Symptome von Harnsteinerkrankungen hängen stark von der Größe der Harnsteine ab:

Harngrieß und kleinere Harnsteine, die nicht zu einer vollständigen Obstruktion der Harnwege führen, können klinisch nur schwer von einer Harnwegsinfektion unterschieden werden. Es besteht häufiger Harndrang, der Urin ist trüb und blutig. Der Harnabsatz ist für den Hund meist sehr schmerzhaft.

Bei einem vollständigen Verschluss der Harnwege staut sich der Harn über die Harnleiter bis in die Nieren. Die Nieren können dann keinen Harn mehr produzieren und somit auch keine Gifte mehr aus dem Blut filtern. Es entsteht eine Harnvergiftung (Urämie), die innerhalb weniger Tage tödlich ist. Das auffälligste Symptom einer vollständigen Harnwegobstruktion ist der fehlende Harnabsatz des Tieres. Zusätzlich ist das Allgemeinbefinden hochgradig gestört und die Tiere haben starke Schmerzen im Bauchraum.

Sehr selten kommt es zum Reißen der geschädigten Blase. Der Durchbruch von Blaseninhalt in die Bauchhöhle ist ein plötzliches, sehr schmerzhaftes Ereignis: die Tiere stehen mit aufgekrümmtem Rücken, verweigern jede Bewegung und müssen sofort tierärztlich versorgt werden.

Diagnose

Der Vorbericht der Hundebesitzer erlaubt schnell den Verdacht einer Harnwegserkrankung. Bei der klinischen Untersuchung des Hundes sind die prall gefüllte Blase und die Schmerzhaftigkeit des Bauches auffällig. Der Harn kann mit Hilfe von so genannten Harnsticks auf Blut und Entzündungszellen untersucht werden. Eine mikroskopische Untersuchung des Harns kann auf Harnsteine hinweisen. Durch Röntgen oder Ultraschall können Harnsteine sichtbar gemacht werden.

Harnsteine können auch zufällig bei Röntgen- oder Ultraschalluntersuchungen anderer Organe gefunden werden, ohne dass bisher Symptome aufgetreten sind.

Abb. GSSL6K5Q
Abb. GSSL6K5Q: Blasenstein.
In diesem Ultraschallbild sieht man einen rundlichen Stein (Pfeil) in der Harnblase. Der Urin in der Harnblase stellt sich im Ultraschallbild dunkel dar.

Abb. FZB0TVEX
Abb. FZB0TVEX: Blasensteine.
Auf diesem Röntgenbild sind Blasensteine verschiedener Größe deutlich sichtbar.

Behandlung

Der erste Behandlungsschritt ist die Wiederherstellung des Harnabflusses. Mit Hilfe von Harnkathetern wird versucht, einen Zugang zur Blase zu schaffen. Dieser Katheter muss an der Obstruktion vorbeigeschoben werden. Wenn möglich, sollte dieser Eingriff ohne Beruhigungsmittel durchgeführt werden, um die Nieren nicht noch weiter mit der Ausscheidung eines Medikaments zu belasten. Je nach Verhalten des Hundes und Lage der Obstruktion ist dies jedoch nicht immer möglich.

Abb. FZ58W0TI
Abb. FZ58W0TI: Harnkatheter für Rüden
Dieser Harnkatheter wird durch die Penisspitze bis in die Blase vorgeschoben.
Wenn der Katheter in der Blase liegt, läuft der Harn ab. Eine Urinprobe kann gewonnen werden und beispielsweise auf Entzündungszellen und Bakterien untersucht werden. In Einzelfällen kann der Harnkatheter auch einige Tage in der Blase liegenbleiben.

Nach Entlastung der Blase werden die Nieren mit Hilfe von Infusionen wieder zur Produktion von Urin angeregt. Je nach Ergebnissen der Blutuntersuchung werden den Infusionen verschiedene Medikamente zugesetzt.

Anschließend müssen die Blasensteine oder der Harngrieß entfernt werden. Dies ist durch Spülungen, auflösende Diäten oder auch eine Operation möglich und hängt im Einzelfall von Größe, Lage und Zusammensetzung des Steins ab. Einige spezialisierte Kliniken bieten auch die Zertrümmerung der Steine mit Laser an. Die Zusammensetzung von Harnsteinen kann im Labor genau untersucht werden. Häufig kann dann mit einem speziellem Diätfutter eine erneute Bildung verhindert werden.

Harnröhre und Blase werden durch die Steine und durch die Manipulation bei der Entfernung oder Spülung stark gereizt und dadurch besonders anfällig für Infektionen. Eine antibiotische Versorgung des Tieres ist dewegen unbedingt erforderlich.

Abb. FZGMP13N
Abb. FZGMP13N: Chirugisch entfernte Blasensteine.
Je nach Zusammensetzung weisen Harnsteine eine sehr unterschiedliche Gestalt auf.

Vorbeugung

Nach der Entfernung der Harnkonkremente müssen unbedingt vorbeugende Maßnahmen ergriffen werden, um eine erneute Bildung der Harnsteine zu verhindern. Dazu ist es notwendig, die chemische Zusammensetzung bereits entfernten Harnsteine zu untersuchen. Anschließend kann die Fütterung des Hundes umgestellt werden und – bei strenger Einhaltung des Futterplans! – eine erneute Steinbildung vermieden werden.

Stand: 26.11.2012, © Copyright by www.enpevet.de
Jetzt mitdiskutieren!
- Dieser Artikel wurde noch nicht kommentiert -

Das von der enpevet GmbH bereitgestellte Informationsangebot ist ausschließlich zu Informationszwecken bestimmt und ersetzt in keinem Falle eine persönliche Beratung, Untersuchung oder Diagnose durch einen Tierarzt. Die Informationen dienen also der Ergänzung des Dialogs zwischen Tierhalter und Tierarzt, sie können den Tierarztbesuch in keinem Falle ersetzen. enpevet® fordert alle Benutzer, deren Tiere Gesundheitsproblemen haben dazu auf, im Bedarfsfall immer einen Tierarzt aufzusuchen. Wenn Sie bezüglich der Gesundheit Ihres Tieres Fragen haben, raten wir Ihnen, sich an den Tierarzt Ihres Vertrauens zu wenden, anstatt Behandlungen eigenständig zu beginnen, zu verändern oder abzusetzen. Der Inhalt von enpevet® kann und darf nicht für die Erstellung eigenständiger Diagnosen oder für die Auswahl und Anwendung von Behandlungsmethoden verwendet werden.